Mineralienatlas - Fossilienatlas
Vermischtes / Miscellaneous / Varios => Dies und Das / this and that => Thema gestartet von: geologe am 04 Apr 08, 19:40
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Hallo,
Habe eben den Rest einer Nachricht bei mdr-info gehört. Es wurde beim Streckenbau einer ICE-Trasse eine Tropfsteinhöhle entdeckt.
Angeblich soll der Bau unterbrochen werden.
Hat Jemand eine genauere Information?
Gruß
Jürgen
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Hallo,
Ja, habs in der Zeitung gelesen. Es wurden angeblich die längsten Tropfsteine Deutschlands gefunden (2,20m) ??? Wird oder ist leider schon wieder mit Zement verschlossen worden :-[
Und gerade gefunden:
http://www.tlz.de/tlz/tlz.politik.volltext.thueringen.php?zulieferer=dpa&redaktion=wap&dateiname=iptc-wap-20080404-366-dpa_17392662.nitf&kategorie=&catchline=%2Fregioline%2Fthueringen&other=&dbserver=1
Gruß Daniel
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Hallo,
ja da kam auch etwas im Fernsehen: mdr Thüringen- Thüringenjournal. Die wenigen Bilder die da gezeigt wurden waren einfach fantastisch. Muß eine Höhle im unteren Muschelkalk sein. Bei Schalkau gibt es einige Höhlen. Es ist auch nahe der Ecke wo interessante Mineralfunde von mir im verg. Sommer gemacht wurden. Neufunde und aktuelle Situation sind aber nicht bekannt.
Gruß Conny
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Hallo
ich habe es auch in der Zeitung gelesen. Ich finde es eine Schande dass so schnell wieder verfüllt wird, auch wenn ich gerne mit der Bahn fahre.
Hier der Artikel mit Bild
Stephan
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Im Bockbergtunnel wurde beim Bau der Thüringer Wald Autobahn eine große Fluoritkluft gekreuzt.Die Fluorite waren wirklich sehr groß (für Thüringer verhältnisse),man war da aber auch leider mit den Beton sehr schnell.Tja Dumm gelaufen.
Ingo
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ja, die Höhle(n) sollen von außerordentlicher Schönheit sein. Einige Kollegen aus Südthüringen hatten Gelegenheit für eine "schnelle" Erkundung:
Überraschung im Berg (http://www.freies-wort.de/nachrichten/regional/sonneberg/sonneberglokal/art2407,794017)
Entdeckerfreude währt nur kurz (http://www.freies-wort.de/nachrichten/thueringen/seite2thueringenfw/art2437,794094)
Höhlenfund (http://www.freies-wort.de/nachrichten/thueringen/seite2thueringenfw/art2437,794432)
„Ohne Zweifel schönste Höhle Ostdeutschlands!“ (http://www.freies-wort.de/nachrichten/regional/sonneberg/sonneberglokal/art2407,794508)
Bildergalerie (http://www.freies-wort.de/_/tools/diaview.html?_CMTREE=5257&list=1)
@Ingo
Im Tunnel "Alte Burg" wurde angeblich auch Altbergbau angefahren - hast Du davon etwas gehört oder ist evtl. das gleiche gemeint?
Glück Auf!
Jens
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Hallo.
Mal ein kleine Anmerkung dazu.
Es ist wirklich schade, daß die Verantwortlichen der Baufirma so kurzsichtig sind, da hätte doch ein Verschließen
des Einstiegs mit einem dicken Betonpfropfen und einem kleinen Schlupfloch auch gereicht.
Aber die Bahn macht ja sowieso was sie will.
Was mich etwas wundert, " die längsten Tropfsteine Europas" .
Das kann nicht sein.... ich hab schon Tropfsteine in Sardinien in vom Bergbau angeschnittenen Höhlen gesehen
die sich über mindestens 2 Abbauebenen erstreckt haben ( etwa 40 m) allerdings halt nicht so frei hängend
wie diese dünnen Aggregate.
Schade drum.
Loismin
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Womöglich gibt es sogar ein Gesetz, was die Erhaltung vorschreibt? Da heisst es: schnell vollendete Tatsachen schaffen, die Menschen sollen den Bahngewinn steigern und keine Höhlen anschauen. Einen Eingang über Stahltüre wäre ja auch gegangen, Zugang für Forscher bei ruhendem Zugverkehr.
Glück Auf
Uwe
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So schnell und zuverlässig wie beim Verfüllen des Zuganges erlebt man die Bahn auch nicht alle Tage. Nicht mal ein unter Naturschutz stehender Höhlenbewohner hätte da noch eine Chance auf Rettung gehabt.
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Am Bau ist Zeit gleich Geld.Die Baufirmen werden nach Meters bezahlt und Ausfallzeit wegen irgendwelcher Höhlen zahlt halt keiner.Werden für Ausfallzeiten Steuergelder verwendet wird dann gleich wieder von Steuergeldverschwendung gesprochen.Da nun mal alles sich ums liebe Geld dreht,kommen solche Dinge halt unter die Räder.Dumm gelaufen.
@Jens,nein habe nichts davon gehört.Halt nur das Ding mit den Fluoriten und diese Info ist auch schon ein paar Jahre alt.Schade müssen wohl echt große Würfel gewesen sein
Gruß Ingo
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Tja, die Bahn ist halt ein gebranntes Kind wenn es um Karst geht. Die haben das selbe Spiel schon einmal auf Neubaustrecke Nürnberg-Ingolstadt durch, als im Kalkstein völlig "überraschend" Karst (ebenfalls Höhlen und unterirdische Bachläufe) angetroffen wurden. Der Vortrieb wurde gestoppt und erst mal ein sehr umfangreiches Erkundungsprogramm gestartet. Die Folgen waren jahrelanger Bauverzug und beträchtliche Mehrkosten. Gerade für ICE-Trassen mit fester Fahrbahn ist Karst heikel, Setzungen der Gleise können katastrophale Folgen haben. Beim Vortrieb im Karstgebirge kann man aber schon mal mit einem halben Meter Schwebe über Hohlräume hinweg fahren, ohne es überhaupt zu merken, da diese Hohlräume mit den gängigen geologischen und geophysikalischen Methoden nur schwer bis gar nicht zu erfassen sind. Und mit einer simplen Betonverfüllung ist es dann auch nicht getan, da sich das Wasser schlicht und einfach neue Wege sucht und an anderen Stellen Ablöseerscheinungen auftreten werden. Ich kann mir deshalb nicht vorstellen, daß man am Tunnel Blessberg einfach wieder so zur Tagesordnung übergehen kann. Ja gut, das Gespann Züblin-Strabag-Bickhardt ist jetzt nicht in erster Linie für qualitativ hochwertiges Bauen bekannt, aber ganz so einfach wird es hier wohl nicht abgehen.
@Toglophiler
Im Tunnel Alte Burg sind wir in alten Manganerzbergbau gefahren. Dies war eine recht unangenehme Sache, da oberflächennaher Altbergbau die Eigenart hat, mit Schlamm voll zu laufen. Und wenn man die Grubenräume dann im Tiefsten anfährt, hat man den Schlamassel im Vortrieb. Damals sind ca. 4000 m3 Schlamm in die Nordröhre eingebrochen und da die Überdeckung nur so 30m war, gab es im Wald obendrüber einen ordentlichen Tagesbruch. Zu Schaden gekommen ist glücklicherweise niemand, da der Schlammeinbruch langsam begann und sich immer mehr ausgeweitet hat, es war also genügend Zeit um Leute und Geräte zurückzuziehen. Für Sammler war der Altbergbau übrigens uninteressant, da war absolut nichts drin. Das einzig Interessante beim Vortrieb Tunnel Alte Burg, der fast vollständig im Porphyr erfolgte, war ein Abschlag wo massenhaft Schneekopfkugel kamen - das blieb aber eine Ausnahme.
Glück auf!
Holger
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Ja gut, das Gespann Züblin-Strabag-Bickhardt ist jetzt nicht in erster Linie für qualitativ hochwertiges Bauen bekannt, aber ganz so einfach wird es hier wohl nicht abgehen.
Hmm, Strabag hat die Schule gebaut, in der ich arbeite. Wenn der Tunnel die gleiche Qualität hat, dann mal viel Spaß beim Flicken der Risse ::)
Günter
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Gespann Züblin-Strabag-Bickhardt = Dumpinglöhne,Subunternehmereinsatz,usw.usw. Was will man erwarten,halt Baualltag in Deutschland.Da bekommt hat der billigste Anbieter den zuschlag und gerade bei Bauten die durch Steuergelder finanziert sind.
Ingo
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wo es um geld und vor allem kosten geht interessieren solche dinge niemanden. ist leider so. wären es faustgroße diamanten wäre das ganz anders, aber so. da scheißt sich keiner was. "weg damit", kostet nur.
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Zu diesem Thema gibt es nun vom THV weiterführende Informationen:
http://home.arcor.de/thv/thv/aktuell/aktuell.htm
Von Dieter Weiß, der ebenfalls an der Befahrung teilnahm, gibt es einige Bilder: http://www.laser-dental.de/3-4-2008/page_01.htm
In der Regionalpresse fand ich heute folgenden Artikel:
Ein großer, ein kurzer Moment
Tropfsteinhöhle entdeckt - Forscher klagen über Zeitdruck - BUND will Anzeige erstatten
Von OTZ-Redakteurin Margit Kasper Bei Bauarbeiten am Bleßbergtunnel der ICE-Strecke Erfurt-Nürnberg in Südthüringen sind Arbeiter auf eine spektakuläre Tropfsteinhöhle gestoßen.
Die Bauleute hatten sie entdeckt, nachdem sie an der Tunnelsohle eine Loch fanden und vergeblich versuchten, es mit Beton zu verfüllen. Das berichtete der Projektleiter des Tunnelbaus, Michael Nowak.
Inzwischen hatten 13 Thüringer Höhlenforscher Gelegenheit, die unterirdische Schönheit zu bewundern - allerdings nur für insgesamt ein paar Stunden am Mittwoch und Donnerstag. Denn seit Freitag wurde die Höhle im Interesse des Baufortgangs mit Beton verfüllt.
"Ich erhielt einen Anruf von einem Suhler Geologen, der Kontakt zur Bauleitung vor Ort hält. Wir hängten uns sofort an die Telefone. Einige meiner Vereinsfreunde fragten, ob dies ein Aprilscherz sei", beschreibt Rainer Fohlert, Geschäftsführer des Thüringer Höhlenvereins, die erste Aufregung unter seinen Vereinsfreunden. "Fragen Sie mich nicht, wie es in mir aussieht", sagt er dann. Die Gefühle schwanken offenbar von total begeistert bis tief enttäuscht.
Die Höhlenforschung gilt als eines der letzten großen Abenteuer und jetzt war "einer dieser ganz großen Momente". "Wir fanden zunächst einen Saal von etwa 20 Meter Tiefe, zwölf Meter Breite und neun Meter Höhe. Die Decke war übersät mit langen dünnen Stalaktiten. Die größten dieser ,Makkaroni´ - so nennen wir sie wegen der Ähnlichkeit und weil sie innen auch hohl sind - erreichen eine Länge von 2,25 Metern. Sie dürften etliche zehntausend Jahre alt sein", beschreibt Fohlert die Entdeckung. "Die Höhle haben wir vermessen, Material für Forschungen geborgen und weitere 500 Meter der sich fortsetzenden Gänge erkundet. sind dabei über drei Seen geschwommen. Sie verläuft nach unten, verjüngt sich zu einem schmalen Spalt und weitet sich später wieder. An einer Stelle tritt ein Bach ein - wie eine riesige Klamm untertage. Im hinteren Teil fanden wir 30 bis 40 Sintergardinen - eine neben der anderen, von der Wand bis an die Kante zwei Meter hoch. Die bekannten ,Gardinen´ der Drachenhöhle Syrau gehen da mehrmals rein."
Die Höhlenforscher schätzen das Alter der Höhle auf mehrere Millionen Jahre. Sie habe das Potenzial, so Fohlert, die Rauensteiner Höhle - mit über 1600 Metern eine der längsten Thüringens - um Längen zu schlagen. "Sie ist vergleichbar mit den fantastischen Schauhöhlen in Südfrankreich."
Zugleich sind die Thüringer Höhlenforscher bitter enttäuscht, dass ihnen so wenig Zeit blieb. Ihr Ansinnen, die Höhle für eine gründliche Erforschung noch einige Zeit offen zu halten fand kein Gehör. Fohlert: "Das Schlimme an der Sache ist, dass keinerlei Bemühungen unternommen wurden, das Ganze zu sichern. Eine Höhle steht nach dem Gesetz generell unter Schutz. Es ist bedauerlich, dass sich kein Vertreter einer zuständigen staatlichen Stelle dort hat sehen lassen. Ich verstehe auch nicht, dass keine Lösung gefunden wurde, die Höhle begehbar zu halten."
Unterdessen wird die Tropfsteinhöhle ein Fall für die Justiz. In dieser Woche soll bei der Staatsanwaltschaft Anzeige gegen Unbekannt erstattet werden, bestätigte der Landesgeschäftsführer des Bundes Umwelt und Naturschutz (BUND) Thüringen, Burkhard Vogel, nach dpa-Angaben. Die Verschließung der Höhle durch die Baufirma verstoße gegen Naturschutzrecht.
Der Thüringer Höhlenverein zählt gegenwärtig rund 80 Mitglieder, welche in neun Gruppen in- und außerhalb des Freistaats angeschlossen sind. Insgesamt sind in Thüringen rund 500 Höhlen bekannt.
06.04.2008
Quelle: http://www.otz.de/otz/otz.nachrichten.volltext.php?kennung=on6otzHOMHomNational39543&zulieferer=otz&kategorie=HOM&rubrik=Homepage®ion=National&auftritt=OTZ&dbserver=1
Glück Auf!
Jens
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Sehr schade,zumal wie ich die Sache einschätze die Höhle oder Teile davon man hätte retten können mittels Zugang durch die Betonröhre.Wie sie zB. für Sicherheitsräume/Feuerschutzräume hergestellt werden.Denke dieses hätte sich auch in einem wirtschaftlich Vertretbaren Rahmen bewegt.Nur wenn man das nicht will dann geht das ebend auch nicht.Das könnte man dann zwar nicht touristisch Nutzen,weil Bahngelände,aber währe wenigstens für die Höhlenforscher eine Zugangsmöglichkeit.
Zu späht!!!!
Ingo
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Haben Höhlenforscher keine Lobby?
Sensationsfund im ICE-Tunnel | Babucke und Mitstreiter weiter auf Spurensuche am Bless / Biotopschutz greift zu kurz
Von Regina Haubold
Schalkau / Stelzen – Wenn sich infolge des Verschlusses der kürzlich gefundenen Tropfsteinhöhle im Bless der von Westen kommende Höhlenbach, der die drei unterirdischen Seen speist, einen anderen Ausgang sucht, müsste das Wasser in ein paar Tagen in der Neundorfer Flur zutage treten. Das ist die Ausgangsthese, die den Meschenbacher Höhlenforscher Rolf Babucke und drei weitere Kollegen seit dem Wochenende umtreibt.
Derweil haben auch Mitglieder des Thüringer Höhlenvereins unter Geschäftsführung von Rainer Fohlert ein abschließendes Bild der Situation abgegeben: In ihrer Dokumentation vom hinteren Teil der Höhle ist die Rede von 30 bis 40 Sintergardinen, die hintereinander angeordnet sind und „von der Wand bis an die Kante zwei Meter hoch“ sind. Ähnliche Formationen, allerdings in viel kleinerem Format, gibt es nur in der Drachenhöhle Syrau. Die mehrere Millionen Jahre alte Höhle im Bless sei durchaus vergleichbar mit den fantastischen Schauhöhlen in Südfrankreich, sagte Fohlert. Keinen Zweifel ließ er daran, dass die Projektverantwortlichen der Bahn hätten wissen müssen, dass mit derartigen Funden zu rechnen sei. Bereits in der Planungsphase seien ihnen Unterlagen zur Verfügung gestellt worden, „die erkennen lassen, dass sich im Umkreis der Trasse Höhlen mit einer Gesamtlänge von über drei Kilometern befinden“, hieß es. Fraglich sei, warum diese Informationen nicht genutzt worden sind.
„Der Karst spielt bei diesen und anderen Bauprojekten lediglich die Rolle eines Risikofaktors“, befindet Fohlert. „Szenarien, die beachten, dass Karsthöhlen und unterirdische Fließwege auch Schutzstatus genießen, sind bisher kaum entwickelt.“ Fohlert kritisiert daher, dass im speziellen Fall nicht „schneller und besser reagiert“ wurde. Man erwarte daher, dass künftig bei Bauprojekten im Karst „immer eine ökologische Bauüberwachung erfolgt“. Das Problem: Gemäß Paragraf 18 des Thüringer Naturschutzgesetzes sind Höhlen lediglich als Biotope geschützt.
Suche nach Ablauf des Höhlenwassers
Am Samstag und Sonntag waren vier Höhlenforscher unter Leitung von Rolf Babucke entlang der künftigen ICE-Strecke unterwegs, um Ausschau nach bislang nicht aufgetretenen Wasserläufen zu halten. Zwei Mann aus der Gruppe suchten im Raum Truckenthal, wo der rund 30 Meter tiefe Einschnitt des künftigen Überholbahnhofs entsteht und die Schalkauer Platte endet. Babucke suchte in den Wäldern der Umgebung des so genannten Fuchslochs, „wo Wasser an die Oberfläche kommt“ und nahm Proben.
Inzwischen müsste sich das Wasser im Höhlensystem auf sechs bis sieben Meter angestaut haben, vermutet Babucke. Wenn man der Berechnung
des Geologen Gunter Malchert folgt, dass die unterirdische Quelle – die möglicherweise verstopft wurde, als der Spritzbeton nach der Sprengung
in unterirdische Tiefe abfloss – rund 20 Liter Wasser pro Sekunde ausspuckt, kommt man auf solche Größenordnungen. Durch den dauerhaften Verschluss des Durchlasses ergibt sich eine neue hydrologische Situation.
Dieses Wasser, das im Höhleninneren eine Temperatur von 7,5 Grad hat, sucht sich nun einen neuen Durchlass durch den Muschelkalk am Rande der Schalkauer Platte.
Die besondere Aufmerksamkeit die Babucke dem Fuchsloch, einer Felsformation unterhalb der ICE-Baustelle, die eine Mächtigkeit von 85 Metern hat und zirka 251 Millionen Jahre alt ist, widmet, hat Methode. Im Sommer versiegt das Wasser in der Felsformation bisweilen ganz. Doch würde sich der Wasserstand in den nächsten Tagen stark erhöhen, wäre das ein Indiz, dass das Höhlensystem eine direkte Verbindung zur Außenwelt hat. „Bis jetzt läuft noch nichts über“, sagt Babucke. Doch aufgeben wird er nicht. „Wenn wir wissen, wo das Wasser an die Oberfläche kommt, sind wir erst einmal auf dem richtigen Weg“, meint er.
Leider blieb den Forschern am Donnerstag wenig Zeit zur genauen Vermessung der gesamte Höhle. Lediglich die ersten 75 Meter sind in ihren Ausmaßen halbwegs gesichert.
Höhle auf der politischen Schiene
Unterdessen nimmt die Angelegenheit politische Dimensionen an, denn der BUND hat angekündigt, man werde einem Rechtsstreit mit der Bahn nicht aus dem Wege gehen. Die Thüringer Höhlenforscher allerdings gehen auf Distanz: „Keiner, weder die zuständigen Stellen noch der BUND, haben es bislang für nötig gehalten, sich ausreichend zu informieren“, teilt Rainer Fohlert mit.
Trotz der geschaffenen Tatsachen wolle man weiter mit der Bahn im Gespräch bleiben.
Ob sie Erfolg haben werden, bleibt indes fraglich, denn Erfahrungen, die bayerische Höhlenforscher vor Jahren beim Bau der ICE-Strecke im Altmühltal bei Greding gemacht haben, lassen wenig hoffen. Dort hatte es ebenfalls einen großräumigen Hohlraumfund gegeben. Die angeschnittene Höhle, die einen Direktschacht von 40 Metern aufwies und in einem Flussbett endete, wurde ohne Zögern ebenfalls verfüllt ohne die Möglichkeit einer ausgiebigen Erforschung, erzählt Stefan Büttel, erster Vorsitzender Höhlenfreunde Bamberg.
Angesichts dessen kann Babucke nur noch auf die Unterstützung von politischer Seite hoffen. Für die Höhle im Bless hat sich bereits Beate Meißner, hiesige Landtagsabgeordnete der CDU, interessiert. Verwundert über die Vorgehensweise der Bahn zeigte sich auch der Schalkauer Bürgermeister Reinhard Zehner. Er bedauere die Verfüllung des Zugangs, sagte er. Nach seiner Meinung hätten „alle Möglichkeiten, die Höhle zu erkunden, ausgeschöpft werden müssen“. Zehner kündigte an, er werde sich mit Staatssekretärin Iris Gleicke (Tunnelpatin aus Schleusingen) ins Benehmen setzen.
Das Landratsamt Sonneberg hält sich indes vornehm zurück und erklärt, dass seine „Zuständigkeit nicht in den Bereich der Unteren Naturschutzbehörde“ falle. Stattdessen sei das Umweltamt in Suhl zuständig.
Quelle: http://www.freies-wort.de/nachrichten/regional/hildburghausen/hildburghausenlokal/art2480,796125
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Eine Höhle, die gefüllt ist mit Superlativen
Ärger im ICE-Tunnel: Die Bahn findet ein Naturwunder, verschließt es, wird dafür angezeigt und steuert jetzt um
Von Volker Kring
Suhl/Eisfeld – „Das ist ein absoluter Glücksfall. Es gibt in Thüringen nichts Vergleichbares, dabei kennen wir bislang nur einen Bruchteil der Höhle. Sie ist groß, schön, führt Wasser. Es gibt nur Superlative.“ Während Rainer Fohlert, Geschäftsführer des Thüringer Höhlenvereins, so schwärmt, wird seine raue, tiefe Stimme weich und geschmeidig. So klingt wahre Begeisterung.
Fohlert gehörte zu den 13 Höhlenforschern, die in der vergangenen Woche als erste die bei den ICE-Tunnelarbeiten im Bleßberg bei Eisfeld entdeckte Tropfsteinhöhle erkunden durften. „Wir haben gehofft, dass wir etwas Großes finden. Es war einer dieser ganz großen Momente“, sagt Fohlert.
Bauarbeiter hatten ein Loch in der Tunnelsohle mit Beton verfüllen wollen. Etwa 500 Kubikmeter des Materials verschwanden im Dunkel, ohne eine Wirkung zu erzielen. Daraufhin entschloss sich die Bauleitung, den Hohlraum zu erkunden und Höhlenforscher und das Eisenbahnbundesamt als Aufsichtsbehörde hinzuzuziehen.
Allerdings war der große Moment nur von kurzer Dauer. Den Forschern blieben nur wenige Stunden, um die Hohlräume im Karstgestein in Augenschein zu nehmen und zu vermessen. Dann ließ die Bahn den Zugang zur Höhle mit Spritzbeton verschließen.
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BUND stellt Strafanzeige
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Ein Unding, wie der Thüringer Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) findet. „Das verstößt gegen das Naturschutzgesetz“, ist dessen Landesgeschäftsführer Burkhard Vogel überzeugt. Auch seien die Naturschutzbehörden nicht eingeschaltet worden. Deshalb hat der BUND in dieser Woche bei der Staatsanwaltschaft Meiningen Strafanzeige gegen unbekannt erstattet.
Ein Schritt, den die Thüringer Grünen begrüßen. Höhlen seien besonders geschützte Biotope, sagt deren Landessprecher Frank Augsten. Zerstörung, Beschädigung, Störung oder Veränderung des charakteristischen Zustandes seien verboten. Zudem habe kein dringender Handlungsbedarf zum Verfüllen eines Teiles der Höhle bestanden.
Die Thüringer Höhlenforscher bedauern unterdessen, dass die Bahn keinen gesicherten Zugang zur Höhle offen gehalten hat. „Das wäre ohne großen Aufwand möglich gewesen“, sagt Fohlert. Zumindest so lange der ICE noch nicht fährt, hätten die Forscher damit die Gelegenheit gehabt, die Höhle weiter zu erkunden und wertvolles Naturerbe zu dokumentieren. Und das sei viel mehr als nur die Fledermäuse, die der BUND ständig im Munde führt, ärgert sich Fohlert über diese begrenzte Sicht auf die Dinge. Zumal bislang kein Beweis für die Existenz der Tierchen in der Höhle existiert. „Es gab einen Schatten auf Aufnahmen einer Videokamera. Das kann auch eine optische Täuschung gewesen sein“, sagt Fohlert. Die für ihn wichtigen Werte liegen auf anderem Gebiet: „Die Schönheit der Tropfsteine ist überwältigend. Die Farben reichen von glasklar über Brauntöne bis zu honiggelb“, erzählt der Höhlenforscher. Er berichtet von hohlen Tropfsteinen, den Makkaroni, im hinteren Teil der Höhle, die bis zu vier Meter lang von der Decke hängen. Von 30 bis 40 Sintergardinen, bei denen an schrägen Wänden Tropfsteine entstehen, die eine Art Vorhang bilden, ist die Rede. Mit zwei Metern Höhe wesentlich größer als die in der bekannten Drachenhöhle im vogtländischen Syrau. Am meisten aber begeistern Fohlert die so genannten Exzentrics, Tropfsteine, die nicht in der Vertikalen sondern völlig wirr wachsen. „Das sieht aus wie vielarmige Leuchter, die aus der Höhlenwand ragen. In dieser Größe und Menge habe ich so etwas noch nicht gesehen“, sagt Fohlert, noch immer ganz Feuer und Flamme. „An einer Engstelle ragen sie wie unzählige kleine Kleiderhaken aus den Wänden.“
Warum diese Tropfsteine entgegen der Schwerkraft wachsen, ist bislang noch unklar. „Es gibt unterschiedliche Erklärungsversuche“, sagt der Höhlenexperte. Einige hielten starke Luftströmungen für die Ursache des kuriosen Wachstums, andere Theorien sprächen von komplizierten chemischen oder biologischen Faktoren, die die Tropfsteine aus dem Lot brächten. Allein schon wegen der Exzentrics wäre es wichtig, einen Zugang zur Höhle zu haben, sagt Fohlert. Auch den Fließweg des Wassers, das durch die Hohlräume im Karst flutet, gelte es noch zu erforschen.
Die Bahn sieht den Fall naturgemäß weniger aus dem Blickwinkel des Forschers und auch weniger emotional. „Wir haben uns unter Sicherheitsaspekten für das Verschließen des Höhlenzugangs entschieden“, sagt Bahnsprecher Frank Kniestedt von der DB-Projektbau gelassen. Die Anzeige des BUND will er nicht kommentieren. „Wir haben es beim Tunnelbau mit vielen Unbekannten zu tun. Da sind wir den sicheren Weg gegangen.“ Auf ein Konzept zur Erschließung der Höhle habe man nicht warten können.
Ganz überraschend kam der Höhlenfund für die Bahn indes nicht. Schließlich gab es beim Neubau der ICE-Strecke zwischen Nürnberg und Ingolstadt bereits ähnliche Probleme. In drei Tunneln (Irlahüll-, Stammham- und Geisbergtunnel) stießen die Bauleute ebenfalls auf Karsthöhlen und unterirdische Bachläufe im Kalkgestein. Es mussten ein umfangreiches Erkundungsprogramm gestartet und Hohlräume verfüllt oder verschlossen werden. Die Folgen waren 30 Monate Bauverzug und beträchtliche Mehrkosten.
„Man lernt aus solchen Sachen“, gibt Kniestedt zu. Deshalb sei im Bauablauf für den Bleßbergtunnel von Anfang an ein Puffer, was Zeit und Geld, betrifft, vorgesehen gewesen. Vermutlich wirkte die Bahn im Vorfeld der Tunnelarbeiten in Thüringen auch auf entsprechende Regelungen im Baurecht hin. In jedem Fall hat es im Rahmen der Planfeststellung Absprachen gegeben. Auch die Thüringer Höhlenforscher stellten Unterlagen zur Verfügung, aus denen hervorging, dass sich im Umkreis der geplanten ICE-Trasse Höhlen von einer Gesamtlänge von mehr als drei Kilometern befinden. „Dass wir aber ein Höhlensystem in diesem Umfang finden, war ungewöhnlich“, zeigt sich Kniestedt dennoch überrascht.
„Es gab im Rahmen der Planfeststellung aber keine besonderen Auflagen für den Fall des Auffindens von Höhlen“, sagt Bettina Baader, Sprecherin des Eisenbahnbundesamtes. Insofern habe sich die Bahn beim Verschließen der Höhle völlig korrekt verhalten. „Vorrangig ist grundsätzlich die Sicherheit“, sagt Baader. Mitarbeiter des Bundesamtes wären vor Ort gewesen und hätten die Sicherungsarbeiten begleitet.
Das Thüringer Landesbergamt hält sich dagegen mit einer Bewertung zurück. „Wir werden ein laufendes Verfahren nicht kommentieren“, sagt Vizechef Thomas Brand mit Verweis auf die Anzeige durch den BUND. Dennoch gibt er aber zu verstehen, dass man sich von der Bahn eine Information über den Fund gewünscht hätte. Schließlich sei das Bergamt für den Schutz vor Gefahren, die von Höhlen ausgehen, zuständig.
Auch das Staatliche Umweltamt in Suhl fordert einen genauen Bericht über den Fund und die Umstände der Versieglung. Anschließend wolle das Amt über das weitere Vorgehen entscheiden, sagt dessen Chef Wolfgang Heerlein.
Unterdessen sieht Bahnsprecher Kniestedt das Höhlensystem in Sicherheit. Verloren durch Sprengung und Verschluss mit Beton sei nur der Bereich unmittelbar unter und neben dem Tunnel. „Es ist unbenommen, die Höhle noch einmal zu öffnen.“ Sogar eine künftige touristische Nutzung kann sich der Bahnsprecher vorstellen. „Das ist dann aber nicht mehr unsere Aufgabe.“
Die Thüringer Speläologen, wie die Höhlenforscher heißen, sehen das allerdings skeptisch. „Die Höhle hätte sicher die Qualität, Hunderttausend Besucher pro Jahr anzuziehen“, sagt Fohlert. Allerdings sei die Frage, ob so ein Eingriff unter Naturschutzaspekten wünschenswert und zudem überhaupt finanzierbar sei. Vorrang habe erst einmal das weitere Erkunden des Höhlensystems. Neben den bislang in Augenschein genommenen Hohlräumen östlich des ICE-Tunnels vermuten die Experten noch eine ebenso große Höhle westlich der Trasse. In einigen Tagen dürfte der Zugang zu diesem Bereich freiliegen.
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Bahn will neue Erkundung starten
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Offenbar wird es dann auch mehr Unterstützung seitens der Bahn geben, der die Bedeutung der Höhle aufgegangen zu sein scheint. „Wir starten ein weiteres Untersuchungsprogramm“, kündigte Kniestedt an. Man wolle den Bereich geophysikalisch erkunden, unter anderem mit einem Georadar. Dann müssten sich die Experten Gedanken machen, wie es weitergeht.
Darauf hofft auch die Parlamentarische Geschäftsführerin der SPD-Bundestagsfraktion und ICE-Tunnel-Patin Iris Gleicke. „Die DB hat mir versichert, dass auch die Höhlenforscher mit in die künftigen Gespräche einbezogen werden. Es ist wichtig, dass alle miteinander reden.“ Zudem wolle die Bahn an der sensiblen Stelle erst einmal nicht weiterbauen. Den Höhlenfund bewertet sie als Sensation. „Das wird eine Attraktion für die Region.“
Dass Bahnleute durchaus mit Höhlen umzugehen verstehen, zeigt ein Blick in die Geschichte. 1868 entdeckten zwei Eisenbahnarbeiter bei Felssicherungsarbeiten an der Bahnstrecke Letmathe – Iserlohn (Nordrhein-Westfalen) die spätere Dechenhöhle. Die Bergisch-Märkische Eisenbahngesellschaft ließ die Höhle sofort zur Schauhöhle ausbauen. Der Eingang wurde mit einer Tür gesichert, Wege und Treppen angelegt, so dass die Höhle besichtigt werden konnte. Dass dies auch einmal am Bleßberg so sein wird, scheint nicht gänzlich unmöglich.
Quelle: http://www.freies-wort.de/nachrichten/thueringen/seite3thueringenfw/art2402,796620
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Hallo,
es tut sich was Positives. Die Bahn will zulassen, dass die Höhle gründlich erforscht werden darf. :)Dafür will man sogar einen vorübergehende Bauverzögerung in Kauf nehmen. (Kam heute im Radio)
Gruß Conny
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Glück Auf!
Es ist eine Schande und ein Armutszeugniss, das so was passieren konnte.
Hoffentlich hatt man mit dem Beton keinen Schaden betreffs des Abflusses getan.
Aber wie konnte es eigentlich dazu kommen, ist doch hier die große Frage?
Eigentlich gibt es doch in Deutschland fast zu jeder größeren Sache einen Krisenplan, zumal ja schon mit Karstgebieten seine Erfahrung gemacht hatt.
Beton ist halt billiger als ein Baustopp und es aber schön zu wissen das es Menschen gibt denen so was nicht egal ist und dafür kämpfen.
Hoffen wir also noch auf schöne Bilder und eine mehr als gütliche Lösung.
Bergbaumaulwurf
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DB AG: Aktuelle Presseinformation - Höhle Bleßbergtunnel
Sicherung, Erkundung und Vortrieb im Karstbereich beim Bau des Bleßbergtunnels der Neubaustrecke Ebensfeld-Erfurt
Sicherer Zugang für weitere Forschungen ab September
(Erfurt, 18. April 200 Der Arbeitskreis "Karst", dem Bundes- und Landesbehörden, Geologen, Höhlenforscher sowie technische und Sicherheitsexperten angehören, hat sich beim Bau des Bleßbergtunnels im Bereich der vorgefundenen Hohlräume auf die nächsten Schritte verständigt. Diese sind Ergebnis einer ersten systematischen Erkundungsetappe. Zu danken sind die Erkenntnisse vor allem den Experten des Thüringer Höhlenvereins, die im Auftrag des Landesbergamtes schnell und flexibel ihre Spezialkenntnisse vor Ort einsetzten.
Erkundet wurden die beim südlichen Vortrieb des Bleßbergtunnels angetroffenen Hohlräume in der Formation des Unteren Muschelkalks. Sie kreuzen die künftige Bahnstrecke etwa 250 Meter vor dem Südportal des Tunnels und befinden sich unter ihm. Mit diesen sogenannten Karsthöhlen war bereits während der Planungsphase gerechnet worden, allerdings nicht in der angetroffenen Größe. Nach einer ersten bergmännischen Sicherung der Baustelle und den folgenden systematischen Erkundungen können jetzt weitere Schritte erfolgen.
In den nächsten Tagen wird im oberen Bereich des Tunnelquerschnitts der weitere Vortrieb beginnen. Dazu ist es erforderlich, den jetzigen Zugang mit Ausbruchmaterial zeitweise zu verfüllen. Später erfolgt das Auffahren des unteren Querschnitts. Die Vortriebsschritte erfolgen mit äußerster Sorgfalt jeweils nach gründlichen Untersuchungen, z. B. mit Erkundungsbohrungen in Tunnelrichtung. Da sich der gefundene Hohlraum unter dem Tunnel befindet, kann durch das schrittweise Auffahren des unteren Bereiches erstmalig zu den Hohlräumen ein sicherer Zugang geschaffen werden. Dieser wird voraussichtlich im September für etwa zwei Wochen uneingeschränkt verfügbar sein und ist Voraussetzung für weitere umfangreichere wissenschaftliche Erkundungen im Auftrag des Landesbergamtes. In deren Ergebnis soll dann der endgültige Umgang mit den Hohlräumen festgelegt werden. Das Ziel ist sowohl der weitere Baufortschritt als auch die Erforschung und die Dokumentation der großen Hohlräume, auch hinsichtlich eines möglichen naturschutzfachlichen Inventars. Der Tunnel wird an die gefundene Situation optimal angepasst, um die Karsthöhle möglichst wenig zu beanspruchen. Das betrifft sowohl die Bauphase als auch das fertige Bauwerk. Jeder Schritt wird durch die ökologische Bauüberwachung der Bahn begleitet, die bei allen großen Bauvorhaben üblich ist.
Über die Ergebnisse der Erkundungen und die anstehenden Entscheidungen zum weiteren Vorgehen wird weiterhin selbstverständlich zeitnah informiert.
Der 8,3 km lange Bleßbergtunnel ist Teil der 107 km langen Eisenbahn-Neubaustrecke Ebensfeld-Erfurt, die sich derzeit im Bau befindet. Sie ist Teil der Verbindung München-Berlin, für die ab 2017 eine Verringerung der Fahrzeit auf etwa vier Stunden vorgesehen ist.
Frank Kniestedt
Sprecher Großprojekte Südost
Tel. +49 (0) 341 9678-491
Fax +49 (0) 341 9678-489
Funk: 0160 97466403
medienbetreuung.leipzig
@bahn.de
www.db.de/presse
Verantwortlicher Pressekontakt:
Deutsche Bahn AG Externe Kommunikation
Potsdamer Platz 2
10785 Berlin
www.db.de/presse
:D
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Hallo,
erneut ist ein Hohlraum im Tunnel angefahren worden. Er muß rechtwinklig die Tunnelröhre durchschnitten haben und Verbruchmaterial enthalten haben. Näheres dazu ist aber nicht bekannt (Pressenotiz).
Der Conny
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wundert mich jetzt aber nicht. wo eine höhle ist sind meherer. karst ist nicht lokal
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Bleßberghöhle
Jetzt zählt vor allem eines: Öffentlichkeit
Forscher und Politiker plädieren für eine weitere Erschließung der Wunderwelt unter dem ICE-Tunnel
Von Thomas Schwämmlein
Sonneberg – Die Blessberghöhle, die beim Vortrieb des ICE-Tunnels am gleichnamigen Berg zutage trat, ist eine Jahrhundertentdeckung, über die übrigens Freies Wort als erste Tageszeitung ausführlich berichtete.
Sonneberg – Die Bleßberghöhle, die beim Vortrieb des ICE-Tunnels am gleichnamigen Berg zutage trat, ist eine Jahrhundertentdeckung. Das Interesse daran ist riesengroß, wie das Forum Freies Wort vor Ort und der Volkshochschule am Montagabend zeigte. Fast 400 Gäste aus Sonneberg und den angrenzenden oberfränkischen und südthüringischen Landkreisen kamen in den Großen Saal des Gesellschaftshauses – Rekord für diese Veranstaltungsreihe.
„Was ich hier gesehen habe, verschlägt mir die Sprache“, musste der Sonneberger Hans Wimmer gestehen, und selbst unterirdische Wunderwelten gewohnten Höhlenforschern aus dem Sonneberger Land wie Rolf Babucke und Jens Seidler merkte man die Begeisterung beim Beschreiben dessen, was sie da unten am Bleßberg gesehen hatten, an. Redaktionsleiterin Martina Hunka, die das Forum moderierte, konnte als Gäste neben den beiden Höhlenforschern auch CDU-Landtagsabgeordnete Beate Meißner, Schalkaus Bürgermeister Reinhard Zehner und den Geschäftsführer des Naturparks Thüringer Wald, Florian Meusel, begrüßen.
Mit einer atemberaubenden Bilderstrecke und sehr plastischen Schilderungen führten die beiden Höhlenforscher Babucke und Seidler, die bei den ersten Erkundungen mit vor Ort waren, in die unterirdische Wunderwelt. Was anfänglich noch als Aprilscherz hätte durchgehen können – die Nachricht von dem sensationellen Höhlenfund drang ausgerechnet am 1. April nach außen – erwies sich nicht nur als ernste Angelegenheit, sondern obendrein noch als eine der Sternstunden für die Höhlenforschung.
Gewaltige Dimensionen
Rolf Babucke wurde nicht müde, von den gewaltigen Dimensionen, von ungewöhnlichen geologischen Phänomenen und überhaupt von der Höhle an sich zu schwärmen. Die Höhlenforscher sind auch deswegen sprichwörtlich ganz aus dem Häuschen, weil die Höhle – abgesehen von ihren Dimensionen – mit einigen „Spezialitäten“ aufwarten kann: extrem dünne Tropfsteine von erheblicher Länge, so genannte Makkaronis, und Tropfsteine, die sich um die Schwerkraft gar nichts scheren und dorthin wachsen, wo ihnen gerade der Sinn steht. Ein Eintrag in die Forschungsgeschichte ist der Höhle damit schon sicher. „Jeder Quadratmeter Höhlenboden ist ein Rätsel für sich“, sagte Babucke.
Entdeckt wurde beim Tunnelvortrieb ein ganzes Höhlensystem, das sich östlich wie westlich des Tunnels erstreckt. Und erst kürzlich kam ein weiteres Höhlensystem dazu, das allerdings stärker verbrochen war. „Als wir ankamen, hatten die Tunnelbauer bereits 500 Kubikmeter Beton in einen Hohlraum verfüllt“, bemerkte Babucke. Vergebliche Bemühungen, meinte der Höhlenforscher, denn um das gesamte System zu füllen, hätte man an die 200 000 Kubikmeter Beton benötigt. Eine Bemühung, die nicht nur überflüssig, sondern auch höchst fragwürdig wäre. Denn wie die Höhlenforscher bemerkten, müsse der Wasserdurchfluss des Höhlensystems alleine schon wegen der Standsicherheit der späteren Bahnstrecke gewährleistet werden.
Damit war die große Unbekannte im Spiel um die Jahrhundertentdeckung genannt – die Deutsche Bahn als Bauherrin des Tunnels. Ins Zeug gelegt haben sich für die Höhle unter anderem Landtagsabgeordnete Meißner und Naturparkchef Meusel. Die Politikerin bekannte: „Ich habe mich, kaum war die Höhle entdeckt, sofort auf den Weg gemacht.“ Bewaffnet mit Bildern und der starken medialen Rückendeckung aus der Region unternahm Meißner den Gang durch Ministerien und eben auch zur Bahn. Im Thüringer Landtag war die Höhle bereits Gegenstand von Beratungen im Umweltausschuss und im Plenum gewesen. Der Fakt ist in Erfurt bekannt, aber auch die Untiefen der Bürokratie.
Lücke im Gesetz
Tatsächlich, so musste Meißner einräumen, gebe es einen blinden Fleck im Gesetz, in dem genau die Bleßberghöhle liege. So schützt das Naturschutzgesetz von außen zugängliche Hohlräume oder solche Räume, in denen etwas Schützenswertes lebt. Das ist aber nun genau im Fall der Bleßberghöhle nicht der Fall, denn weder ist bis jetzt ein Zugang nach draußen bekannt, noch wurde eine Fledermaus oder etwas Ähnliches in dem Höhlensystem gesichtet. Höhlenforscher Jens Seidler sieht aber genau hier Nachbesserungsbedarf im Gesetz: „Die Bedeutung des Geotops Bleßberghöhle kann doch nicht einfach vom Tisch gewischt werden. Es kann nicht sein, dass ein Frosch mehr gilt als ein ebenso bewahrenswertes Geotop wie die Blessberghöhle.“
Der Weg zur Schauhöhle
Viele im Saal bewegte aber noch eine ganz andere Frage. „Haben wir denn eine Chance auf eine Schauhöhle?“, wollten nicht wenige der Gäste wissen. Vorsichtige Signale in Richtung einer touristischen Nutzung kamen in den vergangenen Woche immer wieder. Beate Meißner konnte auf Gespräche mit dem Wirtschaftsministerium verweisen, das durchaus bereits sei, das Projekt einer touristischen Erschließung zu fördern – in nicht unerheblicher Höhe. Allerdings sei es zu positiven Aussagen generell noch zu früh, bemerkte Bürgermeister Reinhard Zehner (CDU), einer der frühesten Verfechter des Höhlentourismus.
Während Meißner und Zehner in den vergangenen Wochen überwiegend den Weg durch die staatlichen Instanzen marschierten, wagte Naturparkchef Florian Meusel den Frontalangriff auf die Deutsche Bahn. Er hatte vor wenigen Tagen einfach ein braunes Wegweiserschild mit „Blessberghöhle“ beschriften lassen, fuhr nach Berlin und stand am Potsdamer Platz bei der Konzernzentrale der Deutschen Bahn vor der Haustür. „Ich hatte mir natürlich vorher Rückendeckung geholt“, meinte Meusel verschmitzt während der Diskussion. Bis zum Vorstand konnte er vordringen und die Fotos von der Blessberghöhle sollen am Potsdamer Platz mächtig Eindruck gemacht haben. Gehandelt hat auch der Trägerverein des Naturparks Thüringer Wald. „Die Mitglieder des Verbandes haben am 7. Mai beschlossen, das Projekt Höhle gemeinsam zu tragen“, sagte Meusel. Das liegt auch recht nahe, denn die Naturparkroute durch das Verbandsgebiet führt unmittelbar an der Höhle vorbei. „Es geht doch um eine wunderschöne Landschaft, die wir unseren Gästen zeigen wollen – eine Landschaft oberhalb und unterhalb der Erde“, sagte Meusel.
„Wie steht denn der Höhlenforscherverein zu den Vorhaben der touristischen Nutzung?“, wollte Wolfgang Sack aus Sonneberg wissen. Bestehe da nicht auch die Gefahr, dass viel von der Schönheit durch die notwendigen Baumaßnahmen zerstört würde, meinte Sack, der sich auch einen Nachbau der Höhle in einer Halle vorstellen könne.
Eine „Kopie“ der Höhle sei zwar durchaus möglich und in einigen Regionen Europas sei so etwas auch schon realisiert worden, meinte Höhlenforscher Seidler. „Aber eine Erschließung der Höhle wäre auch im Interesse ihrer weiteren Erforschung auf jeden Fall wünschenswert“, betonte Seidler. Bevor dies erfolgen könne, so Seidler, müsse aber erkundet werden.
Dazu stehe man mit der Deutschen Bahn und den zuständigen Behörden in Kontakt. Erst dann, wenn man über das gesamte Höhlensystem Bescheid wisse, könne man sich an die Erschließung machen. In jedem Fall, das betonten sowohl die Höhlenforscher wie die Politiker im Podium, müsse dann ein separater Zugang geschaffen werden.
Vor allem aber müsse man mit konkreten Projekten aufwarten, bemerkte Landtagsabgeordnete Meißner in der Diskussion. „Bevor Fördermittel beantragt werden können, muss ein touristisches Nutzungskonzept vorliegen“, sagte die CDU-Politikerin.
Nun kreuzen sich aber noch immer im Bereich Blessberg Eisenbahntunnel und Höhle. „Es geht nicht ohne Bahn“, bemerkte Moderatorin Martina Hunka, die darauf verwies, dass die SPD-Bundestagsabgeordnete Iris Gleicke aus der Region stamme und ja auch Tunnelpatin am Blessberg sei.
„Auch die Bundesrepublik steht unseren Interessen positiv gegenüber“, sagte Schalkaus Bürgermeister Reinhard Zehner (CDU). Mit Gleicke habe er bereits Kontakt aufgenommen und sie habe Unterstützung signalisiert. Vor allem aber lokalisiert Zehner auch ein Umdenken bei der Deutschen Bahn. „Die Deutsche Bahn wird die Erkundung unterstützen“, versicherte Zehner. Und Florian Meusel ergänzte, dass für die Bahn mit der Höhlenerschließung ja durchaus auch ein positives Image verbunden sei.
Indessen wurde das Fehlen von Vertretern der Bahn in der Diskussion beklagt. „Wir sehen die Bahn hier in einer Verpflichtung“, sagte Jens Seidler.
Hilfreich könne auf jeden Fall aber die Öffentlichkeit sein, war das abschließende Urteil der Vertreter im Podium. „Ohne Öffentlichkeit geht gar nichts“, meinte Florian Meusel.
Er verglich dabei die Angelegenheit Blessberghöhle mit der 380-kV-Leitung. Auch bei der Freileitung quer durch den Thüringer Wald habe man nur deswegen eine gute Verhandlungsbasis erreicht, weil man frühzeitig das Thema in die Öffentlichkeit getragen habe.
In die Öffentlichkeit tragen – so lautete auch der Appell der Höhlenforscher, die dafür bei den Gästen viel Resonanz fanden. Neben den Spendenbehältern für die Finanzierung der weiteren Erforschung der Höhle füllten sich auch die ausgelegten Unterschriftenlisten, mit denen gegenüber Politik und Unternehmen Deutsche Bahn das große öffentliche Interesse bekräftigt werden soll.
Quelle: http://www.freies-wort.de/nachrichten/regional/sonneberg/sonneberglokal/art2407,823334
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Ausstellung
Mehr Ruhe für Wunderwelt
Museum Rauenstein zeigt ab morgen Blessberghöhle und ihr Umfeld
Von Thomas Schwämmlein
Rauenstein – Die Höhle unter dem Blessberg begeistert die Menschen in der Region, aber nur wenige hatten bisher die Gelegenheit, die unterirdischen Schönheiten wirklich einmal näher und vor allem in Ruhe bestaunen zu können. Auch die zahlreichen Vorträge über die Blessberghöhle gestatteten oft nur kurze, auf wenige Minuten beschränkte Einblicke in die Reichtümer unter Tage. Eine Ausstellung die morgen im Porzellanmuseum Neues Schloss in Rauenstein eröffnet wird, könnte dies ändern.
„Eine richtige Beziehung zur Ästhetik der Höhle kann nicht bei einer Powerpoint-Präsentation entstehen“, sagt Museumsleiterin Veronika Buff. Auch sie war zu den Vorträgen der Höhlenforscher gekommen und stellte bald fest, dass die tatsächlich gewaltigen Eindrücke der Betrachter nur in Ruhe und mit etwas Muße auf sich wirken lassen kann. So ist auch die Idee zur Ausstellung „Die Höhle unter dem Blessbergtunnel“ entstanden.
Die Sonderschau biete einen ersten Querschnitt über das bisher vorhandene Bildmaterial über die Blessberghöhle. „Erst beim Betrachten der sehr schönen Bildern wird deutlich wie klein doch ein Menschenleben gegenüber dieser Höhle ist“, schwärmt die Museumsleiterin.
Doch die Ästhetik der Höhle ist nur die eine Seite, die Vermittlung von Wissen über die Höhle das andere. Der aktuelle Kenntnisstand über die neu entdeckte Höhle wird ebenso vorgestellt wie das naturräumliche und kulturhistorische Umfeld unter über der Höhle. „Wir öffnen damit einen Blick in den Kulturraum des Landes vor dem Wald“, erklärt Veronika Buff ihr Anliegen. Es gelte das Interesse für diese Region auch über die Landkreisgrenzen hinaus zu wecken. Gelungen sei es auch für dieses Vorhaben zahlreiche Mitstreiter zu gewinnen. So zogen nicht nur die drei Kommunen Effelder-Rauenstein, Schalkau und Mengersgereuth-Hämmern bei der Vorbereitung der Ausstellung an einem Strang, sondern zahlreiche Mitstreiter konnten im Vorfeld gewonnen werden – von den Höhlenforschern bis zu fast allen beteiligten Behörden und Unternehmen. Unternehmen und private Sponsoren haben das Ausstellungsvorhaben unterstützt.
Gleich mehrere Räume mussten für die Ausstellung im Neuen Schloss aufbereitet werden. Unterstützung erhielt Veronika Buff dafür durch Manfred Fleischmann, Burckhard Schreppel und Alexander Hoffmann von der ABS Neuhaus. So wurden die Räume beräumt, gesäubert und mit schwarzen Stoff bespannt. Bis kurz vor Eröffnung der Ausstellung hielten die Arbeiten an. Ab morgen werden dann nicht nur fotografische Eindrücke aus der Höhle, sondern auch die Verbreitung der Karsthöhlen im Schalkauer Raum oder die Besiedlungsgeschichte der Region vorgestellt.
Für Museumsleiterin Buff ist dies aber nur der erste Schritt. Einerseits soll die Ausstellung zur Blessberghöhle ständig erweitert werden. Und in einem Kellergewölbe sollen einmal jene Bereiche der Höhle Aufnahme finden, die dem weiteren Ausbau des Tunnels weichen müssen. „Wir möchten, dass diese Schätze auch in Zukunft in unserer Region bleiben“, bemerkt Museumsleiterin Buff.
Quelle: http://www.freies-wort.de/nachrichten/regional/sonneberg/sonneberglokal/art2407,834199
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Hallo,
Ihr könnt die vorläufige Dokumentation zur Bleßberghöhle runterladen, unter:
http://www.salpia.eu/hoehle/sonhoefo/Blessberghoehle_Gesamt_mit_Fotodok_20080708.pdf
Glück Auf!
Troglo
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Ein Kamerateam hat verfolgt, was nach der Entdeckung rund um die Höhle geschehen ist und fing einzigartige Bilder des Naturwunders Bleßberghöhle ein.
http://www.mdr.de/thueringen-exklusiv/6164382.html
der Film: http://www.mdr.de/mediathek/fernsehen/a-z/5869251.html?5840739
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youtube sei Dank: :D
http://www.youtube.com/watch?v=E-YUKUK-G_4
Die anderen 3 Teile gibts auch. Ich hab den Film vor einigen Jahren während einer Bergfilmnacht auf Großleinwand in einem aufgelassenen Steinbruch gesehen. Der Hammer!!! Hat zwar nicht den Preis des Abends geholt, dafür aber alle Kraxelei am Seil blass aussehen lassen.
Grüße Heiko
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Cool, und das nach fast vier Jahren Pause in diesem Thread ;)
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Hallo,
am Geologischen Lehrpfad 1 in Jena wurde auch eine Höhle entdeckt. In dieser und benachbarten kleineren Hohlräumen findet man reichlich Sinter (aus Gips).Im Bild ein Höhlenforscher vom Thür. Höhlenverein beim Untersuchen des Hohlraumes. Siehe auch Chronik Teil 12. Weitere Bilder folgen auf meiner Seite.
http://www.geojena.de/index.php?page=teil-12-2017
Gruß Conny
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Hallo,
hier ein paar Bilder der mit Sinter überzogenen Höhle. Laut Thüringer Höhlenverein kommen Sinterbildungen nicht so oft in Gipshöhlen vor. Bemerkenswert häufiger aber im Jenaer Raum (z. Bsp. damals im Jagdbergtunnel, Teufelslöcher und jüngst im Baugebiet des Hausbergviertels, zum Bsp. Bild 5).
Gruß Conny