Mineralienatlas - Fossilienatlas

Arbeitsmittel / Means for work => Schneiden, Spalten, Schleifen, Polieren / Cutting, Grinding, Polishing => Thema gestartet von: flourine am 21 Jul 07, 17:27

Titel: Schleifen von Flurit
Beitrag von: flourine am 21 Jul 07, 17:27
Wer weiß etwas zum Schleifen von Fluriten? Handwerkszeug, Tips, Literatur und überhaupt....
Titel: Re: Schleifen von Flurit
Beitrag von: caliastos am 21 Jul 07, 19:28
also im grunde schleift man jeden stein auf die gleiche weise. vom größtkorn zum feinkorn. http://www.mineralienatlas.de/forum/index.php/topic,4779.0.html
Titel: Re: Schleifen von Flurit
Beitrag von: Tobi am 21 Jul 07, 21:21
Ganz egal, wie man ihn schleift, er heißt FluOrit........ ;)
Titel: Re: Schleifen von Flurit
Beitrag von: flourine am 24 Jul 07, 09:52
Fluorit ist ein sehr bruchgefährdeter Stein mit geringem Härtegrad, so dass ich mich weiterhin auf hilfreiche Beiträge freue. Insbesondere auch, welches Werkzeug besonders geeignet ist, etc.  :P Aber vielen Dank Caliastos für den Link.
Titel: Re: Schleifen von Flurit
Beitrag von: caliastos am 24 Jul 07, 17:04
bruchgefährdet hat mit schleifbarkeit wenig zu tun. mit dem richtigen werkstoff kann man alles schleifen. es kommt dann eher auf die krafteinwirkung an.

zum normalen schleifen gibt es an sich drei stoffe: normalkorund, siliciumcarbid und diamantpasten. für gewöhnlich nimmt man meist siliciumcarbid (SIC), da es fast so hart wie diamant ist. man braucht für weiche steine kein spezielles schleifmittel. es geht dabei nur um die härte. je größer der härteunterschied umso stärker geht das abtragen.

normalkorund geht auch. nur härter ist halt praktischer, weil die bandbreite größer wird. bei ner härte von 4 wie der fluorit sie hat kommt SIC mit seinen knapp 9,5 recht gut voran.

schleifen kannste auf zig arten. da ist die hauptfrage was du schleifen willst. ne spaltfläche, eine schnittfläche, formen usw. davon hängt die werkzeugwahl ab. plane flächen gehen auf glasscheibe per hand, schleifteller in zig varianten, automatische flächenschleifer, laufbänder usw. bei spaltflächen oder spaltanfälligen stücken möglichst ohne kraft.

das einfachste: schnapp dir irgendeine schrottreife, aber noch intakte glasscheibe, die plan is, etwas SIC als paste drauf und per hand sachte anschleifen. aber dazu eine +/- plane stelle nehmen .dabei von groben zum feinen korn gehen. für nen normalen anschliff reicht das.  kantige stücke sollte man vorher erst mal schneiden.

ansonst gibt es hier genug die das professionell machen.
Titel: Re: Schleifen von Flurit
Beitrag von: Gerdchen am 25 Jul 07, 18:32
Hallo

Fluorit ist schwierig zu schleifen. Dies hat mehrere Ursachen. Er hat eine hohe Spaltbarkeit, d.h. zu viel Druck beim Schleifen und er zerbricht. Laut Brepohl die Tafelfläche mit einer Neigung von 15° zur Spaltebene schleifen. Fluorit ist aber auch hitzeempfindlich und dies bedeutet, dass die Steine sehr leicht schon beim Aufkitten auf den Kittstock kaputt gehen können. Das gleiche gilt für das Abkitten. Auch beim Schleifen selbst kann durch seine Hitzeempfindlichkeit Risse bekommen oder auch zerspringen. Schleifen mit zu grobem Korn führt ebenfalls zu Spaltrissen.
Um Fluorite zu schleifen solltest du dir am besten einen Spezialisten suchen.
Literaturtipps: Edelsteinbearbeitung Band 1 und Band 2 von Karl Fischer (vermutlich Band 2 da darin die einzelnen Steine besprochen werden), sind aber teuer um 45,00 €, und Kunsthandwerkliches Schleifen und Verarbeiten von Schmucksteinen von Kühne-Brepohl (ist schon älter).
Hoffe ich konnte weiterhelfen.
Gruß
Gerdchen
Titel: Re: Schleifen von Flurit
Beitrag von: flourine am 28 Jul 07, 18:31
Vielen Dank Caliastos, werde das mit dem Glas ausprobieren und versuchen an die Literatur zu kommen, die du mir, Gerdchen empfohlen hast (Dankeschön). :) Werde etwas längerfristig damit experimentieren, da ich mich bisher nur mit der Mineraliensuche beschäftigt habe und gar nicht mit dem Schleifen.
Titel: Re: Schleifen von Flurit
Beitrag von: caliastos am 02 Aug 07, 00:10
jtzt muß ich doch glatt selber was fragen: wie schneidet man am besten gangfluorit bzw. wer kann sowas?

hab da heute ein bischen gangmaterial gesammelt, welches angeschliffen wohl super aussehen dürfte, da man würfel und oktaederflächen sieht. nur wie vorher sägen. daß muß ja ein sehr sauberer schnitt sein.
Titel: Re: Schleifen von Flurit
Beitrag von: aca am 02 Aug 07, 00:45
Hallo,

ich habe mir spassenshalber mal Gangfluorit von der Clara in Juchem schneiden lassen, zusammen mit ein paar Achaten.
Der Fluorit "nimmt Riefen besser an" - für meinen Geschmack hat man das Stück zu schnell durchgedrückt. Aber sowas lässt sich ja bei Härte 4 leicht rausschleifen. Ich konnte keine Risse oder Spalten aufgrund des Schnitts erkennen
Also: einfach wie Achat.

Gruss
Amir
Titel: Re: Schleifen von Flurit
Beitrag von: caliastos am 02 Aug 07, 12:06
also spalten und riefen macht mir weniger sorgen als daß das stück während des sägens zerspringt.
Titel: Re: Schleifen von Flurit
Beitrag von: aca am 02 Aug 07, 18:16
Hallo,
das war es, was ich mit "keine Risse oder Spalten" andeuten wollte,
ich hatte den Eindruck, dass der Fluorit trotz seiner deutlichen Spaltbarkeit
nicht sonderlich gefährdet ist.

Gruß
Amir
Titel: Re: Schleifen von Flurit
Beitrag von: Ralf am 03 Aug 07, 20:04
Fluorit lässt sich mit einer guten Säge gefahrlos sägen. Wenn das Material schon rissig ist, muß man es halt vorher stabilisieren. Auf Deine Frage, wer sowas kann:
Eigentlich jeder professionelle Schleifer.

Gruß
Ralf
Titel: Re: Schleifen von Flurit
Beitrag von: caliastos am 03 Aug 07, 20:51
ah ok. hatte schon die befürchtung, daß die blattvibrationen ausreichen könnten die rissigen partien zum endgültigen bersten zu bringen. habe das daher auch mal schlicht per hand versucht abzutragen um zu sehen wie viel das zeug noch aushält. ist doch noch ordentlich. aber wie immer klappt die verfluchte politur nicht, auch wenn keine schäden auf der oberfläche sind. muß mir das echt irgendwann mal richtig zeigen lassen oder mal materialien durchtesten. vllt andere flize und so.
Titel: Re: Schleifen von Flurit
Beitrag von: Ralf am 04 Aug 07, 10:54
Blattvibrationen sind nicht gut, nicht nur bei Fluorit. Wenn das Blatt mehr als 2-3 mm schlackert, sollte man es unbedingt richten lassen. Das erhöht die Standzeit, bringt einen sauberen Schnitt und verhindert zu große Abbruchkanten.

Das polieren von Fluorit ist tatsächlich etwas kompliziert. Man sollte dabei kein Cer-Oxid benutzen, das ist zu aggressiv. Am besten gelingt es mit Alu- oder Zinkoxid. Filz ist aber ok. Auch darf man beim polieren keine zu große Hitzeentwicklung erzeugen. Mehr als lauwarm sollte das Stück nie werden. Ansonsten gibt es ein feines Netz von Mikrorissen auf der Oberfläche. Die wiederum zerstören den Glanz.
Einen Glanz wie bei Achat wird man aber nur schwerlich erreichen.

Ralf
Titel: Re: Schleifen von Flurit
Beitrag von: Sven am 18 Aug 07, 22:09
Hallo Fluorine,

hier dann auch noch mal eine Antwort von mir: Beim schleifen von Fluorit unbedingt darauf achten, das keine Schleifstäube in die Atemwege gelangen (wie im übrigen auch bei allen anderen Mineralien...) - der Staub bzw. das enthaltene Fluor ist giftig. Also: Immer genug Binde- und Kühlmittel, ergo: Wasser, verwenden, am besten auch eine Atemmaske tragen, die Feine Stäube filtert.

Grüße, Sven
Titel: Re: Schleifen von Flurit
Beitrag von: RonnyNisz am 18 Aug 07, 23:46
Hat ja mit dem eigentlichen Thema nix mehr zu tun, aber:

Zitat: der Staub bzw. das enthaltene Fluor ist giftig. Also: Immer genug Binde- und Kühlmittel, ergo: Wasser, verwenden

Ich dachte immer, Fluorit sei in der Zahnpasta. Vergifte ich mich da jeden Morgen???

Gruß Ronny,
der sich morgen früh wohl trotzdem die Zähne putzen wird....
Titel: Re: Schleifen von Flurit
Beitrag von: Isarkiesel am 19 Aug 07, 12:50
Ich dachte immer, Fluorit sei in der Zahnpasta. Vergifte ich mich da jeden Morgen???

Hallo,

das in der Zahnpasta enthaltene Natriumfluorit dürfte sogar deutlich kritischer sein als das Calciumfluorid des natürlichen Flußspats: Es ist nämlich deutlich besser löslich. Als "reine" Chemikalie ist Natriumfluorit deshalb mit einem Totenkopf gekennzeichnet... ;D

Da die toxische Wirkung von Fluorid-Ionen im Körper meines Wissens nach auf der Ausfällung schwerlöslichen Calciumfluorids beruht, erscheint es mir zweifelhaft, ob man sich mit Flußspat vergiften kann: Für jedes Mol Calcium, das durch freigewordenes Fluorid gebunden wird, ist zuvor ein Mol freigesetzt worden. (Hierbei bleiben die schädlichen Effekte mineralischer Stäube auf die Lunge allerdings unberücksichtigt. Wer auf die Staublunge verzichten will, verwendet sowieso beim Schneiden/Schleifen genügend Kühlmittel und ggf. Atemschutz, auch ohne Fluor.)
Titel: Re: Schleifen von Flurit
Beitrag von: caliastos am 19 Aug 07, 17:17
wobei staublunge, silikose und asbesthose  und co. auch absolut nichts mit vergiftung zu tun haben.

alle stäube als giftig zu bezeichnen ist da auch schlicht falsch. und naß schleifen ist nicht nur aus gesundheitsgründen ziemlich dumm. das macht die stücke und das werkzeug auch mal gerne kaputt.

der totenkopf auf chemikalien steht zudem nicht ausschließlich für giftig.

stabiler fluor-verbindungen sind an sich harmlos. und CaF ist da schon recht ordentlich stabil. klein zermahlen heißt ja nicht sofort freisetzung des fluors. und wie ja schon erwähnt wurde enthalten zahnpasten weitaus besserlösliches fluor. der sinn dabei ist der einbau selbigens in die zähne ---> ergibt dort stabilisierendes CaF.

was reines fluor so giftig macht ist seine extreme reaktivität. reines fluorgas, HF und flußsäure (aq) sind nicht gerade die harmlosesten verbindungen. die hohe reaktivität führt zudem auch zu nachher stabilen endprodukten, die der körper nicht einfach so zackzack in die gefährlichen einzelkomponenten zerlegt.

reines natrium oder chlor sind ja auch nicht unbedingt harmlos, aber als kochsalz essen wir es täglich. ist das kochsalz demnach giftig? nein; oder wer nimmt das in großen mengen zu sich? mit fluorit is das ähnlich.
Titel: Re: Schleifen von Flurit
Beitrag von: Isarkiesel am 19 Aug 07, 18:20
der totenkopf auf chemikalien steht zudem nicht ausschließlich für giftig.

Nein; er steht für "Giftig" und "SEHR Giftig" ;D
Titel: Re: Schleifen von Flurit
Beitrag von: Sven am 20 Aug 07, 09:29
@ caliastos:
Zitat
"und naß schleifen ist nicht nur aus gesundheitsgründen ziemlich dumm. das macht die stücke und das werkzeug auch mal gerne kaputt."
Meinst du das ernst? sollte wohl eher "trocken schleifen" heissen, oder?

Klar, der Hinweis auf die Gefahren der Stäube ist mehr allgemeiner Natur, und Staub=giftig ist natürlich auch nicht allgemeingültig richtig. Dann besser Staub=potentiell gesundheitsgefährdend. Klar ist auch der Vergleich mit Natrium und Chlor, es ging mir auch eher darum auf die latent vorhandene Gefahr hinzuweisen, wenn jemand fragt, was beim schleifen von Fluorit zu beachten wäre. Ich denke es ist im Umgang mit solchen Materialien immer besser, übervorsichtig zu sein, als evtl. unbewusst Risiken einzugehen.

Grüße, Sven
Titel: Re: Schleifen von Flurit
Beitrag von: caliastos am 20 Aug 07, 23:55
stimmt, da fehlt ein "nicht".

latent vorhandene gefahr aber ist selbst bei fluorit nicht gegeben.  das zeug ist einfach zu stabil. wie eben bei kochsalz auch. reines chlorgas ist alles andere als gesund. aber dennoch wird es im großen stil abgebaut. an sich gibt es eher wenige minerale, die gefahrenstoffe freisetzen. freisetzung "gefährlicher", reiner elemente an sich ist mir jetzt bei keinem mineral so spontan geläufig. kritisch wäre z.b. asbest oder quecksilberminerale. aber durch schleifmittel und wasser elemente freisetzen, die einem schaden, naja, würde da mal einfach sagen "sehr unwahrscheinlich". die meisten minerale sind ja an sich eher schlecht im wasser zu lösen. um die elemente freizusetzen müßte man die bildungsbedingungen einstellen, was eher unwahrscheinlich ist, und dazu noch das element vom rest trennen.
Titel: Re: Schleifen von Flurit
Beitrag von: flourine am 24 Aug 07, 11:25
 ???Jetzt schwirrt mir der Kopf - all meine schönen Flourite mit denen ich praktisch lebe..... na ja dies scheint ja ok zu sein, so wie die Zahnpasta..... die Tips kommen noch rechtzeitig, bevor ich mich in Taten stürzen werde
 ;) ;) dich ich hoffentlich überlebe
Titel: Re: Schleifen von Flurit
Beitrag von: RonnyNisz am 28 Aug 07, 22:57
Ich war gerade bei Freunden, die ein Juweliergeschäft betreiben. Seit ca 10 Jahren werden ihnen auch geschliffene Fluorite als Steine für Ketten in Würfel- und Kugelform angeboten. Es muß also funktionieren, sie zu schleifen.

Gruß Ronny
Titel: Re: Schleifen von Flurit
Beitrag von: Sven am 29 Aug 07, 09:46
@ fluorine: Natürlich wirst du das überleben ;D, es ging ja nur darum, auf mögliche Gefahren hinzuweisen. Und wie schon gesagt, beim Nassschleifen mit genügend Kühlmittel wird ja der Staub sowieso gebunden (und der Stein vor Überhitzung geschont). Wie heist noch der schöne Satz bei mindat immer:
Zitat
There is no specific data on health dangers or toxicity for this mineral, however you should always treat mineral samples as potentially toxic/dangerous and use sensible precautions when handling them.
Das gilt natürlich auch für Fluorit. Aber, wie ja schon mehrfach gesagt wurde, ist es sehr unwahrscheinlich bzw. chemisch nicht möglich, dass sich Fluor aus dem Fluorit "löst" (> Stabilität der chem. Verbindung).

@ Ronny: Klar funktioniert es, Fluorit zu schleifen! hat ja niemand das Gegenteil behauptet...

Gruß, Sven