Mineralienatlas - Fossilienatlas
Fossilien / Fossils / Fósiles => Deutschland / Germany / Alemania => Paläobotanik (fossile Pflanzen / fossil plants) => Sachsen-Anhalt => Thema gestartet von: gnoisi am 26 Jun 07, 12:15
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Hallo,
ich war vor einigen Wochen mal wieder im Steinkohlenrevier nördlich von Halle/Saale unterwegs. Hier wurde bis 1967, zuletzt im Schacht Plötz, Steinkohle abgebaut. Die Kegelhalde des Schachtes Plötz ist weithin sichtbar. Zu finden sind diverse Pflanzenfossilien in dunkelgrauen Tonschiefern (Farne, Schachtelhalme). Bei genauerer Suche finden sich versteinerte Pflanzenachsen, in einer fast schwarzen, leicht pyritisierten Erhaltung. Aufgelesen habe ich einige Medullosen (deutlich erkennbare Sternringleitbündel) und Calamitenachsen. Ich werde davon ein paar Bilder einstellen.
Die Bilder unten zeigen die Halde Plötz, den letzten Hunt neben der ehemaligen Grubeneinfahrt, die Gedenktafel und einen kleinen Farnwedel im Tonschiefer.
Grüße v. gnoisi
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hier also ein paar Pflanzenachsen von der Halde Plötz. Bei einigen Stücken sind Sternringleitbündel an den Bruchflächen zu sehen (besonders gut erkennbar, wenn die Bruchflächen schon angewittert sind).
gnoisi
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Hallo gnoisi,
das versteinerte Holz sieht auch gut aus.
Ich habe früher mal im Braunkohlenbetrieb gearbeitet, manchmal auch am Förderband zugeschaut, was da so mitkommt. Fossiliensammeln war damals aber noch nicht.
Was sind Sternringleitbündel?
gruß
greiffoss
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Hallo greiffoss,
Medullosen sind Farnsamer, die im Oberkarbon und Rotliegenden auftraten. Im Querschnitt solcher Pflanzen finden sich im Inneren die Leitbündel, die in ihrer Form an Sternringe erinnern. Deshalb Sternringleitbündel. Ich habe ein Bild einer Medullosa stellata aus dem versteinerten Wald von Chemnitz (Rotliegendes) angehängt. Hier sind besagte Sternringe sehr schön zu erkennen. Solche Pflanzen finden sich auf der Halde des Steinkohlenbergbaus Plötz (Oberkarbon, Stefan) eben auch. Nur sind sie hier nicht so schön farbig verkieselt, sondern überwiegend dunkelgrau bis schwarz. Die Einzelheiten der Pflanzen sind im Querschnitt der Achsen aber dennoch gut zu erkennen.
Grüße v. gnoisi
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Danke für die ausführliche Antwort.
Wieder etwas dazu gelernt.
greiffoss
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hier einige Fotos von Pflanzenfossilien in Tonschiefern aus diesem Steinkohlenrevier:
1. Markhohlraum-Ausfüllung eines Calamiten und Calamiten-Beblätterung Annularia stellata
Größe der Platte 25 x 20 cm
gnoisi
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eine Tonschieferplatte mit einem Teil-Wedel Pecopteris arborescens ; Größe 15 x 10 cm; von der Halde Plötz
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Stück eines Schuppenbaumes (Lepidodendron) von der Halde Plötz, 10 x 5 cm
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Teil-Wedel des Farnes Callipteridium sp. von der Halde Plötz. 15x 10 cm
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Calamiten-Fruktifikation Calamostachys sp. Länge rund 8 cm
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Hallo,
Deine Bilder haben mich an den Beginn meiner Fossiliensammelei erinnert.
Als Schüler nutze ich einen Großteil meiner Sommerferien, um auf den Halden des Oelsnitzer Steinkohlenreviers Karbonpflanzen zu sammeln.
Mittlerweile sind die Fundchancen dort aber sehr gering.
Was mich überraschte, sind Deine Funde von Medullosen. Habe einige Vertreter dieser Pflanzengruppe verkieselt aus der Chemnitzer Region. Aus den Kohlerevieren, in der etwas anderen Erhaltung kenne ich sie überhaupt nicht. Wäre mal interessant ein Foto von den "Sternringen" zu sehen...
Gruß
Hartwig
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mit dem Fotografieren ist es sehr schwierig, da die Stücke sehr dunkel sind. Durch den fehlenden Kontrast wird auf den Fotos nicht sehr viel zu sehen sein (ich werde es mal probieren). Am besten, Du schaust Dir ein Stück direkt an.
gnoisi
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Hallo gnoisi, Psaronius,
ich war im Juni 07 auch auf der Halde Plötz unterwegs (komme leider erst jetzt zur Fundauswertung).
Habe den gleichen Fund wie gnoisi gemacht und fotografiert. Was haltet Ihr davon ?
Handelt es sich tatsächlich um Medullosen ?
Jörn
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Hallo,
kenne Medullosen leider nur in verkieselter Form aus Chemnitz und von den böhmischen Fundstellen.
Dort sind die Funde dank der typischen Merkmale und bei Super-Gewebeerhaltung relativ gut zu bestimmen. Aus den Kohlerevieren, in der etwas anderen Erhaltung,- hm ? Sehe da eigentlich zuwenig.
Hätte beim oberen Foto sogar zuerst auf Stigmaria, oder besser den Appendices davon, getippt...
Mal sehen, was gnoisi meint...
Gruß
Psaronius
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Hallo,
das ist ein typisches Stück vom Fundort, kohlige Anhaftungen, möglicherweise gequetscht. Bei den Medullosen, die ich gefunden habe, waren bereits mit bloßem Auge im Querbruch die Sternringe sichtbar. Und die Stücke waren nicht deformiert. Nach dem Bearbeiten kamen die Sternringe noch deutlicher zum Vorschein.
Mach doch bitte wenn möglich noch ein Foto vom Querbruch. Anhand der Längserstreckung ist es schwer, den Fund zuzuordnen.
Gab es noch weitere interessante Funde? Ruhig noch weitere Fotos einstellen!
Grüße v. gnoisi
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Hallo,
ich habe jetzt mal versucht, brauchbare Bilder von einem Stück hinzubekommen. Das ist wegen der dunklen Farbe der Stücke und dem sehr geringen Kontrast schwierig gewesen.
1. Bild: Ausschnitt eines kleinen Stämmchens mit dem Zentralteil (Durchmesser 7 cm). Ein Sternring kommt auf dem Foto ganz gut rüber (Detail im 2. Foto).
Grüße
gnoisi
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und das 2. Bild.
Etwa in Bildmitte ist ein Sternring erkennbar.
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Hallo Marian,
hast Dich wohl ganz schön mit dem Foto gequält ?
Kenne das auch. Teilweise habe ich Hornsteine mit wunderbaren Sachen, aber die Kontraste im Materail sind so schwach, dass trotz Nachbearbeitung kaum was auf den Bildern zu erkennen ist...
Bin wirklich erstaunt, über die Sternringe in dem Material. Bei meiner jahrelangen Sammelei im Oelsnitzer Karbon habe ich sowas nie gesehen. Eigentlich hatte man da ja auch nur die "Abdrücke" oder die Ausfüllungen der Markhohlraüme, aber nirgendswo Reste der Gewebestrukturen, die über die Anatomie im Innern Auskunft gaben. War das Material schon inkohlt ? Und dann ist das trotzdem noch sichtbar ?
Kenne sowas nur von den coal balls, da ist die Erhaltung aber nicht Kohle...
Klär mich mal auf !
Gruß
Hartwig
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Habe mit dem PaintShop die "Fotokorrektur in einem Schritt" gemacht
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Hallo,
vielen Dank an "Trommeln" fürs Nachbearbeiten. Die Details sind durch besseren Kontrast doch schon besser zu erkennen!
Hartwig:
Die Erhaltung der Stücke ist auch karbonatisch. Das erinnert mich wirklich an die coal balls. Die dunkle Farbe kommt vom Kohlenstoff und partienweise fein verteiltem Pyrit (kein Markasit, wie zu erwarten wäre; die Stücke halten sich schon über 20 Jahre). Die Achsen lagen anscheinend in Kohle oder "Brandschiefern", wie die kohligen Anhaftungen der Stücke, die man auf der Halde findet, belegen. Man müsste mal Dünnschliffe machen. Diese würde sicher viele Details ans Licht bringen. Viele Stücke, die man heutzutage findet, sind leider schon recht verwittert. Ich habe diese schon vor über 20 Jahren mitgenommen, aber erst in den letzten Jahren bearbeitet.
Grüße v. gnoisi
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Hallo an alle
bin schon tausend Mal vorbeigefahren und letztes Wochenende wurde endlich mal angehalten und die Halde in Augenschein genommen ....
Obwohl ja die Fossilien nicht so mein Steckenpferd sind, mußte ich doch einiges aufheben.
Dank Eurer BIlder kann ich nun auch vergleichen.
Mal schauen, ob ich auch bildlich etwas beisteuern kann... ;)
Gruß Moni
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Hallo Moni,
nur rein ins Forum mit den Bildern. Inzwischen gibt es die Fundstelle auch im Lexikon. Schöne und interessante Bilder sollten dort verewigt werden! Vielleicht kann jemand Bilder von Insektenfunden beisteuern.
Grüße v. gnoisi
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Hallo gnoisi
man entwickelt sich ja weiter - so auch ich ;D. ....
Ich präsentiere Euch mal mein erstes Foto -aufgenommen untern Mikro mit Mircookularaufsatz. Sicherlich für die Fossilien nicht wirklich brauchbar, da diese auch ohne Vergrößerung gut erkennbar sind, aber ich mußte halt mal probieren ;)
Ups - muß noch einen zweiten versuch starten, denn Datei ist leider zu groß
Gruß Moni
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so aber nun:
Fundort: Halde Plötz
Datum: 30.9.07
Identifizierung als: Farnart ......?
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Hallo gnoisi,
erstmal wünsche ich Dir und allen Anderen ein frohes, neues Jahr.
Ich habe versucht von meiner Meddulosa zwei Fotos mit dem
Mikroskop zu schießen. Leider habe ich keinen frischen Querbruch an
dem Fossil. Ich hoffe, man kann trotzdem etwas erkennen.
Na gnoisi, was meinst Du ?
Gruß, Jörn
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Hallo Jörn,
leider ist das Sichtbare auf den Fotos in verschiedenster Richtung deutbar...
Wäre da vorsichtig. Manchmal muss man wohl ein Stück wirklich in der Hand haben und schauen...
Achja, natürlich auch von meiner Seite für den Rest des Jahres 2008 nur Gutes !
Gruß
Psaronius
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Hallo Jörn,
von mir auch zunächst einmal alles Gute zum neuen Jahr!
Im unbearbeiteten Zustand sind die Strukturen leider noch schwerer zu deuten, als z.B. im Anschliff. Gut ist aber, dass die Stücke keinen frischen Bruch aufweisen. Sonst würde man noch weniger erkennen. Es sieht erst mal ähnlich den Strukturen aus, die ich auch des öfteren gefunden habe. Aber wie Psaronius schon schrieb, müsste man die Stücke selbst in die Hand nehmen können. Die rundlichen Strukturen scheinen mir aber sehr klein zu sein. Wenn ich den angegebenen Maßstab sehe, sind sie 3 bis 4 mm groß. Alle Sternringe von Medullosen, die ich als diese gedeutet habe, sind 10 bis 12 mm im Durchmesser.
Auf der Halde sind ja versteinerte Achsen und Rhizome diverser Pflanzen des Stefan zu finden, deren innere Struktur manchmal erhalten ist. So kann es sich bei Deinen Stücken z.B. auch um Stigmarien handeln (die auch öfters gefunden werden können).
Ich war am 25.12. auch mal wieder auf der Halde (bisschen Bewegung zwischen den vielen Essen) und konnte dabei einige schöne Stücke finden, da das Material aus jüngeren Schürfen gut abgeregnet war.
Grüße v. gnoisi
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Hallo Sammlerkollegen,
ich war im August mal an nem Samstag kurz auf der Halde in Plötz
und hab wenigestens einige Belegstücke gefunden.
Wer kann mir bei der genaueren Bestimmung helfen?
Besten Dank im Voraus!
Grüße und Glückauf aus der Oberpfalz
Hans Jürgen
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Teil 2:
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Und der letzte Teil.....
das Stück zeigt eindeutig eine Art Stacheln oder Dornen:
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Habe mit dem PaintShop die "Fotokorrektur in einem Schritt" gemacht
.... und ich habs nochmals ein wenig nachbearbeitet und den Kontrast weiter erhöht ...