Mineralienatlas - Fossilienatlas

Fossilien / Fossils / Fósiles => Lebewesen / Life forms => Bernstein - Fossiles Harz / Amber - Fossil resin => Thema gestartet von: yvonne77 am 30 Dec 07, 12:27

Titel: Bernstein aus Nachlass - Echt oder Fälschung???
Beitrag von: yvonne77 am 30 Dec 07, 12:27
Sehr geehrte Damen und Herren,

durch Zufall sind wir auf dieser Homepage gelandet und habe mit Interesse dieses Forum betrachtet.
Wir sind im Besitz eines sehr großen Bernsteinanhängers mit mehreren Inklusen und uns würde schon interessieren, ob es sich um einen echten Bernstein handelt.
Er ist aus einem Erbnachlass, stammt von der Bernsteinküste aus dem früheren Ostpreußen in der Nähe von Kaliningrad und wurde vor ca. 100 Jahren von einem Juwelier in 935er Altsilber gefasst.
Der Bernstein ist in Form einer Halbkugel und hat einen Durchmesser von ca. 40mm und eine Höhe von ca. 20mm.
Darin enthalten ist ein Mottenähnliches Insekt mit feinen Haaren (große Trichoptera??? - 15mm hoch - (http://)20mm breit), welches vollständig erhalten ist (Fühler, Beine, Flügel, etc.), sowie 2 winzige Objekte - mit Beinen? (entweder Spinnen, Flöhe oder Blüten) und andere Blüten?-Reste.

Bei der Frage, ob es sich um echten Bernstein handelt, kann ich nur sagen, dass ich den Elektrostatik-Test, den Geruchstest, sowie den UV-Licht Test gemacht habe und alle positiv waren. Sicher ist auch, dass meine Ur-Oma den Stein selbst an der Bernsteinküste gefunden hat.

Der Einschluß ist daher so mittig, weil der Stein früher größer war und vom Juwelier für die Fassung verkleinert wurde.
In dem Stein sind ca.3 Sonnenflinten (sog. Blitzer), die durch Sonneneinstrahlung entstanden sein könnten, oder durch die Bearbeitung des Bernsteines beim Juwelier. Und um das Insekt sind einige winzige Luftbläschen zu sehen.

Für jeden Hinweis wäre ich Ihnen dankbar!

Viele Grüße,
Yvonne Linde

(http://home.arcor.de/ylinde/Bernstein01.JPG)
(http://home.arcor.de/ylinde/Bernstein02.JPG)
Titel: Re: Bernstein aus Nachlass - Echt oder Fälschung???
Beitrag von: minuwe am 30 Dec 07, 13:34
Hallo Yvonne,

willkommen in diesem Forum.
Das ist ja ein richtiges Prachtstück! Es erzählt gleich aus drei Zeiten: vom Insekt, von der Uroma und vom jetzigen glücklichen Besitzer :D .

Eigentlich sollte es da keinen Zweifel an der Echtheit geben. Wenn den deine Uroma selbst gefunden hat. Der Juvelier hat den außergewöhnlichen Wert des Minerals (oder Fossils) gewürdigt, in dem er ihm diese prächtige und zugleich angemessene Fassung gab. Für meinen Geschmack ist das Jugenstilschmuck vom Feinsten.

Echtheitstests gibt es verschiedene. Profis stehen diverse optische Prüfmethoden zur Verfügung. Für den Laien bietet sich zum einen die so genannte Zahnklangprobe an. Dabei wird das Stück im Wechsel mit einem Glasstück etwa gleicher Größe gegen den Schneidezahn gestoßen. Ist der Klang des fraglichen Stückes deutlich dumpfer, ist es kein Glas.

Die Dichteprüfung in gesättigter Kochsalzlösung scheidet hier aus, da das Stück ja fest im Silber gefasst ist. "Nackte" Bernsteinstücke schwimmen darin an der Oberfläche.

Die Hitze- Geruchprobe ist eventuell möglich, wobei man den Schmuck nicht abwerten darf. Hierzu mit einer glühenden Nadelspitze an einer kaum sichtbaren Stelle der Rückseite berühren. Bei Bernstein steigt sofort weißer Rauch mit Harzgeruch auf. Wäre es Kopal, würde es mehr nach Arznei riechen.

Auch der Test mit Äther (Apotheke) ist ggf. an der Rückseite möglich. Hierzu ein mit Äther getränktes Wattestäbchen auflegen. Kopal oder andere Harze sind innerhalb von Minuten klebrig und schmierig. Eventuell muß vorher eine Decklackschicht entfernt werden. Naturbernstein wird in so kurzer Zeit nicht angegriffen (erst innerhalb von Wochen). Bei Pressbernstein (=aus Bernsteinpulver gepresster Bernstein) bildet sich unter dem aufgelegten Ätherstäbchen ebenfalls ein matter, schmieriger Fleck.

Ein Härteritztest (Bernstein hat Härte 2 bis 3, Glas Härte 5,5) lässt sich zur Unterscheidung von Glas anwenden. Der Bernstein lässt sich mit einer Eisennadel leicht ritzen.

Mit so einem wertvollen Stück kann man auch bei einem Gemmologen preisgünstig Rat holen. Er wird es mit einfachen optischen Methoden sicher bestimmen.

Glück Auf
Uwe
Titel: Re: Bernstein aus Nachlass - Echt oder Fälschung???
Beitrag von: yvonne77 am 30 Dec 07, 13:48
Hallo Uwe.

Vielen Dank für deine sehr ausführliche Antwort!
Den Geruchstest haben wir bereits gemacht, indem ich eine heiße Nadel durch die Fassung in den Stein gedrückt habe.
Der Geruch war angenehm harzig, leicht süßlich riechend.
Und den Elektrostatik-Test haben wir auch gemacht - also an Wolle gerieben und ein kleines Stückchen Papier blieb magnetisch kleben.
Vielleicht können Sie uns ja eine Tip geben, wo wir den Stein untersuchen lassen können (bei uns in der Nähe - Ruhrgebiet - 46282 Dorsten).
Uns würde nämlich auch interessieren, welche Tiere als Inklusen eingeschlossen sind, da wir leider kein Mikroskop haben, um die kleinere Objekte genau zu erkennen. Mit der Lupe konnten wir ledigleich spinnenähnliche und flohähnliche Objekte erkennen, die aber kaum einen mm groß sind.

Ihnen noch einen schönen Sonntag und nochmals vielen Dank!

Viele Grüße,
Yvonne
Titel: Re: Bernstein aus Nachlass - Echt oder Fälschung???
Beitrag von: minuwe am 30 Dec 07, 14:39
Hallo,

nach diesem eindeutigen Ergebnis des Geruchstests wäre noch möglich, dass es sich um Kopal (nur ca 10000 Jahre alt und weicher) handelt, welcher zwar auch manchmal Einschlüsse enthält, aber aufgrund des sicheren Herkunftsortes eigentlich ausgeschlossen werden kann.

Es könnte noch sein, daß bei dem vorliegenden Stück bezüglich Klarheit nachgeholfen wurde. Dies war gängige Praxis und hatte zum Ziel, den zu etwa 95 % trüben Bernsteinen mittels Erhitzen in diversen Ölen und Fetten eine bessere Durchsichtigkeit zu verleihen. Allerdings könnten sich hier die kleineren "Inklusen" als Lufteinschlüsse oder sogenannte Sonnenflinten herausstellen, was aber dann gegen ein "Klarkochen" mittels Fett spräche, denn dabei verschwinden diese meist. Auch nachgefärbt wurde hier nicht.

Was die Einschlüsse betrifft, stellt (in diesem Hobbyforum hier ist "Du" üblich  ;) ) das Thema doch mal in den Fossilienbereich hier, dort sind sicher  weitere Informationen erhältlich.

Bezüglich Gutachter in eurer Nähe kann ich leider nichts sagen. Das Bernsteinmuseum in Ribnitz Damgarten ist aber eine bevorzugte Adresse. Dort sind auch Experten für die eingeschlossenen Lebewesen.

Wünsche euch auch schönen Sonntag und viel Erfolg noch bei der Informationssuche!

Glück Auf
Uwe



 
Titel: Re: Bernstein aus Nachlass - Echt oder Fälschung???
Beitrag von: yvonne77 am 01 Jan 08, 15:07
Hallo zusammen.

Vorerst - Dank an Uwe!
Und natürlich allen im Forum ein gesundes Jahr 2008!!!
Hat eventuell noch jemand eine Idee zu dem Bernstein, oder wohnt sogar bei uns in der Nähe, um sich das Stück mal unters Mikroskop legen zu können?
Vielleicht ist damit besser zu erkennen, welche Inklusen sich noch in den Bernstein verirrt haben...
Wäre doch schon interessant zu wissen.

Viele Grüße
Yvonne
Titel: Re: Bernstein aus Nachlass - Echt oder Fälschung???
Beitrag von: yvonne77 am 02 Jan 08, 16:17
Hallo alle zusammen.

Wir haben heute etwas experimentiert und ein paar bessere Bilder von den Inklusen hinbekommen (Manchmal ist ein Fernglas gar nicht so schlecht, wenn man kein Mikroskop hat).
Diese haben wir unter Fossilienbestimmung eingestellt. Der Link zu dem Topic ist wie folgt:
http://www.mineralienatlas.de/forum/index.php/topic,15642.0.html

Vielleicht kann ja irgendwer etwas darauf erkennen.
Bei Fragen einfach eine PN senden.

Wäre doch schön, herauszufinden, was sich alles in den Bernstein verirrt hat.

Viele Grüße,
Yvonne