Mineralienatlas - Fossilienatlas

Mineralien / Minerals / Minerales => Mineralien (Fundort) bestimmen / determine minerals => Thema gestartet von: McSchuerf am 08 Jun 03, 07:37

Titel: Mysteriöse Eigenschaft eines noch unbekannten roten Minerals
Beitrag von: McSchuerf am 08 Jun 03, 07:37
Hallo .. :)

..heute hat mir ein Mineraliensammler, der schon seit über 40 Jahren Experte für das Bad Emser Revier ist, erzählt, dass er einmal auf der Friedrichssegen-Halde ein Stück gespalten hatte, das ein leuchtend rotes Mineral zeigte (keine Oxidationshäutchen, auf meine Rückfrage hin..)..

Nach 3-4 Minuten bereits(!!) hätte dieses Mineral, dem Sonnenlicht ausgesetzt, seine Farbe verändert und zwar von rot nach orange - dann nach grau und schliesslich nach schwarz! (in genau dieser Reihenfolge!).

Niemand konnte offensichtlich bisher dieses Mineral identifizieren bzw. eine Erklärung für einen solch ausgeprägten Farbwandel liefern (offenbar auch kein ausgeprägter Pleochroismus, denn dann müsste das Mineral ja von verschieden betrachteten Seiten permanent versch. Farben zeigen..)..

..also weder von den Rotgültigerzen Proustit und Pyrargyrit noch vom Fettelit oder vom Arsensulfid Realgar ist so ein schneller Farbwandel binnen weniger Minuten unter Sonnenlicht bekannt..jedenfalls mir nicht..

..wer hätte evtl. eine Erklärung? Und ist ein solches Mineral mit dieser 'Extremeigenschaft' überhaupt bekannt ?

Völlig ratloser Peter..:-)
Titel: Re:Mysteriöse Eigenschaft eines noch unbekannten roten Minerals
Beitrag von: Gregor am 08 Jun 03, 20:08
Tja,

vielleicht liegts nicht am Licht, sondern am Luftsauerstoff. Wenn das aufgebrochene Gestein dicht genug war, um eine Gaszirkulation zu verhindern und das Mineral bis zum Zeitpunkt seiner Entdeckung anaerob lagerte, kann es zu einer Oxidation gekommen sein... (soweit meine Hypothese)
Titel: Re:Mysteriöse Eigenschaft eines noch unbekannten roten Minerals
Beitrag von: McSchuerf am 08 Jun 03, 20:13
Hallo Gregor.. ;)

Deine These klingt interessant und plausibel aber gibt es überprüfbare Beispiele? Und Oxidation auch innerhalb von 3-4 Minuten mit diesem Farbwechsel?

Gruß Peter

P.S. Funtioniert Deine e-mail wieder? Wie gehts denn so? ;)
habe auch einige neue Tipps erhalten...werde demnächst eine genehmigte Grabung durchführen..könnte aber Hilfe dabei gebrauchen..
Titel: Re:Mysteriöse Eigenschaft eines noch unbekannten roten Minerals
Beitrag von: Gregor am 08 Jun 03, 20:21
Hallo,

e-mail funktioniert insofern wieder, dass ich wieder E-mails empfangen kann, schicken kann ich immer noch nicht... schöne [entfernt]

Naja, aber da kommt mir glatt noch ne Idee. Es könnte sich um ein Silbersalz handeln. Es gibt ziemlich viele Silbersalze, z. B. Silberchlorid, Silberbromid, Silberacetat, Silbernitrat usw. , die unter Lichteinwirkung reduziert werden:

2AgCl ----> 2Ag + Cl2 (unter Sonnenlicht)

Das geht binnen Minuten bei starkem Sonnenlicht. Die Farbabfolge könnte auch hinkommen. Das schwarze Zeug, dass dan am Ende entsteht könnte eine Silberschicht sein (->Analyse).
Die Farbigkeit der ersten Stufe (=rot) könnte auf eine Komplexverbingung hinweisen. Weiß der Teufel, was da noch drin ist. Jedenfalls bildet das Silberion sehr gerne Komplexe mit diversen Liganden wie z. B. Ammoniak und Cyanidionen, vielleicht ist das ja noch was völlig unbekanntes...
Titel: Re:Mysteriöse Eigenschaft eines noch unbekannten roten Minerals
Beitrag von: McSchuerf am 08 Jun 03, 20:33
Hallo Gregor.. ;)..

wünsche Dir erst mal Glück bei 'Reparatur' Deiner e-mail-Funktionen.. ;D..

..dass es sich um ein Silbermineral gehandelt haben müsste, ist mir auch klar gewesen (daher hatte ich ja auch die Rotgültigerze und den Fettelit als Beispiel angeführt..aber wie Du schon richtig sagst..es könnte auch eine völlig neue Verbindung sein, die als Endprodukt angeschwärztes Silber nach Reduktion, verursacht durch den Lichteinfall, in so schneller Zeit übrig lässt.

apropos Silber..ich weiss jetzt wie schwarzes Silber auf der Friedrichssegen-Halde aussieht und ich weiss jetzt wo ich cm-große Pyros mit Silberbäumchen obendrauf finden kann..
..ich habe gestern alleine 6 Stufen mit z.T. bis zu fast 1 cm-Pyro-xx mit nach Hause gebracht..wenn  wir uns mal wieder treffen wollen, erhältst Du eine Stufe davon..

..und ich habe dort eine Stufe mit grünen Pyro-xx von Kransberg bei Usingen gefunden...wieder mal eine 'Fehlablage'..

Gruß Peter
Titel: Re:Mysteriöse Eigenschaft eines noch unbekannten roten Minerals
Beitrag von: Gregor am 08 Jun 03, 22:10
Das ist ja wunderbar!

So eine Mineralienstufe nehme ich natürlich gerne und wie gesagt, ab Mitte Juli sind Sommerferien (Das letzte mal vorm Abi). Du brauchst dann nur sagen, wann du kannst und wir können wieder auf Exkursion nach Friedrichssegen.
Du kannst mir ja (falls du Zeit hast) ein Foto von den Stufen schicken, wie gesagt, empfangen kann ich ja...

OK, Dann bis bald

Ach ja, mein Zuchtexperiment hat hingehauen. Ich hab 3 kleinere Stufen Alaun gekriegt und 2 große Einzelkristalle, solltest du Interesse haben, kannst du natürlich auch eins bekommen...
Titel: Re:Mysteriöse Eigenschaft eines noch unbekannten roten Minerals
Beitrag von: uwe am 09 Jun 03, 10:50
Hallo an die Diskutierenden,

was zur Hölle ist Fettelit  ???

Ansonsten wird es schon ein Silbermineral sein. Was ist eigentlich das Matrixmineral,  in dem das gesuchte Mineral eingeschlossen war und wie groß ist das Aggregat ? Beides könnte eine Erklärung für die wirklich bemerkenswert schnelle Veränderung sein.

Gruß Uwe
Titel: Re:Mysteriöse Eigenschaft eines noch unbekannten roten Minerals
Beitrag von: Stefan am 09 Jun 03, 15:11
Hallo Uwe,

Fettelit haben Se glaube ich in de Dez. 1996 Ausgabe von Lapis vorgestellt.

Nieder-Beerbach, Odenwald, Deutschland. Typlokalität
rote bis braunes Ag-Mineral

Gruß Stefan
Titel: Re:Mysteriöse Eigenschaft eines noch unbekannten roten Minerals
Beitrag von: McSchuerf am 09 Jun 03, 20:16
Hallo ..

FETTELIT, benannt nach dem Entdecker und 'Odenwald-Papst' Michael Fettel mit seiner Gewerkschaft Angelika..

..ist ein orangerot bis violettrot-met., trigonal-pseudohexagonales, extrem seltenes Silber-Sulfosalz mit der Formel: Ag24HgAs5S20;
Fundort wie von Stefan richtig mitgeteilt..

..irgendwo muss ich noch ein Foto von meinem Fettelit abgelegt haben...aber wo.. ???.. ;D..muss erst mal suchen..

..achso..@Uwe ..Matrix ist mir nicht bekannt. Hatte der Sammler mir nicht genannt..sorry..

..Gruß Peter
Titel: Re:Mysteriöse Eigenschaft eines noch unbekannten roten Minerals
Beitrag von: uwe am 10 Jun 03, 21:36
Fettelit  -   Wahnsinn was es so alles außerhalb des Erzgebirges gibt   ;D
Ich bin beeindruckt.

Gruß und Glück Auf
Uwe
Titel: Re:Mysteriöse Eigenschaft eines noch unbekannten roten Minerals
Beitrag von: Robin am 23 Jun 03, 14:03
Hallo Peter,

Wenn ich es richtig verstanden habe wirst du also eine Grabung beim Friedrichssegen durchfuhren? Das klingt ja sehr interessant ;) . Hoffentlich kommen dabei weitere schöne Mineralien ans Tageslicht.

Gestern bin ich mit dem Flugzeug aus die Spanien zurück geflogen. Dort habe ich in der Nähe von Teruel/Utrillas für 4 Wochen Geologische Feldarbeiten gemacht (und gleich natürlich auch ein bißchen nach Mineralien und Fossilien geschaut 8) ). An Mineralien gab es dort vor allem schöne Gips und Rodochrosit, an Mikromounts eine Menge sekundäre Eisenmineralien (Siderit, Hämatit, Jarosit, Goethit, usw.). Kalksteine mit Fossilien gibt es da auf jedem Fall zur genüge (da kann man ein Leben lang sammeln!).

MfG,
Robin.
Titel: Re:Mysteriöse Eigenschaft eines noch unbekannten roten Minerals
Beitrag von: McSchuerf am 28 Jun 03, 19:08
Hallo Robin.. :)

von Teruel in Spanien stammt ja auch Anapait in schönen bräunlichen xx. Jedenfalls habe ich kürzlich eine Stufe davon vertauscht..Glückwunsch zu Deinen Mineralfunden von dort! :)

..ja, jetzt bin ich auch heute gerade von der Grube Clara mit reichen Funden zurückgekehrt..

..demnächst werde ich dann schon mal eine erste Grabung bei Friedrichssegen versuchen (genehmigt!) um evtl. schöne Pyromorphite mit Silber obendrauf zu finden. Jetzt kenne ich ja endlich die exakte Fundstelle. Danke für die guten Wünsche! Kann ich gebrauchen..Erzähle mehr, wenn gelaufen..

..bis dann.. :)

Glück auf und Gruß Peter
Titel: Re:Mysteriöse Eigenschaft eines noch unbekannten roten Minerals
Beitrag von: Robin am 30 Jun 03, 19:51
Hallo Peter,

Leider war das Feldwerkgebiet doch etwas zu weit von Teruel entfernt (+- 60 km), sonst wäre es mineralogisch interessanter gewesen (die Anapait hört sich gut an!). Glückwunsch zu deinen Clara-Funden!

Über das Topic: ich denke auch es dreht sich hier um ein seltenes oder gar unbekanntes Silbersalz. Der Perroudit (auch vom Friedrichssegen bekannt) ist ja auch rot bis orangefarben, kann aber nicht so schnell grau/schwarz verfarben meine ich. Vergangene Samstag habe ich beim Friedrichssegen winzige rote/orange Nadeln in einem drusigen Quarz gefunden, wohl auch Perroudit (oder vielleicht Chalkotrichit?).

Gruß,
Robin.
Titel: Re:Mysteriöse Eigenschaft eines noch unbekannten roten Minerals
Beitrag von: McSchuerf am 02 Jul 03, 08:33
Hallo Robin.. ;).

danke für die Gratulation! Mein Romanechitfund (seltener von der Clara) von 1,5 cm Ausscheidungssgröße (kein Goethit!) kann sich schon mal sehen lassen.. :)

Ja, Perroudit könnte das schon sein, denke ich auch.. :D..
Hast Du die Stufe noch?

..Du könntest sie mal am 8.7. mit auf die Halde bringen. Jos sagte, Du würdest evtl. auch nochmal mit nach Friedrichssegen mitkommen(?)..ich bin dann mit meinem Klappspaten da..

..also ich werde, trotz familiärem Krankheitsfall, versuchen ab 10 Uhr am 8.7. gegenüber dem Carlstollen vor der Halde zu stehen.. ;)

bis dann..

Gruß Peter
Titel: Re:Mysteriöse Eigenschaft eines noch unbekannten roten Minerals
Beitrag von: Robin am 02 Jul 03, 17:10
Hallo Peter,

Die Stufe mit Perroudit habe ich noch und kann ich wohl zu die Halden mitnehmen. Die xx sind aber erst nur unter dem Bino erkennbar.

Am 8.7 bin ich frei, kann ich also mitkommen. Wahrscheinlich wird ich auch ein extra Schaufel mitbringen ;) .

Zu das Krankheitsfall wünsche ich Dir und Deine Familie alles gute.

Viele Grüße,
Robin.
Titel: Re: Mysteriöse Eigenschaft eines noch unbekannten roten Minerals
Beitrag von: Uwe Kolitsch am 03 Apr 08, 14:02
Bei dem seine Farbe schnell ändernden Mineral könnte es sich um ein Hg-Mineral handeln.
Titel: Re: Mysteriöse Eigenschaft eines noch unbekannten roten Minerals
Beitrag von: -M- am 04 Apr 08, 14:15

Ja, Hg-Min. würde ich auch für sehr wahrscheinlich halten, aber auch manche Tl-Min. wie z.B. Lorandit sollte man vermtl.
in den Kreis der Verdächtigen mit aufnehmen.
Schade nur, daß wir wohl nie erfahren werden, um was es sich nun gehandelt hat. ( erstens hatte der Fragesteller die Stufe
scheinbar selber nie in der Hand, und zweitens ist der Beitrag mittlerweile schon 5 Jahre alt ... )

Gruß -M-