Mineralienatlas - Fossilienatlas

Bergbau und Verhüttung / Mining and Smelting / Minería y Fundición => Zeugen des Bergbaus / evidence of mining => Thema gestartet von: uwe am 30 Nov 06, 19:24

Titel: Erneut Bergbau im Erzgebirge ?
Beitrag von: uwe am 30 Nov 06, 19:24
Im Leitartikel der Chemnitzer Freien Presse wurde heute berichtet, daß die Wismuttochter Wisutec in Pöhla die Möglichkeiten untersucht, die dort lagernden, reichen Wolframerze abzubauen. Wäre ja für die Region nicht schlecht, wird aber für die Sammler nichts bringen, da heute der Abraum gleich Untertage bleibt und als Versatz verwendet wird.

Was sagen die Bergbauexperten Geomüller und Bergmeister dazu ?

Glück Auf
Uwe
Titel: Re: Erneut Bergbau im Erzgebirge ?
Beitrag von: Bergmeister am 30 Nov 06, 19:44
Glück Auf Uwe,

schon klar, nachdem hierzulande wegen Billigerzimporten alles dicht gemacht wurde sagt jetzt der Chinese: njet, Eigenbedarf! Der damaligen Kurzsichtigkeit verdankt man jetzt natürlich die Abhängigkeit gegenüber gelber Schlitzaugen. Aber was soll´s, Wisutec klingt ja schon mal besser als diverse Interessenten aus dem Ösiland  ;D. Währe ja auch wirklich saudumm eine Lagerstätte im eigenen Land von Ausländern auszubeuten - erinnert mich irgendwie an die Entwicklungsländer  >:(. Auch im Vogtland, speziell die Fluoritgrube Schönbrunn und die Barytgrube Brunndöbra betreffend, soll der Bergbau aus seinem Dornröschenschlaf erwachen. Wie Du richtig bemerkt hast ist durch die heutigen Abbaumethoden leider mit keinen Funden mehr zu rechnen. Bei Schönbrunn soll der Fluorit als Granulat gewonnen werden. Entstandene Hohlräume werden gleich versetzt.

Grüße

Bergmeister
Titel: Re: Erneut Bergbau im Erzgebirge ?
Beitrag von: geomueller am 30 Nov 06, 20:11
schon klar, nachdem hierzulande wegen Billigerzimporten alles dicht gemacht wurde sagt jetzt der Chinese: njet, Eigenbedarf! Der damaligen Kurzsichtigkeit verdankt man jetzt natürlich die Abhängigkeit gegenüber gelber Schlitzaugen. Aber was soll´s, Wisutec klingt ja schon mal besser als diverse Interessenten aus dem Ösiland.
Bergmeister

Hallo,

17 Jahre nach der politischen Wende sollte eigentlich jeder begriffen haben das jeglicher Erzbergau in der DDR unrentabel war und nur aus Devisenmangel oder auf Grund von Boykotten durchgeführt wurde um den Eigenbedarf zu decken, also was hätte man da in Marktwirtschaftszeiten wie erhalten sollen. Der Bergbau war mit das erste was nach der Wende dicht gemacht wurde. Das hat nichts mit Kurzsichtigkeit sondern mit logischer Konsequenz zu tut. Und es gibt auch nicht "diverse Interessenten aus dem Ösiland" sondern einen.

Also Bergmeister, ich kann dir nur wiederholt sagen dich erst mal genau zu erkundigen bevor du hier irgend welchen Senf zum besten gibst.

Übrigens die Flussspatgrube sollte nach der Wende privat geführt weiter betrieben werden, aber es hat sich eben zu dieser Zeit nicht gelohnt!

Gruß Jürgen
Titel: Re: Erneut Bergbau im Erzgebirge ?
Beitrag von: Bergmeister am 30 Nov 06, 20:50
Ruhig blut, Wismutkumpel,

logo waren die Bergbaubetriebe der ehemaligen DDR unrentabel doch deswegen gleich alles dicht machen und absaufen lassen? Die Steinkohle wird schließlich auch subventioniert. Und überhaupt, in ein paar Jahren wird es soweit gekommen sein das irgendwelche ausländischen Unternehmen noch die Restkrümel des Uranerzes bei uns abbauen werden.

Thema Flußspatgrube: da gab es eh mehrere Varianten bis hin zum Freizeitpark, um das austretende Thermalwasser zu nutzen.

Thema Erzräuber aus dem Ösiland: ob mehrere oder nur ein Interessent - mir doch egal!

Thema Senf: welchen bevorzugst Du? Esina oder Bautzner?  ;D
Titel: Re: Erneut Bergbau im Erzgebirge ?
Beitrag von: loismin am 01 Dec 06, 15:27
Hallo Bergmeister.

So ausländerfeindliche Parolen wie Schlitzaugen und Ösis höre ich zumindest
nicht gerne ,egal wo das geschrieben wird und von wem.
Auch Du solltest froh sein wenn sich Geldgeber finden die im Osten Deutschlands finanzieren und Arbeitsplätze schaffen.
Woher in der Welt die kommen ist heutzutage auch schon egal.

Gruß
Loismin
Titel: Re: Erneut Bergbau im Erzgebirge ?
Beitrag von: Bergmeister am 01 Dec 06, 19:07
Hi loismin,

der Ausdruck Ösi steht regional auf einer Stufe mit Ossi oder Wessi. Von ausländerfeindlicher Parole kann hier keine Rede sein. Ebenso Schlitzaugen. Was meinst Du wie über uns Deutsche geredet wird? Wir sind doch überall die Trottel. Bleib mal auf dem Teppich. Das ist ja ähnlich wie mit den Mohamed-Karrikaturen. Aus einer Mücke wird gleich ein Elefant gemacht.

Gruß vom ausländerfreundlichen Bergmeister
Titel: Re: Erneut Bergbau im Erzgebirge ?
Beitrag von: kristallspürnase am 01 Dec 06, 19:41
jaaa...peng,krach, ssssssshhhhhhhhh...buff! Neuen Zündstoff braucht das Land!
Also als unrentabel würde ich den bergbau bei uns zu DDR-Zeiten nicht betrachten und auch für dich, Geomüller, rentieren sich die Halden der 371 oä noch oder?!? na;)!?
Ösi=ausländerfeindlich ??? Wohl nicht oder?! Bin aber auch der Meinung, das Deutschland lieber selber versuchen sollte seine Rohstoffe zu nutzen und nicht dem Umland in den Rachen werfen!! Das endet dann so wie mit dem Transrapid!...
Wie auch immer: Vote for German Bergbau!!!!

ach und: @geomüller: das sind ja auch ganz neue Töne von dir: ich kann dir nur wiederholt sagen dich erst mal genau zu erkundigen bevor du hier irgend welchen Senf zum besten gibst!? Das ist nicht nett..wegen so einer Kleinigkeit!zhzh


Keep on Digging!
Titel: Re: Erneut Bergbau im Erzgebirge ?
Beitrag von: Kilo am 01 Dec 06, 19:56
Leute
beruhigt euch,
geht kloppen, das bringt mehr!
Gruß Kilo
Titel: Re: Erneut Bergbau im Erzgebirge ?
Beitrag von: geomueller am 01 Dec 06, 20:09
Ach schade das ich kein Globalmoderator mehr bin, dann würde ich diesen Thread in den Kindergarten verschieben, so wie er jetzt geführt wird gehört er da hin!

Zurück zum Thema!!!
Klar wäre es schön wenn in Sachsen und Deutschland überhaupt der Bergbau wieder aufblühen würde, bei den ständig steigenden Rohstoffpreisen wird dies hier und da sicher mittelfristig auch geschehen. Einen Erzbergbau im großen Maßstab wird es aber mit Sicherheit in Deutschland nicht mehr geben, nicht nur weil derart reiche Vorkommen nicht mehr vorhanden sind sondern auch weil die bürokratischen Hemmnisse und Auflagen in Deutschland einfach zu groß sind.

Zu der Scheelitlagerstätte in Pöhla-Tellerhäuser ist zu sagen das diese seit den 80er Jahren schon bekannt und intensiv erkundet ist aber auch zu DDR-Zeiten nicht abggebaut wurde, obwohl man das Wolfram dringend für den Eigenbedarf benötigt hätte, weil die Aufbereitung dieses Wolframerzes, welchen feindispers verteilt in Skarn vorkommt, sehr kompliziert und kostenintensiv ist. In der Lagerstättensammlung der Wismut in Hartenstein ist dieses Scheeliterz und auch das daraus gewonnene Wolframkonzentrat zu besichtigen.

Wenn das alles so einfach gewesen wäre hätte man das Wolfram in Pöhla mit gewinnen können denn die bergmännischen Aufschlüsse waren da, das in Pöhla vorhandene Zinnerz wurde ja auch abgebaut.

Es wäre schön wenn dieser Thread nun fachlich und sachlich weiter geführt werden könnte :)

Gruß Jürgen
Titel: Re: Erneut Bergbau im Erzgebirge ?
Beitrag von: Bergmeister am 01 Dec 06, 20:13
@geomueller,

ganz Deiner Meinung. Danke für die sehr interssanten Ausführungen.

Gruß Bergmeister
Titel: Re: Erneut Bergbau im Erzgebirge ?
Beitrag von: geomueller am 01 Dec 06, 20:34
Noch mal ich,

die geologisch-geophysikalischen Lagerstättenerkundungsarbeiten in der DDR wurden sehr intensiv und aufwendig geführt da man auf die Rohstoffe angewiesen war und wohl jede Lagerstätte die abbauwürdig war und deren Rohstoffe auch aufbereitbar waren wurde auch abgebaut selbst wenn der Aufwand so hoch war das er unter marktwirtschaftlichen Bedingungen nicht betrieben worden wäre. Ich möchte fast behaupten das es kein anderes Land in der Welt gibt mit einer derart hohen Bohrloch- und Erkundungsdichte wie die ehemalige DDR.

Dabei wurden auch einige Lagerstätten entdeckt deren Rohstoffe nicht oder nur mit unrealistisch hohem Aufwand aufzubereiten waren. Zwei Beispiele sind eine Skarnerzlagerstätte bei Delitzsch und der Felsithorizont bei Freiberg.

Gruß Geomueller
Titel: Re: Erneut Bergbau im Erzgebirge ?
Beitrag von: Ingo Löffler am 01 Dec 06, 20:37
Hallo Jungs,
deses Thema ineressiert mich auch mal,vor welchen Schwierigkeiten steht Bergbau eigendlich hier in Deutschland?Eine Konzession kann nicht teuer sein!Begründung:Der Verein Historischer Goldbergbau (bin selber Mitglied) in Goldhausen Hessen besitzt eine über etwa 20000 Hektar diese kostet ein Apfel und ein Ei in Vergleich zu Mexicanischen Verhältnissen.
Umweltschutz ist ne Lachnummer!Begründung:Der Willinger Skiverein baut (läst bauen) in den nächsten Jahren oben auf den Berge extra ein Wasserbecken (künstlichen See) um im Winter die Schneeproduktion kostenbilliger und effizienter betreiben zu können.Dazu werden größere Waldflächen gerodet die aber im Naturschutzgebiet liegen.
Also was sagt die Bergordnung aus wie sieht es mit Steuern und Abgaben aus.Ist die Bergordnung Bundesweit einheitlich geregelt oder gibt es Länderabhängige unterschiede.Mich interessieren mal echte Fakten und keine Mutmaßungen.

Gruß Calciteminer
Titel: Re: Erneut Bergbau im Erzgebirge ?
Beitrag von: Isarkiesel am 01 Dec 06, 21:09
Hallo Calciteminer!

Es sind wohl die Arbeitsschutzvorschriften zusammen mit dem Umweltschutz.

Gruß,
Holger
Titel: Re: Erneut Bergbau im Erzgebirge ?
Beitrag von: Ingo Löffler am 01 Dec 06, 21:40

Hallo Holger,
deine Antwort ist leider etwas schwammig,nichts konkretes.Ein ehemaliger Lehrer von mir sagte in solchen Fällen immer "komm zur sache Schätzchen",soll heißen das es bitte konkreter werden soll.Eine Aussage mit der man etwas Anfangen kann.
Arbeitsschutzvorschriften hast du auch in anderen Ländern und Umweltschutz ist relativ,kommt immer auf die höhe der Investition an.

Gruß
Calciteminer
Titel: Re: Erneut Bergbau im Erzgebirge ?
Beitrag von: wolfi am 01 Dec 06, 22:34
Servus alle,

Skarn bei den Preussen in Delitzsch? Hab ich auch noch nicht gewusst...
Tatsache ist es jedoch, dass die Rohstoffpreise exorbitant steigen - ein Ende dieser Entwicklung ist wohl in den nächsten Jahren nicht in Sicht - , daher sage ich als Bänker, steigt in Rohstoff-Fonds ein! Nebeneffekt dabei, es werden auch wieder alte Rohstoff-Vorkommen in Deutschland auf Rentabilität überprüft. Vielleicht gibt es dabei die ein oder andere Überraschung. Festlegen würde ich mich dabei aber jetzt nicht unbedingt auf ein bestimmtes Vorkommen, sei es Pöhla, Ehrenfriedersdorf, Wölsendorf oder Auerbach/Oberpfalz. Gerüchte gibt es schon einige, aber die glaube ich erst, wenn Bergleute nach unten fahren...
Aber, wie es schon in der Werbung heisst: nix ist unmöglich!

Servus + Glück auf
Wolfi
Titel: Re: Erneut Bergbau im Erzgebirge ?
Beitrag von: Schmucki am 01 Dec 06, 23:11
Hallo Calciteminer,

also das Rechts des Bergbaus ist Teil des Rechts der Wirtschaft und gehört damit zur sogenannten "konkurrierenden Gesetzgebung". Das heißt, das grundsätzlich die Länder zuständig sind, solange der Bund keine Regelung getroffen hat. Der Bund hat aber mit dem Bundesberggesetz (BBergG) eine abschließende und damit bundeseinheitliche Regelung getroffen. Dementsprechend gibt es in Sachsen nur noch eine Zuständigkeitsverordnung, die die Zuständigkeiten der Behörden regelt.  Das darf der Bund nämlich nur selten regeln. So weit ich das zu dieser Stunde nachvollziehen kann, hat daran auch die Förderalisreform nichts geändert.
Ob es allerdings bei den Steuern und Abgaben nicht eventuell länderverschiedene Regeln geben kann, müsste ich  nochmal nachlesen. Wo abgebaut werden kann, hängt auch von der jeweiligen Planung des Landes zur Raumordnung und in Flächennutzungsplänen ab. Z.B. werden für Kiesgruben entsprechende Flächen "reserviert".
Ich hoffe ich konnte ein wenig helfen.

Viele Grüße.
Sebastian aus Geithain/Sa.
Titel: Re: Erneut Bergbau im Erzgebirge ?
Beitrag von: uwe am 02 Dec 06, 19:52
Nochmal was zur Qualität der Rohstofferkundung und -gewinnung in der ehm. DDR. Ich habe gehört, daß die tiefsten und kompliziertesten Erdölbohrungen weltweit hierzulande gemacht wurden und daß der gesamte Schmierstoffbedarf der DDR aus einheimischen Erdöl gewonnen wurde.

Weis jemand dazu etwas genaueres ?

(Aber kloppt Euch nicht gleich wieder !  ;))

Glück Auf
Uwe
Titel: Re: Erneut Bergbau im Erzgebirge ?
Beitrag von: Bergmeister am 03 Dec 06, 11:03
Gab es nicht mal im Greifswalder Bodden Ende der 80er Erkundungsarbeiten nach Erdöl?
Titel: Re: Erneut Bergbau im Erzgebirge ?
Beitrag von: geomueller am 03 Dec 06, 14:03
Hier was zur Erdöl/Erdgasförderung und Erkundung in der BRD, Stand 1999

http://www.nlfb.de/rohstoffe/downloads/jahresbericht_1999.pdf
Titel: Re: Erneut Bergbau im Erzgebirge ?
Beitrag von: smoeller am 03 Dec 06, 14:26
Hallo,

Wen das rechtliche zum Thema Bergbau in Sachsen interessiert, findet auf den Seiten des Oberbergamtes Freiberg unter www.bergbehoerde.sachsen.de interessante Infos.

Glück Auf!
Smoeller
Titel: Re: Erneut Bergbau im Erzgebirge ?
Beitrag von: geomueller am 21 Mar 07, 21:05
Hallo alle,
ich möchte dieses Thema noch einmal aufgreifen. Ich habe gerade den Sachsenspiegel (Regionalfernsehen) im MDR gesehen. Dort kam ein kurzer Bericht von der "Rohstoffkonferenz Sachsen" die heute in Freiberg (wo sonst ;D ;D ) statt fand. Dort wurden erste Ergebnisse der seit einem Jahr wegen der steigenden Weltmarktpreise für Rohstoffe in Arbeit befindlichen Rohstoffneubewertung sächsischer Lagerstätten vorgestellt.

Im Ergebnis dieser Neubewertung wurden folgende sächsischen Lagerstätten als mögliche Kandidaten für eine Aufnahme eines erneuten Bergbaus genannt:

- Flußspatlagerstätte Schönbrunn Vogtland,
- Zinnerzlagerstätte Gottesberg Vogtland,
- Flußspatlagerstätte Niederschlag Erzgebirge,
- Polymetalllagerstätte Pöhla/Tellerhäuser Erzgebirge,
- Zinnerzlagerstätte Altenberg,
- eine nicht näher bezeichnete Barytlagerstätte, wird wohl Brunndöbra im Vogtland sein.

Ob an diesen Orten und vielleicht noch weiteren jemals wieder Bergbau statt findet und wenn ja in welchem Ausmaß wurde in dem Bericht natürlich offen gehalten, aber dies sind die heißesten Kandidaten.

Gruß Jürgen
Titel: Re: Erneut Bergbau im Erzgebirge ?
Beitrag von: joachimotto am 21 Mar 07, 23:22
Naja, in meiner alten Heimat, dem Harz, wird wohl nichts mehr gehen. Da ist alles alle. Egal ob Flussspat in Rottleberode (der war zu DDR Zeiten eigendlich schon alle), oder der Rammelsberg in Goslar, wo noch kleine Reste Armerz sind.  Vielleicht wird ja das schlechte Eisenerz bei Salzgitter wieder abgebaut.
Ich denke das die Rohstoffpreise noch ziemlich steigen müssen, bis hier wieder Bergwerke entstehen. Aber sicherlich kann es noch viele Überraschungen geben.
Titel: Re: Erneut Bergbau im Erzgebirge ?
Beitrag von: geomueller am 22 Mar 07, 20:02
Hallo,

in der sächsischen "Freien Presse" (auflagenstärkste Regionalzeitung Deutschlands!!) wurde heute nochmal das bestätigt was gestern im Fernsehen kam (siehe zwei Beiträge weiter oben), mit dem Zusatz das das Land Sachsen ab 2008 mit einer Visitenkarte jeder abbauwürdigen offensiv auf mögliche Investoren und Bergbauunternehmen zugehen will um den Bergbau wieder in Gang zu bringen!

Das klingt doch gut, heißt aber trotzdem noch nicht das es wirklich los geht. Ich finde diese Entwicklung sehr interessant, vor allem weil es vom Land ausdrücklich gewollt und gefördert wird.

Mal sehen vielleicht bekomme ich ja noch meine Untertagejahre bis zur Rente voll ;D ;D ;D ;D

Gruß Jürgen ;)
Titel: Erneut Bergbau in Salzgitter?
Beitrag von: Manganit am 24 Oct 13, 08:39
Naja, in meiner alten Heimat, dem Harz, wird wohl nichts mehr gehen. Da ist alles alle. Egal ob Flussspat in Rottleberode (der war zu DDR Zeiten eigendlich schon alle), oder der Rammelsberg in Goslar, wo noch kleine Reste Armerz sind.  Vielleicht wird ja das schlechte Eisenerz bei Salzgitter wieder abgebaut.
Ich denke das die Rohstoffpreise noch ziemlich steigen müssen, bis hier wieder Bergwerke entstehen. Aber sicherlich kann es noch viele Überraschungen geben.

Zum Thema schlechte Eisenerze im Salzgitter Trog gibt es jetzt Neuigkeiten im Zwischenbericht zum 1. Halbjahr der Salzgitter AG: http://www.salzgitter-ag.com/gb/2013q2/de//Zwischenlagebericht/Besondere_Vorgaenge/

Erwerb von Eisenerzabbaurechten

Zum Erwerb von Rechten zum Abbau von Eisenerz in Niedersachsen wurde mit der Preussag Immobilien GmbH, einer Konzerngesellschaft der TUI AG, ein Kauf- und Übertragungsvertrag geschlossen. Schwerpunkte des in den 1950er Jahren näher erkundeten Eisenerzvorkommens sind unter anderem die Regionen Salzgitter, Peine und das Gebiet zwischen Salzgitter und Gifhorn, der Gifhorner Graben. Die seinerzeit verliehenen Bergrechte gewähren das ausschließliche Recht, Eisenerz abzubauen. Es handelt sich um 236 Bergwerksfelder mit einem Gesamtflächeninhalt von weit mehr als 500 km2 und das bedeutendste Eisenerzvorkommen Deutschlands.
 
Aufgrund der Bedingungen zum Bezug von Eisenerz auf dem Weltmarkt im Vergleich zu den Kosten inländischer Förderung und Aufbereitung sind die Abbaurechte derzeit nicht wirtschaftlich nutzbar. Dementsprechend ist nicht beabsichtigt, in absehbarer Zeit davon Gebrauch zu machen. Der exorbitante Preisanstieg für Eisenerz in der zweiten Hälfte des letzten Jahrzehnts hat allerdings gezeigt, dass eine künftige Nutzung heimischen Eisenerzes nicht völlig ausgeschlossen sein muss. Im Sinne langfristiger Daseinsvorsorge haben wir dafür die Rechte zu einem Kaufpreis von einem Euro sowie der Übernahme von Sicherungspflichten erworben.


Die Menge machts halt: Milliarden Tonnen 30%iger saurer Erze (SiO2) erlauben in Zukunft sicher eine vernünftige Ausbeute, und der Schacht Konrad 2 ist direkt auf dem Stahlwerksgelände in Salzgitter Watenstedt, da wird eh gebuddelt. Ich habe da mal ein Praktikum gemacht im Stahlwerk.
Titel: Re: Erneut Bergbau im Erzgebirge ?
Beitrag von: dendrocopos am 26 Oct 17, 19:18
Heute in der Presse gefunden:

Der Wochenreport von WIRTSCHAFT+MARKT
Sachsen: Erzaufbereitungsanlage in Mittweida vor dem Start
 
Leipzig. Das Bergbauprojekt der Saxony Minerals & Exploration AG (SME AG) zum Abbau von Wolfram, Zinn und Flussspat in Pöhla bei Schwarzenberg geht in die erste Phase. Während oberhalb von Pöhla, unweit der alten Zinnstollen derzeit ein Erkundungsschacht vorangetrieben wird, kommen im Gewerbegebiet Mittweida-West bei Lauenhain momentan die Anlagenteile für die Gesteinsaufbereitung an. Bei der Anlage, die im Gewerbegebiet West aufgebaut werden soll, handelt es sich um eine Pilotanlage für die künftige Aufbereitungsanlage in Pöhla. Die Arbeit aufnehmen soll sie, so die Planung, im Dezember. „In Mittweida geht es uns erst einmal nur um die Erze Wolfram und Flussspat“, berichtet Dr. Martin Welke, Chefchemiker der SME AG vor Ort. „Wir untersuchen dabei, mit welchem Verfahren sich Erze am besten aus dem geförderten Gestein herauslösen lassen.“ Projektmanager Finder geht davon aus, dass sich mit der Pilotanlage die Wiederaufnahme des Bergbaus in Pöhla in die entscheidende Phase begibt.

Glückauf!
Frank
Titel: Re: Erneut Bergbau im Erzgebirge ?
Beitrag von: dendrocopos am 09 Dec 17, 17:16
Neues aus dem Erzgebirge.

Freie Presse Chemnitz online / erschienen am 28.11.2017
Bergbau in Zinnwald soll aufleben
Der Deutschen Lithium ist das Bergrecht für das gut 250 Hektar große Areal an der Grenze zu Tschechien bewilligt worden. 2019 soll es losgehen.
Freiberg/Zinnwald. Der Claim ist abgesteckt - so kommentiert Professor Armin Müller den Bescheid, den er vom Sächsischen Oberbergamt erhalten hat. Darin erteilt die Freiberger Behörde der Deutschen Lithium GmbH die "bergrechtliche Bewilligung zur Gewinnung bergfreier Bodenschätze" in einem etwas mehr als 250 Hektar großen Gebiet zwischen Zinnwald und Altenberg. Müller ist Geschäftsführer der Freiberger Firma, die hier ab 2019 nach Lithium-Eisen-Glimmer graben und ab 2021 voll produzieren will. Das Material, das von Mineralogen auch Zinnwaldit genannt wird, ist als Lithiumlieferant interessant. Das Leichtmetall wird in Lithium-Ionen-Akkumulatoren verwendet und gewinnt angesichts der immer breiteren Nutzung von Elektroautos, Smartphones und Akkuwerkzeugen an Bedeutung.
Rund 500.000 Tonnen Gestein sollen pro Jahr aus dem Bergwerk mit sechs Sohlen bis in eine Tiefe von etwa 300 Metern abgebaut werden. Das Material werde in Altenberg gemahlen und die Körner mittels eines Magnetabscheiders "sortiert", so der 56-jährige Firmenchef weiter: "Dabei machen wir uns zunutze, dass Zinnwaldit auch Eisen enthält." Das so gewonnene Konzentrat soll dann in einer Chemieanlage bei Dresden auf etwa 1000 Grad erhitzt und gelaugt werden, um Lithiumverbindungen zu gewinnen, die verkauft werden können. Die geplante Jahresausbeute liegt nach den Worten des Chemikers bei 8000 Tonnen. Auf dem Weltmarkt werde die Tonne derzeit mit bis zu 12.000 Dollar gehandelt. Aus dem geschätzten Vorrat von 96.000 Tonnen reinem Lithium ließen sich theoretisch etwa 500.000 Tonnen Lithium-Verbindungen gewinnen - der Boden unter Zinnwald wäre damit etwa 5 Milliarden Euro wert.
Müller hält diese Zahl aber für zu reißerisch. Erstens lasse sich die Lagerstätte nicht restlos ausbeuten - geplant ist ein Kammerbergbau, bei dem sogenannte Pfeiler stehen bleiben - und zweitens dürfte der Tonnenpreis wieder sinken. "Wir erleben seit 2015 einen Hype. Zuvor hat die Tonne lange Jahre etwa 6000 Euro gekostet", weiß der Fachmann. Die Schwierigkeit des Projekts bestehe daher weniger im Abbau und der Verarbeitung des Materials, so Müller, "sondern darin, auch dann noch profitabel zu sein, falls der Preis sinkt." Dazu werde derzeit eine "bankenfähige Machbarkeitsstudie" erarbeitet; immerhin werden für die Investitionen gut 100 bis 120 Millionen Euro benötigt. Auch so haben die derzeit fünf Mitarbeiter der Deutschen Lithium noch jede Menge "Hausaufgaben" zu erledigen. So sind beispielsweise ein Rahmenbetriebsplan und diverse Gutachten für das Bergwerk zu erarbeiten. "Bei der Genehmigung prüfen die Behörden, ob wir alle Schutzvorschriften beispielsweise für die Menschen, das Wasser und die Luft in dem Gebiet einhalten", erläutert der Geschäftsführer.
Seine Firma hat ihren Sitz an der Berthelsdorfer Straße 111 in Freiberg - im Verwaltungsgebäude der in Liquidation befindlichen Solarworld. Sie war 2008 als Solarworld Solicium GmbH gegründet und nach dem Einstieg der Bacanora Minerals in diesem Jahr - der kanadische Konzern hält 50 Prozent der Anteile und hat eine Kaufoption für den Rest - in Deutsche Lithium umbenannt worden. An dem Projekt in Zinnwald wird seit 2010 gearbeitet. Zunächst wurden Erkundungsbohrrungen ausgewertet und verifiziert, die zum Teil bis 1917 zurückreichen. 2013/14 sind dann sechs weitere Bohrungen niedergebracht worden; bis Jahresende soll das Erkundungsnetz um 15 weitere Bohrungen verdichtet werden. In Zinnwald war seit dem Mittelalter Zinn abgebaut worden. Der letzte Schacht wurde 1991 im nahen Altenberg geschlossen. "Die Leute dort haben großes Interesse am Bergbau", sagt Müller. Die Zinnwaldit-Lagerstätte selbst reiche bis nach Tschechien hinein: "Es gibt im Altbergbau Untertage sogar ein Gitter an der Stelle, wo die Grenze verläuft." Auf böhmischer Seite lägen etwa zwei Drittel der Gesamtvorräte. Diese untersuche ein australisches Unternehmen genauer.

Glück auf!
Frank

Titel: Re: Erneut Bergbau im Erzgebirge ?
Beitrag von: dendrocopos am 04 Jul 19, 21:00
Heute in der Presse:
Berggeschrey im Erzgebirge - Der lange Weg zum Bergwerk Von Martin Kloth, dpa
Der Goldrausch heißt im Erzgebirge Berggeschrey: Der Ansturm auf Bodenschätze erlebt dort aktuell die vierte Auflage. Aus fünf Dutzend Projekten ist bislang ein Bergwerk entstanden. In absehbarer Zeit könnten weitere in Betrieb gehen.
Schwarzenberg (dpa/sn) - Aufwändig, langwierig, kostspielig - aber im Idealfall auch ertragreich. Angetrieben von dem weltweit seit Jahren steigenden Bedarf an Rohstoffen erlebt das an Bodenschätzen immer noch reiche Erzgebirge eine Renaissance des Erzbergbaus. Seit 2006 wurden beim Sächsischen Oberbergamt in Freiberg 60 Vorhaben auf Erkundung, Errichtung und Betrieb neuer Bergwerke im Bereich Erz und Spat genehmigt, sagt Oberberghauptmann Bernhard Cramer im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Mit Stand vom 26. Juni gab es in Sachsen noch 16 genehmigte Erkundungen, drei weit fortgeschrittene Projekte sowie ein aktives Bergwerk. «Das ist der neue Bergbau-Hype, der sich global auf spezifische Erzlagerstätten ergeben hat», sagt Cramer. Es ist dies das vierte Berggeschrey seit den ersten Silberfunden im 12. Jahrhundert. Als Berggeschrey wird im Erzgebirge ähnlich dem Goldrausch in Amerika der Ansturm auf Bodenschätze bezeichnet.
Dass von einst 60 Projekten nur noch ein Drittel fortgeführt wird, ist für den Oberberghauptmann ganz normal. Bei vielen Unternehmen seien es nur kurzfristige Aktivitäten. «Die Guten bleiben.» Die weltweite Erfahrung besagt laut Cramer, dass auf 100 Projekte ein neues Bergwerk kommt. «Wir hatten jetzt 60, ein Bergwerk steht schon, zwei sind weit entwickelt», bilanziert er für Sachsen. Das neue Berggeschrey unterscheide sich jedoch sehr deutlich von den drei vorherigen, weil es erst ein Bergwerk gebe, sagt Cramer. «Wir werden hier nicht wieder 30 verschiedene Bergwerke im Erzgebirge in den nächsten 100 Jahren haben. Aber der Begriff an sich schlägt die Brücke zwischen dem, was war, und dem Versuch, wieder einen Anschluss herzustellen», betont er.
Das erste und derzeit einzige Untertagebergwerk in Sachsen seit 1992 ist die Grube Niederschlag nahe Oberwiesenthal. Dort wird Fluss- und Schwerspat abgebaut. Weitere aktive Bergwerke könnten im Schwarzenberger Ortsteil Pöhla für Zinn und Wolfram, in Zinnwald für Lithium und in Schleife im Landkreis Görlitz für Kupfer entstehen. «Diese drei Projekte haben ein Recht auf Errichtung und den Betrieb eines Bergwerks», sagt Cramer. In Pöhla erkundet das Unternehmen Saxony Minerals & Exploration AG (SME) aus Halsbrücke (Landkreis Mittelsachsen) seit Dezember 2016 das Erdreich. Der Erkundungsschacht hat fast die vorgesehene Tiefe von 175 Metern erreicht. Man sei dabei auf das erwartete Wolfram- und Flussspat-Lager gestoßen, so die SME. Schon 2012 hatte die Firma die Bewilligung für den Abbau von Wolfram, Zinn und Flussspat erhalten. 2014 waren die Probebohrungen abgeschlossen worden.
Wer in Sachsen Bodenschätze heben will, braucht einen langen Atem. Das Genehmigungsverfahren inklusive Rahmenbetriebsplänen, Umweltverträglichkeitsprüfungen und Raumordnungsverfahren ist kompliziert und dauert lange. Zuerst wird ein Antrag auf eine bergbaurechtliche Erlaubnis erteilt. «Hier fällt noch nicht die Entscheidung über eine Investition für die Nutzung, sondern man guckt sich die Lagerstätten an und entwickelt Pläne», sagt Cramer. Danach folgt der begründete Antrag für die Errichtung und den Betrieb eines Bergwerks. Im Verlaufe dieser Phase würden über Investitionen entschieden und Geldgeber akquiriert. «Wenn das durch ist, dann müssen sie plötzlich eine Investition über 100 oder 200 Millionen Euro tätigen», erläutert Cramer. Und weiter: «Deswegen gibt es diese sehr komplexen, langen Vorgänge, die alle technisch, geologisch, finanziell und rechtlich miteinander abgestimmt sein müssen.»
Titel: Re: Erneut Bergbau im Erzgebirge ?
Beitrag von: geomueller am 16 Nov 20, 19:46
Hallo alle,
es gibt wieder einmal Meldungen neuen Erzvorkommen im Erzgebirge und Hoffnungen auf möglichen Bergbau. Siehe Link:

https://www.mdr.de/sachsen/chemnitz/annaberg-aue-schwarzenberg/zinn-vorkommen-erzgebirge-bockau-100.html

Glück Auf, Jürgen
Titel: Re: Erneut Bergbau im Erzgebirge ?
Beitrag von: rutilquarz am 17 Nov 20, 22:25
Hallo Bergbaufreunde,
den folgenden Artikel wollte ich eigentlich an die Freie Presse schicken, ich denke, er ist auch hier ganz gut angebracht:
Titel: Re: Erneut Bergbau im Erzgebirge ?
Beitrag von: oliverOliver am 17 Nov 20, 22:30
hallo Petra,
ich seh da nach dem Doppelpunkt aber leider nix!
 ;)
Titel: Re: Erneut Bergbau im Erzgebirge ?
Beitrag von: rutilquarz am 17 Nov 20, 22:49
tut mir leid, ist ein kleiner Fehler passiert, jetzt folgt der Text:
Heute früh wollte mich meine Frau, die Zeitung schwenkend, mit dem Ausspruch: „unerwartete Zinnlagerstätte zwischen Bockau und Aue – warum hast Du die nicht entdeckt?“ überraschen. Nach kurzem Staunen meinerseits und Blick auf die Grafik in der Zeitung, erwiderte ich: „ das weis doch jeder (geologisch-montanhistotisch Interessierte)“.
Nach der Lektüre der Artikel bleibe ich, gelinde gesagt, etwas erstaunt und ratlos zurück. Der mit der Materie nicht befasste Leser muß nun annehmen, daß hier etwas völlig Sensationelles und Neues entdeckt wurde. Dem ist meiner Meinung nach überhaupt nicht so. Mir sind sofort einige Publikationen eingefallen, die sich mit eben jener „Lagerstätte“ beschäftigen. Ein paar Beispiele mögen das veranschaulichen:
- Müller, H., in Cottas Gangstudien, 1860
- Schalch, F., Erläuterungen zur geologischen Specialkarte…, 1884
- Hösel, G., Zur Genese der sogenannten Zinnlager von Aue und Bockau…, 1973
- Schriftenreihe  der Magister Georg Körner Gesellschaft, Bd.14, 2011
- Woidtke, S., Der Berg ist frei, Bd 4, 2006
- Unbekannter Bergbau, Webseite ( u.a. Veröffentlichungen Sächsische Landesbibliothek)
Mir ist unverständlich, wie die zitierten Geologen von Beak die Funde von zinnführenden Gesteinen in besagtem Gebiet als „Sensation“ bezeichnen und es als „unglaublich“ definieren, hier so etwas zu finden. Das hier zinnführende Stukturen existieren, ist eigentlich regionalgeologisches Grundwissen. Ein Gebiet, in dem vor ca. 300 bis 150 Jahren intensiver, dokumentierter Zinnbergbau umging, als sensationelle Neuentdeckung zu bezeichnen, ist ein Widerspruch in sich.
Und das „mit der Entdeckung von Zinn bei Bockau niemand (rechnete)“, zeugt nicht gerade von Sachverstand. Der Heimatforscher und Montanhistoriker Christoph Lang hat 1997 genau in jenem Areal umfangreich Proben entnommen und auf den Zinngehalt analysieren lassen. Die Ergebnisse hat er veröffentlicht (z.Bsp in Woidtke,s.o.). Hat man sich darum wirklich nicht gekümmert oder passt die nicht so gut in die Geschichte der „unglaublichen Sensation der Neuentdeckung“? Auch die Ansicht, daß „die nun gemachte Entdeckung gängigen geologischen Theorien widerspricht“, ist meiner Meinung nach falsch -  genau diese Theorie lieferte in neuerer Zeit u.a. Hösel (s.oben angeführte Publikation) als stratiformer Lagerstättentyp epigenetischer Bildung. Das umfassende Bohrprogramm der SDAG Wismut, besonders die Zinnerkundung im Auftrag des Staates in der zweiten Hälfte des vergangenen Jhd, lieferte ebenfalls eine Fülle von Erkenntnissen. Ich selbst war bei geologischen Bohrungen in den 70er Jahren in besagtem Gebiet tätig, so lange her ist das ja auch nicht. Beak greift wesentlich auf diesen großen Wissensschatz zurück, wie kann man da guten Gewissens von einer Neuentdeckung sprechen?
Kritisch sehe ich auch die Messung mit einem Röntgenspektrometer (System Niton o.ä.) auf dem Rohstein. Aus jahrzehntelanger Erfahrung mit solchen Geräten weis ich, daß eine solche Messung immer einer kritischen Prüfung bedarf und dem ausgewiesenen Zahlenwert nie kritiklos geglaubt werden darf. Zu viele Fehlerquellen können Einfluß haben. Zum einen wurden diese Geräte entwickelt, um Metalle zu analysieren, zum anderen können leichte Elemente wie O,Si,K usw. aus physikalischen Gründen nicht direkt gemessen werden, sondern nur mit Spezialprogrammen berechnet und einer vergleichenden Bewertung unterzogen werden( Zinn liegt als SnO2 vor). Da die Messung nicht punktuell, sondern flächig (mehrere mm²) erfolgt, erfasst der Meßstrahl gerade bei Gesteinen, die hier untersucht werden, die verschiedenen Bestandteile der Probe in Summe. Liegt beispielsweise ein Zinnsteinkorn in der Probefläche, wird das Gerät einen relativ hohen Zinngehalt ausweisen. Es kann aber sein, das dieses Zinnkorn das Einzige in der Umgebung von mehreren cm² und somit keineswegs repräsentativ für das Gestein als Ganzes ist. Um einigermaßen aussagekräftige Analysen zu erhalten, müssen vorab aufwändige Vergleichsmessungen zwecks Kalibration durchgeführt  und sehr viele Messungen gemittelt werden. Zudem sollten die Meßzeiten pro Messung möglichst lang sein und nicht schon nach einer Sekunde abgebrochen werden.
Zur Bergbau-Perpektive: Es handelt sich in dem mehrere km² großen Gebiet um eine Vielzahl von Kleinstlagerstätten (wenige Tm2,selten über 1m mächtig) innerhalb eines konkreten Gesteinspaketes. Die Zinnführung ist zudem sehr absätzig innerhalb der „Erzzonen“. Oberflächliche, leicht erreichbare Erze sind abgebaut. Die Morphologie im Gebiet ist schwierig, teils mit urbaner Infrastruktur. Die potentiell abbaubare Fläche wird so schon beträchtlich kleiner. Anwendbare Technologien zum Lagerabbau existieren, produzieren aber z.Bsp. beträchtliche Überschüsse tauben Gesteins und andere „Kollateralschäden“(siehe W-Erkundung Pöhla-Globenstein). Bergbau auf diesem Zinnlagern wird unter Betrachtung wirtschaftlicher und gesellschaftlicher, besonders ökologischer Aspekte in überschaubaren Zeiträumen kaum möglich sein.
Das an der hier besprochenen Thematik wieder oder weiter geforscht wird, ist gut und begrüßenswert. Das dabei mitunter auch neue Erkenntnisse gewonnen  oder vorhandene erweitert werden, beispielsweise über die Genese, steht außer Frage. Nur sollte man sich vorab mit dem bereits vorhandenem Wissen vertraut machen und nicht eine unwahrscheinliche und unglaubliche Sensation für sich herbeireden. Das ist Populismus und Effekthascherei. Wohl bezweckt und unterfüttert von Beak Consultants, aufzufallen scheint  alles zu sein. Die Freie Presse berichtet meiner Meinung nach größtenteils  gut und ausgewogen, bitte verzichten Sie  auf reißerische Überschriften a la Bild und hinterfragen Sie alles lieber zweimal (meine Zuschrift eingeschlossen).

Mit „Glück Auf!“


PS
Eben lese ich zum Thema einen Beitrag vom mdr. Dieser ist noch einen Zacken schärfer und meiner Meinung schon nahe einer bewussten Falschinformation. Herr Barth schreibt: „nun haben Geologen reiche Zinnvorkommen entdeckt“. Falsch, diese Zinnvorkommen sind schon lange bekannt und ob sie reich sind, ist eine vage Vermutung. Weiter: „gefunden wurde das Metall an einer Stelle, an der es laut gängiger Lehrmeinung gar nicht hätte sein dürfen“. Eine falsche Aussage.  Hat Herr Barth nie die Abhandlung vom Hösel gelesen, nie die Analysen von Lang gesehen? - es scheint so, sonst könnte er so etwas nicht sagen. „Normalerweise finden sich Zinnvererzungen im Umfeld von Granitgesteinen“ - ja, ganau da trifft hier zu. Der Granit grenzt unmittelbar an die hier relevante metamorphe Gesteinsserie bzw unterlagert sie in geringer Teufe. Hat Herr Barth nie eine geologische Karte gesehen? „Nun ist die Frage, wie ist dieses Zinn in die metamorphen Gesteine gekommen ohne das (richtig:den) Granit?“. Siehe Hösel, der erklärt das gut verständlich, und der Granit, siehe oben, war und ist da und für jeden gut sichtbar.
Ich bin fassungslos!
Vielleicht sollte man die EU-Institution „Goldeneye“ als Finanzier darauf aufmerksam machen zu prüfen, ob hier ausreichender Sachverstand vorhanden ist oder nur möglichst laut trompetet wird, um Aufmerksamkeit zu erheischen.
Titel: Re: Erneut Bergbau im Erzgebirge ?
Beitrag von: oliverOliver am 17 Nov 20, 23:04

den folgenden Artikel wollte ich eigentlich an die Freie Presse schicken,

na dann schick es doch, wie vorgehabt, an die "Freie Presse" - wär interessant, wie die drauf reagieren ...
Titel: Re: Erneut Bergbau im Erzgebirge ?
Beitrag von: Pcheloyad am 18 Nov 20, 08:55
Guten Morgen,

Wenn ich richtig verstanden habe, geht es um den Link, den geomüller gesetzt hat.

https://www.mdr.de/sachsen/chemnitz/annaberg-aue-schwarzenberg/zinn-vorkommen-erzgebirge-bockau-100.html


Habe den Artikel kurz überflogen und bin auf interessante "Dinge"gestoßen, die ich gerne recherchieren möchte, für mich.

@Petra : Locker bleiben. Dieser Herr B. muss einfach "klingeln", sonst würde das "goldene Auge" kein Geld mehr ausspucken und er vermutlich , auch bei miesem Herbstwetter, sein schönes warmes Büro verlassen müssen, um sich seine "Brötchen" zu verdienen.

Der Mineralienatlas hat das fachkundigste "Publikum" , mehr als in der sog.Presse. Es ist, m.M.n. , sinnvoller eventuelle Neuigkeiten hier zu publizieren, als sich auf die Suche nach interessierten Reportern zu begeben.

Bis später

VG

Marcus

Titel: Re: Erneut Bergbau im Erzgebirge ?
Beitrag von: isbjoern am 18 Nov 20, 09:42
Hier übrigens der Link zum EU-Projekt (der Themenfokus ist aber eigentlich ein anderer):
https://cordis.europa.eu/project/id/869398/de
Das ist ein Projekt, keine Institution -- die beteiligten Akteure und deren Förderbeiträge sieht man unter dem Link auch.

Beste Grüße

- Björn
Titel: Re: Erneut Bergbau im Erzgebirge ?
Beitrag von: Uwe Kolitsch am 18 Nov 20, 12:54
Ich hatte mich auch ziemlich gewundert, als ich den Artikel gelesen hatte.
Petra: schick den Leserbrief!
Titel: Re: Erneut Bergbau im Erzgebirge ?
Beitrag von: rutilquarz am 18 Nov 20, 17:09
Hallo,
danke für die Antworten und es beruhigt mich, daß Ihr das ähnlich wie ich bewertet.
Ich muß ganz schnell aber ein kleines Mißverständnis klären: Petra ist meine gute Seele und "Computerexpertin", deswegen läuft alles mehr oder weniger über ihre Adresse. Der "Bösewicht" dahinter bin ich, Jörg Stark. Vielleicht kennt mich der Eine oder Andere durch meine Veröffentlichung der "Uranminerale in Sachsen". Hätte mich wohl vorab outen sollen, aber so ist das eben mit den "Anfängern"!
 
Mit "Glück Auf!"
Jörg
Titel: Re: Erneut Bergbau im Erzgebirge ?
Beitrag von: rutilquarz am 27 Nov 20, 22:54
Kurze Info zum Thema:
Bin angenehm überrascht, nachdem ich das Schreiben an die FP geschickt hatte, hat mich der Verfasser des Zeitungsartikels kontaktiert. Hat mir mitgeteilt, daß vielfach Kritik geäußert wurde und er deshalb den Herrn Barth damit konfrontierte. Dessen Antwort konnte ich lesen - es wird wortreich herumlaviert, zwar nicht mehr von einer "Neuentdeckung" gesprochen, aber durch die  bahnbrechenden Erkenntnisse seiner Firma wird wohl die Geschichte der Entstehung der Erzlagerstätten im Erzgebirge neu geschrieben werden müssen.... da sind wir natürlich alle sehr gespannt!

herzliches "Glück Auf!" allen
Titel: Re: Erneut Bergbau im Erzgebirge ?
Beitrag von: oliverOliver am 27 Nov 20, 22:56
Zitat
aber durch die  bahnbrechenden Erkenntnisse seiner Firma wird wohl die Geschichte der Entstehung der Erzlagerstätten im Erzgebirge neu geschrieben werden müssen
;D ;D