Mineralienatlas - Fossilienatlas
Mineralien / Minerals / Minerales => Mineralien (Fundort) bestimmen / determine minerals => Thema gestartet von: Schluchti am 23 Apr 08, 18:30
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Habe vor zwei Wochen auf der Halde 371/II ein unscheinbares Erzstück ausgegraben, welches an einer Seite etwas derbes mittelgraues Erz mit blauen Anlauffarben zeigte.
Nachdem ich die umgebenden Carbonate mit HCl weggelöst hatte, zeigte sich, daß die Stufe fast rundum mit mehr oder weniger deutlich ausgeprägten, metallischen glänzenden Kristallen von bis zu 2mm Größe besetzt war. Die Kristalle erscheinen sowohl mittel- bis hellsilbriggrau, als auch auch goldgelb und vereinzelt auch mit intensiv metallisch-blauer Anlauffarbe. Die Ausbildung der Kristalle ist am ehesten als rund-tafelig zu umschreiben. Die Oberfläche der Kristalle wirkt geschuppt. Die Kristalle sind teilweise zu kleineren Gruppen verwachsen. Die Ausbildung der Kristalle ist immer gleich, egal ob sie die goldgelbe, die graue oder blaue Farbe zeigen.
Anfangs dachte ich erst an Safflorit, aber hierbei kommt mir die goldgelbe und kräftig blaue Anlauffarbe etwas merkwürdig vor. Auch erscheinen mir die Kristalle dafür etwas groß.
Chalkopyrit habe ich in dieser Kristallform noch nie gesehen, zudem wäre die hellgraue bis silbrige Ausbildung ungewöhnlich.
Ehrlich gesagt fehlt mir hier eine zündende Idee, um was es sich handeln könnte. Bin für jede Anregung dankbar.
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Noch ein paar Bilder
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Hallo,
Von der Kristallform her würde ich Safflorit/Rammelsbergit bevorzugen.
Glück Auf!
Smoeller
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Hallo,
waren denn keinerlei Spuren von Sekundärmineralen an dem Stück wie Erythrin, Annabergit, Pharmakolit o. ä.? Kannst du die Härte prüfen, wie ist der Strich? Spröde oder geschmeidig? Was passiert vor V.d.L., Arsengeruch?
Glück Auf
Uwe
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Sekundärbildungen habe ich keine wahrgenommen. Der Strich ist dunkelgrau. Härte läßt sich nicht so recht feststellen. Das Material scheint recht spröde und es lassen sich ohne großen Aufwand mit einer Nadel kleine Brocken herausbrechen.
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Hallo Thomas,
ja, die beschriebenen Brocken findet man häufig an der Stelle der ehemaligen Deponiehalden hinter dem Fördergestell. Ich halte diese Kristalle für Löllingit, welcher wohl neben Safflorit vorkommt, den manche Stücke haben einen sehr schwachen rosaen Anflug.
Gruß
Uwe
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Löllingit will ich nicht ausschließen, zumal gerade in diesem Bereich massenweise davon geschüttet worden ist. Habe aber schon einige Löllingitstufen in der Analyse gehabt . Die Kristalle waren allesamt aber durchweg viel heller und vor allem viel kleiner. Auch habe ich da noch keine blauen Anlauffarben beobachtet.
Wie gesagt, ich kann Löllingit nicht ausschließen, aber ich meine 2 mm große Kristalle wären schon recht ungewöhnlich für Schlema.
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Bin mir nicht so sicher, ob überhaupt ein arsenhaltiges Mineral vorliegt. Kannst du einen kleinen Splitter in die Gasflamme halten und nach Arsengeruch schnuppern?
Der Löllingit aus diesem Bereich hat 1a Kristalle in den Drusen oder ist völlig derb, ist nicht so blättrig ausgebildet.
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Mein kleiner Gasbrenner hat leider das zeitliche gesegnet. Mit einem normalen Feuerzeug riecht man nichts (wird wohl zu niedrige Temperatur haben).
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Hallo,
Trick am RAnde:
eine Spritzenkanüle beim Durchblasen der Flamme die Temperattur steigern. Kleines Stüxk Mineral auf abgebrannten Streichholz plazieren wg. der Wärmeleitfähigkeit.
MfG
Frank
(Chat?)
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Hallo Schluchti,
ich sage es ist Rammelsbergit.
Gruß Jürgen
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Ja, Rammelsbergit könnte es auch sein. Habe bei einer analysierten Rammelsbergit-Stufe vereinzelt auch ähnlich blaue Anlauffarben: http://www.mineralienatlas.de/VIEW.php?param=1132156295 (http://www.mineralienatlas.de/VIEW.php?param=1132156295)
Aber dann macht mich die Kristallgröße wieder stutzig.
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Die Anlauffarben bilden sich nach meinen Beobachtungen auch manchmal nach der HCl-Behandlung, vor allem wenn zu kurz gewässert wurde.
Gruß Jürgen
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In dem Fall waren die aber schon vor dem Säuern da, wie ich an der blank liegenden Stelle des Erzes erkennen konnte (s.o.).
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Auf Grund dieser Diskusssion habe ich meine Stücke von der 371 nochmals kritisch angesehen. An Rammelsbergit habe ich bisher noch nicht gedacht. Eine Frage: Ist das dann auf dem beigefügten Foto auch Rammelsbergit ? (Ich hatte es bisher als Löllingit angesehen.)
Uwe
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Schwer zu sagen. Ich hatte einige Löllingit und vermeintliche Safflorit-Stufen mal in der Analyse. Dabei entpuppten sich alle vermeintlichen Safflorite als Rammelsbergite.
http://www.mineralienatlas.de/lexikon/index.php/LokationMineralData?param=NTU4IzMyMDg= (http://www.mineralienatlas.de/lexikon/index.php/LokationMineralData?param=NTU4IzMyMDg=)
Bei den mir bisher sicher bekannten Rammelsbergiten handelt es sich um dunkelgraues Erz, teils pseudomorph nach gediegen Silber, in winzigsten blättrigen Kristallen. Das von Dir gezeigte Bild zeigt auch bläuliche Anlauffarben. Die habe ich bei Löllingit bisher noch nicht gesehen. Das spricht möglicherweise für Rammelsbergit. Die Kristalle sind nicht gut erkennbar. Welche Form haben die?
Löllingit zeigt in reiner und frischer Form eine ganz hell-silberne Farbe mit intensivem Glanz ohne Farbstich. Ich habe ihn sowohl in blättriger Ausbildung, als auch in prismenartiger Ausbildung schon gesehen. Es sind für Schlema-Hartenstein aber Mischungen von Löllingit mit Safflorit beschrieben, die dann wohl auch im frischen Anbruch dunkler erscheinen können. Angelaufener (analysierter) Löllingit zeigte bei mir eher ganz matte,schmutzig- goldgelbliche, mitunter ganz leicht grünlich erscheinende Anlauffarben. Zudem deuten nach meiner bisherigen Erfahrung gelbe Verwitterungsbeläge auf dem umgebenenden Dolomit in der Regel auf Löllingit hin.
Hier nicht gut zu erkennen, aber zu erahnen: http://www.mineralienatlas.de/picturebig/1132155001.jpg.AAA.Loellingit.jpg (http://www.mineralienatlas.de/picturebig/1132155001.jpg.AAA.Loellingit.jpg)
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Danke, Thomas,
Deine Ausführungen insbesondere zu den Anlauffarben sowie zu dem logischen Hinweis auf die gelbe Verfärbung der umhüllenden Karbonate qualifiziert das von mir gezeigte Stück doch als Löllingit. Der blaue Farbstich auf dem Foto rührt vom Blitzlicht her. Die Kristalle sind winzig und insofern optisch nur schwer zu bestimmen. An anderer Stelle des Stückes sind diese aber deutlicher prismatisch. Was mich stutzig gemacht hatte ist der gitterförmige Aufbau des Aggregates, welches ich vom Rammelsbergit her kenne.
Interessant ist Dein Hinweis auf das Vorkommen von Löllingit und Safflorit zusammen. Das macht die Sache mit der optischen Bestimmung natürlich nicht einfacher.
Gruß
Uwe
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Hallo,
so weit mir bekannt, bildet Safflorit häufig recht charakteristische, sternförmige
Penetrations-Drillinge - Rammelsbergit dagegen nie ...
( wäre evtl. ein gutes Indiz zur äußerlichen Unterscheidung )
Löllingit würde ich bei dem Stück von Schluchti eher ausschließen - m.M.n. ist die xx-form
und die Art der Aggr. sehr typisch für Safflorit – Rammelsbergit
Farbe und Anlauffarbe bewegen sich m.M.n. durchaus im Rahmen des Möglichen ...
Gruß -M-
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Hallo Uwe,
nimm doch mal das Lötrohr (Nickelperle). Falls negativ- kein Rammelsbergit. Oder Kobaltnachweis. Skutterudit ist ja auch nicht ganz abwegig.
Allerdings haben die Löllingite von da nie nennenswerte Halden- Krusten. Weiß nicht, ob bei dem Stück das Erz völlig von Karbonat umhüllt war? In der Schüttung liegen aber auch Stücke, welche meist eine Erythrin-, manchmal auch eine Annabergitkruste haben, seltener beides auf einem Stück. Die Löllingite dort haben aber oft Arsengänge oder Einsprengungen in sich, sowie in größeren Brocken kleine Drusen mit hervorragenden Löllingit- Kristallen, z. T. auch winzige Quarzschwimmer.
Ein dunkleres Grau bei Löllingit heist dort aber nicht gleich Safflorit- Anteil. Da wäre sicher wieder Erythrin zu sehen. Ich kenne den Löllingit von dort ohne Kruste, lediglich der gelbgrüne Beschlag auf Karbonat und in Spalten, und in einem typisch feinkörnig- matten, metallisch- grauen Bruch.
Glück Auf
Uwe
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So, das Rätsel ist gelöst. Eine an der Probe durchgeführte EDX ergab FeAs2 also Löllingit. Damit hätte ich wegen der Anlauffarben nicht unbedingt gerechnet. Aber man lernt nie aus. :D