Mineralienatlas - Fossilienatlas
Mineralien / Minerals / Minerales => Allg. Diskussionen Mineralien / General discussions minerals => Thema gestartet von: raritätenjäger am 01 Apr 08, 12:01
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Moin,
Kann mir jemand sagen, was man unter "Gelbem Speiskobalt" versteht? Gehe ich da recht in der Annahme, dass es Arsenopyrit sein könnte? Danke für Hinweise.
Glückauf
Andreas
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Hallo,
Speiskobalt ist eigentlich ein altes Synonym für Skutterudit. In früheren Jahrhunderten hat man allerdings die ähnlich aussehenden Kobalterze nicht immer exakt unterscheiden können und nach äußeren Kennzeichen differenziert. Kann also sein, dass es sich um einen (durch äußere Einflüsse oder z.B. Pyrit-Beimengungen) gelblich aussehenden Skutterudit oder aber um andere Eisen-Kobalt-Arsenide/Sulfide handelt (z.B. Cobaltit, Arsenopyrit, Glaukodot, Safflorit, Alloklas). So kenn ich es aus dem Siegerland.
Glück Auf!
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Ist wohl ein inniges Gemenge von Pyrit/Markasit mit Speiskobalt.
http://books.google.de/books?id=3poQAAAAIAAJ&pg=RA1-PA237&lpg=RA1-PA237&dq=%22gelber+speiskobalt%22&source=web&ots=63FkeY4ZlK&sig=Twz3PI4aWo09ekxC5ZF7gjHk8v8&hl=de (http://books.google.de/books?id=3poQAAAAIAAJ&pg=RA1-PA237&lpg=RA1-PA237&dq=%22gelber+speiskobalt%22&source=web&ots=63FkeY4ZlK&sig=Twz3PI4aWo09ekxC5ZF7gjHk8v8&hl=de)
oder hier:
http://books.google.de/books?id=S5wEAAAAYAAJ&pg=PA1060&lpg=PA1060&dq=%22gelber+speiskobalt%22&source=web&ots=HV-jyr2Yio&sig=ycSIWzBh1Jp2fGJFFR6XhIdKtw4&hl=de (http://books.google.de/books?id=S5wEAAAAYAAJ&pg=PA1060&lpg=PA1060&dq=%22gelber+speiskobalt%22&source=web&ots=HV-jyr2Yio&sig=ycSIWzBh1Jp2fGJFFR6XhIdKtw4&hl=de)
(auf Seite 90 blättern, ganz unten)
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Danke,
Das letzte wirds wohl sein. Das kommt aus dem Siegerland...
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Hallo,
ein Gemenge von Skutterudit + Pyrit / Markasit kann schon stimmen, könnte sich aber genauso gut
um Siegenit selber handeln - würde jedenfalls auch Sinn machen.
Gruß -M-
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@Andreas: Wobei ist dir denn diese etwas "angestaubte" Bezeichnung über den Weg gelaufen?
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Haha, wahrlich angestaubt. Wo ist sie mir über den Weg gelaufen? Ich habe ein Lot mit Stufen der KESSLER-Sammlung bekommen (alles so um 1850-1880), da war ein unscheinbarer Brocken mit schwarzen Schlieren im Quarz mit Angabe: "Speiskobalt, gelber von Kirchen, Siegen" dabei. Und nun wollte ich halt wissen, wie das in die Sammlung gehört. Also kein Arsenopyrit...
Gruß
Andreas
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Teile einer Sammlung aus dem 19. Jahrhundert inklusive der alten Etiketten? Wow, Glückwunsch 8)
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Tja, die Zettel sind meist besser als die stufen...
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Das meinte ich ja: Eine so alte Sammlung wäre ja ganz nett, aber allzu toll sind die Stufen an sich oftmals wahrscheinlich nicht. Wenn die Etiketten jedoch dabei sind, dann wird das Ganze gleich zu einer wunderbaren Antiquität, um die dich sicherlich einige beneiden ...
Gruß
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Hallo Andreas,
denke an die Lexikonseite mit den alten Etiketten. Du solltest Deine Neuerwerbungen mal dort veröffentlichen.
Gruß
Uwe
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Hallo,
Es gab da ja auch einige Kobaltgruben, so die Gruben Concordia und Bunte Kuh. Die haben Cobaltin in Schiefer und Quarz geliefert. Das könnte mit deiner Beschreibung hinkommen. Ansonsten wohl wirklich Siegenit oder ein kobalthaltiges Kieserz.
Glück Auf!
Smoeller
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Hallo Andreas, wenn es noch von Bedeutung ist, der "Mayer" von 1909 schreibt dazu: Speiskobalt (Smaltin, Smaltit), Mineral, wesentlich Arsenkobalt, enthält aber meist etwas Schwefel und besonders Eisen und Nickel, dadurch in den Chlovanthit übergehend, findet sich in regulären, oft starkverzerrten Kristallen, meist aufgewachsen sowie derb, eingesprengt und in traubigen, stängeligen, auch gestrickten Aggregaten, zinnweiß bis stahlgrau (wie Speise), mitunter bunt angelaufen oder durch Zersetzung zu Kobaltblüte an der Oberfläche rot beschlagen. Härte 5,5.....Fundorte: Schneeberg, Annaberg, Johanngeorgenstadt, Richelsdorf, Biber, ......Ich hoffe ich konnte helfen.
Glük Auf
Ingo
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Ich denke nicht, dass Siegenit in Frage kommt. Bei dem Siegerländer Kobalterz, dass zumeist recht unscheinbare graue Massen und Schnüre in Quarz und Tonschiefer, selten auch im Siderit ausbildet, handelt es sich in der Regel um Glieder der Arsenkies-Reihe. Je nach Eisen-Kobalt-Gehalt kommen also Arsenkies - Glaukodot - Alloklas - Cobaltit in Frage. Die meisten Analysen ergaben bislang das Vorliegen von Alloklas als häufigstes Kobalterz. Die anderen Glieder kommen aber ebenso vor wie Skutterudit und Safflorit. Alle diese Minerale sehen fast identisch aus und sind ohne genauere Untersuchung nicht zu unterscheiden. Beimengungen von Pyrit oder Anlauffarben (evtl durch Verwitterung) haben in der alten Literatur zu Namen wie "gelber Speiskobalt" geführt. Eine genaue Zuordnung zu einem Mineral wird wohl nur über eine Analyse zu erreichen sein. Ich würde das Stück als Skutterudit mit "?" in die Sammlung stecken.
Bei dem Fundort "Kirchen bei Siegen" dürfte es sich übrigens um die sehr alte Kobaltgrube Alexander in Kirchen handeln (angeblich benannt nach Alexander von Humboldt, der dieses Bergwerk auch besucht haben soll). Die befand sich unterhalb des heutigen Freizeitbades am Molzberg. Seltenes Stück!!!
Glück Auf!
Markus
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Hallo Markus
warum kein Siegenit?
In meiner Sammlung ligt eine, in aller Bescheidenheit, richtig gute Stufe Siegenit. Wenn man die xls anschaut, weiß man, woher der Begriff "gelb" stammt.
Leider kommt meine Stufe aus dem Reynolds- County, Missouri und nicht aus dem Siegerland.
Gruß
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Hallo Markus,
Alle diese Minerale sehen fast identisch aus und sind ohne genauere Untersuchung nicht zu unterscheiden.
Gut, dass du das mal so deutlich sagst.
Ich muss immer lächeln, wenn auf den Bergbauhalden die Sammler nach dem Anschlagen der Stücke gleich wissen, was sie in der Hand halten. Um die 20 Minerale kommen in Betracht (die ja auch Mischreihen und innige Verwachsungen bilden und z. T. Pseudomorphosen darstellen), die zumindest äußerlich nicht unterscheidbar sind. Aggregatformen, Bruch, Strich und Farbe so wie so überschneiden sich. Zusätzlich sind sie aus dem engen Fundzusammenhang gerissen, will sagen, nicht direkt dem Berg entnommen. Lediglich etwas eingrenzen kann man mit der Härte und einfachen Lötrohrtests, ggf. diversen Säuretests.
Will mir genau aus diesem Grund die Vickershärtemessung zulegen, welche dann bei Erzanschliffen auch die Messung einzelner eingewachsener Kristalle im Zehntel Millimeterbereich mit hoher Zuverlässigkeit erlaubt.
Glück Auf
Uwe
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Hallo Sauerländer!
Ja, warum kein Siegenit? Also erst einmal ist Siegenit im Siegerland recht selten im Vergleich zu den Kobaltarsenerzen. Die Kobaltarsenerze sind es zudem gewesen, die man in der älteren Literatur als Speiskobalt, Kobaltglanz und so bezeichnet hat. Siegenit hat man offensichtlich in der Regel erkannt und als Kobaltnickelkies bezeichnet. Aber wie gesagt, größere Erzanreicherungen von Siegenit sind hier nicht häufig. Im frischen Bruch ist aber auch der Siegenit normalerweise nicht gelblich sonder grausilbrig, evtl mit leichtem rötlichen Stich. Ganz ausschließen kann man Siegenit aber natürlich nicht. Man müsste die Stufe mal sehen, dann könnte ich wahrscheinlich zumindest Siegenit ausschließen. Die Kobaltarsenerze im Siegerland gehören zu den ersten Mineralbildungen hier, Siegenit entstand sehr viel später und ist oft (nicht immer) als Kristalle frei ausgebildet. Die Arsenide und Sulfoarsenide hingegen sind eingewachsen im festen harten Quarz anzutreffen. Manchmal sind die Erzmassen feinkörnig ausgebildet und bestehen aus winzigsten Kriställchen. Auch größere Kristalle und Aggregate eingewachsen in Quarz und Siderit gibt es. Die sind selten. Ich kenne sie vor allem aus Gosenbach und sie wurden stets als Alloklas bestimmt.
@ Uwe:
Ganz genau so ist es. Es kommen etliche Minerale in Frage. Neben den bereits genannten der Arsenkies-Familie + Skutterudit + Safflorit sind auch nickelhaltige Mischkristalle bekannt. Z.B. Cobaltit - Gerdorffit oder Nickelskutterudit, auch nickelhaltiger Alloklas... ein kompliziertes Gebiet!
Und, um nochmal auf den Siegenit zurückzukommen, kommen dann auch Linneit, Polydymit, Carrollit, Fletcherit in Frage, die es im Siegerland auch gibt.... eine unendliche Geschichte. Aber wie gesagt, diese Minerale sollten es nicht sein...
Gruß Markus
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Hallo,
eigentlich ist die Frage doch längst beantwortet.
Was man damals überhaupt mit -gelbem Speiskobalt- meinte, ist das Eine.
Was man heutzutage in dem Erz an einzelnen Mineralen unterscheiden würde,
ist was ganz Anderes.
Mit Sicherheit, war die Bezeichnung auch damals schon eine bewußte Verallgemeinerung
mit dem Wissen, daß es sich um ein Gemenge an gewissen Erzen handelt,
die ohne Analyse kaum zu unterscheiden sind.
@ minuwe - Stichwort : Vickershärte - kennst du da Quellen, wo die VH von Mineralen angegeben wird ?
Gruß -M-
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Vickershärte wird im RÖSLER z. Bsp. angegeben, lässt sich aber auch aus der Mohshärte ableiten (Tabellen). Zwischenwerte müssen halt interpoliert werden.
Glück Auf
Uwe
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@ - minuwe,
ok danke, werd ich mir wohl mal den Rösler besorgen.
Gruß -M-
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Huch, ganz schöne Diskussion hier!
@uwe: ich hab ca. 100 Bilder mit alten Etiketten in Vorbereitung...
@Haspelknecht: danke für den Alexabder!
Gruß
Andreas
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ich hab ca. 100 Bilder mit alten Etiketten in Vorbereitung...
hoffentlich nicht so stark überbelichtet wie die letzten Bilder
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Ich werd dran arbeiten...
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Ich werd dran arbeiten...
gut, dann sei nochmal deutlich auf die Qualitätshinweise hingewiesen. Bitte aussagekräftige Bilder! Von stark überbelichteten Bilder hat schließlich niemand etwas.
Wenn du Bilder zum Löschen markierst, ist dringend dieser Hinweis zu beachten:
http://www.mineralienatlas.de/forum/index.php/topic,16439.msg148310.html#msg148310