Mineralienatlas - Fossilienatlas

Mineralien / Minerals / Minerales => Allg. Diskussionen Mineralien / General discussions minerals => Thema gestartet von: Tobi am 25 Dec 06, 16:31

Titel: "Milchquarz": Bergkristallvarietät oder eigene Quarzvarietät?
Beitrag von: Tobi am 25 Dec 06, 16:31
Hi,

versuche gerade, den zur Schau gestellten Teil meiner Sammlung endlich mal hübsch und vor allem einheitlich zu beschriften und dabei auch z.B. auch zu vermerken, wenn es sich bei einem Mineral um eine Varietät einer bestimmten Mineralgruppe handelt. So heißt es dann z.B. bei der Quarz-Gruppe "Amethyst (Quarz-Varietät)" oder "Chrysopras (Quarz-Varietät)". Das selbe gilt natürlich auch beim Bergkristall, aber ich stehe gerade leicht auf dem Schlauch wegen einer Milchquarzstufe aus Madagaskar. Ist das im Grunde auch einfach "Bergkristall" oder ist "Milchquarz" eine eigenständige Varietät? Oder wäre die diplomatische Lösung "Milchquarz (Bergkristall-Varietät)"...

Gruß
Titel: Re: "Milchquarz": Bergkristallvarietät oder eigene Quarzvarietät?
Beitrag von: pseudonym am 25 Dec 06, 18:22
Ich würd schreiben : Milchquarz (Quarz-Varietät ) korrigiert mich wenn ich falsch liege !
Titel: Re: "Milchquarz": Bergkristallvarietät oder eigene Quarzvarietät?
Beitrag von: Ralf am 25 Dec 06, 18:34
Hi Tobi,

wenn Du das so aufbaust, dann ist alles eine Varietät von Quarz. Demnach müsstest Du immer den Quarz voranstellen und die jeweilige Varietät dahinter. Also Quarz ( Bergkristall ), Quarz ( Milchquarz ) usw. Spätestens bei Chrysopras kommst Du aber ins schleudern, wil Chrysopras eine Varietät des Chalcedons ist. Dann müsstest Du schreiben Quarz ( Var. Chalcedon ==>Var. Chrysopras ).

Ralf
Titel: Re: "Milchquarz": Bergkristallvarietät oder eigene Quarzvarietät?
Beitrag von: smoeller am 25 Dec 06, 19:13
Hallo,

Meines Erachtens ist Milchquarz eine eigenständige Varietät. Bergkristall ist halt reiner, farbloser Quarz, Milchquarz ist reiner Quarz, der durch feinste Einschlüsse eine milchige Farbe bekommt.

Glück Auf!
Smoeller
Titel: Re: "Milchquarz": Bergkristallvarietät oder eigene Quarzvarietät?
Beitrag von: Tobi am 26 Dec 06, 14:38
Tja stimmt, das mit dem Chrysopras muss ich mir dann auch noch anders zurecht legen...

Also ich nehme eure Antworten dann mal als Bestätigung, Milchquarz nicht als Bergkristall, sondern als eigene grobkristalline Quarzvarietät anzusehen.

Danke & Gruß
Titel: Re: "Milchquarz": Bergkristallvarietät oder eigene Quarzvarietät?
Beitrag von: Bergmeister am 26 Dec 06, 16:36
Die SiO2-Modifikationen werden in kristalline Ausbildungen (Quarz):
zBsp. Bergkristall, Rauchquarz, Milchquarz, Amethyst, Citrin, Rosenquarz usw.

und mikrokristalline Aggregate (Chalcedon):
zBsp. Karneol, Chrysopras, Achat, Jaspis usw. unterschieden.

Während Bergkristall farblos, klar und durchsichtig ist sind Milchquarze meist durch Gas- und Flüssigkeitseinschlüsse milchig gefärbt.

Gruß Bergmeister
Titel: Re: "Milchquarz": Bergkristallvarietät oder eigene Quarzvarietät?
Beitrag von: Gerdchen am 26 Dec 06, 20:50
Hallo
Milchquarz ist keine eigene Quarzvarietät. Die milchige "Färbung" kommt durch Verunreinigungen wie z.B. Gasbläschen und ist daher zu den Bergkristallen zu zählen. Eine eigene Varietät ist es nicht. Auch hat es nichts mit mikro- und makrokristallinen Varietäten zu tun. Während bestimmte Quarzvarietäten durch Gitterstörungen und/oder durch bestimmte Elemente gefärbt werden, handelt es sich hierbei nur um Einschlüsse.
Gruß
Gerdchen
Titel: Re: "Milchquarz": Bergkristallvarietät oder eigene Quarzvarietät?
Beitrag von: Tobi am 26 Dec 06, 22:25
Tja, da haben wir die erste Gegenstimme :-\

Andere Meinungen bitte: Ist Milchquarz eine Quarzvarietät oder ist Milchquarz lediglich trüber Bergkristall?
Titel: Re: "Milchquarz": Bergkristallvarietät oder eigene Quarzvarietät?
Beitrag von: Ralf am 27 Dec 06, 01:14
In Fauna und Flora spricht man von Varietäten, wenn einige Angehörige einer Art  unter gewissen Umständen und wiederkehrend eine andere Erscheinungsform haben als die Stammform, ohne sich genetisch zu unterscheiden.
Bezogen auf die Mineralien sind da sicher die gleichen Regeln anzuwenden. Die Stammform ist Quarz. Ein Bergkristall ist halt nur ein besonders klarer Quarz, ein Milchquarz ein besonders trüber. Dazwischen gibt es unzählige Mischformen. Noch schlimmer, ein Zepterquarz kann sowohl aus Milchquarz bestehen als auch aus Bergkristall. Es handelt sich also immer um bestimmte Wachstumsformen des Quarzes in unterschiedlicher Ausbildung und Färbung.
Demnach kann Milchquarz keine Variante des Bergkristalls sein, denn das würde unterstellen, dass der Bergkristall die Stammform - und somit ein eigenständiges Mineral - ist.
Folgt man Gerdchens sicher nicht aus der Luft gegriffenen Argumentation, steht man vor dem nächsten Dilemma. Denn dann wäre auch Bergkristall keine eigene Varietät, sondern lediglich ein sehr klarer Quarz.
Es wird sicher keine alle zufriedenstellende Lösung geben, weil halt sehr viel Spielraum für subjektive Einschätzungen vorhanden ist.
Für meinen Teil habe ich mich schon lange entschieden Quarze nur dann als Bergkristall zu bezeichnen, wenn sie aus alpinen oder alpinotypen Fundstellen stammen. Da kommt letztlich auch die Namensgebung her, die es meines Wissens so auch nur im Deutschsprachigen Bereich gibt. Alles andere zwischen klar und trübweiß bezeichne ich als Quarzkristall.

Ralf
Titel: Re: "Milchquarz": Bergkristallvarietät oder eigene Quarzvarietät?
Beitrag von: Bergmeister am 27 Dec 06, 10:53
@Gerdchen

Milchquarz ist Deiner Meinung nach also keine eigene Quarzvarietät? Soso, dann sind die Buchautoren Trottel.

Um dem Ganzen noch die Krone aufzusetzen gebe ich hier mal den alten Rösler wieder. Der unterscheidet die Quarz-Varietäten in phanerokristallin und fein- bis kryptokristallin. Bei phanerokristallin noch in idiochromatische- (Amethyst, Bergkristall...) und allochromatische- (Eisenkiesel, Milchquarz...) Farbvarietäten sowie Formvarietäten ( Kammquarz, Zepterquarz...)  :o.
Die fein- bis kryptokristallinen in Pseudomorphosen (Tigerauge, Katzenauge...) und Chalcedone (Achat, Chrysopras...).

Bergmeister

Titel: Re: "Milchquarz": Bergkristallvarietät oder eigene Quarzvarietät?
Beitrag von: Tobi am 27 Dec 06, 11:05
Für meinen Teil habe ich mich schon lange entschieden Quarze nur dann als Bergkristall zu bezeichnen, wenn sie aus alpinen oder alpinotypen Fundstellen stammen. Da kommt letztlich auch die Namensgebung her, die es meines Wissens so auch nur im Deutschsprachigen Bereich gibt. Alles andere zwischen klar und trübweiß bezeichne ich als Quarzkristall.
Da muss ich Veto einlegen: Bergkristall hat auch in anderen Sprachen (zumindest hier in Europa) entsprechende Namen. Auf Englisch rock crystal und auch auf Italienisch und Französisch sind die Namen glaube ich analog dazu, "cristallo di rocca" und "cristal de roche". Aber da der Bergkristall ja so DAS typische Alpenmineral ist, ist es ja nur logisch, dass er in den Sprachen dieser Alpenländer auch einen Namen bekommen hat, der auf die Herkunft oben aus dem Gebirge verweist. Ja ich weiß, "rock" bzw. "roche" oder "rocca" heißt wortwörtlich eher "Fels" als "Berg", aber die Bedeutung ist für das Mineral die gleiche.

Also ich will jetzt ohnehin gleich die Etiketten ausdrucken und mich an die Arbeit machen. Ich werde es jetzt bei "Milchquarz (Quarz-Varietät)" lassen. Wer nicht ganz doof ist, wird anmerken, dass "Milchquarz" ja sowieso auf -quarz endet und es ja eigentlich offensichtlich ist, aber ich nehme jetzt die o.a. Schreibweise. Was ich mit dem Chrysopras anstelle.....ach, den mach ich einfach als letztes...

Danke allen & Gruß

Titel: Re: "Milchquarz": Bergkristallvarietät oder eigene Quarzvarietät?
Beitrag von: Collector am 27 Dec 06, 11:50
Die SiO2-Modifikationen werden in kristalline Ausbildungen (Quarz):


Hallo Bergmeister

Hoppla !

hier gehts aber durcheinander. Uffpasse !

SiO2-Modifikationen sind keine Varietäten. SiO2 hat 9 Modifikationen, u.a. Tridymit, Cristobalit, Hochquarz, etc etc .

Bei Deinen letzten Kommentaren hast Du den Rösler zitiert. Auch der Rykart (der Bergkristall-Pabst) unterscheidet nach Verschiedenheit ihres Gefüges zwischen phanero- und kryptokristallinen Gruppen (nicht Varietäten).

Was ich aber besser bei Rykart finde ist, dass er nicht unisono von Varietäten spricht, sondern ....." die einzelnen Glieder dieser bunten (Quarz)-Gesellschaft erhielten verschiedene Namen ", u.a. aus der Schmucksteinindustrie.

Der Begriff Varietät bei Quarz wird oft individuell, jedoch nicht wissenschaftlich verbindlich gehandhabt. So gibts also auch Autoren, die ganz gemeinen Quarz als Varietät bezeichnen; und andere, welche Bergkristall als solchen bezeichnen, wenn es wasserklare Kieselsäure ist, aber sobald Einsschlüsse vorhanden sind, als Bergkristall mit Einschlüssen bezeichnen.  Folgt man dieser Logik, dann ist also auch Milchquarz ein Bergkristall mit Einschlüssen - oder ?

Oder ist ein Rauchquarz mit gelbbrauner Farbe nun ein Citrin oder ein schwarzbrauner Rauchquarz nun ein Morion ? Oder ein Bergkristall, der erst nach Bildung über lange Zeit gebräunt wurde ?

Alles sehr verwirrend, sehr subjektiv  und oft sehr  individuell.  Letztlich sind alle sichtbar kristallinen Quarze, welche meist in größeren Kristallen vorkommen, schlichtweg einfach Quarz. Ob er nun rosa, braun, gelb oder braun ist - es bleibt Quarz.  Ob er nun Rutil-, Turmalin oder Hornblende eingelagert hat, ob er durch natürliche Starhlung braun oder  violett ist oder ob er Eisenoxid enthält -  es bleibt einfach Quarz.  Und ob nun jemand zu einem hellbraunen Quarz Rauchquarz sagt oder zu einem dunkelbraunen Morion,  ist  total unverbindlich und der Phantasie des Einzelnen überlassen.
Und ob man nun von Varietäten oder einfach von braun gefärbtem Quarz oder von Quarz mit eingelagertem Rutil (wie Rosenquarz) spricht - auch das bleibt jedem selbst überlassen.

Auch bei der Bergkristall-Definition sind sich viele Autoren uneinig. Die einen beziehen sich auf alpine oder alpinotype Vorkommen; andere definieren Bergkristall als wasserklar nahezu reine Kieselsäure.  Wo ordnet man eigentlich die superklaren Schaumburger oder Herkimer Diamanten ein ? Varietät oder hochreiner Quarz oder Bergkristall ?


collector
Titel: Re: "Milchquarz": Bergkristallvarietät oder eigene Quarzvarietät?
Beitrag von: Tobi am 27 Dec 06, 12:14
Uff, da hab ich ja was losgetreten mit meiner Frage... ;)
Titel: Re: "Milchquarz": Bergkristallvarietät oder eigene Quarzvarietät?
Beitrag von: Gerdchen am 27 Dec 06, 12:24
@ Bergmeister

Keineswegs habe ich Buchautoren als Trottel bezeichnet!
Allerdings wird in der Literatur die mir zur Verfügung steht der Milchquarz nie als eigene Quarzvarietät bezeichnet sondern höchstens als getrübter Quarz.
Kann allerdings nicht auf Rösler zurückgreifen sondern nur auf Henn, Bank, Chudoba-Gübelin, Schloßmacher usw..

Fest steht, dass Milchquarz ein getrübter, farbloser Quarz ist.
Ist er daher eine eigene Quarzvarietät und ist dann nicht auch ein durch Fremdeinschlüsse getrübter Amathyst eine eigene Varietät?
So weit reichen meine Kenntnisse leider nicht.
Gruß Gerdchen
Titel: Re: "Milchquarz": Bergkristallvarietät oder eigene Quarzvarietät?
Beitrag von: Uwe Kolitsch am 27 Dec 06, 12:32
Quarz ist Quarz ist Quarz.   ;-)
Titel: Re: "Milchquarz": Bergkristallvarietät oder eigene Quarzvarietät?
Beitrag von: berthold am 27 Dec 06, 12:45
Hallo,

ja, im streng mineralogischen ist alles Quarz, abgesehen von den anderen Modifikationen natürlich. Aber: da es weltweit immer wiederkehrende Mechanismen zur typischen Färbing gibt haben sich seit Jahrhunderten Namen für diese Farbvarietäten eingebürgert. Diese haben nicht nur als Handelsnamen z.B. in der Gemmologie sondern auch in der Mineralogie durchaus Bedeutung und Einzug gehalten.

Bergkristall (nach Strunz grobkristalline Quarz-Varietät): Idiomorphe, farblose, klar durchsichtige Kristalle. Schaumburger und Herkimer Diamanten sind Bergkristalle, nur eben aus einem bestimmten Fundgebiet.

Rauchquarz (smoky quartz): Idiomorph, rauchbraun bis braunschwarz, Bestrahlungsverfärbung. Morion ist ebenfalls ein Rauchquarz, nur eben ein besonders dunkler.

Milchquarz ist wie Gangquarz und oft auch "Gemeiner Quarz" durch Flüssigkeitseinschlüsse milchig-trüb. Milchquarz zeichnet sich durch seine weiße Farbe aus, seltener idiomorph  (z.B. bei pegmatitischem Milchquarz). 

Gruß
Berthold

PS: Milchquarz wird im Klockmann als als Varietät bezeichnet. Das Lapis-Mineralienverzeichnis schreibt "Milchquarz=trüber milchigweißer Quarz mit winzigen Flüssigkeits-Einschlüssen, Varietät". Strunz (Mineralogische Tabellen) nennt Milchquarz unter den Varietäten.
Titel: Re: "Milchquarz": Bergkristallvarietät oder eigene Quarzvarietät?
Beitrag von: Bergmeister am 27 Dec 06, 16:10
@berthold

Glückwunsch, Du bringst es 1a auf den Punkt!
Titel: Re: "Milchquarz": Bergkristallvarietät oder eigene Quarzvarietät?
Beitrag von: Stefan am 28 Feb 07, 09:07
Für mich stellt sich die Frage was zeichnet eine Varietät aus?

Lt. Definition:

Unter Varietät versteht man in der Mineralogie die unterschiedliche Ausbildung eines Minerals in Farbe, Transparenz, Tracht oder Kristallgröße. Der Gitterbau des Kristalls ist aber jeweils identisch.

Ich denke nach dieser Definition sind es eindeutig Varietäten.

Die Frage an die jenigen die anderer Meinung sind: Wie würde eure eindeutige Definition einer Varietät aussehen?

Gruß Stefan
Titel: Re: "Milchquarz": Bergkristallvarietät oder eigene Quarzvarietät?
Beitrag von: Collector am 28 Feb 07, 12:15
Hallo Stefan

dieser Satz, so wie Du ihn schreibst, dürfte wohl der Standardsatz im Internet sein, den man bei wikipedia und auf den unterschiedlichsten Seiten immer wieder gleich liest, bzw. wo einer vom anderen abschreibt.  Ginge man dem Ursprung dieses Satzes, resp. dieser Definition nach, fände man bestimmt, dass dies die Meinung von einem ganz bestimmten Autor ist, aber nicht einer haltbaren wissenschaftlichen, bzw. nicht mal allgemeinen Definition entspricht.

Diese Definition ist nicht immer haltbar, denn wenn dem so wäre, 

FARBE........dann wären nicht  wenige Farbvarianten  bei Mineralien jeweils eine Varietät, was aber nicht immer der Fall ist.  (Ist grüne Zinkblende  eine Varietät von der roten Zinkblende - oder ist die rote etwa eine Varietät von der grünen ? Oder sind dies gar keine Varietäten ??). Gut, es gibt natürlich auch Farbvarietäten (wie von berthold beschrieben; aber hier sind auch oft die Begriffe sehr individuell ausgelegt.  Sind Paraiba-Fluorite oder neongrüne Apatite Varietäten ? ).

TRANSPARENZ.......dann wäre ein komplett matter, bzw. undurchsichtiger Rhodochrositkristall  eine Varietät eines  völlig transparenten Rhodochrositkristalls ?  Oder umgekehrt ? Oder gar keine Varietät ?

TRACHT........  dann wäre, wenn die Tracht ein Kriterium darstellt, eine Kugelform eine Varietät eines idiomorphen Kristalls - oder umgekehrt ? Oder - ist ein stalaktitischer Calcit eine Varietät eines perfekten Skalenoeders ? ) könnte man endlos fortsetzen)

GRÖSSE........dann wäre ein Pyrit mit 50 cm Kantenlänge eine Varietät eines Pyrit-Mikrokristalls von 2 mm - oder umgekehrt ?

Ich denke, dass nach den Kriterien dieser Definition (Farbe, Transparenz, Tracht, Kristallgröße)  bei wikipedia  eindeutig keine Varietäten abgeleitet werden können. Es sind schlichtweg die falschen Kriterien. 

Schwache Versuche, eine Varietät zu definieren, sind zum Beispiel die Unterscheidung eines gleichen Minerals nach der Verschiedenheit des Gefüges einzelner  Glieder der Mineralgruppe ( im Falle von Quarz zwei Varietäten: Phanero- oder Makrokristallin sowie kryprokristallin).

Der Begriff Varietät wird je nach wissenschaftlicher Disziplin, aber auch je nach Autor, Sammler, Händler, etc. unterschiedlich definiert.  Die schärfste Definition dürfte von Linné stammen, der  - wohl weil er die Problematik erkannte -  schlichtweg Varietäten in der Biologie ablehnte.

Die Mineralogen sind ein kurioses Völkchen; auf der einen Seite suchen sie als Puristen ständig nach neuen Unterscheidungsmerkmalen, um neue Mineralien zu entdecken ( aus Whiteit wurde Witheit-(CaFeMg), (Whiteit -(CaMnMg), Whiteit-(MnFeMg) ... usw ;  aber bei einfach verschieden gefärbten Quarzkristallen spricht man locker und oft gedankenlos von Varietäten - wenngleich es alles nur Quarz ist ( Quarz ist Quarz ist Quarz ......). Soweit nachvollziehbar, ist der Begriff "Varietät" in der Mineralogie weder ein Kriterium noch bezieht er sich auf eine wissenschaftlich definierte  Eigenschaft.

Nicht wenige Varietäts-Bezeichnungen stammen von Schmuckhändlern und beziehen sich auf die Farbe ( Beryll kann je nach Farbe Smaragd, Heliodor, Morganit oder Aquamarin sein , ist letztlich aber ein grüner, gelber, rosa oder blauer Beryll. Nichts anderes). 

Manche als Varietätsnamen benutzte Bezeichnungen sind in Wirklichkeit aber auch ganz einfach Synonyme, resp. Lokalitäts- und/oder Bergmannsbezeichnungen. Dazu gehören die Herkimer Diamanten und die Japaner Zwillinge (Quarze), der Schwefelkies und Kobaltglanz.

Ganz schlimme "Varietätsbezeichnungen" kommen von den  Eosterikern und den Steinheilern  (bei den US-amerikanischen Esoterikern gibt es ca. 30-40 neue Wortschöpfungen für "Quarzvarietäten" von "Elestial" über "Gorgonian" bis hin zu "cathedral quartz".

Angesichts dieses Wirrwars , angesichts der babylonischen Sprachenvielfalt und angesichts der unermesslichen Freiheit der Wortschöpfungen hat der Begriff einer "Varietät" jeglichen Sinn verloren. Jeder nennt sein Mineral halt so, wie er es für richtig hält: Hahnenkamm-Markasit, Feueropal, Rosenquarz und Rosaquarz, Kugelpyrit oder Kappenquarz, elestial oder Schaumburger Diamant.

gruß
collector



Titel: Re: "Milchquarz": Bergkristallvarietät oder eigene Quarzvarietät?
Beitrag von: Stefan am 28 Feb 07, 12:56
Hallo Peter,  schön ausgeführt  :D

das ist genau das was ich meine, wo liegt die Grenze. Für mich ist Rosenquarz eine Quarz-"Varietät" die zudem fast nie in anschaulichen Kristallen vorkommt entgegen der meisten anderen Quarzen.

Aber was macht z.B. Smaragd, Aquamarin, Heliodor zu einer Varietät von Beryll? - auch alles nur Farbe.

Das ist es was mich daran stört. Auf der einen Seite wird gesagt das ist keine Varietät und auf der anderen Seite gibt es keine eindeutigen Kriterien die eine Definition erlauben.

Synonyme ist für mich soweit klar. Bergmannsbegriffe wie Zinkblende etc. sind Synonyme für ein Mineral oder auch Mineralgruppe und stellen keine Charakteristiken heraus.

Bei der möglichen Vielzahl von Varietäten, was ist dann das eigentliche Mineral?
Oder muss man sagen ein Mineral ist die Summe seiner Varietäten?

Gruß Stefan




Titel: Re: "Milchquarz": Bergkristallvarietät oder eigene Quarzvarietät?
Beitrag von: Frank1984 am 28 Feb 07, 14:12
Hallo,

Eine sehr interesante Diskussion führt ihr hier.
Für MICH gibt es eine Definition des Begriffes Varietät nicht.
Denn eine Variation zwischen zwei gleichen Stoffen liegt im Auge des Betrachters. Und wird von jedem selbst festgelegt. Meist um auf eine unterschiedliche Ausführungen selber Dinge (Sprache, Minerale u.s.w.) hinzuweisen.
Jeder kann sich also selber aussuchen ob ein Smaragd für ihn eine
Varietät vom Beryll ist oder nicht. In Büchern wird der Begriff verwendet um auf "Besonderheiten" hin zu weisen. Er kann sein Milchquarz also entweder als Varietät bezeichnen wenn es für ihn eine andere Form von Quarz ist.
Aber wie bereits erwähnt wer legt fest was der Ausgangsstoff ist und was eine Varietät.


Mfg Frank
Titel: Re: "Milchquarz": Bergkristallvarietät oder eigene Quarzvarietät?
Beitrag von: smoeller am 28 Feb 07, 14:14
Hallo,

@Stefan: Beim Beryll kann man noch von Varietäten (Smaragd, Aquamarin usw.) sprechen, ebenso beim Korund (Rubin, Saphir), da sich diese in physikalischen und chemischen Aspekten geringfügig von dem Mineral, dem sie zugeordnet sind unterscheiden. So enthalten Rubine und Smaragde Chrom, welches nicht nur die Farbe bedingt, sondern auch physikalische Eigenschaften wie Absorption von Licht (letztlich Ursache der Farbgebung, sehr schön an den Spektren und an der Fluoreszenz z.B. von Rubin zu erkennen) beeinflusst. auch unterscheidet sich hier die Varietät geringfügig im Chemismus (Beryll + Chrom + Vanadium = Smaragd), wobei der Ersatz von Al durch Cr nie so weit geht, dass hier ein neues Mineral vorliegt. Bei höheren Gehalten an Fremdelementen könnte man sogar von einem Mischkristall aus dem "eigentlichen" Mineral und einer oder mehreren (oftmals rein hypothetischen) Endgliedern ausgehen.

Andererseits kann man sich sehr wohl streiten, wenn es sich wie beim Milchquarz um Farbvarietäten handelt, deren Farbe auf Einschlüssen beruht. Mit den Einschlüssen geht ja keine Veränderung des Wirtsminerals einher. Insofern könnte man Milchquarze (mit Luftblasen oder Flüssigkeitseinschlüssen) und Bergkristall (ohne dergleichen) tatsächlich als reinen Quarz bezeichnen. Die Benennungen solcher Varietäten sind oft uralt und haben über Jahrhunderte Eingang in alle Bücher gefunden. Heute sollte man aber vielleicht besser nur noch von Quarz reden, es sei denn, man meint spezielle Quarze mit abweichenden Eigenschaften (Amethyst, Chalcedon usw.).
Betrachtet man jedoch Bergkristall allein aufgrund seiner Transparenz als eigene Varietät, so muss man auch den Milchquarz den Status als Varietät zubilligen.

Ich ordne in meiner Sammlung die Stufen eines Minerals (auch bei Quarz usw.) immer dem Namen des eigentlichen Minerals zu. Erst in der nächsten Zeile bzw. in der Datenbank unter "Varietät" oder "Ausbildung" folgt dann die Bezeichnung der Varietät. So hält man seine Sammlung frei von unnötigen und veralteten Bezeichnungen.

Eine allgemeingültige Definition für "Varietät" ist meines Erachtens kaum möglich. Jeder versteht darunter einen anderen Bereich. Je nachdem, auf welchem Niveau und Gebiet er tätig ist. Der eine versteht darunter auch alte Bergmannsbezeichnungen wie Rubinblende als roter Sphalerit, der andere sagt, dass sei keine eigene Varietät. Auch, ob man spezielle Aggregatformen (Glaskopf, Schalenblende (hier im Sinne von Sphalerit gemeint) oder Blätterspat) als Varietäten oder lediglich als Wachstums/-Aggregatform auffasst, ist letztlich jedem selbst überlassen. Ebenso Mineralien mit  Einschlüssen oder spezielle fundorttypische Ausbildungen. 

Glück Auf!
Smoeller
Titel: Re: "Milchquarz": Bergkristallvarietät oder eigene Quarzvarietät?
Beitrag von: Ralf am 28 Feb 07, 15:01
Was ist denn eigentlich eine Variante ?

Bei den Insekten sind Varianten häufig. Man definiert es vereinfacht ausgedrückt so:
Man hat eine Stammform, irgendwann einmal beschrieben. Nun gibt es aber u.U. jede Menge Individuen der Gleichen Art, die sich in Form und/oder Farbe deutlich von der Stammform unterscheiden. Sind nun die Nachkommen einer solchen Spielart immer das genaue Ebenbild der Elterntiere, spricht man von einer Variante. Sind die Nachkommen unterschiedlich, ist es keine Variante.
Um es zu verdeutlichen:

Es gibt in unseren Breiten einen Nachtfalter namens Birkenspinner ( Biston betularia ). Die Stammform ist weiß mit schwarzen Sprenkeln. Nun gibt es dieses recht häufige Tier aber in allen Farbschattierungen, von rein weiß bis komplett schwarz. Paaren sich z.B. zwei komplett schwarze Falter, können die Nachkommen alle möglichen Farbschattierungen haben. Man spricht hier nicht von einer Variante, sondern von Melanismus. Als Stilblüte geht man immer mehr dazu über, besondere Spielarten ( z.B. die komplett schwarzen ) als forma zu bezeichnen. So heißt der schwarze eben Biston betularia f.(orma) carbonaria. Ist aber eigentlich Quatsch.
Im Gegensatz dazu gibt es einen Laufkäfer ( Carabus auronitens ). Die Stammform hat grüne Flügeldecken. In Belgien gibt es eine Form mit fast schwarzen Flügeldecken. Paaren sich zwei Käfer dieser Form, haben die Nachkommen immer auch schwarze Flügeldecken, sind also mit den Elterntieren identisch. Hier spricht man von einer Variante, eben Carabus auronitens var. putzseisy.
Das sind nur mal zwei Beispiele.

Die Mineralien machen es uns nun schwer, da sie sich ( leider ) nicht fortpflanzen.

Wenn man nun überhaupt über Varietäten bei Mineralien sprechen will, muß zunächst die Stammform definiert sein. Diese könnte man vielleicht bei einigen aus der Erstbeschreibung ableiten. Ein zweiter Ansatz wäre, die am häufigsten vertretene Form als Stammform anzunehmen und daraus Varianten abzuleiten.  Auch das dürfte m.E. schwierig sein.
Der Zweite Punkt wäre festzulegen, welche Kriterien erfüllt sein müssen, um eine bestimmte Ausbildung als Variante ansprechen zu können. Dies müsste dann aber international gültig sein.
Alles in allem ein ziemlich aussichtsloses Unterfangen.

Im allgemeinen Sprachgebrauch ist es sicher  richtiger von Formen oder Ausbildungen zu sprechen. Dabei ist die Stammform abstrakt. Bergkristall, Milchquarz, Rauchquarz etc. sind Formen oder Ausbildungen von Quarz.

Ralf
Titel: Re: "Milchquarz": Bergkristallvarietät oder eigene Quarzvarietät?
Beitrag von: berthold am 28 Feb 07, 16:43
Hallo,

Zitat
Die Mineralogen sind ein kurioses Völkchen

 :D

Es gibt -auch in anderen Wissenschaften- zahlreiche Begriffe die sich nicht so einfach definieren lassen und dennoch uneingeschränkt verwendet werden. Einfaches Beispiel: "Rot" Klar, man könnte nach RAL, DIN, oder ISO mittels Farbmetrik usw. einen Punkt (Farbort) bestimmen, der "rot" ist, aber wo sind dann die Grenzen nach "orange", "violett", "rosa" usw. ? Nein, schon da scheitert jede Definition und man stellt sich - wenn möglicherweise auch nur geringfügig anders - irgendeinen Farbeindruck/Bereich beim Begriff "rot" vor.   

Würde jetzt jemand auf die Idee kommen den Begriff "rot" durch den (z.B. nach DIN 5033 definierten) Begriff "Farbe" zu ersetzen? Wohl eher nicht. Und ebenso macht es das kuriose Völkchen. Wir können zwar mit keiner Zahlenangabe, Messmethode usw. die Varietäten z.B. von Quarz definieren. Aber sie sind doch existent. Wenn ich sage "Amethyst" teile ich mehr mit, als wenn ich sage "Quarz".  Und wir finden den Begriff "Amethyst" in zahlreichen wissenschaftlichen Arbeiten. Da auch die Wissenschaft z.B. in diesem Zusammenhang von "Quarz-Varietäten" ("amethyst, the purple quartz variety") spricht habe ich kein Problem mit dem Begriff "Varietät".

Gruß
Berthold