Mineralienatlas - Fossilienatlas
Gesteine / Rocks / Rocas => Gesteine / Rocks / Rocas => Thema gestartet von: berthold am 25 Dec 07, 22:43
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Hallo,
jetzt bin ich über den paar Seiten gestolpert mit -sagen wir mal - recht sonderbaren Ansichten.
z.B.: http://members.aol.com/phycodec/schriftgr/schriftgr.htm (http://members.aol.com/phycodec/schriftgr/schriftgr.htm)
http://members.aol.com/astrbecker/amethyst/amethyst.htm (http://members.aol.com/astrbecker/amethyst/amethyst.htm)
Von "phycodische Geologie" habe ich allerdings noch nie was gehört. Was sagen die Experten?
Gruß
Berthold
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Da war das mit der Wünschelrute ja noch hochseriös!
:P :P :P
Glück Auf
Uwe
edit: Da kann ich mir hier http://www.jetzweb.de/Colinde/Karneolvortrag_Gera.html (http://www.jetzweb.de/Colinde/Karneolvortrag_Gera.html) einiges schon eher vorstellen, z. B. die Theorie von conny3, aber Amethyst auf Algen?
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Möglicherweise hat der Autor auch schon Algentang im Gehirn, ist schließlich auch eine Kugel, wenn auch wohl keine gigantische...
Günter
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Hallo Berthold,
diese Seite ist mir auch schon bei der Recherche zum Thema Pyknit über den Weg gelaufen.
u.a. davon, war meine vor einiger Zeit eingestellte Frage zum Thema - Aktueller Stand der
Diskussion zur Pyknit-bildung - inspiriert. Hab das damals allerdings nicht weiter ausgeführt,
da ich mir als Nicht-Fachmann eben keine abschließende Meinung dazu bilden konnte.
http://members.aol.com/haideberg/pyknit/pyknit.htm
Zitat : "... Was sagen die Experten? ... "
ich dachte eigentlich, du wärst einer von denen ( Experten ) ? Schreib doch mal deine Meinung dazu.
Hoffe mal, hier kommen noch ausführlichere Meinungsäußerungen, die sich nicht darauf beschränken
persönl. Vorurteile in den Raum zu stellen. ( nichts gegen eure Meinung, aber interessanter wäre es hier
wirklich, mal die Argumente und Überlegungen von denen zu lesen, die sich damit vielleicht in der
Vergangenheit schon etwas mehr auseinandergesetzt haben )
Gruß -M-
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Also wenn jemand einfach ein paar krumme Linien in ein Bild zeichnet und dann behauptet dies wäre die Erklärung für alle geologischen Probleme, die sich aus diesem Bild ergeben könnten, ist das für mich keine wissenschaftliche Beweisführung.
Günter
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Hallo,
Gerade im Bereich der Schriftgranite ist die phycodische Deutung falsch. Schriftgranit ist eine typische Textur bei der eutektischen Kristallisation granitoider Schmelzen. Dabei kristallisieren Mikroklin und Quarz in einem fixen Punkt (bei konstantem Druck) sehr schnell und in enger Verwachsung aus. Erst wenn die Kristallisation zuende ist, kann dieser Punkt verlassen werden. Ist thermodynamisch begründbar (Minimum der Gibbs-Energie).
Fakt ist: Es gibt Granite sedimentären Ursprungs (S-Typ-Granite, sog. Zweiglimmergranite). Diese entstehen aber infolge krustaler Anatexis bei meist granulitfaziellen Bedingungen (Temperaturen größer 700 °C). Unter diesen Bedingungen ist pflanzliches Material nicht stabil, je nach Sauerstoffgehalt der Schmelze (für die Thermodynamiker richtiger Sauerstoff-Fugazität) liegt Kohlenstoff in diesem Bereich als Graphit oder CO2 vor. Selbst fossilführende Kalksteine und Tonschiefer, die in diese Granite fallen oder unmittelbar an sie grenzen, werden zu Marmoren, Skarnen und Hornfelsen. Da sind dann nur maximal noch winzigste Spurenfossilien drin, in Graphiterhaltung.
Glück Auf!
Smoeller
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Hallo,
um dem Thema neben dem Unterhaltungswert vielleicht dennoch was positives Abzugewinnen:
Gerade im Bereich der ..... ist die phycodische Deutung falsch
Gibt es denn überhaupt Fälle, wo von "phycodischer Geologie" gesprochen werden kann? Die Umwandlung von organischem in anorganisches Material ist hier ja nicht gemeint.
Glück Auf
Uwe
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Hallo,
nun, wenn einer mit einer neuen wissenschaftlichen Theorie etwas zu erklären versucht, dann ist das zunächst mal löblich und verdient Respekt. Ziel einer Theorie sollte es sein möglichst alle betreffende Beobachtungen zu erklären, möglichst besser und umfassender als es die gegenwärtige Lehrmeinung macht. Solche Theorien werden in führenden wissenschaftlichen Zeitschriften (nach Prüfung durch Reviewer) veröffentlicht und dann in Fachkreisen diskutiert. Dann kommt es ggf. zu einem Wettstreit der Ansichten und wenn die neue Theorie den Prüfungen standhält gilt sie irgendwann als anerkannt. Gerade auf dem Gebiet der Geologie gibt es immer wieder aberwitzigste Theorien, einige Beispiele:
* Die Erde ist hohl: http://www.hohle-erde.de/home.html
* Erdexpansion: http://www.nealadams.com/nmu.html
* Keine Evolution: http://fischinger.alien.de/Artikel31.html
So, und jetzt haben wir auch noch eine "Phycodische Geologie", bei der sogar Eisenmeteoriten organisch-sedimentär sein sollen. Diese Theorien haben einige Gemeinsamkeiten:
* sie erklären scheinbar einzelne Beobachtungen, lassen unpassende Beobachtungen weg
* sie haben fachlich sehr geringen Tiefgang (oft speudowissenschaftliches Kauderwelsch)
* sie erklären große Bereiche der Wissenschaft für falsch, bis hin zu Naturgesetzen
* sie werden dogmatisch verteidigt, nicht diskutiert
Schlimm finde ich, wenn solches Pseudowissen als "neue wissenschaftliche Erkenntnis" verkauft wird, das ist Volksverdummung. O.k. Meinung, Forschung und Lehre sind frei (und das ist auch richtig so). Aber keine halbwegs seriöse wissenschaftliche Zeitschrift würde sowas bringen, im Internetzeitalter kann und darf sich jedermann öffentlich auskotzen...
Was unter dem Namen "Phycodische Geologie" da geschrieben wurde halte ich für absoluten Unfug. Zum Beispiel die Sache mit den Meteoriten: Hat der gute Mann eine Ahnung wie alt die Meteoriten sind - oder bestreitet er das? Glaubt er, wenn er schreibt "während Meteoreisenerz möglicherweise in sauerstoffarmer früherer Atmospäre gebildet wurde" tatsächlich, dass Meteoriten in der Atmosphäre gebildet wurden und wie soll das gehen und wie sollen dann die Algentange hineinkommen? Einfach nur wirr.
Gruß
Berthold
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Hallo,
bei Erklärungen zur möglichen Entstehung der Achate von Schöngleina hatte ich 2004 Kontakt mit einem Herr Becker, der auch die phycodische Geologie favorisiert. Nachfolgend ein Auszug von ihm :
Weitere Erklärungen von Herrn Becker zur Bildung der Schöngleinaer Achate:
"Die Phycodische Geologie geht auf Grund von phycodischen Strukturen im Sandstein oder bei Mineralien, die in diesem gebildet wurden, davon aus, dass sie sedimentär unter Beteiligung von Algentangen entstanden sind. Bei den Achaten von Schöngleina finden sich Reststrukturen der Algentange vorwiegend im derben Karneol und kryptokristallinen Bereichen. Bereits in der Diagenese kann eine Mineralkristallisation beginnen und später durch hydrothermale Prozesse fortgeführt werden, bei der in den Stufen bzw. Kristallen phycodische Strukturen verschwinden. Mineralveränderungen durch pneumatolytische Prozesse sind möglich.
Auch in kristallisierten Mineralen können noch Hinweise auf sedimentär-biogene Enstehung enthalten sein. Eingeschlossene Gase, Flüssigkeit und Fremdminerale (zum Bsp. Pyrit) weisen darauf, dass die Kristallisation in vorhandenen inhomogenen Körpern erfolgt sein kann. Bei Quarz und Achat zeigt sich oft eine Entwicklung aus lagigen, kryptokristallinen Bereichen in deutliche kristallisierte Bereiche. Schichtig und radialstrahlig orientierte Kugelbildungen im Achat und derber Gangart (in dem Fall Karneol) können auf schwimmende Kugelbildungen von Algentangen zurückgehen, besonders dann, wenn deutlich abgesetzte Kerne und Mehrschaligkeit auf ein Wachstum um Sporenklümpchen hinweisen."
(Quelle: phycodea@aol.com)
Gruß Conny
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Hallo,
Bei den Achaten von Schöngleina finden sich Reststrukturen der Algentange vorwiegend im derben Karneol und kryptokristallinen Bereichen.
Behauptung ohne Beweis. Wo sind die Dünnschliffe, die entsprechende Zellstrukturen zeigen?
Bereits in der Diagenese kann eine Mineralkristallisation beginnen und später durch hydrothermale Prozesse fortgeführt werden, bei der in den Stufen bzw. Kristallen phycodische Strukturen verschwinden. Mineralveränderungen durch pneumatolytische Prozesse sind möglich.
Ach so, der Achat ist erst diagenetisch, dann hydothermal und am Ende noch pneumatolytisch entstanden? :o
Gruß
Berthold
Gruß
Berthold
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Hallo,
Bei den Algenmatten, die zur Entstehung der sedimentären Kieselsäurekonkretionen oft herangezogen werden, handelt es sich um einzellige Algen, die mit den großen Tangen nicht sehr viel gemeinsam haben. Kieselalgen gibt es heute noch, ihre Skelette sind ein wesentlicher Beitrag zu Tiefseesedimenten (Chert, Radiolarit). Hat aber alles nichts mit Tang zu tun.
Glück Auf!
Smoeller
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Hallo,
ja der Herr Becker zeichnete mir damals sogar in das Bild vom Arkadenachat seine Vorstellungen rein, wie er entstanden sein könnte. Habe aber seit 2004 nichts mehr wieder von ihm gehört.
Gruß Conny
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Hallo Conny,
hat der Herr Becker -abgesehen von dieser Zeichnung- irgendwelche greifbare Fakten für seine Theorie liefern können? Hat er z.B. die Bildungstemperatur bestimmt, Dünnschliffe angefertigt oder Isotopen-Untersuchungen gemacht? Wohl eher nicht. Auf jeden Fall muß sein Algentang recht hohe Temperaturen aushalten: http://members.aol.com/phycodec/sphalerit/sphalerit.htm ! Dazu muß man wissen, dass die Freiberger Erzgänge zweifelsfrei hydrothermal, genauer mesothermal, also bei 200-300°C gebildet wurden. Wir sind also in einem Temperaturbereich, der beim besten Willen Leben (oder auch nur Überleben) nicht erlaubt (ich hatte mal die Ehre einen Vortrag von Prof. Stetter zu seinen "Hyperthermophilic Microorganisms"-Forschung zu hören, bei ca. 125°C ist der Ofen aus).
Gruß
Berthold
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Hört sich ja alles sehr vernünftig und einleuchtend an,
bestätigt auch meine eigenen Überlegungen.
Finde es allerdings schade, daß sich hier nicht mal ein
Verfechter oder zumindest Sympathisant dieser Theorien
zu Wort gemeldet hat , und sich der Argumentation stellt ...
aber vermtl. ist das wohl der beste Beweis dafür, daß es
sich hierbei nur um Bauernfängerei handelt - wobei es mir
ein absolutes Rätsel bleibt, warum manche Leute es nicht
lassen können, ihren ganz persönlichen Schwachsinn in
aller Öffentlichkeit vorzuführen.
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das liegt wohl in der natur des menschen.
heutzutage laufen täglich mehr spinner rum als früher (und deren zahl steigt). solchen leuten kann man stichhaltige beweise vorliegen und die sagen: "kein erkennbarer beweis!" und legen im selben atemzug ein spitzen beweisstück vor, daß selbst jemand ohne ahnung als nicht beweistauglich deklarieren kann. da gibt es einfach zu 90% keine sinnvollen beweise. 9% sind schwer bis kaum erklärbar und das fehlende 1% hat diverse andere gründe.
daß die verfechter der theorien eine diskussion verweigern ist klar. wenn selbst ein kindergartenkind deren theorien entkräftigen könnte... wozu dann noch eine diskussion mit fachpersonal? dann lieber auf die einfältiogkeit der leute setzen. das ist wesentlich effizienter und lukrativer.
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Hallo,
das Buch über die phycodische Geologie ist erschienen:
siehe http://www.phycodea.hgbecker.de/
(als pdf Version)
Ich hatte vor ca. einem Jahr Genehmigungen zur Verwendung von Bildmaterial und Hinweise zum Fundpunkt Schöngleina dem Autor nach Anfrage gegeben. Für Schöngleina und benachbarte Fundpunkte könnte ich diese Bildungstheorie durchaus nachvollziehen. Das haben auch schon Sammler vor mir getan (zum Bsp. W. Fischer + im Jahr 1975)
Gruß Conny
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Hallo Conny
.....das Buch über die phycodische Geologie ist erschienen
Phykodes sind ja bekanntermaßen Wohnbauten von Anneliden (Ringelwürmer), welche im unteren Kambrium bis zum Jura auftraten. Sie sind charakteristisch für die Phycodenschichten des thüringisch-vogtländischen Schiefergebirges.
Ist es angesichts dieser Ringelwurm-Lebensspuren nicht ein bisschen weit hergebracht, gleich von " Phycodischer Geologie " zu sprechen ?
Soweit ersichtlich, hat sich der Verfasser (hgbecker) lediglich mit phycodischen Strukturen in gewissen Gesteinen, resp. ganz eigenen, persönlichen Bildungstheorien befasst; wobei er - ungewöhnlich für einen "revolutionären" Artikel oder Buch, einige, hier nicht näher erwähnte andere Ungereimtheiten sowie seine Erklärungen einer bosnische Pyramide (die lt. Becker keine ist) mit einbringt.
Ob diese Beckerschen Annahmen wissenschaftlich fundiert, bzw. haltbar sind, bleibt dahingestellt; ich könnte mir aber vorstellen, dass so mancher Geologe, beonders aber Lagerstättenkundler bei einigen "revolutionären" Aussagen graue Haare bekommt.
Im übrigen: Bisher nur oberflächlich recherchiert, kann ich keine oder kaum internationale wissenschaftliche Referenz zu den Theorien des Herrn Becker finden. Aber vielleicht suche ich auch im falschen Metier.
Gruß
collector
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Hallo,
angesichts von so viel Unfug ist es schwer sachlich zu bleiben. Alle angeblichen Beweise sind oberflächliche Beobachtungen, keine Wissenschaft, einfach nur wirr. Dass der Pfahl eine Sedimentschicht sei, die Altenberger Pyknite Pflanzenstengel seinen, dass es um Granite keine Kontakthöfe geben könne (weil ja Granite und Pegatite sedimentär sein sollen) usw. - das ist alles leicht zu wiederlegen. PT-Bedingungen bei denen sich Mineralien bilden bzw. verändern kann man heute mit vielen Methoden untersuchen. Biogene Bildungen oder auch nur stoffliche Quellen lassen sich mit Isotopenspektroskopie ausmachen. Organische Fossilienreste können im Dünnschliff gezeigt werden. Aber hier? Es wird ja nichtmal der Versuch gemacht die vorhandenen wiedersprechenden Fakten in Frage zu stellen - sie werden schlichtweg verschwiegen.
Das Buch ist auf neptunistischen Niveau und wenigstens 200 Jahre zu spät dran.
Gruß
Berthold
PS: @Conny: Für so abstruse Theorien hätte ich persönlich keine Bilder zur Veröffentlichung genehmigt.
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Hallo Berthold,
PS: @Conny: Für so abstruse Theorien hätte ich persönlich keine Bilder zur Veröffentlichung genehmigt.
ich hatte ihm die Bilder damals auch nur im Zusammenhang mit der Fundstelle Schöngleina zur Verfügung gestellt weil ich hier eine biogene Entstehung nicht ganz ausschließe. Zu den anderen Dingen habe ich auch keinen Bezug und keine Kenntnis. Mir ging es rein um den Fundort Schöngleina, wo es ja noch keine schlichtige Entstehungstheorie gibt. Im Vortag über die Karneole damals in Gera war es auch nur eine von vielen Theorien.
(@berthold siehe auch meine PN)
Gruß Conny