Mineralienatlas - Fossilienatlas

Mineralien / Minerals / Minerales => Systematik und Klassifikation / Systematics and Classification => Thema gestartet von: uwe am 28 Nov 06, 18:37

Titel: Gedanken zu Mineraliennamen
Beitrag von: uwe am 28 Nov 06, 18:37
Hallo,

da gibt es nun diesen neuen "thread", den ich mal in Erwartung einer interessanten Diskussion eröffne - auch wenn ich mich damit als wisenschaftlicher Banause oute.

Mir persönlich gefällt der Systematisierungseifer und die damit einhergehende Diskreditierung alter, ich möchte sagen "ehrwürdiger", Mineraliennamen nicht. Dabei ist mir die möglicherweise aus wissenschaftlicher Sicht notwendige Straffung der Systematik schon einleuchtend. Ich kann mir nicht helfen, aber für mich klingen Blomstrandin und Weinschenkit schöner als Aeschynit-Y und Churchit-Y. Darum stehen in meiner Sammlung auch noch die diskreditierten Bezeichnungen auf den Sammlungszetteln.

Noch schöner klingen natürlich die alten Bergmannsnamen wie Rotgüldig, Feuerblende, Grauspießglanz usw. Damit kommt man heute natürlich nicht mehr aus, wobei mit Ausnahme des letzteren Namens die Spezifikation eindeutig ist.

Die gerade abgelaufene Diskussion: Smaragd oder Beryll ist damit aus Systematik-Sicht sinnlos. Es ist alles nur VIII E.12-1. Für Sammler ist es allerdings schon interessant, welchen Beryl und welchen Quarz man in der Sammlung hat.

Aus diesen Gründen gebe ich nicht allzuviel auf die Festlegungen (oder sind es eher Empfehlungen) der IMA.

Glück Auf
Uwe
Titel: Re: Gedanken zu Mineraliennamen
Beitrag von: smoeller am 28 Nov 06, 19:17
Hallo,

Es ist meines Erachtens schon zu begrüßen, wenn man eine einheitliche Nomenklatur hat. Meines Wissens ist die IMA-Nomenkatur wohl die international verbindliche.

Synonyme Bezeichnungen und veraltete Namen sind ja heute auch noch gebräuchlich und es gibt ja auch nichts dagegen einzuwenden, diese weiter für sich oder unter Gleichgesinnten zu benutzen. Ich schreibe manchmal sicher auch Bleiglanz statt Galenit und Kupferkies statt Chalkopyrit.

Schade ist es auch um einige Benennungen nach Lokalitäten, so der Schapbachit. Dazu nur ein paar Zeilen, ohne die gültige Nomenklatur und die daraus resultierende Verwirrung näher zu kommentieren.
Erstbenennung um 1870 von SANDBERGER von der Grube Friedrich-Christian nach dem Ort Schapbach, bei dem die Grube lag. Allerdings mit falscher Formel, es war noch Blei mit drin. Dann bald darauf Beschreibung Silber-Wismut-Sulfid Matildit aus Matildas in Chile. Später dann die Festlegung Matildit = Tieftemperatur-AgBiS2 (trigonal)und Schapbachit als Hochtemperatur-Phase (kubisch), die meisten Schapbachite sind demnach Matildit. Habe dennoch meine Schapbach-Stufen als Schapbachit bezeichnet. Die Freiheit nehm ich mir. Dann Beschreibung WALENTA Cuboschapbachit als kub. Schapbachit vom Silberbrünnle (Schwarzwald). Was am Ende herauskommt: Schapbachite von allen anderen Fundorten als dem Silberbrünnle sind Matildit, der Cuboschapbachit vom Silberbrünnle ist Schapbachit (müsste der dann nicht Silberbrünnleit, Haigerachit(gibts schon) oder Gengenbachit(gibts auch schon) heißen?).ZUdem führt der (Cubo-)Schapbachit vom Silberbrünnle wechselnde Mengen Blei (s.o). Steigt da noch wer durch? Habe mittlerweile drei verschiedene Bezeichnungen für zwei Minerale in meiner Sammlung.

So schön die alten Benennungen sind, so viel einfacher sind die neuen Namen. Mag Feuerblende für Pyrostilpnit noch schön sein, wird es spätestens bei "hemiprismatischer Antimonsilberblende" für Miargyrit schön kompliziert.

Und was ist mit "Kupferglanz"? Wird heute meist synonym für Chalkosin gebraucht, was ist aber mit Anilith, Djurleit, Digenit und anderen, die zumindest teilweise ebenfalls im Kupferglanz vorkommen?

Ich sehe die Vorteile vor allem in der guten internationalen Vergleichbarkeit. Besonders heute im Zeitalter der Globalisierung und der internationalen Mineralienvielfalt ist es schon wichtig. Wer will sich schon durch sämtlichen südamerikanischen oder indischen Bezeichnungen wühlen müssen, nur um zu wissen, was auf dem Etikett steht? Und wer kann schon fließend Kantonesisch lesen?


Glück Auf!
smoeller
Titel: Re: Gedanken zu Mineraliennamen
Beitrag von: Collector am 28 Nov 06, 19:43


die Petrologen habens noch schwerer , Gesteinsnamen sind tw. noch exotischer als die neuen Mineralbenennungen.

Oder was meint Ihr zu

Topatourbiolilepiquorthit ?
Biquahororthandit ?
Hobiquandorthit ?

gruß
collector
Titel: Re: Gedanken zu Mineraliennamen
Beitrag von: smoeller am 28 Nov 06, 19:50
Hallo collector,

Ja, das ist schon wirklich kompliziert. Habe noch nie was davon gehört und ich studiere Petrologie!

Was ist mit Meta-Quarzmonzogabbronorit? Habe ich wirklich schon gefunden. In Kalabrien 2005. Habe aber nur ein Stück davon.

Glück Auf!
Smoeller
Titel: Re: Gedanken zu Mineraliennamen
Beitrag von: wolfi am 28 Nov 06, 21:09
Servus alle,

für mich ist da sehr viel Krampf dabei. Die Weinschenkite - Auerbach/Oberpfalz ist da ja ein bekannter Fundort dafür - stehen immer noch als solche in der Sammlung und das bleiben sie auch! Und ausserdem: wie will ich als Laie einen einen Rhabdophan-Ca von einem Rhabdophan-Ld unterscheiden? Ich bin Hobbysammler und das soll auch so bleiben! Also genügt mir ein Rhabdophan. Fluorit enthält meines Wissens auch ab und an ein paar Ionen von Fremdmetallen. Es interessiert mich nicht im Geringsten, ob dann künftig ein Fluorit-Mn von einem Fluorit-Fe unterschieden wird.

Servus + Glück auf
Wolfi
Titel: Re: Gedanken zu Mineraliennamen
Beitrag von: berthold am 28 Nov 06, 21:32
Hallo wolfi,

da kann ich Dich beruhigen. Fluorit-Mn oder Fluorit-Fe kann und wird es nicht geben. Es geht ja nicht um ein paar Fremdmetall-Ionen.

Nein, z.B. Rhabdophan-(Ce) ist (Ce,La)PO4•H2O, Rhabdophan-(La) ist (La,Ce)PO4•H2O, d.h. entweder ist Cer drinnen dominant oder Lanthan. Klar bilden beide Mineralien eine Mischungsreihe, aber es ist doch ein Unterschied ob ich ein mit La "verunreinigtes" Cerphosphat oder ein Lanthanphosphat habe.

In diesem Fall ist es sogar günstig, dass Du mit der Angabe "Rhabdophan" einen allgemeinen Überbegriff hast, bei z.B. der Childrenit-Eosphorit Reihe geht das beispielsweise nicht (Childor-Esosphorit bezeichnet Fe:Mn 1:1).

Gruß
Berthold

Titel: Re: Gedanken zu Mineraliennamen
Beitrag von: Hartmut am 29 Nov 06, 08:35
Dann bald darauf Beschreibung Silber-Wismut-Sulfid Matildit aus Matildas in Chile.

Um die Verwirrung um Schapbachit-Matildit nicht noch mehr zu steigern:
Typlokalität für Matildit ist die Grube Matilda in Peru (siehe z. B. http://www.mindat.org/show.php?id=2592).

Ansonsten verstehe ich die Aufregung um alte vs. neue Mineralnamen nicht. Es ist doch jedem freigestellt, seine eigenen Sammlungsstücke zu benennen wie er will. Wer lieber lichtes Rotgültigerz auf dem Sammlungszettel stehen hat als Proustit, warum nicht?

Aber welche Verwirrung gebe es, wenn jedes Land seine eigenen Mineralnamen beibehalten würde und es keine international gültigen gäbe? Man muss doch geradezu dankbar sein, dass es ein international anerkanntes Gremium gibt, das sich ständig um eine Standardisierung der Namen bemüht.  Oder soll ich jedesmal, wenn ich z. B. mit einem englischen Sammler tausche mich mühsam durch irgendwelche Übersetzungs-Tabellen wühlen, anstatt aus Proustit einfach ein Proustite zu machen und schon hab ich's?

Und dass manche Mineralnamen ihre Gültigkeit verlieren: mein Gott, das ist halt so, wenn sich irgendwann herausstellt, dass das Mineral vorher schon unter einem anderen Namen beschrieben wurde. Und der erste Name hat eben Priorität. Jetzt wieder mit Blomstrandin, Weinschenkit usw. anzufangen vergrößert nur wieder die Verwirrung, wie sie ja anscheinend beim Schapbachit besteht.

Aber wie gesagt: seine Stücke kann ja jeder beschriften, wie er will, er kann sich sogar neue Namen dafür ausdenken, solange er nicht den Rest der mineralogischen Welt "beglückt."  :P

Grüße

Hartmut
Titel: Re: Gedanken zu Mineraliennamen
Beitrag von: berthold am 29 Nov 06, 09:39
Hallo,

da möchte ich Hartmut zustimmen.

Nebenbei, wohin uneinheitliche Namen führen kann man sehr schön (ähh, natürlich ist das nicht schön) im Edelstein- Schmuckstein- und Heilsteinhandel sehen. Da fällt es selbst Experten schwer anhand des Namens sicher zu sagen welches Mineral (wenn es denn überhaupt eines ist) sich dahinter versteckt.

Um sicher zu sein, dass man nicht aneinander vorbei redet muss man eben einen gemeinsamen Nenner haben. Der ist faktisch durch die IMA für Mineralien gegeben. Synonyme (oft historische Bezeichnungen) sind schön, ggf. sprachlich wertvoll und regional mehr oder weniger verbreitet, stellen aber auch einen Ballast dar der die Kommunikation erschwert.   

Gruß
Berthold
Titel: Re: Gedanken zu Mineraliennamen
Beitrag von: Collector am 29 Nov 06, 11:56


Ja, das ist schon wirklich kompliziert. Habe noch nie was davon gehört und ich studiere Petrologie!


Hallo smoeller

ich dachte , Du studierst Mineralogie ? (zumindest steht das unter Deinem Logo).

Die von mir erwähnten Gesteine kannst Du auch nicht finden; es sind Namen, die 1931 vom Petrologen Johannsen konstruiert wurden  (angelehnt an die von 1929 von Beliankin vorgeschlagene Möglichkeit einer mnemonischen Klassifikation) .
Topatourbiolilepiquorthit ist eine Granitvarietät , welche Topas, Tourmalin, Biotit, Oligoklas, Lepidolith, Quarz und Orthoklas enthält.

Liegt hier der Ursprung späterer MIneralbenennungen wie Nabaphit, Nacaphit, Nacareniobsit-(Ce) , Naliopoit, Namansilit  und Nastrophit ?  (Um nur beim Buchstaben N zu bleiben)

gruß
collector

Titel: Re: Gedanken zu Mineraliennamen
Beitrag von: smoeller am 29 Nov 06, 12:46
Hallo collector,

Bin Mineraloge, ganz richtig. Aber studiere Petrologie als Hauptfach.


Die Namensgebung bei Mineralien ist komplex. Werde da mal demnächst ein wenig beschreiben.

Glück Auf!
Smoeller
Titel: Re: Gedanken zu Mineraliennamen
Beitrag von: Tobi am 30 Nov 06, 14:00
Hallo,

ich sehe die Namensgebung der Mineralien aus zwei Gesichtspunkten. Für die Wissenschaft ist es sicherlich von Vorteil, wenn eine einheitliche Nomenklatur herrscht und es weniger gleichwertige Bezeichnungen für ein Mineral gibt. Ich denke, dass Biologen z.B. bestimmt froh darüber sind, dass klassifizierte und anerkannte Tiere und Pflanzen einen eindeutigen lateinischen Artnamen haben, der somit auch überall gleich geschrieben und ausgesprochen wird.

Auch wenn es im Mineralreich natürlich teilweise schade ist, denn die vereinheitlichten Namen sind im Vergleich zu z.B. schönen, alten, aus dem Bergbau abgeleiteten deutschen Mineralnamen recht "herzlos" und wirken sehr steril.

Aber, und das ist der andere Gesichtspunkt: In der eigenen Sammlung kann man ja immer noch die "schönen" Namen verwenden oder zumindest in Klammern dazu schreiben. Ich habe auf meinen Etiketten in Vitrinen/Regalen z.B. "Galenit (Bleiglanz)" oder "Wulfenit (Gelbbleierz)" stehen. Ich habe solche klassischen, deutschen Mineralnamen schon immer geliebt, ein Wort wie "Magneteisenerz" oder "Kupferglanz" hat für mich irgendwie was Magisches und klingt einfach schön, weil damit ja auch meist eine Geschichte verbunden ist. Uwe hat sich ganz oben auch dazu geäußert, genau so sehe ich das auch. Deswegen finde ich es auch immer schön, wenn in Museen der "alte" Name (zumindest in Klammern hinter dem "offiziellen") steht.

Nicht zu verwechseln mit den vielen irreführenden Retorten-Namen aus der Schmuck- und Eso-Branche, das nehme ich nicht ernst und ignoriere es.

Vielleicht hänge ich auch so an den alten Namen, weil ich in Bezug auf die deutsche Sprache trotz meines geringen Alters allgemein eher konservativ bin; ich ziehe es vor, zur "Auskunft" anstatt zum "Info Point" zu gehen, und gehe lieber in der "Bücherei" einkaufen anstatt im "Book Shop", den man ja heutzutage in jeder deutschen Stadt findet.... >:(

Und mit den schönen, historischen Mineraliennamen würde meiner Ansicht nach ein Stück Tradition verschwinden, die teilweise Jahrhunderte zurück reicht. Für die Wissenschaft mag es wie gesagt natürlich genau umgekehrt sein, aber in meiner Sammlung wird auch in tausend Jahren noch "Schwerspat", "Schwefelkies", "Kieselzinkerz" usw. stehen, weil es einfach schön ist und "Herz" hat! :)

Gruß
Titel: Re: Gedanken zu Mineraliennamen
Beitrag von: Bergmeister am 03 Dec 06, 20:53
@Tobi,

da kann ich Dir nur voll und ganz zustimmen. Auch in meiner Sammlung findet sich nur Kalkspat, Flußspat, Schwerspat, Bleiglanz etc. pp. Schließlich ist die Mineralogie (als Wissenschaft) ja sächsisch (und somit deutsch)  ;D.
Titel: Re: Gedanken zu Mineraliennamen
Beitrag von: stollentroll am 03 Dec 06, 22:12
Etwas zur Benennung der Minerale, die erstmals aus Sachsen, Thüringen oder Sachsen-Anhalt beschrieben wurden, findet sich hier :
http://tw.strahlen.org/namen.html (http://tw.strahlen.org/namen.html)

Glück Auf
 
Titel: Re: Gedanken zu Mineraliennamen
Beitrag von: raritätenjäger am 11 Mar 07, 15:33
Toller Thread! Ich hab zwar die "brandaktuellen" Namen auf meinen Etiketten, bin aber trotzdem ein Fan von den schönen alten Namen: Antimonfeuerblende, arseniksaures Bleyoxyd und wat nich alle. Ist schon schön. Gabs da nicht auch mal nen uralten Aufschlussartikel, wo man sich über die Originalbezeichnungen von Volger (?) über den Lüneburger Boracit ausgelassen hat? Ich sage nur: linksknöchlig-rechtstimpliger Würfeltimpling und so weiter. Macht ja auch irgendwo Spaß, wenn man so einen uralten Zettel hat und erst mal Forschungsarbeit leisten muss, um "Razoumovskyn", "Andreasbergolith" und "Lepidophäit" richtig zuzuordnen.

Glückauf
Andreas

P.S.: der geilste ist und wird es wohl immer bleiben: Natrium-Ferriklinoferroholmquistit...
Titel: Re: Gedanken zu Mineraliennamen
Beitrag von: smoeller am 11 Mar 07, 15:55
Hallo,

Hier noch einige alte Bezeichnungen:

1. Klaprothit: Bis Mitte des 20. Jhd. durchaus gebräuchliche Bezeichnung für Kupferwismuterz. Beruhte auf der Vermutung, dass neben Emplektit (CuBiS2) und Wittichenit(Cu3BiS3; der ursprünglich übrigens auch Wittichit hieß), noch ein drittes Mineral mit Emplektit-ähnlicher Zusammensetzung existierte. Benannt nach Martin Heinrich Klaproth, Entdecker des Urans. Heute als Synonym für Emplektit.

2. Plenargyrit: Von SANDBERGER (1870) geprägte Bezeichnung für Silberwismuterze. Bedingt als Synonym für Schapbachit/Matildit aufzufassen.

3. Geyerit: Nach dem Ort Geyer im Erzgebirge. Schwefelhaltiger Löllingit( L.-Arsenopyrit-Mischkristall).

4. Glaukopyrit: (griech: "grüner Pyrit(Feuerstein)"): Synonym für Löllingit.

5. Wolfachit: Bezeichnung für Mischkristalle Gersdorffit-Ullmannit nach den Funden in der Grube Wenzel/Oberwolfach, Schwarzwald.

6. Arit: alte Bezeichnung für Nickelin-Breithauptit MK. ZUm Nickelin zu stellen.

7. Horbachit: Bezeichnung für komplexe liquidmagmatische Ni-Erze aus Pentlandit, Pyrrhotin, Pyrit (Bravoit) und Violarit von Horbach im Südschwarzwald.

Glück Auf!
Smoeller
Titel: Re: Gedanken zu Mineraliennamen
Beitrag von: raritätenjäger am 11 Mar 07, 16:00
Hallo,

Zu Horbachit hätte ich doch gleich noch mal ne Frage: ist bei den "Pentlanditen" von Horbach dann auch immer Violarit erzmikroskopisch mit vergesellschaftet?

Ansonsten wär das doch mal ne Idee: jeder postet hier ein paar schöne, nicht so alltägliche alte Namen bzw. Varietätsbezeichnungen. Hat doch Informationswert, finde ich.

Glückauf
Andreas
Titel: Re: Gedanken zu Mineraliennamen
Beitrag von: smoeller am 11 Mar 07, 16:31
Hallo,

@Raritätenjäger: Laut WALENTA(1992) ist Violarit in Horbach nicht besonders selten. METZ(1980) beschreibt in seiner "Geologischen Landeskunde des Hotzenwaldes" Violarit als junge Umbildung randlich an Pentlanditkörnern.

Daher dürfte in größeren Brocken auch Violarit dabei sein. Er ist jedoch unterm Bino kaum erkennbar. Habe meine Handstücke natürlich schon danach abgesucht.

Glück Auf!
Smoeller
Titel: Re: Gedanken zu Mineraliennamen
Beitrag von: Ralf am 12 Mar 07, 11:20
M. E. hat man schon seit langem den Zug für eine international einheitliche Nomenklatur verpasst. Lokalnamen und unterschiedliche Schreibweisen je nach Landessprache erschweren die Kommunikation über die Grenzen hinaus.
Man hätte sich an die Nomenklatur in der Biologie anlehnen, und das Ganze in Latein verfassen sollen. Mit etwas Phantasie kann man soger Arten und Unterarten ableiten, ja sogar die kürzliche Diskussion über Varianten und Formen wäre zu handhaben gewesen.
Heute ist das kaum noch zu machen. Leider. Also müssen wir wohl oder übel damit leben.

Ralf
Titel: Re: Gedanken zu Mineraliennamen
Beitrag von: stollentroll am 12 Mar 07, 12:24
Das sehe ich eigentlich nicht so. Die Schreibweise ist eigentlich recht einheitlich bei den meisten Mineralen. Ob die Endung nun -ite im Englischen oder -it in Deutschen oder -iet im Niederländischen usw. ist, finde ich recht unwesentlich. Natürlich gibt es dann noch einige Fälle, wo dies nicht zutrifft, dies sind aber meist seit historischen Zeiten bekannte Minerale, für die sich eben in den jeweiligen Sprachen alte Namen erhalten haben.
Unglücklich und überflüssig finde ich die Endung -ith im Deutschen, auch wenn es sich von "lithos" ableitet. Das gibt es nur noch im Deutschen, in anderen Sprachen hat man auf das -h verzichtet. In der Aussprache gibt es sowieso keinen Unterschied, und Minerale sollten im Deutschen (bis auf ein paar Ausnahmen) auf -it enden.

Nomenklaturen für Minerale analog der biologischen gab es, eine erste bereits 1748 von Hill. Linné hat seine Nomenklatur für Tiere und Pflanzen von 1735 schließlich selber 1770 auf die Minerale erweitert. Weitergeführt wurde dies Gmelin. Dana hat eine lateinische binomiale Nomenklatur ursprünglich 1836 auch noch verwendet, eine recht bekannte wurde von Glocker noch 1847 publiziert (Ein Ausschnitt daraus ist hier
http://tw.strahlen.org/pdf/Chalcostibit3.pdf (http://tw.strahlen.org/pdf/Chalcostibit3.pdf)
zu sehen.
Etliche weitere Autor haben sich ebenfalls daran versucht, ohne aber zu einer einheitlichen Nomenklatur zu finden. Eine Ursache ist sicher, dass der Kenntnisstand über die Minerale, speziell was den Chemismus betrifft, sich in der Zeit, als diese lateinischen Nomenklaturen aufkamen, ständig verändert und erweitert hat, so dass eigentlich ständige Umbenennungen notwendig geworden wären. Zudem gab es zum Teil exzessive Beschreibungen von "Unterarten", wodurch die Systematiken auch unhandlich und schließlich unbrauchbar wurden. Ich glaube nicht, dass heute noch jemand einen Namen wie "Pyricubium maximum foliaceum" für gestreiften würfelförmigen Pyrit oder "Pyricubium solidum minus" für ungestreiften würfelförmigen Pyrit verwenden möchte.
Ein weiteres Problem dürfte es sein, sinnvolle Gattungsbezeichnungen für die Minerale zu finden. Man muss sich nur die aktuellen Änderungen in der Systematik zwischen dem Strunz 8. und 9. Auflage ansehen (hunderte Minerale hätten umbenannt werden müssen, da "Gattungsnamen" nicht mehr gestimmt hätten.
Zum Glück sind alle diese Nomenklaturen gescheitert.

Ein Calcit, der in Rhomboedern kristallisiert benötigt keinen eigenen Namen, sondern ist eben ein Calcit, der in Rhomboedern kristallisiert. Und ein Cobalt-haltiger Calcit benötigt auch keinen eigenen Namen ("Cobaltocalcit", und ich habe auch schon die völlig unsinnige Bezeichnung "Calcit-(Co)" dafür gesehen), sondern ist eben ein Cobalt-haltiger Calcit. Wenn man dafür eigene Namen schaffen würde, müsste man auch immer definieren, ab welcher Grenze der denn gilt (ab 0,1 % Co, ab 1 % Co, ab 5 % Co oder was auch immer ...?). Gar nicht erst zu denken an einen Cobalt-haltigen Calcit, der in Rhomboedern kristallisiert, und natürlich dann von einem unterschieden werden müsste, der nur als Kruste vorkommt ...... Soetwas ist völlig überflüssig.

Es gibt die internationalen Mineralnamen (mit ein paar Abweichungen in den einzelnen Sprachen), und die werden verstanden. Wenn ich im Gelände unterwegs bin, sage ich z.B. auch meist "Zinkblende", aber auf das Etikett kommt "Sphalerit", und es gibt kein Problem, wenn ich das Stück mal ins Ausland vertauschen sollte.
Verständigungsschwierigkeiten können ja vermieden werden, in dem man auf die meist völlig überflüssigen Lokalbezeichnungen verzichtet - oder sie eben z.B. in Klammern zu dem internationalen Namen setzt. Speziell auf Börsen habe ich den Eindruck, dass viele dieser Namen nur verwendet werden, um ein manchmal recht gewöhnliches Mineral besser verkaufen zu können.

Glück Auf
der Stollentroll
Titel: Re: Gedanken zu Mineraliennamen
Beitrag von: berthold am 12 Mar 07, 14:40
Hallo,

weitgehend möchte ich da (stollentroll) zustimmen. Manche (viele) lokale Mineralnamen sind unnörig. An sich ist das international kein (großes) Problem.

Es gibt allerdings einige Fälle, da sind wir in "deutsch" meilenweit von einer einheitlichen Bezeichnung/Schreibweise weg. Einige Beispiele:

Kalzit / Calcit oder sogar Calzit  :o
Muskovit / Muskowit
Flußspat / Flussspat

Klar, im letzten Fall ist natürlich Fluorit richtig und angebracht, aber wer nach der neuen deutschen Rechtschreibregel Flussspat schreibt (und sich dabei auf die Stammregel Fluß > Fluss beruft) verkennt, dass es sich um einen Eigennamen (wie Photon, wurde ja auch nicht zu Foton) handelt.

Gruß
Berthold
Titel: Re: Gedanken zu Mineraliennamen
Beitrag von: Tobi am 12 Mar 07, 15:06
Klar, im letzten Fall ist natürlich Fluorit richtig und angebracht, aber wer nach der neuen deutschen Rechtschreibregel Flussspat schreibt (und sich dabei auf die Stammregel Fluß > Fluss beruft) verkennt, dass es sich um einen Eigennamen (wie Photon, wurde ja auch nicht zu Foton) handelt.

Moment! Ich sehe das so, dass Fluorit der wirkliche Eigenname ist. Flußspat mag zwar auch gleichwertig ein Name für unser geliebtes Steinchen sein, ist aber in erster Linie eine Bezeichnung, die auf eine Funktion des Minerals zurückgeht. Folglich (und auch der DUDEN lässt da keinen Zweifel) sollte man es jetzt korrekterweise (oder doch korrekter Weise... ;) mit den grauenvollen drei "s" schreiben. Zum Vergleich: Ein "Flußmittel" ist jetzt auch ein "Flussmittel". Und Flußspat ist ja nun ein sehr ähnliches Wort und hat den exakt selben Bedeutungshintergrund. Somit finde ich es durchaus legitim, das den neuen Regeln anzupassen. Wenn du meinst, dass Flußspat ein Eigenname ist, der nicht verändert werden darf, dann müsste das auch z.B. für das Flußpferd oder den Flußbarsch gelten. Aber auch die werden den neuen Regeln unterworfen, da ihre "Namen" ganz normale zusammengesetzte Hauptwörter sind. Und das gilt auch für den ehemaligen Flußspat. Die eben genannten Tiere haben ihren lateinischen Namen, der festgelegt ist. Diese deutschen "Namen" sind jedoch im Grunde nur Bezeichnungen. Ebenso sehe ich das im Falle von "Flußspat", für mich ist es absolut legitim und logisch, dass er sich nun mit "sss" schreibt, auch wenn das dem Auge wehtut, ääh weh tut ;D

Gruß
Titel: Re: Gedanken zu Mineraliennamen
Beitrag von: heli am 12 Mar 07, 15:26
Hallo,

wenn es auch manche traurig macht, dass alte deutsche Mineraliennamen verschwinden, stehe ich trotzdem eindeutig zu einer einheitlichen internationalen Namensgebung. Bis auf wenige Ausnahmen hat sie sich auch schon durchgesetzt. Es ist doch wirklich angenehm, wenn man - bis auf wenige Ausnahmen - in verschiedenen Sprachen unter einem Mineral das gleiche verstanden wird. Obwohl ich kaum irgendwas von slawischen Sprachen beherrsche kann ich mich so mit einem Sammler aus dem Osten mit "Händen und Füßen" unterhalten, auch wenn er kaum deutsch oder englisch beherrscht. Die wenigen Ausnahmen wie kremen statt Quarz lernt man auch schnell.
Was mich viel mehr stört sind die ewig langen Zusammenstoppelungen bei Mineralnamen (aus Eigennamen oder den chemischen Formeln), die bei Neubenennungen offensichtlich seit einiger Zeit wieder in ist.

Grundsätzlich würde ich mir wünschen, dass die Unterschiede zwischen Sprachen überall so gering wären wie bei der Benennung von Mineralien .... Wieoft scheitern Kontakte nur, weil man nicht in der Lage ist den/die Andere(n) zu verstehen.   

Helmut   
Titel: Re: Gedanken zu Mineraliennamen
Beitrag von: berthold am 12 Mar 07, 15:42
Hallo,

nee, Bezeichnungen, die im wissenschaftlichen Sprachgebrauch üblich sind werden nicht verstümmelt, egal ob zusammengesetzt oder nicht (ich denke mal am Photometer/Fotometer).

Alternativ zu Flussspat dürfte man ja nun auch Fluss-Spat schreiben. Das ist für mich kompletter Schwachsinn. Flußspat (früher auch Flußspath) ist ein alter deutscher Mineralname und hat nichts mit dem Fluss (-pferd) zu tun. Althergebrachte Namen mit der neuen deutschen Rechtschreibung zu vergewaltigen, danke nein, ohne mich. Ich schreibe weiter Flußspat.   

Gruß
Berthold
Titel: Re: Gedanken zu Mineraliennamen
Beitrag von: Uwe Kolitsch am 12 Mar 07, 15:46
Ich schreibe auch weiterhin Graphit, nicht Grafit...
Titel: Re: Gedanken zu Mineraliennamen
Beitrag von: berthold am 12 Mar 07, 15:58
Hallo,

Zitat
Ich schreibe auch weiterhin Graphit, nicht Grafit...

ich auch. Und schön, was sammelt ein Grafologe  :o im Gegensatz zum Graphologen ? Richtig, Grafit und Fluss-Spat.   :D

Gruß
Berthold
Titel: Re: Gedanken zu Mineraliennamen
Beitrag von: raritätenjäger am 12 Mar 07, 16:02
"Es gibt die internationalen Mineralnamen (mit ein paar Abweichungen in den einzelnen Sprachen), und die werden verstanden. Wenn ich im Gelände unterwegs bin, sage ich z.B. auch meist "Zinkblende", aber auf das Etikett kommt "Sphalerit", und es gibt kein Problem, wenn ich das Stück mal ins Ausland vertauschen sollte.
Verständigungsschwierigkeiten können ja vermieden werden, in dem man auf die meist völlig überflüssigen Lokalbezeichnungen verzichtet - oder sie eben z.B. in Klammern zu dem internationalen Namen setzt. Speziell auf Börsen habe ich den Eindruck, dass viele dieser Namen nur verwendet werden, um ein manchmal recht gewöhnliches Mineral besser verkaufen zu können."

Was Stollentroll da sagt, ist genau der springende Punkt, würde ich sagen. In der Wissenschaft (Publikationen etc.) sollten schon Bezeichnungen wie "Sphalerit", "Galenit" und wie sie nicht alle heißen, verwendet werden. Wissenschaft (egal welche) ist nun mal im Begriff immer internationaler zu werden. Und die unterschiedlichen Begrifflichkeiten je nach Land müssen nicht sein (In der Mineralogie funktioniert im Gegensatz zu anderen Disziplinen das ja noch ganz gut; ich studiere zwar erst seit vier Semestern Geisteswissenschaften, aber wer sich einmal die Mühe gemacht hat, Texte von Habermas auf englisch zu lesen und dann mit dem Deutschen zu vergleichen, der weiß, wovon ich spreche). Aber ich schweife ab. Für eine "globale" Bezeichnung ist auf jeden Fall einzutreten. Nur darf bei aller Wissenschaftlichkeit nicht der Aufschluss gebende Ursprung vieler Bezeichnungen (wie eben der angeführte Flußspat) vergessen werden. Die alten Namen können (und meiner Meinung nach müssen) ja erhalten werden, indem man sie auf den Sammlungsetiketten mit aufführt. Das Argument mit dem gesteigerten Verkaufswert kann ich auch nur unterschreiben. Wer erinnert sich nicht an seine ersten Mineraliensammlerjahre, in denen er die Mookaite, Zeiringite und Pietersite noch stolz als eigene Arten in die Sammlung gegliedert hat? Bei der Flut von Phantasienamen ist es heute schwierig zu sagen, was noch originalen Charakter hat. Viele Namen wie Ellweilerit geben Aufschluss über bedeutende Fundstellen, (Co)Typlokalitäten oder ähnliches. Ich verfahre immer so, dass ich dann eben entweder auf dem Etikett oder in der Datenbank etwas ausführlicher werde (Verweis auf in der Literatur genannten Lokalnamen wie "Bodenit" oder "Semelin"). Aber letztlich muss jeder wissen, wie er das dokumentieren möchte. Es ist nun einmal Fakt, dass mit der Zeit Namen verschwinden, um so mehr, je genauer die Analysen werden (noch vor wenigen Jahrzehnten waren "Pyroxen" und "Amphibol" hinreichende Bezeichnungen, heute fragt jeder: ja, aber was isses denn nun genau). Aber bevor das hier wieder ein Roman wird, schließe ich mit einem

Glückauf
Andreas
Titel: Re: Gedanken zu Mineraliennamen
Beitrag von: stollentroll am 12 Mar 07, 16:24
Nochmal zu dem Fluorit:
Wenn man in der alten Literatur (18. - 19. Jahrhundert) stöbert, findet man die verschiedensten Schreibweisen, darunter auch Flussspat (die ist also nicht neu), Fluss-Spat, Fluss-Spath usw. Angepasst an die Rechtschreibregeln hat sich schließlich Flußspat durchgesetzt. Mit einer Änderung der Rechtschreibregeln ist auch eine Änderung der Schreibweise zum Flussspat völlig legitim.

Bei Agricola findet sich das Mineral als "fluores", in der deutschen Übersetzung ab 1546 als "Fluss" bzw. "Flüsse", natürlich wegen der Verwendung als Flussmittel. Bei Albinus (1590) findet es sich als "Flösse". Die Bezeichnung Flussspat taucht wahrscheinlich das erste Mal in der Literatur 1758 bei Wallerius auf, der Name Fluorit stammt auch schon von 1797.

Glück Auf

Titel: Re: Gedanken zu Mineraliennamen
Beitrag von: Tobi am 12 Mar 07, 16:26
Ich schreibe auch weiterhin Graphit, nicht Grafit...
Ja, wobei das ja ein leicht anderer Fall ist als mit dem Flußspat/Flussspat. Das Wort Graphit stammt ja aus dem Griechischen, von daher ist an dieser Stelle eine Änderung von "ph" zu "f" Blödsinn. Beim Flussspat bleibe ich allerdings dabei: Es ist ein normales deutsches Wort und somit logischer Weise der Änderung unterworfen. Sonst wäre das Ganze ja auch noch verwirrender, als es ohnehin schon ist.

Flußspat (früher auch Flußspath) ist ein alter deutscher Mineralname und hat nichts mit dem Fluss (-pferd) zu tun.
Ja danke, das weiß ich auch. Aber die Rechtschreibreform geht nicht nach Herkunft oder Bedeutung, sondern rein nach der Schreibweise eines Wortes. Und da ist "Fluss" nun mal immer gleich. Aber ich nannte dir als weiteres Beispiel das Wort "Flussmittel". Da ist die Bedeutung von Fluss exakt die gleiche wie bei Fluorit. Und das Wort Flussmittel wurde auch angepasst. Aber man muss sich da nicht streiten, jeder kann doch seine Privatsammlung so beschriften, wie es ihm gefällt.

 :)
Titel: Re: Gedanken zu Mineraliennamen
Beitrag von: Ralf am 12 Mar 07, 18:04
Nun ja, es gibt noch andere Sprachen als Deutsch und Englisch. Latein ist nunmal die einzige Sprache, die in der Ganzen Welt gleich ist. Natürlich ist es nicht einfach, ja heute schon fast unmöglich, dies umzustellen. Aber auch in der Biologie hat es einschneidende Revisionen der Nomenklatur gegeben.
Also so abwegig ist der Gedanke im Grunde nicht.
Auch würde das in keinem Fall zu Aussterben der alten Begriffe führen. Auch bei Insekten ( sorry, das ich immer wieder darauf zurückkomme ) werden neben den lateinischen, gerne noch die Deutschen Begriffe verwendet, die zudem noch lokal unterschiedlich sind.
Spricht man aber mit einem Ausländer oder wirds streng wissenschaftlich, sind die lateinischen Namen das A und O.
Natürlich muß man die Kristallformen nicht als " Artmerkmal " hinzuziehen, das ist schon richtig. Aber das Kristallsystem könnte z.B. schon verschiedene Gattungen bilden.

Ralf
Titel: Re: Gedanken zu Mineraliennamen
Beitrag von: Ralf am 12 Mar 07, 18:04
Ach ja, die Diskussion über die Schreibweise wäre mit Latein auch beendet.

Ralf