Mineralienatlas - Fossilienatlas
Arbeitsmittel / Means for work => Reinigung (Präparieren, Konservierung) / Cleaning (Prepare, Conservation) => Thema gestartet von: Matthes am 13 Feb 07, 00:11
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Hallo Leute,
habe einige Stufen, die ich mal reinigen möchte, aber weiß nicht wie.
Man hat mir gesagt Oxalsäure bringt nicht viel. Man erzählte mir auch etwas von einer "wallischen Lösung" oder ähnlichem.
Was ist eine wallische Lösung und wie mischt man sie eventuell?
Was gibt es sonst noch für wundermittel?
Ich freue mich über jede Hilfe!
Viele Grüße
Matthes
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Hallo,
dieses Thema hatten wir ja nun schon des oefteren ...
Wundermittel gibt es leider keine - von Chemie sollte man auch ein wenig Ahnung haben, sonst endet die Reinigungsaktion mit einem Misserfolg.
Nachstehend, die Kopie eines Beitrags, der Deine Fragen hoffentlich beantwortet:
Entfernung von "Limonitbelaegen" (= dreiwertige Eisenoxide, -hydroxide, oxidhydrate)
(1) Oxalsaeure oder "Kleesalz" (s. hierzu im Lexikon: http://www.mineralienatlas.de/lexikon/index.php/MineralReinigung#x32.x2e.2). Noch ein Hinweis: Oxalsaeure und Oxalate sind giftig (essentiell beim Verschlucken). Vom Aufloesen der Saeure bzw. des Kleesalzes in Leitungswasser wuerde ich abraten, da es je nach Wasserhaerte zum Ausfallen von Calciumoxalat kommen kann, das sich nur sehr schwer wieder entfernen laesst; es ist besser und einfacher, entmineralisiertes Wasser zu verwenden.
(2) Gepufferte Natriumdithionit-Lsg. (dies entspricht vermutlich der Waller'schen Loesung)
Dies ist vermutlich die beste und schonendste Methode, setzt aber die Beschaffung einiger Chemikalien (Natriumdithionit, Natriumhydrogencarbonat und Natriumcitrat) voraus.
Bei Interesse kann ich Dir ein erprobtes Protokoll mitteilen.
(3) Salzsaeuere
Einlegen der Stufe in ca 20 % Salzsaeure ueber Nacht, gefolgt von gruendlichem Waessern in demineralisiertem Wasser (mit hauefigem Wasserwechsel), sollte auch ein brauchbares Ergebnis liefern. Ist die Stufe rissig oder poroes, ist die Methode nicht empfehlenswert.
Der Umgang mit allen erwaehnten Chemikalien setzt ein Minimum an Sachkenntnis und Vorsichtsmassnahmen (Schutzbrille + Handschuhe + geeigneter Arbeitsplatz mit hinreichender Belueftung) voraus ! Also Vorsicht - vor allem mit Kleinkindern im Haushalt !
GA
Axinit
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Hallo Matthes,
generell hat Axinit alles wesentliche zu den in Frage kommenden Reagenzien geschrieben. Auch die Anmerkung zum Handling.
Da du dich aber so anhörst wie wenn du noch kaum mit entsprechenden Mitteln agiert hättest - von mir noch einige Anmerkungen.
1. Immer Vorversuche (mit wertlosem Material) machen
2. Nur relativ wenige Materialen vertragen die angeführten Reagenzien problemlos.
3. Finger weg von Stufen mit Oxidationsmaterialen (insb. aus Kupferlagerstätten)
Heli
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Bei Verschlucken von schon geringen(!!) Mengen an Oxalsäure kann es zu sehr schweren Vergiftungen kommen. Reine Oxalsäure (schwierig herzustellen) ist über die Haut aufnehmbar und verursacht schwere (!!!!) irritationen des Calciumhaushaltes.
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Hallo HakkiMalää,
jetzt verbreite doch hier bitte keine unsachlichen und irrefuehrenden Informationen (s.u. einen Auszug aus Roempp's Chemielexikon zur Physiologie und Toxikologie von Oxalsaeure).
Du darfst schon davon ausgehen, dass es hier in diesem Forum genuegend Personen gibt, die die notwendige Kompetenz und Erfahrung haben, derartige Reinigungprodezuren vorzuschlagen/durchzufuehren und die sich sehr wohl der damit verbundenen Probleme und Risiken und der anzuwendenden Sicherheitsmassnahmen bewusst sind.
GA
Axinit (
Physiologie und Toxikologie:
Auch Blut und Harn von Tier und Mensch enthalten stets kleine Mengen Oxalat; diese entstehen im Stoffwechsel aus Glycin, Ascorbinsäure und Xylitol [1-5]. Die im menschlichen Urin ausgeschiedene Gesamtmenge an Oxalsäure liegt bei 15–50 mg/d. Eine vermehrte Ausscheidung von Oxalat bezeichnet man als Oxalurie. Oxalsäure wirkt ätzend auf Haut und Schleimhäute, die Einnahme kann zu schweren Gastroenteritiden mit Erbrechen, zu Durchfall, Nierenschäden, Krämpfen, Koma und zum Tod infolge Kreislaufkollaps führen. Die gefährliche Menge wird mit 1–5 g angegeben; Todesfälle sind schon durch 5–15 g aufgetreten [6]. Oxalsäure fällt Calcium-Ionen in Form von Calciumoxalat aus; wahrscheinlich kommt es dadurch in der Niere zu einer Verstopfung der Nierenkanälchen mit Anurie oder Oligurie. Zusätzlich wird die Blutgerinnung gestört. Mehr als die Hälfte aller Harnsteine bestehen aus Calciumoxalat; zum Einfluß alimentärer Oxalsäure auf die Bildung von Nierensteinen vgl. Literatur [7,8]. Methoden zur Oxalat-Bestimmung in biologischem Material (Obst, Obsterzeugnisse, Gemüsesäfte, Körperflüssigkeiten) sind in Literatur [9-14] beschrieben.
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Hallo,
Oxalsäure ist "schwierig herzustellen":
http://de.vwr.com/app/catalog/Product?article_number=1.00495.0100 (http://de.vwr.com/app/catalog/Product?article_number=1.00495.0100)
100g 12 Euro, pA-Material, 1kg = 50 Euro.
LD50, dermal Kaninchen = 20g/kg wasserfreie Substanz
LD50, oral Ratte = 375mg/kg.
http://chemdat.merck.de/documents/sds/emd/deu/de/1004/100495.pdf (http://chemdat.merck.de/documents/sds/emd/deu/de/1004/100495.pdf)
Also so schmlimm iss dat nich... Kochsalz ist rund 8x ungiftiger bei LD50 oral Ratte.
Aber es bleibt eine Chemikalie und sollte nicht verniedlicht werden. Aber auch nicht einfach verteufelt werden.
MfG
Frank
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hallo axinit,
diese "Gepufferte Natriumdithionit-Lsg" würde mich auch mal interessieren. wie stelle ich die her ? und warum gepuffert und nicht na-dithionit pur ?
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back to the roots:
als Alpinsammler benutze ich Oxalsäure permanent und kann folgende Tips geben:
NIE Leitungswasser benutzen - immer NUR destilliertes (entmineralisiertes) Wasser !!!
vorher die Stücke ein paar Stunden in dest. Wasser ruhen lassen - damit füllen sich die Poren und Hohlräume
und die Oxalsäure kann nicht so leicht in das Gestein eindringen und sich dort festsetzen - gereinigt werden soll ja nur die Oberfläche.
Ich mache die Säure relativ stark; spritze die Stufe 1/4 bis 1/2 stündlich mit einer Blumenspritze sauber. Zwischendurch
auch mal ins Ultraschall und dann auch wieder in dest. Wasser ruhen lassen. Solange wiederholen bis die gewünschte
Sauberkeit erreicht ist. Zum Abschluss der Reinigung nochmal 1 Tag in dest. Wasser ruhen lassen.
Es gibt allerdings eine ganze Menge von Mineralien die von Oxalsäure angegriffen werden und bei manchen meiner Stufen
(talkhaltiges Gestein zB) werden die Stücke zwar sauber; aber der gelöste Talk legt sich dann wie ein grauer Film über das Stück.
Noch ein TIP :
Wenn man genügend Material hat kann man auch mal an den schlechten rumprobieren.
Meine alpinen Stücke (auch MM) sind in letzter Zeit nicht nur sehr sauber sonder haben auch einen super Glanz - ich gebe
sie vor dem letzten Gang durch das Ultraschallgeräte noch ganz kurz (1 Minute) in einen verdünnten Bad/Toiletten/Kalk -Reiniger
- daher bekommen die Stufen den tollen Glanz. (natürlich nie ohne es vorher an einem "schlechten" Stück zu testen).
die Preise für Kleesalz bzw Oxalsäure sind in München ca 8 - 10 x so hoch wie in Südtirol wo ich sie mir besorgen lasse.
Beste Grüße Anatas / Gerhard
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@ Prehnit 100:
Natriumdithionit, vor allem in waessriger Loesung ist recht reaktionsfreudig. Eine alkalische Loesung ist relativ stabil, waehrend in saurem Milieu schnelle Zersetzung erfolgt.
Bei der Mineral-Reinigung mit einer waessrigen, ungepufferten Dithonit-Loesung kann es zu einer ganzen Reihe von unliebsamen Ueberraschungen kommen - Freisetzung von Schwefeldioxid, Bildung/Ausfaellung von braun-schwarzen Belaegen usw. . Dies sind eher Effekte, die man vermeiden moechte ;D, zumal derartige Belaege nicht einfach zu entfernen sind.
Langer Rede - kurzer Sinn: der Puffer hilft einen leicht alkalischen pH-Bereich einzustellen, in dem das Na-Dithionit seine reinigende Reduktionskraft optimal entfalten kann.
GA
Axinit
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@axinit
leuchtet ein.
und wie mache ich meine pufferlösung am besten ???
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Moin,
1 Liter Lösung - > 33 g Na-Dithionit, 28 g Na-Hydrogencarbonat und 59 g Natriumcitrat.
Ist ne bewährte Mischung
Grüßle
Roger
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@axinit
@montanpark
danke für die infos :D
ach ja: die rezeptur ist in beiden infos identisch - unglaublich ! ;D
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Übrigens, das mit der Oxalsäure und dem Leitungswasser habe ich ausprobiert! Die Calciumoxalatkruste hält sehr gut. Naja, verusch macht klug.
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Hallo,
Ca-Oxalat entsteht besonders dann in Mengen, wenn man mit Leitungswasser mit einer höheren Wasserhärte arbeitet. Die Oxalatschicht bekommt man nur schwer wieder weg.
Also am Besten immer mit dest. Wasser arbeiten ;) (wurde ja auch schon öfters geschrieben)
Gruß
Andreas
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Hallo Hakki Malää ,
Du schreibst in Deinem Beitrag am 13.Febr. 2007 ganz unten : Erst die Säure , dann das Wasser !!!! ????? Ich habe gelernt :
ERST DAS WASSER ; DANN DIE SÄURE-- SONST GESCHIEHT DAS UNGEHEUERE !!
LG IMOKE
Herbert Heinzelmann
Bad Dürrheim
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Moin!
Richtig erst das Wasser.
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Moin,
stimmt ...
allerdings ist das bei Oxalsäure ziemlich wurscht,
Grüßle
Roger