Mineralienatlas - Fossilienatlas
Mineralien / Minerals / Minerales => Mineralien (Fundort) bestimmen / determine minerals => Thema gestartet von: vanderheide am 16 Dec 07, 22:58
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Liebe Steinfreunde
In den Herbstferien fand ich den Kalkstein an der Strasse zur Pragelpass (GL, 47° 00’ 37.29’’ N /
8° 52’ 32.85’’ O, 1397m Höhe, Google-Earth) (Bild 1, bei Kunstlicht aufgenommen)
Seit einer Woche schleife ich an diesen Stein herum (Bild2), da finde ich im unteren Bereich eine Nahtstelle! (Bild3). Ich habe das Bild kopiert und dem unteren Teil eingefärbt.
Die Struktur der Calzit-gänge (ist die Bezeichnung richtig?) ist unterschiedlich, aber auch die Färbung des Materials ist verschieden!
Was hat sich hier ereignet? Gewiss: Druck und Hitze sind wohl gewaltig gewesen um diese Kalkmassen zu heben! Wie aber reagiert Kalk auf Druck und Hitze?
Ich werde noch einige Zeit brauchen für den Fertigschliff, aber diese Frage konnte ich nicht zurückbehalten.
Eine zweite Frage:
Dieser Stein (sehr schwer) war bei irgendeinem Haus abgelegt. Ist das ein „Tiefen-Gestein“? Was sollen die Zeichnungen darauf und was könnte der rotbraune Einschluss sein?
Ein Teil ist angeschliffen (220 Korn), die Oberfläche wirkt grau, zeigt noch Poren auf (vielleicht verschwinden die noch, wenn ich weiter schleife), die grünliche Farbe tritt etwas zurück (war es nur eine Verwitterungsfarbe und wird sie ganz verschwinden?).
Vielen Dank für Hinweise!!
Hans van der Heide
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hier die anderen Fotos
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zuletzt: der rotbraune Einschluss
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Hallo Hans
das oberste ist gequältes Gestein (Kalk mit Quarz)... einmal in kleine Stücke zerbrochen und dann mit Quarz wieder zusammengewachsen. Dass dann einmal eine Aenderung in den Bedingungen stattgefunden hat und das eine etwas andere Zusammensetzung der "Sosse" war, die eine Schicht gefüllt hat wäre naheliegend.
Das Muschelstück im anderen Stein erinnert an Dioptas. Schau mal unter dem Stichwort. Ich habe sowas öfters in unseren Flüssen gefunden.
Gruss
Jacqueline
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Dioptas? Nein - ich denke Du meinst Diopsid. Ist es aber auch nicht ;) Das ist ein sedimentäres Gestein, in Tiefengesteinen treten keine Fossilien auf
Gruß, Erik
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danke Erik
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Hallo Jacqueline
Hoppla, also Kalk und Quarz! Da will ich noch die Probe nehmen mit HCL - Danke für den Hinweis! Habe gerade zwei Stellen geschliffen und ... da lauft die Quarzader von der eine Gesteinsmasse in die Andere! Dann sorgt Quarz also für Verzahnung der Masse. Frage mich nur: woher kommt der Quarz (Si), ist doch rundherum nur Kalk vorhanden.
Hallo Erik
Tja, der andere Stein! Ich bin mir nicht so sicher ob ich es da wirklich mit einem Fossil zu tun habe? Von dem Material hatte ich bis jetzt den Eindruck: es muss etwas ähnliches sein wie Amphibolith. Ich habe verschiedene Amphibolithe von der Flüelapass geschliffen. Dieser Stein erinnert sehr daran. Vom Gewicht her, hatte ich den Eindruck: es kann etwas Ähnliches sein wie Pyroxen. Davon habe ich mal einen Anschliff gemacht und weil sich darin rote, metamorphosierte Granate befanden, fragte ich mich, ob der rotbraune Einschluss etwas mit Granat zutun haben kann?
Aber bitte, ich bin Leihe und betrachte diese Materie erst seit 2 1/2 Jahre vom Nahen ... im Schneckentempo!
vielen Dank und liebe Grüsse
Hans
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Hallo Hans,
die weißen Adern - müßen auch nicht unbedingt Quarz sein, Calzit - wäre mglw. wirklich wahrscheinlicher.
( auch wenn Quarz in Kalk durchaus mgl. ist ) ... besser wäre ein Härtetest ( der Kalk daneben könnte dein Ergebn. verfälschen )
Zu dem "Fossil" - sieht wirklich sehr nach "verquetschten" Muscheln aus ... und das Gestein ist ganz sicher kein
Tiefengestein - hat weder was mit Amphibolith noch Pyroxen zu tun.
Die rostbraune Stelle ist sicherlich einfach eine Fe-Hydroxid - Anreicherung , wie sie häufig in allen mgl. Gesteinen auftreten -
hat jedenfalls nichts mit Granat zu tun.
Gruß -M-
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So mehr oder weniger das selbe wollte ich eben auch schreiben ;)
Wenn die weißen Adern Quarz wären, würdest Du das beim Schleifen sicher merken - der Härteunterschied wäre beträchtlich. Ansonsten schließe ich mich -M- an.
Gruß, Erik
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Hallo,
schließe mich auch -M- an, die weißen Adern sind Calcit. Sie bilden sich, wenn die Kalkformationen durch tektonische Bewegungen Risse bekommen haben und diese dann aus zirkulierenden Wässern wieder mit Calcit gefüllt werden. Dabei kann es in Hohlräumen mitunter zur Bildung kleiner bis rießiger Calcitkristalle oder auch zur Entstehung von Tropfsteinen kommen.
Stein 2 ist auch ein (etwas angewitterter) Kalk mit einem Limoniteinschluß.
Hänge mal ein Geländebild von so nem Kalkfelsen sowie frei kristallisiertem Calcit von der gleichen Fundstelle an.
Glück Auf
Uwe
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also beides sind definitiv sedimente. hohes gewicht und dichte ist kein definitives kennzeichen. wenn ein kalk derbe viel pyrit enthält ist er schwarz und mitunter auch recht schwer, aber dennoch ein kalk (als beispiel am rande).
wenn das erste quarz ist, dann merkste das wie gesagt. die weißen linien haste dadurch, daß das ehemalige gestein zerbrochen wurde und die ehemaligen spalten und risse sich mit karbonat geschlossen haben. entweder oberflächennah bzw. frühdiagenetisch.
im übrigen kann quarz auch problemlos im kalk vorkommen, schließt sich beides nicht aus. ob das SiO2 des quarzes dann aber aus den schalen von viechern, quarzkörnern oder sonstwas stammt ist eine andere frage. ebenso wie und wann. da gibt es schon genug möglichkeiten.
zu dem anderen gestein: wäre es was amphibolartiges oder pyroxen, so müßte man die minerale dort verwachsen sehen. wenn man die nahaufnahmen sieht, dann sieht man deutliche poren und viel klastischen material. paßt absolut nicht zu magmatischen gesteinen. zudem ist nicht alles rote ein granat und: erodiere mal gedanklich ein granathaltiges gestein, bei dem die granate der erosion stärker trotzen. dann werden diese z.b. vom fluß weggeschwemmt und nun z.b. mit quarz aus einem sandstein zusammen abgelagert. das ganze verkittet dann noch calcit. als ergebnis haste ein granatreichen quarzsandstein mit calcitischem bindemittel. aber kein mineral ist zeitgleich mit dem anderen entstanden.
die weißen stellen sind garantiert fossile organismen. bei dem unteren würde ich sogar mal auf graptolith tippen. sieht irgendwie danach aus. das andere könnte auch ein trilobitenstück sein. muß nicht unbeding ne muschel sein. aber da in der region kenne ich mich jetzt nicht aus.
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Hallo -M-
Die weissen Adern sind definitiv Calzit. Habe die Probe gemacht mit HCL und es schäumte prompt.
Stimmt ebenso: beim Schleifen ist kein Unterschied festzustellen.
Kein Tiefengestein also ! ich habe die HCL-Probe gemacht .. es schäumte tatsächlich! Der Stein ist so sau schwer, dass ich ein wenig Zeit benötige um tiefere Schichten freizulegen.
Ich kann bestätigen, dass die rostbraune Stelle keineswegs die Leuchtkraft von Granat im Pyroxen hat.
Hallo Erik
Genau der Härteunterschied fehlt
Hallo Uwe
Super Bilder! Was du hier im Grossen zeigst, habe ich im Kleinen, exakt dasselbe! Wenn der Schliff fertig ist (geht noch ein Weilchen) werde ich ihn fotographieren und nachsenden.
Wie bereits gesagt: Stein 2 ist tatsächlich Kalk.
Hallo Caliastos
Das tönt interessant, will ich mir merken. "Wenn ein Kalk derbe viel Pyrit enthält ist er schwarz und mitunter auch recht schwer". Nun da stimmt wieder etwas überein: nach dem Schleifen waren die Poren meiner Finger mit schwarzer Farbe gefüllt. Das habe ich nie bei einem sonstigen Kalkstein gehabt, aber bei anderen zu genügen. Sollte der Stein tatsächlich Pyrit enthalten, dann ist für mich die Färbung erklärlich geworden.
Ich bin froh zu wissen, dass weisse Adern in Kalk nicht persé aus Calcit bestehen, sondern Vorsicht geboten ist (härte Test und HCL, wird es zeigen).
Der Stein 2: Die Poren.., tja, da dachte ich mir, wenn du nur genügend tiefer schleifst, werden die Poren vielleicht verschwinden, dass ist doch wohl nur Oberflächenverwitterung. Dem ist also nicht so.
Schönes Beispiel was Du da schreibst mit dem Schluss: "...kein Mineral ist zeitgleich mit dem anderen entstanden...".
GANZ HERZLICHEN DANK FÜR DIE REICHEN HINWEISE!!! So kann ein Leihe weiterkommen!
Liebe Grüsse
Hans
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Quarz/Calcit.. sorry.. bin da nicht so durch...
Einen Amphiboliten habe ich als Beispiel.. schaut ganz anders aus... mit den Granaten.. du wirst es bei uns sehen... (Amphibolith aus dem Maderandertal, oder Juf)
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Hi Hans,
zu Deiner ersten Struktur-Frage noch eine Anmerkung:
Das graue mit den weißen Adern wurde ja schon in den vorangegangenen posts als Kalkstein mit Calcit-verheilten Klüften bestimmt. Die Struktur, die Du markiert hast, wird als "Drucksutur", "Drucklösungsfläche" oder "Stylolith" bezeichnet. Es handelt sich hierbei um Bildungen, die dadurch entstehen, daß der Kalkstein im Laufe seiner geologischen Geschichte unter Druck geraten ist (z.B. bei tektonischen Bewegungen) und es hierbei lokal zu Lösungserscheinungen gekommen ist. Meist sind an diesen Drucksuturen dann auch dünne, andersfarbige Häutchen aus Tonmineralen zu finden. Diese Tonhäutchen sind quasi die unlöslichen Rückstände aus dem Druckvorgang.
Hoffe, daß ich Dir trotz des vielen Fachchinesisch helfen konnte.
Glück Auf!
GEOMAXX
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by the way: kalkstein ist eines der gesteine, bei dem du nahezu jede farbe finden kannst also nicht wundern, wenn du einen grünen, gelben, roten oder sonstwie gefärbten kalkstein findest. kommt nur auf die neben calzit vorhandenen minerale an. auch findet sich nicht selten im kalkstein pyrit in auskristallinisierter form. zwar nicht so oft wie feinverteilt, aber dennoch. kennzeichnet nur O2-arme ablagerungsbedingung.
die styloithe haste übrigens in der diagenese bzw. sogar schon in der frühdiagenese. tektonik braucht es dazu sogar nicht einmal. an sich ist das nur eine mobilisierung des calcit. treibt man das weiter beginnen die calcitkristalle zu rekristallisieren und es entsteht marmor (allerdings nur bei reinem calcit).
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Hallo!
Zum ersten Stück ist schon alles gesagt (Stylolithen), stimmt mit Sicherheit. Du kannst sogar erkennen, daß die Drucklösung NACH der Kluftbildung und -verfüllung mit dem Calcit erfolgt ist (abgeschnittene Klüftchen, Sprünge in der Dicke der Kluftfüllung).
Bei den Einschlüssen im zweiten Stein handelt es sich sicher einmal um einen Graptolithen, zum anderen (siehe Größe 10x1 mm) höchstwahrscheinlich um den Querschnitt einer Großforaminifere (einzellige Tiere mit Kalkgehäuse). Wegen des Graptolithen schließe ich am ehesten auf silurisches Alter des Gesteins.
Volkmar
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Wobei Monograptolithen Silur-Devon sind, also nicht unbedingt Silur. Nur genaueres kann wohl nur jemand vom Fach sagen.
Aber Großforaminifere? So asymmetrisch kenn ich die an sich nicht.
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@caliastos:
Ich gebe Dir recht, nur ein Graptolithenfachmann kann das Alter besser eingrenzen. War ein Schnellschuss von mir. Immerhin IST es ein Graptolith (Monograptus). Ist ja auch schon eine Hilfe für die Anfrage.
Volkmar
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Hallo Caliastos, Volkmar und Geomaxx
Tolle Hinweise! Ich werde diese weiterverfolgen! Und wie gesagt, wenn ich den Stein (1) fertiggeschliffen habe, werde ich ihn nochmals zeigen. Bitte "Fach-Chinesisch" ist einfach notwendig! Nur so werden die Aussagen eindeutig und unverwechselbar - mit der Zeit werde ich die Ausdrücke schon einordnen lernen.
Vielen Dank
Hans