Mineralienatlas - Fossilienatlas
Vermischtes / Miscellaneous / Varios => Dies und Das / this and that => Thema gestartet von: Conny3 am 09 Jan 08, 18:06
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Hallo liebe Sammlergemeinde,
der Conny hat wieder einmal in der "Geschichtskiste" gekramt und seine Sammelerlaubnis nebst Ausweis des "Kontrollbeauftragten" aus dem Jahr 1983 gefunden. Damals durften wir nur mit Beschränkungen sammeln. Die sogenannten "Kontrollbeauftragten" waren angehalten dieses zu kontrollieren. Habe das aber nie selbst erlebt bzw. davon Gebrauch gemacht. Ab 1987 (ca.) wurde das dann auch wohl nicht mehr so gesehen und das Papier war nur das Papier noch wert. Aber vielleicht hat jemand von den ehemaligen DDR-Sammlern da andere Erfahrungen oder Erlebnisse gemacht bzw. gehabt, die er hier mal zum Besten geben möchte.
Gruß der Conny
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Ja, so eine Sammelerlaubnis hatte wohl jedes aktive Kulturbundmitglied. Unabhängig davon haben wir uns als Sammle in der DDR immer in einer Grauzone bewegt. An den meisten Fundpunkten war auch die Sammelerlaubnis nicht das Papier wert, auf dem diese gedruckt war. Mitglied in der Sektion Mineralogie des Kulturbundes war aber eine gesellschaftliche Aktivität. Dadurch hatte man im Ernstfall immer einen Joker, den gesellschaftlich aktive Bürger waren gute DDR-Bürger, die meist mit einer Ermahnung davon kamen.
Aber trotzdem gab es jedem Menge unangenehme Polizisten, Förster und vor allem den Wachschutz der Wismutgruben mit denen wir "Räuber und Gendarm" gespielt haben. Jeder Indianer wäre vor Neid erblaßt.
Gruß
Uwe
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Ist ja klasse, ich sehe das zum ersten Mal.
Ein interessantes Dokument der Zeitgeschichte.
Vielleicht kann man das irgendwie mit ins Lexikon aufnehmen.
Ist ja auch irgendwie etwas für eine Enzyklopädie.
Gruß
René
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..vor allem den Wachschutz der Wismutgruben mit denen wir "Räuber und Gendarm" gespielt haben. Jeder Indianer wäre vor Neid erblaßt.
Ja Uwe du hast eben auf der falschen Seite des "Wismutzaunes" gearbeitet ;D ;D ;D ;D ;D ;D
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Persilschein zum Überallsammeln für 10 Ossimark. Nich übel!
Und der Kontrolletti durfte auch nur Vorschläge zur Bestrafung machen und selbst nichts unternehmen.
Klasse, das waren ja traumhafte Zustände in der Ostzone ::)
Dafür wär ich glatt noch zum Sozialist geworden ;D
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Also, ich habe zu DDR Zeiten nur 1979 und 1982 gesammelt. Pesönliche Verfolgungen als Sammler habe ich nur am Achatfundpunkt in St. Egidien erlitten, wo mich jeweils nach 4 Bahnanreisen der Pförtner von der Nickelhütte verjagte. (Zu Unzeiten fuhr ja keine Bahn). War noch nicht richtig am Fundpunkt, kam der mit Moped Schwalbe, der Berufsmantel waagerecht in der Luft, angedüst.
An den Halden des Uranbergbaues hatte ich gar keine Probleme, außer auf der 371ger, da stand russisches Militär mit Kalaschnikow.
Glück Auf
Uwe
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Hallo.
Anläßlich einer Befahrung kurz vor Schließung des Schachtes 371 in Hartenstein bekam ich
diese Wertmarken geschenkt.
Für mich als Wessi war das natürlich lustig, daß man untertage für eine Materialentnahme solche Wertmarken
hat.
Ist aber auch ein Zeitzeugnis .
Gruß
Loismin
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Die von Loismin gezeigten Wertmarken waren für mich (und ich denke auch für viele andere Ostsammler) neu. Wenn er die Marken wohl auch erst in der Wendezeit bekommen hat, zeigt der abgegriffene Zustand der Marken, daß diese bereits in der DDR existiert haben. Das ist sehr aufschlußreich. Kumpels, die mal heimlich ein paar Stufen für die DDR-Sammler mit raus gebracht haben standen mit einem Fuß im Knast während mit derartigen Wertmarken sächsische Stufen in den Westen verschachert wurden.
Das war schon eine Halunkenbande.
Uwe
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Hallo Uwe.
Ich weiß allerdings nicht, ob die Marken für Mineralien verwendet wurden.
Das hat mir der Bergmann damals nicht gesagt.
Außerdem war diese Befahrung damals extrem erlebnisreich.
Sind auf fast 1700 m Tiefe drunten gewesen und da standen Pechblendegänge mit 20 cm Breite an,
kohlschwarz und glänzend.
Unglaublich !!
Gruß
Loismin
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Da ich ja auch Ossi bin möchte ich auch was zu den Wertmarken sagen. In meinen damaligen Betrieb konnte man z.B. Material, Winkeleisen,Träger etc. käuflich erwerben. Zu besonders günstigen Preisen. Meist waren das als Schrott deklarierte Sachen die der Betrieb nicht mehr brauchte. Und da gab es diese Materialentnahmescheine oder Wertmarken oder welche Bezeichnung auch immer in den betreffenden Betrieben dafür galten.
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Ich werde einfach mal jemanden fragen, der es wissen muss und im BB9 gearbeitet hat. Für Mineralien wurden diese Marken aber ziemlich sicher nicht genutzt.
Wenn Mineralien von einfachen Privatleuten nach draußen gebracht wurden, dann wurden die einfach so mit rausgeschmuggelt, wobei man sich sehr sicher sein mußte, daß nichts Strahlendes an den Stufen ist, weil man sonst an den radiometrisch überwachten Toren ein sehr massives Problem gehabt hätte.
Der Handel mit den Mineralien wurde über andere Kanäle betrieben. Neben dem hinlänglich bekannten "VEB Antikhandel Pirna" als "offizielle" Vertriebsstelle, gab es da gewisse Herren (Namen nenne ich keine, Insider wissen, wer gemeint ist) die ihre Stellung in Partei, MfS und in der Grube dazu ausgenutzt haben und sich die guten Funde haben abliefern lassen (und wehe, wenn das einer der Hauer mal nicht tat, dann hatte der auf absehbare Zeit nichts mehr zu lachen. Auch abendliche "nette" Besuche gehörten da dazu.). Diese Stufen gingen dann, auch an den offiziellen Kanälen vorbei, über Dritte als Mittelsmänner in den Westen, weil dort damals der "Tausch" für Kulturbundmitglieder mit westlichen Sammlerkollegen noch möglich war. Zum Teil wurden dann im Gegenzug neben Devisen auch internationale Stücken geschickt, die sich wiederum auf den Tauschtagen recht vorteilhaft einsetzen ließen. Auf diesem Wege haben sich einzelne Top-Material gesichert und damit sehr, sehr gutes Geld gemacht. Übrigens ist einer dieser Herren immer noch als Anbieter guter Stufen bekannt, aber auch berüchtigt. Nach der Wende hat er sich sogar noch selber auf Börsen getraut. Es kam aber immer wieder zu Szenen, wo die ehemaligen Bergleute, die auf diese Weise von ihm ausgebeutet und unter Druck gesetzt wurden, lautstark vor vollem Börsenpublikum und unter Verwendung aller einem Bergmann so geläufigen Schimpfwörter diesem Herren ihre Meinung kundtaten.
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Hallo Schluchti,
meinst Du einen gewissen Herrn aus Chemnitz?
Bergmeister
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Das ist ja echt mal ein spannender thread hier. Super die Geschichte von Schluchti, Erzkapitalismus ganz tief vergborgen in der kleinsten Revolutzerzelle.
Der Mann hat ja alles richtig gemacht, sozusagen ein Vordenker. ;D
Mit der Maueröffnung ist ja dann das ganze Ostdeutsche Volk mit voller Begeisterung zum Kapitalismus übergelaufen.
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Der Mann hat ja alles richtig gemacht, sozusagen ein Vordenker. ;D
So, so, für mich ist das ein ganz mieses Kameradenschwein und statt Beschimpfungen hätte der von mir nach der Maueröffnung mit voller kapitalistischer Begeisterung einen rumänischen Schlägertrupp auf den Hals bekommen.
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Mit der Maueröffnung ist ja dann das ganze Ostdeutsche Volk mit voller Begeisterung zum Kapitalismus übergelaufen.
Hallo thothie,
so einen Blödsinn habe ich lange nicht gelesen. Nimms bitte nicht ganz so persönlich. Ich werte das für mich mal als überschwengliche Äußerung. Sorry, aber es wäre unverantwortlich, das nicht als Quatsch abzutun.
Glück Auf
Uwe
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Das ist ja echt mal ein spannender thread hier. Super die Geschichte von Schluchti, Erzkapitalismus ganz tief vergborgen in der kleinsten Revolutzerzelle.
Das weiß doch jeder, dass bei der Wismut bei Abbau von Anfang an das Leistungsprinzip gegolten hat. Wer mehr geschafft hat, hat mehr verdient. War doch auch völlig logisch. Aber was hat das mit der "Geschichte" zu tun?
Der Mann hat ja alles richtig gemacht, sozusagen ein Vordenker. ;D
Ein völlig stinknormaler Fall von skrupellosem Machtmißbrauch, wie es ihn zu allen Zeiten gab und gibt. Das meintest Du natürlich. Hast es wohl nicht so recht formulieren können. Stimmts? ;)
Mit der Maueröffnung ist ja dann das ganze Ostdeutsche Volk mit voller Begeisterung zum Kapitalismus übergelaufen.
Na wenn Du das aus Deiner Perspektive aus beurteilen kannst, Hut ab!
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Ruhig Blut Jungens, geht doch lieber noch einmal auf den Speicher und schaut nach, ob sich nicht noch mehr derartige Relikte auftreiben lassen.
Das würde mir mehr gefallen ;)
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Hallo zusammen
Da habe ich auch noch einen Beitrag mit einer Sammelerlaubnis und das ist die Einzigste die je ausgestellt wurde.Vorausgegangen ist ein entsprechendes Bittschreiben.
Zu DDR-Zeiten konnte ich jeder Zeit rein aber nachdem sich die Eigentumsverhältnisse geändert haben stand ich vor einem echten Problem und man hat mir den Zugang verweigert.
Erst nach meiner Anfrage erhielt ich dieses Schreiben.
Beste Grüße
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Und so sah das Gegenteil aus... :( :( :(
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Boah, und ich war noch 2000 und 2001 drin, habe mich seitlich reingeschlichen. Allerdings auch nichts gefunden. Das war dann wohl der "Ritt über den Bodensee"..
Gruß Kilo
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Hallo.
Was ich damals bei der Befahrung des 371 er auch noch bekommen habe war dieses
Buch über den Firstenstoßbau.
Hat mich sehr gefreut damals.
Loismin
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Hallo,
hab noch was "Schönes "in meiner "Geschichtskiste" entdeckt:
Die ausführlichen Anleitungen als Textausgabe (59 Seiten gedrucktes Papier im Format A 5 - kein Witz :o) zu den Gesetzlichen Bestimmungen für das Sammeln von Mineralien, Fossilien und Gesteinen von 1983 und als Bsp. die Seiten 10 und 11daraus:
Wehe dem der das alles durchlesen mußte!
Der Conny
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Und das alles nur, weil die Fürsten des DDR-Regimes Angst davor hatten das einer was findet was man hätte auch von staatswegen zu Westgeld machen können.
Gruß Jürgen
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Mit Genehmigungen habe ich auch so meine Erfahrungen. Für das Trentino gab es die in den 80-ern dreijährig umsonst. Dann mußte man jährlich beantragen. Irgendwann gab es eine neue Sammelgenehmigung nur noch nach Ablieferung eines jährlichen Tätigkeitsberichtes, natürlich auch nicht mehr umsonst. Aber so richtig schön mit Stempelmarken und allem Bibabo. Werkzeug ( Hämmer bis 5kg, Meißel waren auch begrenzt, weiß ich aber nicht mehr) und Sammelmenge (täglich bis 5kg) wurden vorgeschrieben. Zur Kontrolle waren Polizei, Förster und andere Aufsichtspersonen ermächtigt. Kontrolliert hat uns jedoch nie jemand.