Mineralienatlas - Fossilienatlas
Gesteine / Rocks / Rocas => Geschiebe / Glacial erratic => Thema gestartet von: Psaronius am 06 Sep 07, 14:57
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Habe bei meiner letzten Exkursion auf Bornholm im Steilufer der Südküste(Risegaard) einen Oolithen gefunden. Obwohl in der Geschiebeliteratur vereinzelte Funde von Oolithen in Norddeutschland und Dänemark erwähnt werden, paßt mein Exemplar zu keinem der beschreibenen Arten.
Auch hiesige Fachleute von der Uni guckten recht ratlos...
Hat jemand ähnliche Fünde getätigt, eine Idee oder weitere Literaturhinweise zu der Problematik ?
Werde auch noch ein Foto einstellen...
Hoffe auf Meinungen,
Gruß Psaronius
PS: Die Größe der einzelnen Ooide bis ca. 10 mm;
zwischen und in diesen Fossilienreste (meist Schalen von Mollusken)...
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Hier das angekündigte Foto:
(http://img248.imageshack.us/img248/1/oolith077gu6.jpg)
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Und noch ein Detail:
(http://img120.imageshack.us/img120/7380/oolith076oc0.jpg)
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Hallo Psaronius,
im "Hucke" (Einführung in die Geschiebeforschung) finden sich Hinweise auf oolithische Geschiebe aus dem oberen Jura (Malm), die im östlichen Ostseeraum (Danzig, Pommern) häufiger sein sollen (das könnte ja mehr oder weniger auch noch Bornholm einschließen), in Deutschland aber wohl eher selten sind. Diese Geschiebe sollen auch Fossilien enthalten. Leider war keine Abbildung verfügbar, so dass kein direkter Vergleich möglich ist - aber es ist immerhin eine Spur ;)
Gruß,
Holger
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Hallo,
habe natürlich "Hucke" auch in dieser Richtung nachgeschlagen, auch in anderer Geschiebeliteratur sind Oolithe erwähnt. Allerdings sind deren Beschreibung und auch einige Fotos nicht mit meinem Stück identisch. - Meist sind die Ooide wesentlich kleiner, Farbe und Fossilgehalt sind auch anders.
Auch die wenigen Stücke in den Sammlungen, - u.a. Uni Greifswald, sehen anders aus...
Die Frage ist ja auch, wo dieses Stück hergekommen sein könnte, sprich Primärfundstelle im Anstehenden, müßte ja irgendwo nördlicher liegen...
Danke und gruß
Psaronius
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Hallo,
die Größe der Oolithen ist in der Tat erstaunlich. Da es nach den Fotos den Anschein hat, dass diese Bildungen um "Kerne" (kleine Steinchen, Fossilbruchstücke) herum entstanden sind, stellt sich die Frage, ob es sich tatsächlich um Oolithe im strengen Sinne (rein anorganischen Ursprungs) oder um Onkoide (fossile Algenmatten) handelt. Auf letztere habe ich in meiner kleinen Geschiebebibliothek gar keinen Hinweis gefunden. ... ???
Eine dumme Frage von jemandem, der Bornholm nicht kennt: Würdest Du Verschleppung des Stückes durch Menschen an seinen ursprünglichen Fundort ausschließen?
Insgesamt stellt sich bei einem solch "exotischen" Fund vielleicht die Frage, ob man nicht einen Beitrag im Geschiebesammler schreiben sollte, in dem man dieses Stück beschreibt und um Hilfe bei der Bestimmung bittet.
Gruß,
Holger
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@Isarkiesel
Habe mir die Frage, ob das Stück eventuell durch irgendwelche Zweibeiner dorthin umverlagert wurde,
auch schon gestellt.... Da das Stück aber direkt in einer relativ frisch aufgeschlossenen Wand des Steilufers steckte, erscheint mir das eigentlich unwahrscheinlich.
Übrigens war die Reaktion einiger Wissenschaftler recht lustig: Zuerst ein "Aha, ein Oolith, die kommen hier als Geschiebe manchmal vor.." oder so ähnlich. Aber dann beim weiteren Nachfragen absolute Ratlosigkeit ! Keiner hatte sich damit jemals richtig beschäftigt. Angeblich sollen im Greifswalder Bodden mal Oolithe erbohrt worden sein, allerdings in einigen Hundert Metern Tiefe... Ansonsten hatte auch keiner eine Idee, wo dieses Gestein anstehen könnte.
Zur Oolith-Definition. Die anorganische Genese ist klar, aber in einigen Publikationen wird auch die Möglichkeit der Bildung von Ooiden um Fossilienresten herum nicht ausgeschlossen...
Eine Publikation in der Geschiebeliteratur zur Problemklärung ist vielleicht gut, ich wollte nur vorher mal hören, ob noch andere ähnliche Funde getätigt haben, oder dazu was wissen.
Übrigens sammel ich schon einige Jahre auf Bornholm, habe bisher soetwas aber nur ein einziges Mal gefunden.
So, das dazu,
Gruß
Psaronius
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Hallo Psaronius,
auf die Gefahr hin, dich mit Ideen bezüglich Herkunft zu nerven, die Du bereits kennst oder verworfen hast: Im Schulz (Geologischer Führer für den norddeutschen Geschiebesammler), Kapitel 9.4.2.2, sind vergleichbare Bildungen aus dem Silur Gotlands beschrieben. (Ärgerlich: Zwar war ich diesen Sommer auf Gotland, habe aber die entsprechenden Fundorte nicht besucht, kann also keinen direkten Vergleich liefern.) Immerhin: Das Silur steht schließlich auch auf dem Grund der Ostsee großräumig an, so dass es nicht unvorstellbar ist, dass Dein Fundstück aus einer derartigen Schicht stammt.
Gruß,
Holger
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Hallo,
Du nernvst überhaupt nicht und es freut mich, wenn das Thema interessiert.
Die Literaturquelle kenne ich auch. - Hab ja alles zugängliche nach Oolithen durchforstet.
Leider sind in den Büchern kaum Fotos vorhanden und wenn doch, dann ähneln die Stücke darauf nicht meinem Fund.
Ich glaube auch, das das Anstehende auf dem Grund der Ostsee zu suchen ist, da mir keiner auf dem skandinavischen Festland Vorkommen von Oolithgesteinen nennen konnte.
Interessant ist aber vor allem die Seltenheit. Selbst das Norddeutsche Geschiebearchiv an der Greifswalder Uni (enthält auch alle Sammlungen der Rostocker Universität) hat bloß einen Oolithen im Bestand !
Eine andere Frage: Aus welcher Ecke stammst Du ? Gibt es bei Euch zufällig "normales" Oolithengestein ?
Wäre an Vergleichsmaterial interessiert... In S-Deutschland gibt es ja einige Vorkommen...
Das wars auch schon, bis demnächst
Gruß
Psaronius
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Hallo Psaronius,
wie der Nickname verrät, lebe ich im (meistens ;D schönen) Bayern. Die einzigen Gesteine, die hier als vergleichbare Bildungen häufiger zu finden sind, stellen onkolithische Bildungen aus der Trias der Alpen dar, bei denen ebenfalls kleinere Bruchstücke von Muschelschalen, Seeigelstacheln etc. durch Algenmatten unregelmäßig überwuchert wurden. Diese sind mit Deinem Fund, bei dem neben der Größe auch die Regelmäßigkeit der Schichten auffällt, nicht wirklich vergleichbar. Leider habe ich kein Foto parat (und die Strukturen sind im Foto auch nicht leicht darzustellen), so dass ich hier kein Vergleichsbild anbieten kann. Werde ich aber gerne nachholen, wenn es Dich interessiert. Auch ein Vergleichsexemplar kann ich - falls gewünscht - gerne zur Verfügung stellen.
Die "echten" Oolithen, also die rein anorganischen Bildungen, kenne ich auch nur aus der Literatur.
Gruß,
Holger
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Hallo Isarkiesel,
danke für die schnelle Antwort.
Würde mich über ein Foto oder einen Beleg des von Dir erwähnten Materials freuen.
Was sammelst Du ?
Muss leider gleich los, d.h. ich verabschiede mich erst einmal aus dem Forum bis heute Nachmittag.
Also, bis demnächst,
noch einen schönen Tag,
Gruß
Psaronius
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Hallo,
Es gibt auch Oolithische Kalke im unteren Muschelkalk (sog. Schaumkalk oder mu4) und im oberen Muschelkalk sowie im Malm Süddeutschlands. Insbesondere aus dem Rogenstein des Malm im südlichen Oberrheingraben sind mir größere Oolithe bekannt. Es ist nun ja durchaus denkbar, dass der Malm im Bereich der Ostsee ausstreicht. Allerdings ist mir Malm aus dem norddeutschen Tiefland nur als Gerölle in der Kreide (Lägerdorf und Helgoland) bekannt, jedoch nicht anstehend.
Glück Auf!
Smoeller
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@Smoeller
Habe gestern gerade einiges an Literatur gewälzt.
Oolithe, verschiedenen Alters und Herkunft (auch Schweden) als Geschiebe sind auch darin erwähnt. - allerdings sehen auch die viel anders aus: Kleinere Ooide, dichter gepackt und typische Fossilreste.
Bin also noch nicht fündig geworden. Hast Du zufällig ein Foto von dem Gestein, welches Du erwähnt hast ?
Wäre interessant es mal zu sehen...
Ansonsten danke ich für den Tipp,
Gruß
Psaronius
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Hallo,
Versuche Sonntag mal ein Bild von dem Rogenstein zu machen.
Glück Auf!
Smoeller
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Hallo,
danke schon im Voraus !
Übrigens sehen die meisten Rogen-Steine wirklich wie der namensgebende Fisch-Rogen aus...
Bei meinem Geschiebe allerdings sind die Ooide relativ dünn in der Matrix verstreut.
- Was anderes: Hast Du an die roten Flinte gedacht ?
Gruß
Hartwig
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Hallo,
Ja, kommen noch. Mache die Sachen in den nächsten Tagen fertig.
Glück Auf!
Smoeller
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Falls es noch interessiert: Ja, es ist ein Silurischer Oolith/Onkoid. In der "geschiebekunde aktuell" sind dazu in letzter Zeit einige Artikel von Roger Schallreuter erschienen.....(Wen an deiner Uni hast du denn gefragt???)
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Glück Auf!
Psaronius: Ich habe auch so ein Oolithen. Sieht zwar nicht identisch aus, hat aber eine ganze Menge Gemeinsamkeiten. Mein Stück ist aber keine organische Bildung oder Ablagerung, sondern das Ergebnis eines Vulakanausbruchs. Lange Zeit wusste ich mit meinem Stück auch nichts anzufangen, da mir keiner sagen konnte was es ist. Ein Geologe hat mich dann auf die richtige Spur gebracht. Bei meinem Stück handelt es sich mit sehr großer Wahrscheinlichkeit um einen akkretionären Lapilli. Beim Vulkanausbruch hat sich in der Luft Asche um einen Kern herum angelagert. Diese schaligen Murmeln haben sich dann in großer Zahl in einer Ascheschicht wiedergefunden. Durch die Verdichtung dieser Gesteine sind sie dann relativ hart und widerstandsfähig geworden. Wenn es sich bei Ihrem Stück auch um einen solchen Lapilli handeln sollte, müsste er quasi karbonatfrei sein. Ein Salzsäuretest müsste also negativ ausfallen, auch wenn das Stück noch so sehr nach Karbonat aussieht. In meinem Stück sind auch massenweise Schalenbruchstücke enthalten und kein bisschen Karbonat. Mein Fund stammt aus der Kiesgrube Boxberg bei Weißwasser, Ostsachsen.
Mit freundlichen Grüßen
Felsenmammut
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Hallo Mammut,
akkretionäre Lapilli kommen im Geschiebe ab und an vor (häufiger als man sich denkt, wenn man sich erstmal "eingeschaut" hat). Aber in diesem Fall dürfte Altpaläozoikum stimmen........
Glück auf!
Der Tapir
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Hallo Tapir,
kenne die Artikel in der "Geschiebekunde aktuell", - auch die Fotos. Bin aber nicht der Meinung, dass es sich um dasselbe Material handelt. Die wenigen Geschiebe- Oolithe oder -Onkolithe, die ich selber in Augenschein nehmen konnte, hatten irgendwie einen anderen Charakter...
Gruß Psaronius
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hm...dann sieh dir Vergleichsmaterial an.........Die größte Sammlung ist das AfG in Greifswald, aber auch in Sternberg bei Güstrow ist eine netter kleine Geschiebesammlung......Wichtig wären vor allen entsprechende Fossilinhalte...aber die waren ja bei deinem Stück vorhanden, wenn ich das richtig gesehen habe...
beste Grüße
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Hallo felsenmammut und tapir
( Übrigens eine interessantes Zusammentreffen zweier Faunenvertreter !), -
glaube nicht, dass es sich um Lapilli handelt. Außerdem reagiert das Stück auf Salzsäure.
Es muss also auch Karbonat im Spiel sein. - Allerdings kann die Reaktion auch schon durch die kalkigen Schalen innerhalb der Onkoide hervorgerufen worden sein.
Ich selbst könne mir auch nicht vorstellen, wie es bei der Lapilli zu den schalenförmigen Ablagerungen um diese organischen Kerne gekommen sein sollte.
Die klassische Genese, wie man sie bei den Onkolithen annimmt, wäre da logischer, oder ?
Kannst Du Deinen Fund mal fotografieren ?
Gruß
Psaronius
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Zu den akkretionären Lapilli gabs auch in der ga vor 2 oder 3 Jahren mal einen Artikel glaube ich....
Wenn du es genau wissen willst kommst du am Wochenende zur GfG-Jahrestagung nach Flensburg........ ;)
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Hallo Tapir,
irgendwie kreuzen sich unsere Schreiben !
Kenne das Archiv für Geschiebekunde recht gut... Hatte kürzlich mit Prof. Herrig ein Gespräch über meinen Fund. Das Problem ist, dass zwar immer wieder mal Oolithe u.ä. als Geschiebe gefunden werden, sie aber trotzdem recht selten sind, - auch in Greifswald. Und oft ist die Herkunft nicht ganz klar.
Bleibe aber weiter an der Thematik dran.
Übrigens habe ich durch den Fund angeregt, mittlerweile schon eine kleine Kollektion diverser Oolithe-Onkolithe zusammengetragen, die vom Optischen ( und vielleicht auch von der Genese) recht unterschiedlich sind. Suche da immer noch Material von den verschiedensten Lokalitäten.
Achja Tapir, - bist Du auch aus dem Norden ?
Gruß
Psaronius
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Hallo Tapir,
kannst Du mir zu der erwähnten Literatur ("akkretionäre Lapilli") mal genauere Infos schicken...
Flensburg wäre schon nicht schlecht, bin aber am Wochenende schon ausgebucht.
- Außerdem interessieren mich die Geschiebe trotz meines Wohnsitzes im Norden nicht so sehr.
Mein Spezialgebiet ist eigentlich die Paläobotanik und der Oolith war eigentlich nur ein "Beifund", als ich auf Bornholm Jurapflanzen sammeln wollte...
Gruß
Psaronius
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Ich bin aus Greifswald/Rostock und momentan temporär Sternberg
Was die Oolite und Onkoide im Geschiebe angeht gibt es ein paar Leute die sich auf diesem Gebiet etwas mehr auskennen als Prof. Herrig. von der Alten Literatur mag dir da der Hucke&Voigt weiterhelfen, an neuerem Material gibt es wohl einige Veröffentlichungen aus Schweden und die besagten ga/AfG-Artikel.......
Das mit den Pflanzen klingt gut.....Aus dem Geschiebe gibt es da einige Sachen hier in Sternberg...Wahrscheinlich auch in Greifswald......(woher genau kommst Du denn?)
edit: wegen der Akkr. Lapilli gucke ich mal...allerdings muß ich das besagte Heft erstmal aufstöbern...kann also ne weile dauern........
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Hallo Tapir,
Du hast Recht, Prof. Herrig ist kein Oolith-Spezialist, - hat er übrigens auch selber gesagt, er hat mir aber etliche Literaturtipps gegeben. Die erwähnten Publikationen kenne ich übrigens. - Habe in der Richtung eine relativ umfangreiche Literaturrecherche betrieben...
Das mit den Pflanzen interessiert mich, zumal Pflanzenreste in Geschieben nicht gerade sehr häufig sind, und oft nur ein fast unbestimmbarer Pflanzenhäcksel (typisch für viele Rhät-Lias-Geschiebe) gefunden wird.
Achja, - zuhause bin ich im Uecker-Randow-Kreis...
"Man liest sich...!"-
freundlich
Psaronius
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Glück Auf!
Hier nun das Bild von dem akkretionären Lapilli. Das Stück ist nicht hundertprozentig sicher bestimmt, aber sowohl das Aussehen, als auch die Eigenschaften stimmen für einen solchen Lapilli überein. Das Geschiebe ist vollkommen karbonatfrei und zeigt keinerlei eindeutige fossile Spuren.
Felsenmammut
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Hallo,
Danke für das informative Foto. Stimmt schon, irgendwie ähnelt es meinem Fund. Was allerdings fehlt, sind die "Zwiebelschalen" um die Onkoide. Bei meinem Stück läßt das auf schichtenweise Ablagerungen schließen... Werde auch von meinem Fund noch einmal ein paar aussagefähige Fotos machen und sie hier reinstellen.
Kenne übrigens ähnliche Lapille-Exemplare, allerdings etwas anders in der Farbe, als Fendfunde aus der Umgebung von Altenburg...
Gruß
Psaronius
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Der Artikel ist:
Kottner J. (2005): Ein Tuff mit akkretionären Lapilli als Geschiebe. - Geschiebekunde aktuell 21(1), [Seitenangabe habe ich jetzt leider nicht....]
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Glück Auf allerseits!
An Psaronius: Kannst Du die Funde vom Lapilli aus den Nähe von Altenburg etwas genauer beschreiben? (Wo gefunden, wie aussehend?)
Als Ergänzung zum Bild weiter oben kommt hier noch ein akkretionärer Lapilli aus dem Geschiebe (Niedersachsen). Soweit ich weiß, sollen diese Gesteine aus Dalarna stammen. Kennt das jemand aus dem Anstehenden?
Saxifragus
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Hallo Saxi,
muss mal auf Suche in meinem "Steinelager" gehen. Vielleicht finde ich ein Stück und mache dann ein Foto.
Fundort u.a. in der Nähe von Mockzig.
Dein Geschiebe ist übrigens interessant. Habe hier im Norden sowas noch nich gefunden.
Ähnelt im ersten Moment auch meinem Bornholmfund, aber es fehlen der schalensrtige Aufbau der Ooide und die Fossilreste im Kern derselben...
Gruß
Psaronius
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Hallo Psaronius (und alle anderen Mitleser und -rätsler),
frisch zurück aus dem Gotland-Urlaub, habe ich ein paar neue Hinweise auf die Herkunft des Bornholm-Geschiebes anzubieten: Im Burgsvik-Ooolith (im südlichen Teil der Insel Gotland) finden sich anstehende Oolith-Gesteine sowohl mit kleinen (wenige mm) als auch großen (über 1 cm) Oolithen - und die größeren sehen dem Bornholm-Fund meiner Meinung nach zum Verwechseln ähnlich. (In ein paar Tagen kann ich hier Fotos einstellen.) Fundorte auf Gotland sind auf dem gesamten Küstenabschnitt zwischen Valar und Hoburgen zu finden.
Gruß,
Holger
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Hallo Holger,
danke für die Info, die mich umso mehr überrascht, da von den bisher gefragten "Skandinavien-Spezialisten" keiner etwas sagen konnte... Bin schon gespannt auf Deine Fotos.
Hast Du eventuell auch Material von dort mitgebracht ? Ein direkter Vergleich Stein mit Stein wäre noch effektiver.
Ansonsten einen schönen Sonntag,
Grüße aus dem momentan
tropischen Norden
Psaronius
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Ok, das mag vielleicht auch an dem im Geschiebe üblichen Problem liegen: man hat ein Gestein aus einem Sedimentationsgebiet, welches zu 70-95% nicht mehr existiert (Je nach Literatur), da auf den Photos keine bestimmbaren Fossilien zu sehen sind (oder irre ich mich?) ist eine Bestimmung rein nach Lithologie ohne Dünnschliffuntersuchungen so genau wie Memory spielen, zumal noch einige andere oolithische Gesteine aus den Paläozoikum in Frage kommen.
Dass sich Experten für dieses Gebiet deshalb nicht zu einer "LuckyLuke-Ferndiagnose" hinreißen lassen (wir wissen ja, es schießt schneller als sein Schatten) ist nur verständlich......Wäre die Problematik um Geschiebe und die Geologie Südskandinaviens so einfach, könnte ja jeder in einem 2-Wochenendkurs zum Geologiespezialisten für dieses Gebiet werden... (ich frage mich dann immer bloß, warum ausgerechnet unsere Geologiestudenten immer solche Schwierigkeiten damit haben, in einem Semester die häufigsten 120 Gesteinstypen diagnostozieren zu können, obwohl da noch nichtmal eine Herkunftsanalyse mit bei ist.... :'()
Es gibt übrigens im Paläozoikum Estlands, in diversen Beyrichienkalkvariationen (ohne Herkunftsangabe, bzw. südliches Ostseebecken) und auch in einigen anderen stratigraphischen Horizonten auf Gotland ähnliche Onkoid/Pisoid/Ooidbildungen. Um nur mal die zu nennen, die mir als nicht-Skandinavien-Fachmann bekannt sind.
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Hallo Tapir,
die Schwierigkeiten der Geschiebebestimmung sind mir schon klar. Kenne selbst Fachleute der Greifswalder Uni, die sich seit Jahrzehnten mit der Problematik beschäftigen, und zugeben, dass sie eigentlich immer noch nicht soviel darüber wissen. D.h. dass u.a. die Herkunft vieler Gesteine unklar ist.
Bei den Oolithen/Onkolithen war es allerdings so, dass man mir eigentlich nicht viel Orte nennen konnte, wo solch Material ansteht. - Und das Material, dass ich gesehen habe, kaum Ähnlichkeiten mit meinem Fund aufwies (Was aber nicht heißen soll, dass auch vom Optischen manches Gestein sehr variabel ist !).
Dazu kommt, dass eigentlich der Anteil dieser Gesteine an den Geschieben insgesamt relativ gering ist.
- Ansonsten staune ich auch immer über "Spezies", die ganz schnell, nur durch flüchtiges Draufschauen,
Gesteine bestimmen... Geben Dir recht, dass gerade die Gesteinsbestimmung oft recht schwierig ist.
Das ist u.a. ein Grund dafür, dass ich keine kristallinen Geschiebe sammle...
In diesem Sinne,
Gruß
Psaronius
PS: Falls Dir irgendwann mal Vertreter der Onkolithe/Oolithe in die Hände geraten, bin immer an Vergleichsmaterial interessiert...
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Hallo Psaronius,
einiges an Material liegt in der Sammlung des LUNG in Sternberg bei Güstrow. (ca. 50-60 paläozoische Ooide, hauptsächlich Sammlung Schulz, Besichtigung entweder nach Anmeldung bei Dr. Karsten Obst, LUNG, Güstrow, oder kurzfristig in diesem Sommer bei mir). Auch im Geschiebearchiv in Greifswald (Geschiebearchiv, nicht Landessammlung!), Ansprechpartner Prof. I. Hinz-Schallreuter, liegt einiges an Material. In beiden Sammlungen leider nicht unbedingt immer stratigraphisch richtig bestimmt.
Ansonsten werde ich die Augen für Dich offen halten. Ich bin diesen Sommer auf Bornholm, Südschweden, Mittelschweden und Südnorwegen unterwegs.
PS: Onkoide (0,5- 4 cm) sind ebenfalls im silurischen Leperditiengestein nicht gerade selten......
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Moin,
im Laufe der letzten zwei Wochen habe ich insgesamt 6 Oolith Stücke, zwar nicht in Bornholmer, aber immerhin in Geschiebe gefunden.
Deshalb würde ich den Thread hier gerne "kapern", da hier ja schon einige mögliche stratigrafische Einordnungen für Geschiebe.Oolithe angesprochen wurden.
Die einzelnen Ooide sind max. 1,5 mm groß (und damit jenseits der Möglichkeiten meiner Fotoausrüstung), das Gestein ist grau. Bei Betrachtung unter dem Bino erkennt man als Kerne vieler Ooide Quarzkörner.
Nach den Angeben in der verfügbaren Literatur (v.a. W.Schulz "Geologischer Führer für den norddeutschen Geschiebesammler") tendiere ich dazu sie ins Malm einzuordnen, da nur hier sog. Sandoolithe mit Quarzkörnern als Ooidkern erwähnt werden.
Wirklich sicher bin ich mir angesichts der doch eher knappen Beschreibungen nicht.
Von daher, kennt jemand andere mögliche Herkünfte für solche "Quarzkernooide" im Ostseebereich, oder hat jemand evtl. Vergleichsfotos von möglichen Kanidaten?
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Außer Malm kommt auch noch Dogger und ostbaltisches Oberordovizium in Frage (bei Ooiden mit Quarzkorn als Kristallisationskeim), hilfreich wären hier bestimmbare Fossilien.... (auch bei allen ist eine graue Gesteinsfarbe möglich)
Wie ist denn das Gefüge?
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Hallo Tapir,
erstmal vielen Dank für die Tipps. Dass in Sternberg eine ganze Kollektion von Oolithen liegt, war mir neu.
Werde versuchen, mir die Sachen bald mal anzuschauen...
Da Greifswald fast vor meiner Haustür liegt, ist das natürlich noch günstiger.
Das Problem ist bei mir momentan allerdings die knappe Zeit. - Bin beruflich sehr eingespannt, und eigentlich immer mehr südlich unterwegs...
Freue mich trotzdem, dass diese Rubrik nun wieder etwas aktiver genutzt wird.
Bis dann,
Psaronius
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Hallo Yoscha,
bin natürlich auch auf Deine Beiträge gespannt.
Wo genau hast Du Deine Geschiebe-Oolithe gefunden ?
Obwohl ich selbst eigentlich kaum Geschiebe sammle (Eigentlich interessieren mich nur solche mit pflanzlichen Resten.), weiß ich von etlichen befreundeten Sammlern, dass z.B. in unserer Region Oolithe als Geschiebe äußerst selten anzutreffen sind...
Gruß
Psaronius
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Wo genau hast Du Deine Geschiebe-Oolithe gefunden ?
Im umgelagerten Geschiebe hier auf dem Gelände der Uni Bremen, ich verbring im Moment einige meiner Mittagspausen mit Sammeln.
Bei 3 der 5 gefundenen Stücke hätte ich eine Herkunft aus Bauschutt nicht ausschließen können, bei 2 der 5 war die Situation jedoch so, dass ich zu 90% sagen kann, es ist wirklich Geschiebe.
Ein 6. Stück ist auch eindeutig Geschiebe, hat allerdings bei ähnlich bis gleich aufgebauten Ooiden eine andere Lithologie, stamt aber auch aus Geschiebe.
Außer Malm kommt auch noch Dogger und ostbaltisches Oberordovizium in Frage (bei Ooiden mit Quarzkorn als Kristallisationskeim), hilfreich wären hier bestimmbare Fossilien.... (auch bei allen ist eine graue Gesteinsfarbe möglich)
Wie ist denn das Gefüge?
Dogger stand an 2ter Stelle bei mir. Nach Fossilien müsste noch mal mit dem Bino drangehen, weiß allerdings nicht wann ich dazu Zeit habe.
Gefüge bei den 5 "gleichen" ist korngestützt, eher Punkt-Kontakte, Matrix ist grauer Kalk (an einigen Stellen hatte ich einen Verdacht auf Verkieselungen, aber bisher keine Zeit, genauer drauf einzugehen).
Der Ausreißer hat ebenfalls graue Ooide, ist jedoch eher Matrix gestützt (untergeordnet jedoch auch Punktkontakte) und was der größte Unterschied ist, die Matrix ist limonitisch.
OT: Und es ist leicht erbärmlich, wie "umfangreich" die Lietratur über Geschiebe der Unibibliothek Bremen ist...
PS: Es kann momentan unter Umständen etwas länger dauern, bis ich antworten kann, momentan viel am Hut ;).
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Hallo Psaronius und Mitleser,
hier nun die Fotos der Gotland-Funde. Zunächst ein Burgsvik-Oolith mit grossen Oolithen (Fundort Kättelvik).
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Hier zwei Stücke mit kleineren Oolithen.
Und noch eine Detailaufnahme der grossen Oolithen.
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Hallo Isarkiesel,
Deine Stücke sehen auf jeden Fall erstmal interessant aus.
Angeschliffen wäre wahrscheinlich noch mehr zu sehen, - oder vielleicht mal zum Fotografieren anfeuchten, damit die Onkoide besser zu erkennen sind.
Falls Du von Deinen Funden was abgeben würdest, - bin interessiert !
Ansonsten Grüße aus dem Norden
Psaronius