Mineralienatlas - Fossilienatlas
Gesteine / Rocks / Rocas => Gesteine / Rocks / Rocas => Thema gestartet von: berthold am 08 Sep 06, 14:45
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Hallo,
in einigen Gebieten bei uns hier in der Oberpfalz (z.B. Raum Püchersreuth) gibt es seltsame Verwitterungsformen. Da entstehen aus Redwitziten und (feinkörnigen) Graniten rundliche "Wollsäcke". Das kennt man ja. Nur hier von eigenartigen, unregelmäßigen Leisten / Stegen überzogen. Das würde ich ja vestehen, wenn da z.B. Quarzgänchen wären, aber hier kann ich nichts finden, der komplette Block scheint innerlich homogen.
Ich suche nun nach Erklärungen (Literatur ?) über diese auffällige Erscheinung.
Gruß
Berthold
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noch ein Bild:
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...und noch eine Bild.
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Hallo berthold,
beim ersten und dritten Bild würde ich doch auf Quarz, ggf. Calcit tippen.
Gruss
Spotts 8)
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Hallo Spotts,
zumindest makroskopisch ist nichts festzustellen. Ich habe mal so einen Brocken (natürlich keinen so schönen) zerlegt und mit der Lupe angesehen: Nichts. Nicht mal ein Unterschied in Form, Größe, Farbe oder Ausrichtrung der Kristallite.
Gruß
Berthold
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Hallo Berthold,
das sieht doch sehr nach kleinen Gängen aus, die weniger stark verwittern als die Umgebung. Wenn die Gänge schon nicht überwiegend aus einem härteren Mineral (Quarz) bestehen, dann kann es an der Korngröße (Aplitgänge) oder vielleicht an winzigen Körnern zementierender Mineralen liegen. Ich denke da an Greisengänge mit Anreicherungen von Quarz und Topas (ggf. mit Zinnwaldit und Cassiterit). Gibt es bei Euch Zinnstein?
Gruß
Grauwacke
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Hallo Grauwacke,
Aplit- oder Quarzgänge sind es definitiv nicht. Der Redwitzit (Strukturen auch im Granit !) ist ausgesprochen homogen und mineralarm. Keine Klüfte, keine Einschlüsse, keine Drusen. So ein "Wulst" ist 2-5 cm breit und nach meinen Überlegungen müsste ein Aplit- oder Quarzband -wenn es denn Ursache wäre - ja auch so einen ähnliche Breite haben. Aber wie gesagt: Nichts.
Zinnstein gibt es in diesem Gebiet nicht.
Gruß
Berthold
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Hallo Berthold,
irgendeinen Unterschied zwischen den Wülsten und dem sie umgebenden Gestein muß es aber geben, wenn so nichts zu erkennen ist würde ich es mal mit einem Anschliff versuchen oder vielleicht sogar einen Dünnschliff, da ist oft viel mehr zu erkennen.
So wie es aussieht handelt es für mich doch um Klüfte oder Haarrisse die ev. mit einer Kieselsäurehaltigen Lösung durchströmt wurden und dadurch einen geringfügigen Härteunterschied bewirkt haben. Durch die Kieselsäure können die "ehemaligen" Klüfte durchaus wieder verheilt sein.
Auf jeden Fall eine interessante Sache über die es sich lohnt mal näher nachzudenken.
Gruß Jürgen
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Noch mal ich,
habe mir die Bilder noch einmal genau angesehen und bin nun überzeugt das es sich doch um Klüfte oder "ehemalige" Klüfte handelt. Man erkennt Parallelstrukturen bzw, das für Granite typische K- bzw. L-Kluftsystem, was das vorher geschriebene erhärtet.
Gruß Jürgen
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Hallo,
ist zwar vielleicht auch Ahnungslosigkeit eine dumme Antwort:
Ich hatte mal einen Sandstein für Aquarien, einen sogenannten Pagodenstein, zur Analyse. In dem Becken starb ein Fisch nach dem Anderen.
Mikroskopisch (REM/EDX) war nicths zu erkennen, ausser AlPo4-Verbindugen . Aber die XRD ergab Baryt in grossen Mengen.
Vielleicht so etwas?
MfG
Frank
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Es könnte ja sein, daß die Brocken im Laufe der Zeit verschieden weit aus der Erde geschaut haben - eventuell wurden sie auch durch äußere Einflüsse gedreht. Möglicherweise waren dann an der Erdoberfläche bestimmte Bedingungen, die die Verwitterung dort gebremst haben. Anders kann ich mir vor allem die gekreuzten Linen des ersten Bildes nicht erklären.
Glück Auf
Uwe
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Hallo,
vielen Dank für Euere Antworten.
hmm, Mikrorisse verheilt durch Quarz oder ein anderes Mineral - das wäre ein guter Ansatz. Und ja, die Idee mit Dünnschliffen hatte ich auch schon. Ich wollte nur das Rad nicht nochmal erfinden - ich könnte mir gut vorstellen dass sowas schon mal untersucht worden ist (hier oder anderswo).
@Frank: Die Fische durch Baryt gestorben :o Mir ist bekannt, dass man Grubenwasser aus einer Grube im Flußspat-Baryt (Reichhart-Schacht) in großem Umfang für Fischzucht/Hälterung (Speisefische der TEVO) hergenommen hat. Probleme sind mir da nicht bekannt geworden.
@Uwe: Ich kann mir irgendwie keinen Mechanismus für Verwitterung vorstellen, der zu solchen Wülsten führt. Ich vermnute also eher "innere" Ursachen.
Gruß
Berthold
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Hallo,
es war nicht das Baryt. Ich hatte eher die Phosphat-Verbindugnen als wasserlösliche Komponenten in Verdacht. Zumindest war das der Hinweis, der zum Entfernen des Steins geführt hat.
MfG
Frank
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Ich schliesse mich Geomuellers Betrachtungen an.
Vermutlich reicht bereits eine minimale Verkieselung (oder eine ähnliche Mineralisation mit einem härteren Mineral - wie wäre es mit einer minimalen Topas - isierung ?) entlang der Kluftbahnen, damit diese bei der Verwitterung etwas mehr Resistenz zeigen. Möglicherweise noch nicht enmal im Dünnschliff zu erkennen, aber vermutlich mit Mikrosonde
Glück Auf
Thomas
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Die Verwitterung wird möglicherweise nicht die Wülste erzeugt haben. Jedoch - die Steine scheinen eine hellere Verwitterungskruste zu haben. Ist diese Kruste an den Wülsten stärker als an den konkaven Stellen ?
An verheilte Mikrorisse glaube ich nicht, den die Wülste erscheinen mir wie die Ränder einer durchgehenden Scheibe oder Schicht.
Treten diese Erscheinungen nur an einzelnen Felsbrocken auf oder auch schon am kompakten Fels ?
Glück Auf
Uwe
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Hallo Uwe,
wie, am kompakten Fels? Anstehend ist hier leider kein Gestein anzutreffen (und selbst wenn, dann wäre die Frage, ob z.B. in einem Steinbruch in relativ kurzer Zeit solche Verwitterungsstrukturen entstehen könnten). Es sind einzelne Blöcke bzw. "Blockhalden". Eine Verwitterungskruste haben die alle, ist aber sehr dünn (praktisch nur der oberste mm).
Risse stell ich mir auch nicht als zweidimensionale Linie sondern als Fläche im Gestein vor. Dafür spricht auch alles, wenn man die Blöcke von mehreren Seiten her anschaut. Es ist aber kein weiteres System (z.B. Winkel oder parallel usw.) wie man das sonst kennt (z.B. Klüftung und Bankung) zu sehen.
Kennt jemand von Euch solche Formen aus anderen Gegenden?
Gruß
Berthold
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Ich glaube so etwas habe ich schon mal im Fernsehen bei Felsen in einer Sandwüste gesehen, bei denen es durch Wind und Sand zu teilweisen Erossionen gekommen ist.
Uwe