Mineralienatlas - Fossilienatlas
Mineralien / Minerals / Minerales => Mineralien (Fundort) bestimmen / determine minerals => Thema gestartet von: vanderheide am 04 Feb 07, 13:45
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Geschätzte Steinliebhaber,
Aus der Clemgiaschlucht bei Schuol - bekannt um Serpentinit - Vorkommen - holte ich den abgebildeten Stein.
1. Gestein
2. bei einem bestimmten Lichteinfall, aufglänzende Stellen - ist das Pyroxen???
3. Dito
4. an dieser Stelle - dunkelschwarz - blassgelbe Flecken - was ist das????
um Hinweise bin ich dankbar!
mit den besten Grüssen
Hans van der Heide
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Bild2
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Bild3
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Bidl4
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Das auf dem 1. Bild ist glaub ich Grünschiefer, der wird in manchen Steinbrüchen abgebaut. Man verwendet ihn als Pflastersteine bei Straßen oder Bodenplatten. Bei den restlichen Bildern muss ich passen. Könnte eine Inkluse von Muskovit sein?
Mfg gsiberger =)
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Bild 1 zeigt Serpentinharnische. Ist nix ungewöhnliches für das Material. Die folgenden Bilder zeigen wahrscheinlich Kinochlor, ziemlich sicher aber irgendeinen Chlorit. Ist das Stück in Bild 4 geschliffen?
Glückauf
Andreas
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Habs mir noch mal angeschaut. Bild 4 ist das gleiche wie 2/3. Nur sind hier die Blättchen quer angeschnitten und erscheinen strahlig.
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Hallo,
Ist Serpentin, und zwar alles. Dürfte sich um Antigorit handeln, der erscheint manchmal so blättrig. Habe vor drei Jahren mal eine schöne Stufe im Piemont gefunden, sah zuerst wie Pyroxen aus, ist aber Antigorit. Klinochlor glaube ich bei dem Gestein eher weniger. Wenn höchstens ein ewxtrem Mg-reicher Chlorit.
Glück Auf!
Smoeller
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Hallo Zusammen!
Vielen Dank für Eure Hinweise! Ich bin dem Ganzen nochmals nachgegangen und möchte Folgendes hinzufügen.
- Bild 5 zeigt die ganze Clemgiaschlucht. Es liegt überall: dunkeles, grüngeflecktes Gesteinsmaterial. Wenn ich richtig bin, ist Serpentin ein Mineral ( Mg3 Si2 O5 (OH)4 ) und Serpentinit ist Gestein.
- Weiter: Serpentin hat Glanz/Strich: Wachs-, Seidenglanz / weiss. Von den Steinen aus der Schlucht habe ich mehrere geschliffen. Sie geben beim Schleifen eine dreckige, dunkelgraue Schlammbrühe mit Blasen.
Erstens scheint es mir kaum denkbar, dass die ganze Schlucht aus Serpentin besteht. Zweitens stimmt die Schlammbrühe nicht mit der Strichfarbe von Serpentin überein. Drittens habe ich Bilder von Serpentinit gefunden unter http://gastein-im-bild.info/stein/s_smetam.html und http://geology.about.com/od/more_metrocks/ig/serpentinites/?once=true& Es ist dasselbe Gestein, dass ich auf dem Bild 1 zeigte:
Seid Ihr einverstanden mit dem Gesteinsnamen Serpentinit?
Lieber Smoeller vielen Dank für den Hinweis auf Antigorit! Diese irisierenden Blättchen sind plattige, und faserige Aggregaten. Es scheint mir, dass das zutreffend ist.
Lieber Andreas ! raritätenjäger! Bild 4 hast Du richtig erkannt: ich habe den Stein geschliffen. Die Idee, dass hier die Blättchen quer angeschliffen seien, liegt auf der Hand! Der farbliche Unterschied lässt aber diese Annahme nicht zu. Durch den Queranschliff werde die Blättchen nicht blass-gelb. Auffallend ist weiter, dass die blass-gelbe Flecken eingebettet sind in ein tief schwarzes Material, das nur an dieser Stelle so schwarz erscheint. Da Serpentin in den Farben gelb und grün erscheint, frage ich mich, ob wir es hier mit dem Mineral Serpentin zu tun haben? Oder kann es Lizardit sein? Lizardit kristallisiert in feinkörnigen Massen. In dem Mineralienatlas gibt es ein Bild von Lizardit. Es ist auch strahlig ! könnte geschliffen vielleicht genauso erscheinen, wie auf meinem Bild?
Eine weitere Frage betrifft das neue Bild 6. Immer wieder war dieses Mineral anzutreffen: blass-grün, sehr weich, fühlt sich an wie Talk, ist faserig. Hier auf dem Bild eine ganze Schicht.
In Serpentinit gibt es auch Chrysotil (Ortho-, Para- und Klinochrysotil) ein Asbest-mineral. Kann es Chrysotil sein?
Lieber gsiberger! Mit Grünschiefer oder Muskovit haben wir hier, glaube ich, nichts zu tun. Diese Stoffen kommen hier, glaube ich, in diesen Erdschichten nicht vor.
Ich höre gerne wieder von Euch!
Mit den besten Grüssen
Hans van der Heide
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Bild 6
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Hallo,
Serpentin ist eine Mineralgruppe mit fünf Mineralen. Dabei ist die chemische Formel identisch, die Kristallstruktur aber unterschiedlich (Polymorphie). Dies sind die Minerale Lizardit, Antigorit, Para-,Klino- und Orthochrysotil. Eine Bestimmung der feinkörnigen Massen im Serpentinit gelingt in der Regel nur per Röntgendiffraktometrie. Ist meist teilweise Lizardit, aber auch Antigorit und Chrysotil. Letzterer ist sogar im Dünnschliff anhand seiner Faserstruktur erkennbar. Welches der drei Chrysotil-Polymorphen vorliegt, ist dabei nicht bestimmbar.
Das letzte Foto zeigt Antigorit oder Chrysotil auf einer Harnischfläche oder Scherbahn. Tippe mal auf Chrysotil.
Zur Entstehung des Serpentinits in den Alpen: Im Bereich der Alpen lag vor rund 40 Mio. Jahren ein Ozean (Piemont-Ozean), der sich durch Subduktion schloss. Bei der Kollision von Italien(Adria-Platte) mit Europa wurde Späne des Erdmantels mit in die Kruste eingeschuppt. Diese bestehen aus Peridotit. Der Hauptbestandteil Olivin verwittert zu Serpentin.
Nicht so ungewöhnlich in den Alpen. Habe selber einige Aufschlüsse auf der italienischen Seite besucht.
Glück Auf!
Smoeller
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lieber Smoeller
besten Dank für Deine prompte und professionelle Antwort!!
Gruss
Hans
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lieber smoeller
Hier ein letztes Foto zum Thema "Serpentinit". Deine Ausführung (Zitat):
"Zur Entstehung des Serpentinits in den Alpen: Im Bereich der Alpen lag vor rund 40 Mio. Jahren ein Ozean (Piemont-Ozean), der sich durch Subduktion schloss. Bei der Kollision von Italien(Adria-Platte) mit Europa wurde Späne des Erdmantels mit in die Kruste eingeschuppt. Diese bestehen aus Peridotit. Der Hauptbestandteil Olivin verwittert zu Serpentin. "
kann ich, glaube ich, dokumentieren (habe noch ein Bild, aber dieses reicht als Anschauungsobjekt). Die "Kollision und die Einschuppung" von denen Du sprichst, muss "dramatisch" gewesen sein. Nun, wenn Du das beigefügte Bild betrachtest, kann ich einiges nachvollziehen was da an Kräften gewirkt haben!!
mit den besten Grüssen
Hans van der Heide
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Hallo,
Schönes Bild und schöne Faltung.
Diese Faltung hat immerhin ausgereicht, Meeresbodensedimente bis auf die Gipfel der Alpenriesen zu heben. Habe Manganquarzite in Praborna in über 1000 m Höhe gefunden (mit Piemontit und violettem Diopsid). War mal Meeresboden. Und die Granate (Fußbälle!!) vom Dora Maira wurden aus über 120 km Tiefe hochgepresst.
Glück Auf!
Smoeller
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Hallo,
Und die Granate (Fußbälle!!)
Meinst du etwa, dass die Granate so groß wie Fußbälle waren?? :o
Gruß
peter paul
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Hallo,
@TT-PP: Ja, die größten die ich im Val Gilba sah, hatten bis zu 20 cm Durchmesser und mehr. Sind halt nahezu weiß oder blassrosa. Ist Pyrop. Habe zuhause einen 15 cm großen kugeligen Granat aus einem Waldweg dort.
Glück Auf!
Smoeller