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Autor Thema: Entstehungsbedingungen von Rauchquarz  (Gelesen 10310 mal)

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Offline Jörg

Re: Entstehungsbedingungen von Rauchquarz
« Antwort #15 am: 30 Nov 11, 20:36 »
Ach ja, hier noch das "Vorher-Foto":

Entstehungsbedingungen von Rauchquarz

Offline Breker

Re: Entstehungsbedingungen von Rauchquarz
« Antwort #16 am: 30 Nov 11, 21:27 »
Hallo,

Ja!Das ist anders!
Das bewirkt schon der Effekt des Hochquarzes zum Tiefquarz.
Die Pegmatitbildungen und Hydrothermalen Gangquarze sind Tiefquarze(Bildung ab 573Grad abwärts),während sich das Gestein selber durch das Magma bildete.
Gruß Jens

Und wo ist der Unterschied bezüglich der radioaktiven Strahlung bzw. dem Einbau von mafischen Mineraleinschlüssen? Das in der Genese des Quarzes Unterschiede vorliegen ist mir schon bewußt.

Glück Auf!

A.B.

Offline Jochen1Knochen

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Re: Entstehungsbedingungen von Rauchquarz
« Antwort #17 am: 30 Nov 11, 22:03 »
Hallo Arno!
Der Unterschied sollte in der Menge der Gesteine-Gesteinsmassive begründet sein.
Da liegen Millionen Tonnen eines gleichförmigen Gesteins!Und dann geh mal da rum und schau mal,ob der Quarz 5km weiter eine etwas andere Färbung hat. :o
Was anderes ist das in der Restschmelze Pegmatit,wo das langsamer auskristallisiert.Da kommen die Farbzentren dann zum Vorschein.Das ganze wird eben grobkörniger und somit konzentrierter.Auch die radioaktiven Mineralanreicherungen.
Zudem hat hat Hochquarz ein weniger dichtes Gitter als Tiefquarz und auch eine geringere Dichte.Hierdurch werden Fremdstoffe leichter eingebaut als bei einem Kristallinen Tiefquarz.
Da jeder Vulkan außerdem andere Stoffe und Gase fördert,und das noch dazu in unterschiedlichen Mengen, werden natürlich in den Magmen auch unterschiedliche Stoffe und Mengen eingelagert.Dadurch entstehen ja auch die Unterschiede im Aussehen völlig gleichgestellter Gesteine.
Gruß Jens

Offline aca

Re: Entstehungsbedingungen von Rauchquarz
« Antwort #18 am: 30 Nov 11, 23:38 »
Wenn man von Bildungsbedingungen oder Entstehungsbedingung von Rauchquarz spricht, dann darf man das nicht mit den Bedingungen für das Wachstum von z.B. bestimmten Kristallformen vergleichen.

Man kann von Voraussetzungen sprechen, bei denen bestimmte Spurenelemente in den Kristallen in einem Verhältnis eingebaut werden, das die Bildung von Farbzentren erlaubt, die über einen längeren Zeitraum stabil sind.

In den Quarz muss Aluminium hinein, aber das ist nicht weiter schwierig. Im Gegenteil, es ist außerordentlich schwierig, selbst unter kontrollierten Bedingungen im Labor Quarze zu züchten, in denen kein Aluminium drin ist.
Außerdem braucht man im Gitter - und das geschieht quasi automatisch - zum Ladungsausgleich andere Kationen (H, Na, Li, etc.).

Werden solche Quarze bestrahlt, werden sie rauchfarben (unter bestimmten Bedingungen, die ich auch nicht verstehe, bilden sich Citrine oder Mischformen mit Rauchquarz).

Die Farbzentren sind mehr oder weniger hitzeempfindlich. Sie bilden sich bei erhöhten Temperaturen schneller, gehen bei den Temperaturen aber auch schneller wieder kaputt. Es wurde mal geschätzt, dass sich über 60°C keine Farbzentren auf Dauer halten (auf Dauer = geologische Zeiträume, kein Backofentest).
Deshalb sind die Kristalle während des Wachstums auch garantiert farblos, weil sie bei sehr hohen Temperaturen wachsen (100-500°C). Es sind Bedingungen denkbar, bei denen auch Rauchquarze "direkt" wachsen, etwa authigene Quarze bei niedrigen Temperaturen während der Diagenese (Quarze wachsen auch bei Zimmertemperatur, allerdings sehr langsam). Aber das ist mehr theoretisch, und authigene Rauchquarze habe ich noch nicht gesehen.
In der Praxis werden Quarze nach dem Wachstum normalerweise erst über Jahrmillionen rauchbraun (oder violett, gelb, rosa, grün bei den Quarzen mit Farbzentren). In ordentlich radioaktiver Umgebung geht es sicher auch schneller.

Und da ist es dann eigentlich egal, wo der Quarz sich gebildet hat, es ist nur wichtig, in welcher Umgebung die Quarze nach dem Wachstum sind. Wird ein farbloser Kiesel in glazialem Geschiebe mit Tiefengesteinen transportiert, kann er mit der Zeit auch rauchfarben werden.

Aber: er muss nicht braun werden.
Eigentlich müssten alle alten Quarze rauchfarben werden, ein bißchen Radioaktivität gibt es überall. Die Arkansas-Quarze sind z.B. viel älter als die aus den Alpen, und dennoch farblos (ganz wenige Ausnahmen sind leicht rauchig). Wenn man sie dann bestrahlt, werden sie tiefschwarz. Desgleichen für all die anderen Quarze, die bestrahlt braun werden, die rumänischen Artischocken-Quarze z.B.
Bambauer hat dazu mal interessante Experimente gemacht. Er hat Quarze aus den Alpen mit leicht rauchigen Zonen bestrahlt. Die leicht rauchigen Bereiche haben sich nur ein wenig verändert (etwas dunkler), aber die vorher farblosen Zonen wurden fast schwarz (so wie die Arkansas-Quarze).
Das ist natürlich seltsam, weil beide Zonen ja im Berg gleich lang bestrahlt wurden.
Der Grund ist, dass in den hellen Zonen mehr Al und H eingebaut ist, mit dem Al werden sie schön schwarz, aber das H macht die Farbzentren auf Dauer wieder kaputt. Wasserstoff ist nicht gut, denn wenn davon zuviel drin ist, sind die Farbzentren nicht stabil, weil die Protonen in dem Gitter leicht herumdiffundieren können und dabei die Farbzentren zerstören. Li und Na sind dagegen o.k., denn die sind etwas fester in bestimmten Kanälen im Gitter eingeklemmt. Zuviel Aluminium ist anscheinend auch nicht gut, denn das führt zu mehr Wasserstoff, das parallel mit eingebaut wird.
Diese spurenelement-reichen Rauchquarze sind anscheined auch relativ lichtempfindlich. Wer dagegen schon mal im Val Giuv war, weiss, dass dort Rauchquarze jahrelang in der Höhensonne rumliegen und immer noch die schöne Cognacfarbe haben. Diese sind relativ arm an Spurenelementen, insb. Wasserstoff.

Soweit mein Verständnis.
Cheers,
Amir

Offline Breker

Re: Entstehungsbedingungen von Rauchquarz
« Antwort #19 am: 01 Dez 11, 00:07 »
Hallo Jens,

Der Unterschied sollte in der Menge der Gesteine-Gesteinsmassive begründet sein.
Da liegen Millionen Tonnen eines gleichförmigen Gesteins!Und dann geh mal da rum und schau mal,ob der Quarz 5km weiter eine etwas andere Färbung hat.

bin ich. Und es war keinerlei Unterschied festzustellen. Was Du anführst ist eine sehr wacklige Argumentationskette. Amir hat das Relevante sehr schön (und mit mehr Geduld als ich habe) erklärt.

Glück Auf!

A.B.

Offline Josef 84,55

Re: Entstehungsbedingungen von Rauchquarz
« Antwort #20 am: 01 Dez 11, 18:33 »
Hallo,

ich habe mal gelesen das sich die Rauchquarzfarbzentren erst unter 80C° bilden können, aber bis 180C° stabil sind. Es wurde als eine Theorie für die Beobachtung herangezogen, dass in höheren Gebirgsregionen die Quarze dunkler seien weil sie länger, unter dieser Temperatur, der Umgebungsstrahlung ausgesetzt waren.
Die Umgebungsstrahlung (U238, Th234, K40) und der Einbau von Spurenelementen sind natürlich örtlich sehr variabel.

Grüße Josef

Offline Brodi69

Re: Entstehungsbedingungen von Rauchquarz
« Antwort #21 am: 29 Mär 12, 13:28 »

Altes Thema, immer noch sehr interessant: Im Lapis gab es eine sehr gute Darstellung mit Formel (vgl. Bild.) die zu diesem Thema absolut Lesenswert ist (auf dem Titelbild ist ein Morion aus dem Tessin)...

Zu den alpinen Rauchquarzen: In Tunnelbauten gibt es nie Rauchquarze, weil die Temperatur grundsätzlich zu hoch oder zu wenig lange tief genug ist. Hoch gelegene Gipfelpartieen sind lange genug erkaltet, je kälter desto besser geht das mit der Farbe annehmen... in den Taleinschnitten ist die Erosion in den Eiszeiten sehr stark erfolgt, so dass in geologischen Zeiträumen gesehen, diese Bereiche noch nicht lange genügend erkaltet sind - Ausnahmen lassen sich sehr gut auf erhöhte strahlungswerte zurück führen...

Gruß
Christian

Offline Jörg

Re: Entstehungsbedingungen von Rauchquarz
« Antwort #22 am: 30 Mär 12, 20:08 »
Hallo Christian,

danke auch für Deine Informationen, sehr interessant.

Glück Auf!
Jörg

Offline Brodi69

Re: Entstehungsbedingungen von Rauchquarz
« Antwort #23 am: 10 Apr 12, 13:07 »
Ach ja, und damit in diesem Beitrag auch mal ein wirklicher Rauchquarz zu sehen ist  ::) :

Fundort Brunnigrat, Disentis... (Eintrag ins Lexikon folgt....)

Offline Wegschmeißit

Re: Entstehungsbedingungen von Rauchquarz
« Antwort #24 am: 10 Apr 12, 14:44 »
Immer diese "Neidischmacher!"  ;D

Schöne Stufe Christian, ganz toll!

Gruß Dirk

 

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