Mineralienatlas - Fossilienatlas
Vermischtes / Miscellaneous / Varios => Sammlungszettel / Collection label => Thema gestartet von: Schluchti am 27 Apr 08, 20:40
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Ich habe hier eine alte Stufe mit aufgeklebtem Zettel. Die Schrift ist eigentlich gut leserlich, aber trotzdem verstehe ich den letzten Zusatz nicht. Hat jemand eine Idee, was das am Ende heißen könnte? Ich lese da "b. Pech" aber das ergibt für mich keinen Sinn.
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Hallo Thomas,
könnte das vielleich "beim Pucher" oder so heißen. Kam da Roselith vor? Ist so eine Idee von mir.
Gruß Conny
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hallo
ich lese das als schneeberg bei Toelz (Tölz)
gruß
berthold
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Das "h" aus "Schneeberg" mit dem im letzten Wort verglichen, sieht anders aus. Könnte auch "b. Filz" also beim Filzteich heißen.
Glück Auf
Uwe
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Hallo,
Vielleicht nicht Pech sondern Poch. Könnte eine Anspielung auf das Siebenschlehener Pochwerk sein, dass ja Co-Erz verarbeitete. Die Stufe sieht aber ansonsten sehr nach Daniel aus.
Glück Auf!
Smoeller
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Danke schonmal für Eure Ideen!
"Puch"er glaube ich eher nicht, da ist nach meiner Kenntnis bislang noch nichts von Roselith bekannt geworden.
"Toelz" würde ich mir nicht erklären können. Die Stufe ist nach der Matrix eindeutig eine aus dem Erzgebirgischen Schneeberg.
"Filz" wäre denkbar, in der weiteren Umgebung des Filzteiches waren ja einige der alten Gruben.
Siebenschlehen mit "Poch"werk wäre auch denkbar, von dort kamen auch etliche Roselithe.
Aber beides wären irgendwie schon eher ungewöhnliche Umschreibungen. Komisch. ???
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Ich denke auch, der ursprüngliche Zettel wurde gestutzt und es hat ursprünglich gelautet: "Pochwerk Siebenschlehen".
Uwe
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Hallo, könnte es auch sein, daß das gute Stück auf oder in der Nähe des Grundbesitzes einer Familie/Firma Pech gefunden wurde???
Gruß, Jörg
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Ich hatte auch schon daran gedacht, daß der Zettel mal beschnitten worden sein könnte. Aber dann am rechten Rand eher nicht, sonst hätte man "Schnee-" nicht an der Stelle abgetrennt.
Am unteren Rand könnte sein. Dafür spricht, daß der Schwung vom "g" bei Schneeberg" leicht abgeschnitten wirkt. Dagegen spricht aber andererseits, dass wenn man damals noch eine weitere Zeile gehabt hätte, man nach "Poch" wohl auch einen Bindestrich gesetzt haben würde, wie bei "Schnee-". Zudem wäre nicht ganz ersichtlich, warum man dann das Siebenschlehener Pochwerk und nicht die Grube Siebenschlehen als Fundort angibt.
Auf einem privaten Grundbesitz denke ich mal eher nicht. Die Roselithe kamen an der Oberfläche meines Wissens nicht vor, sondern aus dem Untertagebergbau (Teufen um ca. 150m etwa beim großen Fund von 1873) .
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Glück Auf,
da die Co-Erze in die Pochwerke gebracht wurden und es da eine Vermischung von verschiedenen Gruben gab,wo das Co-Erz z.T. mit der Hand ausgeschlagen wurde,könnte es sein,dass die Stufe,im Haufwerk beim ausschlagen gefunden wurde.Ob es das Pochwerk "Siebenschlehen" war,wird nicht mehr nachvollziehbar sein.
Vom Aussehen würde ich Daniel oder Siebenschlehen einordnen.Von der Jahreszahl,könnte es gut hin kommen,ab 1873 wo Tröger den Roselithfund von Weisbach bestätigt bekam,wurden die Arbeiter bestimmt dazu angehalten auf dieses Mineral zu achten.Es wurde damals schon mit dem Verkauf von Roselithstufen 2898,10 Mark erzielt,eine enorme Summe!!Das sind nur meine Gedanken zu dieser Stufe ;)
Mf Glück Auf
Lutz
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Hallo,
Pech war ein bekannter Mineralienhändler anno dunnemals. Vielleicht bedeutet "b. Pech" ja, dass die Stufe "bei Pech" gekauft wurde. Der hatte sich, soweit ich weiß, auch auf Stücke aus klassischen Bergbaugebieten spezialisiert.
Gruß
Andreas
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Hallo,
beim Vergleich der "o" und "e" in "Roselith" und "Schneeberg" scheint es mir eher Pech als Poch zu heißen. Mit der Information von Andreas gibt das dann doch einen guten Sinn!
Gruß
Helmut
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Das könnte auch Wendwilsonit statt Roselith sein.
Der von mir analysierte Wendwilsonit von Schneeberg sah sehr ähnlich aus (rel. blaß, da nur wenig Co-haltig).
U. Kolitsch and M. Fleck (2006): Third update on compounds with kröhnkite-type chains: the crystal structure of wendwilsonite [Ca2Mg(AsO4)2•2H2O] and the new triclinic structure types of AgSc(CrO4)2•2H2O and M2Cu(Cr2O7)2•2H2O (M = Rb, Cs). Eur. J. Mineral. 18, 471-482.
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Herzlichen Dank für Eure regen Hinweise! :D
Ich war heute mit der Stufe bei einem alten Sammler, der mir zu dem Etikett und der Stufe noch einiges erzählen konnte. Es handelt sich um eine Stufe aus den Beständen der HU Berlin, die dort irgendwann mal herausgetauscht wurde. Das Etikett ist eines der HU. Das vermeintliche "b." ist ein undeutliches "v." . Daraus ergibt sich dann zwanglos "v. Pech". Also hat die HU die Stufe 1881 von Pech erworben. Mit der Info von Andreas zusammengenommen ergibt das dann wirklich ein rundes Gesamtbild (vorausgesetzt Pech hat zu dieser Zeit gelebt/ gewirkt (?) ).
Zugleich konnte durch eine in jedem winzigen Detail völlig identische Vergleichsstufe der Fund der "Grube Siebenschlehen, Fröhliche Aussicht Spat, 7m über der 27 Lachter Strecke unter dem Name Jesu Stollen, bei 60m vom Adam Heber Schacht nach SO" zugeordnet werden.
Habt Ihr noch Informationen über diesen Mineralienhändler Pech?
@ Uwe: Ja, das hatte ich mir auch schon überlegt (und nicht zu hoffen gewagt), da die Kristalle im Vergleich zu anderen Schneeberger Roselithen wirklich sehr hell sind. Ich habe nochmal ein Bild angehängt. Die Kristalle sind überwiegend tafelig, und teilwese recht langestreckt ausgebildet. Da wird aber sicher nur eine Analyse Gewißheit bringen können, oder?
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Hallo,
Die Mineralienhandlung C.F. Pech befand sich in Berlin. Über die Zeit habe ich noch nix herausgefunden, aber das passt schon in die klassische "Mineraliencomptoir"-Periode zwischen 1850 und 1900.
Gruß
Andreas
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Hallo Schluchti,
habe auch gleich an den berühmten Berliner Händler C. F. Pech gedacht, von dem das Stück evtl. gekauft wurde.
Schau mal hier zu Pech: http://www.minrec.org/labels.asp?colid=933 (http://www.minrec.org/labels.asp?colid=933)
Bergmeister
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Minrec.org macht doch immer wieder Spaß ;D. Und die Datierung passt auch.
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Fantastisch! :D
Danke Euch beiden für die Infos! Da kann ich ja bald nen halben Roman auf den Zettel schreiben... ;D
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Je besser dokumentiert, desto wertvoller letztlich die Stufe, würd´ ich sagen!
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Wenn ich so die historischen Fundortzettel sehe frage ich mich, wo wohl all die hunderte Tonnen Mineralien liegen, die über die Jahrhunderte gesammelt wurden :-\
Glück Auf
Uwe
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Hier sind Photos der von mir analysierten Wendwilsonit-Probe (die auch aus einer alten Sammlung kam und mit "Roselith, Schneeberg" etikettiert war):
http://www.mindat.org/photo-54228.html
http://www.mindat.org/photo-54226.html
Mit (nur) REM-EDS-Analysen wirst du kaum weiterkommen - der Mg-Peak ist nicht sichtbar, da er total mit dem As-Peak überlappt.
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Hallo Uwe,
wenn das System gut mit entsprechenden Oxiden eingemessen wurde, sollte spätestens
der Fit-Faktor der Mg Ka und der As L Linien was zeigen sollte.
Auch sollte die Spektrenrekonstruktion Abweichungen zeigen.
Ich habe hier das Probelm mit Ti und O.
Aber das ist keine mal-eben-schnell Analyse, da hast du recht.
MfG
Frank