Mineralienatlas - Fossilienatlas
Mineralien / Minerals / Minerales => Mineralien (Fundort) bestimmen / determine minerals => erledigte Bestimmungen / completed determinations => Thema gestartet von: Schluchti am 12 Dec 06, 19:45
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Am Sonntag habe ich auf der Halde 371/II in einem frisch angeschnittenen Bereich eine merkwürdige Stufe gefunden. Insgesamt befinden sich dort gleich drei mir unbekannte Sachen auf dieser Stufe.
1. Zuerst fielen mir in einem frisch aufgeschlagenem drusigen Bereich metallische, goldglänzende dünntafelige Kristalle bis ca. 2 mm auf, die eine teils sechseckige Ausbildung zu haben scheinen. Hier hätte ich an Markasit bzw. an Cubanit gedacht, beide Minerale von der 371 in dieser Form aber noch nie gesehen. Anbei mal einige Bilder, leider nicht sonderlich gut.
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2.
Als zweites fiel mir beim Betrachten der goldglänzenden Täfelchen auf, daß diese in einem annähernd farblosen, mitunter leicht grünlichen , durchsichtigen, hochglänzenden weiterem Mineral sitzen, welches auf den ersten Blick in Kuben mit abgerundeten Kanten vorliegt, aber beim näheren Betrachten eine wesentlich komplexere Form besitzt. Dieses Mineral läßt sich mit einer Eisennadel ritzen, so dass Quarz ausscheidet. Calcit in dieser Form habe ich jedoch auch noch nicht gesehen, was aber nichts heißen muss.
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3.
Schließlich ist die Rückseite der Stufe, ebenfalls partiell mit dem 2. Mineral besetzt, auf dem jedoch schließlich ein gelblich, kugeliges,glänzendes 3. Mineral aufgewachsen ist. Dieses bildet annähernd kugelige Aggregate, die aus Einzelkristallen aufgebaut scheinen. Hier hatte ich im ersten Gedanken an Witherit gedacht, aber das wäre dann wohl etwas zuviel des Guten.
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Hallo,
Zum ersten Mineral: Möglicherweise Pyrrhotin (oder Smythit ??), wobei ersterer viel häufiger ist.
2. Mineral: Fluorit würde ich sagen. Habe aus dem Schwarzwald viele Fluorit-Würfel, bei denen die Ecken durch Hexakisoktaeder abgeschrägt sind.
3. Carbonat würde ich sagen. Calcit oder Dolomit. Vielleicht Säuretest.
Glück Auf!
Smoeller
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Danke schonmal für Deine Ideen! :D
1.
Pyrrhotin wäre auch zu überlegen. Dann müßte es ja magnetisch sein. Das muß ich mal testen.
2.
Fluorit beim 2. möchte ich rein gefühlsmäßig fast ausschließen, da es derartig komplexe und auch unregelmäßige Kristalle sind, wie ich sie bei Fluorit noch nicht gesehen habe.
3.
Calcit beim 3. wäre gut möglich, das muß ich mal testen.
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Hallo,
Gehe beim zweiten Mineral doch von Fluorit aus. Schau dir unter anderem mal die Fluorite vom Münstertal/Schwarzwald an.
Die sind teilweise aus mehr als 60 Flächen bestehend.
Aus dem Erzgebirge, da hast du Recht, ist das nicht so bekannt. Habe aus Sachsen nie solch flächenreiche xx gesehen, das muss aber nichts heißen, denn von einer ganzen Anzahl von FO im Schwarzwald sind solche Bildungen auch eher selten und kaum beschrieben, kommen aber vor. Bei genauer Betrachtung konnte ich Hexakisoktaeder-Flächen an über der Hälfte der Fluorit-Kristalle meiner Sammlung feststellen.
Glück Auf!
Smoeller
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So, jetzt scheint das Rätsel um die ersten beiden Mineralien tatsächlich gelöst: :D
1. Es wird recht sicher Pyrrhotin sein, den die Kristalle zeigen an der Längsachse Magnetismus, d.h. ein loser Kristall richtet sich hochkant zu einem Magneten auf. Ist dies noch für ein anderes in Betracht kommendes Mienral charakteristisch?
2. Das zweite Mineral ist wirklich Fluorit. Ich habe auf einem anderen Bruchstück der Stufe eine Druse mit fast idealen Hexaedern in der Mitte gefunden, der sich zum Rand und zu der auch dort vertretenen Druse mit dem Pyrrhotin hin in aberwitzige vielflächige und unregelmäßige Formen verändert. Dort sind Kristalle teilweise, obwohl freistehend mit schiefen und "verbogenen" Flächen und teils mit in unzählige Flächen zerklüfteten Ecken ausgebildet. Bei Gelegenheit versuche ich nochmal ein Bild.
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Hallo,
Über Smythit weiss ich zuwenig, um den ausschließen zu können. Dürfte auch Magnetismus haben, ist dem Pyrrhotin in vielem sehr ähnlich. Aber wegen der Seltenheit des Smythits (wenige Stücke von 2 FO im Schwarzwald) glaube ich nicht daran. Ist zu 99 % Pyrrhotin.
Glück Auf!
Smoeller
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Nummer drei konnte Smithsonit sein.
Bin mir dennoch nicht bekannt mit die Paragenese vom Hartenstein.
Gruss
Harjo
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1. Würde auch sofort auf Pyrrhotin tippen.
2. Fluorit (Spaltflächen sollten eindeutig sein - vergleich mal mit Spaltflächen anderer Fluorite, egal welche Kristallform sie haben)
3. ?
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Hallo Schluchti,
also bei 1. schließe ich mich an, wahrscheinlich Pyrrhotin.
Bei 2. würde ich auch Fluorit sagen, wenn du Baryt ausschließen kannst!
Bei 3. handelt es sich, soweit man das auf dem Photo erkennen kann, um die typischen glasigen oft nierigen Verwitterungskrusten die sich auf den Erzgebirgischen Halden um fast alle Bi-Co-Ni-Gangstücke bilden. Um was es sich dabei genau handelt kann ich auch nicht sagen, aber diese Krusten sind sehr hartnäckig und sind je nach beinhalteten Elementen weiß grau gelblich rötlich grünlich und schwarz. Meist sind in den Krusten kleine Gesteinsbruchstückchen mit verbacken.
Gruß Jürgen
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Hallo,
@geomueller,
Kann durchaus sein.
Dabei handelt es sich in der Regel um teils amorphe, teils kristalline Sekundärminerale des Arsens. Pitticit, Zykait oder was in der Richtung.
Bei den schwarzen Krusten handelt es sich meist um Mn-haltige Minerale, oft Manganogel oder Asbolan. Letzterer kann Co, Ni und Fe aufnehmen und wurde auch als Erdkobalt bezeichnet (ein Begriff, der gleichsam für Asbolan, Heterogenit und zersetzte Speiskobalte (mit Skutterudit, Arsenolith und Erythrin) gebraucht wird.
Hier könnte durchaus so etwas wie Pitticit oder Zykait vorliegen, nur eine genaue Analyse kann hier Aufschluss bringen.
Kenne Zykaitkrusten von Freiberg. Die ganzen Haldenstufen aus größerer Tiefe sind dort damit überkrustet.
Glück Auf!
Smoeller
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Danke Euch! Das ist eine Anregung, über die ich mal Nachdenken muss. Allerdings würde ich die Stufe nicht der Bi-Co-Ni zuordnen, da ich bislang keine Vertreter dieser Paragenese auf der Stufe finden konnte. Es findet sich viel Eisen an der Stufe, u.a. wohl auch derber Markasit/Pyrit , der jedoch fast vollständig stark rostbraun korrodiert und ausgeblüht ist und charakteristischen Schwefelgeruch verbreitet. Jedoch findet sich in der Nähe oder unter den gelben Kristallen keinerlei metallische Verbindungen, sondern Fluorit, der in einer zweiten Generation von dem gelben Mineral überwachsen ist. Das Ganze erstreckt sich auch recht gleichmäßig über größere drusige Bereiche.
Naja, ich versuche erstmal mit Hausmitteln noch ein paar Tests zu machen.
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Hallo,
In der Regel entstehen diese Sekundärminerale auch nicht allein aus den Erzen in der Stufe, sondern aus Erzstaub. Kenne von Wittichen/Schwarzwald Granitbrocken, die mit Erythrin überkrustet sind, obwohl in diesem Granit gar kein Co drin ist. Oder Baryt und Gneis (erzfrei) von Freiberg mit Gips und Zykait. Ist alles Haldenstaub.
Glück Auf!
Smoeller
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So, ich hatte nun die glückliche Gelegenheit das dritte (gelbliche, kugelige) Mineral mittels EDX analysieren zu lassen.
Hier das Ergebnis (Atom%)
C 3.22
O 64.12
Mg 10.50
Al 0.19
Si 17.70
S 0.14
Ca 1.48
Fe 2.66
Mmmh, merkwürdige Mischung. Was könnte dies denn sein?
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Einem Mineral kann man die Analyse nicht zuordnen. Es fehlt einfach etwas an Anionen. Den Kohlensoff-Wert darf man auch nicht so ernst nehmen, hier ist der Fehler ja sehr groß.
Eine Möglichkeit wäre z.B., dass es sich um ein Gemenge handelt, also bei der Analyse Quarz + irgendetwas erwischt wurde.
Eine andere Möglichkeit ist vielleicht, dass es sich bei dem Mg in Wirklichkeit um As handelt, da der Hauptpeak vom As genau dort liegt, wo auch der Mg-Peak liegt. Ist As ganz sicher auszuschließen ? Wenn nicht, wäre z.B. ein Gemenge von Quarz und einem Fe-Arsenat denkbar, so in Richtung Pitticit/Skorodit/Kankit.
Glück Auf
der Stollentroll
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Hallo,
dem Kohlenstoff und dem Schwefel würde ich nicht trauen.
Kohlenstoff ist fast immer da, Schwefel als Spur von einem Sulfid vielleicht?
wasserghaltiges Mg-Si-O???
???
MfG
Frank
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Hallo,
As liegt eigentlich "rechts" vom Mg und ist als Tripellinie vorhanden. Falls der Analytiker was taugt, hat der vorher mittels Materialkontrast geschaut, ob die Probe homogen ist!
Hast aber recht, C und Ca überlagert und C ist immer und überall. War kein Spektrum dabei?
MfG
Frank
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Sieht nach einem späthydrothermalen Schichtsilikat aus. (Klinochlor??)
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Danke schonmal für Eure Ideen!
Ich habe mal etwas gerechnet, und komme, wenn man mal einige der "Spurenelemente" wegdenkt irgendwo in Richtung Montmorillonit heraus. Leider kenne ich Montmorillonit nicht aus eigener Anschauung. Die gelbliche Farbe, der Fettglanz und die geringe Härte würden aber passen. Die Bilder in Mindat http://www.mindat.org/gallery.php?min=2821 (http://www.mindat.org/gallery.php?min=2821) passen auch in etwa.
Montmorillonit hätte ideltypisch ein Verhältnis (Na,Ca)0.3 (Al,Mg)2 Si4 O16
hier wäre das Verhältnis Ca1,48 (Al,Mg)10,69 Si17,7 O64,12 = gekürzt mit 5 = Ca 0,296 (Al,Mg) 2,138 Si3,54 O 12,824
Bis auf den O Gehalt und das nicht nachgewiesene Na würde es unter Berücksichtigung eventueller Messstreuungen passen. Was meint ihr?
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Hallo,
Tonmineral kann schon sein. Zur Sicherheit bräuchtest du dann aber noch ein Röntgendiffraktogramm. Damit kann man dann verschiedene Tonminerale unterscheiden.
Habe Montmorillonit (leider noch nich untersucht) vom Kaiserstuhl. Der hat gelblichweiße Farbe, fettigen Glanz und passt auch sonst auf deine Beschreibung.
Glück Auf!
Smoeller
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Hier mal noch das Spektrum zu der Untersuchung:
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So, nunmehr wurden noch 10 weitere Spektren an der Probe gemacht. Die Probe ist recht komplex aufgebaut. Es scheinen Reste von Pyrit an der Probe zu sein. Zudem auch Reste von sekundären Belägen, in den Zwischenräumen der Kugeln.
Im Ergebnis scheinen die kugeligen xx aber nun doch nur Dolomit zu sein. Die Messungen in diesen Bereichen sprechen dafür. Ein Test mit 25%iger Essigsäure löste die Kugeln weg. Übrig blieb ein schwammartiges Gerüst.
Unten mal die Messergebnisse und ein Bild mit den Meßbereichen.