Mineralienatlas - Fossilienatlas

Arbeitsmittel / Means for work => Messgeräte, Detektoren / Measuring devices, Detectors => Thema gestartet von: Anka am 05 Jun 08, 10:46

Titel: Taschendosimeter - taugt der was?
Beitrag von: Anka am 05 Jun 08, 10:46
Hallo,

nachdem ich nun schon eine ganze Schachtel Uranmineralien (wenigstens fast nur MMs) nur nach dem Namen zusammengesammelt und aus dem Haus entfernt habe und mich darüber geärgert habe, dass ein Mineraliensammler seinen Geigerzähler nicht so aufbewahrt hat, dass seine Familie ihn später mal auch findet, bin ich vorhin zwar nicht auf den mir von früher her bekannten Geigerzähler gestoßen, dafür aber in einem Brillenetui ( ::)) auf ein Taschendosimeter "Personal Dose Meter PDM-2". Es hat laut Bedienungsanleitung ein G-M-Zählrohr, gemessen werden "Röntgen, Gamma und Beta mit Energien von 0,5 MeV", Anzeigebereich "0,01+ 9,99 µSv/h", Messgenauigkeit +/- 30 %.

Kennt zufällig jemand dieses Gerät und kann mir sagen, ob das dafür taugt, radioaktive Steine innerhalb der Sammlung zu "orten", so dass ich sie separieren kann? Mir geht es nicht um einen ganz genauen Messwert, sondern um ein "ja/nein" (also alles über mehr oder weniger "normal" fliegt dann halt raus).

Ich muss mir erst noch Batterien kaufen (das Teil braucht Knopfbatterien), sonst hätte ich es natürlich einfach ausprobiert (garantiert radioaktive Testobjekte hätte ich ja nun schon mehr als genug)...

Danke und Gruß,

Anne
Titel: Re: Taschendosimeter - taugt der was?
Beitrag von: trommeln am 05 Jun 08, 11:29
Frag doch im nächsten grossen Krankenhaus in der Radiotherapie nach.. wie hatten damals so Pen-Dosimeter - habe gerade bei Google geguckt.. gibt mal pen dosimeter ein und guck...
Titel: Re: Taschendosimeter - taugt der was?
Beitrag von: Anka am 05 Jun 08, 12:01
@trommeln: Hmm, wie meinst Du das jetzt? Soll ich dort fragen, ob man damit gut Radioaktivität bei Mineralien messen kann? ???

Ich habe eben auch mal ein bisschen gegoogelt nach Stab-/Taschendosimetern, aber so ganz verstanden habe ich das Prinzip nicht. Bzw. wo der Unterschied liegt zwischen einem solchen Gerät und einem herkömmlichen, großen Geiger-Müller-Zähler. Ob es einfach die Messgenauigkeit und die Unterscheidung in unterschiedliche Strahlungsarten ist (und zusätzliche Verbesserungen bei der Bedienung, wie Geschwindigkeit, Datenspeicherung usw.), oder ob manche Geräte für bestimmte Zwecke eben überhaupt nicht geeignet sind. Und wie zuverlässig solche kleinen Geräte für Einzelmessungen sind (also nicht Dauermessung wie bei einem Personendosimeter).

Also ich gehe jetzt mal davon aus, dass das Gerät kein Schrott ist, sonst hätte mein Vater es nicht gekauft. Aber ich weiß halt nicht, für welchen Zweck er es gekauft hatte.

Naja, ich werde mir wohl mal Batterien kaufen - die werden ja nicht die Welt kosten - und es einfach mal ausprobieren...

Grüßle, Anne
Titel: Re: Taschendosimeter - taugt der was?
Beitrag von: trommeln am 05 Jun 08, 12:10
Unsere Pendosimeter haben die Strahlung gemessen, die reinkam.. also hat sich das immer kummuliert. Nach einer Woche hat man dann abgelesen. Ist man über einen bestimmten Betrag gekommen, dann war etwas faul.
Also nicht wie ein Geigerzähler... der aktuell misst.
Aber leg das Teil mal neben deine Steine.. wenn sich mehr als 10 zeigen, dann ev. Blei davorlegen und wieder messen.
Ich nehme an, das Teil ist über 20 Jahre alt... es hat in der Zwischenzeit ein Wechsel der Einheiten stattgefunden. Steht da was von Röntgen/rad/rem drauf?

Allerdings misst es nur Gammastrahlen.
Für Alphastrahlen reicht die Glasscheibe vor den Steinen.
Titel: Re: Taschendosimeter - taugt der was?
Beitrag von: Anka am 05 Jun 08, 12:41
Ich werde es mal ausprobieren!

Es klebt ein Aufkleber vom Verkäufer drauf (G.B.-H. Elektronik, Ing. Walter Heger - laut hier (http://www.vwbc.de/Stories/25_12_199_-__Brunhilde___Spure/25_12_199_-__brunhilde___spure.htm) hatte der sich wohl mit dem Thema befasst), und gekauft wurde es wohl 1994. Ich habe gerade (was für ein Tag!) zufällig auch noch einen Artikel in einem Aufschlussheft von 1995 gefunden, in dem Prof. Dr. Henning v. Philipsborn dieses Gerät als günstiges Einsteigermodell für okay befunden hat. Ich erinnere mich, dass mein Vater mal erzählt hat, dass er Anfang/Mitte der 90er an einem Vortrag über Uranmineralien eben von diesem Herrn  war. Vermutlich hat er das Dosimeter daraufhin gekauft? Zeitlich würde es ja hinkommen...

Die Daten zu dem Gerät hatte ich ja schon geschrieben:

Röntgen, Gamma und Beta mit Energien von 0,5 MeV", Anzeigebereich "0,01+ 9,99 µSv/h", Messgenauigkeit +/- 30 %

Auf dem Display steht als feste Einheit µSv/h, mehr kann ich erst sagen, wenn es in Betrieb ist.

So, und da ich heute frei habe, gehe ich jetzt Batterien kaufen! ;D *gespanntbin*
Titel: Re: Taschendosimeter - taugt der was?
Beitrag von: Klinoklas am 05 Jun 08, 14:15
nachdem ich nun schon eine ganze Schachtel Uranmineralien aus dem Haus entfernt habe

Hallo Anne,

Ich hoffe doch nicht etwa weggeschmissen ???
Wenn du keine radioalktiven Mineralien im Haus haben möchtest dann findest du hier im Forum mit Sicherheit einen Sammler der sie dir abnimmt.

Gruß
René
Titel: Re: Taschendosimeter - taugt der was?
Beitrag von: smoeller am 05 Jun 08, 14:24
Hallo,

@Anka: Ja, bevor du sie wegwirfst: Es gibt andere Sammler (so wie mich), die sammeln solche Minerale. Wenn du einige U-Minerale aus dem Schwarzwald (Menzenschwand + Wittichen) hast, tausche ich gern mit dir (gegen nichtaktives Material). Ich suche die nämlich.

Zum Taschendosimeter: Weiss nicht, ob das funktioniert. Wie Trommeln schon sagte, die Geräte dienen der Erfassung von Strahlung über Zeiträume hinweg, nicht der schnellen Einzelmessung.

Glück Auf!
Smoeller
Titel: Re: Taschendosimeter - taugt der was?
Beitrag von: Schluchti am 05 Jun 08, 14:44
Wenn das Gerät eine Anzeige in µSv/h hat, mißt es damit offenbar nicht die kumulierte Äquivalentdosis, sondern die aktuelle Dosisleistung einer Strahlenquelle.

Daher könnte es durchaus für Deine Zwecke geeigent sein. Am besten Du kaufst die passenden Batterien dazu und testest es einfach einmal an den bereits identifizieren Stücken aus. Ich nutze auch ein älteres Dosisleistungsmessgerät (noch mit mRem/h) um potentiell sorgfältig zu behandelnde (und besonders zu lagernde) Stufen zu erkennen.
Man bekommt recht schnell ein Gefühl dafür, was jetzt natürliche Umgebungsstrahlung und unbedenklich ist, und was doch schon etwas mehr "rattert". 
Titel: Re: Taschendosimeter - taugt der was?
Beitrag von: trommeln am 05 Jun 08, 15:03
Genau Anka - dann hast du eine Art Geigerzähler der modernen Art
Aber hier kenne ich die Grenzwerte nicht...
Lies nach, was die durchschnittliche Zahl für Deutschland oder für eure Gegend ist und eben.. du wirst den Unterschied schon sehen... seit ich nicht mehr in der Radiotherapie arbeite, habe ich da Wissen verloren.. Schluchti hat da ganz recht! Miss auch einfach mal ausser Haus.
Titel: Re: Taschendosimeter - taugt der was?
Beitrag von: Anka am 05 Jun 08, 15:27
Hallo,

danke für Eure Antworten! :)

Ich fahre später schnell Batterien kaufen, musste erst noch was anderes erledigen.

Also so wie ich die Bedienungsanleitung verstanden habe, muss man immer 36 Sekunden messen und bekommt dann einen Wert. Um sicherzugehen, dass der Wert stimmt (kann um 30 % schwanken), soll man im Zweifelsfall mehrere Messungen machen und dann den Mittelwert nehmen.

Ich werde, da das so ja doch ziemlich zeitaufwändig ist, wohl dann schachtelweise messen, und wenn eine auffallend hohe Werte ergibt, genauer schauen. Sehr hohe Werte werden mir so ja hoffentlich nicht entgehen, und wenn was ganz leicht vor sich hin strahlt,  ist das auch nicht so schlimm, da ich die Steine ja nicht im Schlaf- oder Wohnzimmer habe.

"Aus dem Haus entfernt" heißt natürlich auch nicht weggeschmissen, sondern in die Garage umgesiedelt.  ;)
Ich finde diese Mineralien durchaus hübsch (sind ja meistens schön bunt) und irgendwie auch interessant, nur mag ich sie eben nicht direkt um mich haben. Bzw. es ist mir unangenehm, wenn ich nicht weiß, wo noch überall welche sind. aber das werde ich ja jetzt hoffentlich rausfinden! :)

Wenn ich alle Uran-Mineralien (bzw. 2 Stücke Radiobaryt waren auch noch dabei) zusammen gesammelt habe, werde ich sie natürlich in (erwiesenermaßen) erfahrene Sammlerhände weitergeben - man hat da ja schon auch eine gewisse Verantwortung. Aber im Müll wird da sicher nichts landen, da kann ich Euch beruhigen...  8) Und wer sich für bestimmte Mineralien oder Fundorte interessiert, kann sich natürlich auch gerne schonmal vorab bei mir melden - es sind fast alles ziemlich kleine Stücke in Döschen, aber dafür viele verschiedene (darum ging es wohl auch).

Gruße, Anne
Titel: Re: Taschendosimeter - taugt der was?
Beitrag von: Klinoklas am 05 Jun 08, 15:51
Hallo Anne,

na dann bin ich beruhigt und smoeller und andere Sammler kommen auch noch auf ihre Kosten ;)
Ich habe aus den selben Gründen darauf verzichtet radioaktive Mineralien zusammeln.
Auch wenn es mir manchmal schwer fiel etwas nicht mitzunehmen, denn schön sind manche ja schon.

Gruß
René
Titel: Re: Taschendosimeter - taugt der was?
Beitrag von: caliastos am 05 Jun 08, 20:16
also wie schon gesagt erfaßt ein dosimeter die aufgenommene äquivalente strahlung innerhalb einer bestimmten zeit. d.h. es wird jede art strahlung erfaßt.

das dosimeter an eine probe zu halten und darauf auf die strahlung zu schließen ist quatsch. radioaktivität und äquivalente dosis werden völlig anders bestimmt. das eine ist ein an sich fester wert (die strahlung) und das andere, die dosis, hängt eben sehr vom objekt ab. haut, fleisch und knochen reagieren unterschiedlich auf strahlung. genauso insekten. die strahlendosis ist also immer verschieden.

wenn du nun das dosimeter da hinhaltest, dann erfaßt du die in der zeit abgegebene strahlendosis. die sagt aber recht wenig über die radioaktivität aus. zudem hängt die äquivalente dosis von der strahlungsart ab. sprich, ein schwach radioaktiver alpha-strahler kann die eine höhere äquivalente dosis verpassen als ein stärker strahlende beta-strahler.

das dosimeter wurde ja auch nur entwickelt, um die maximale strahlenbelastung zu ermitteln, der man sich im jahr aussetzen darf. ob du die auf einen schlag oder schön verteilt aufnimmst interessiert nicht.

abgesehen davon denke ich ist das eh übertrieben. wenn du schon sagst, daß es vornehmend MM sind, dann ist die strahlenbelastung gering. lustigerweise machen sich aber viele bei dem begriff "uranmineral" viel mehr sorgen, als bei ihrer granit-arbeitsplatte bzw. bei objekten aus granit oder dem radon in der raumluft.

by the way: jedes mineral ist an sich radioaktiv, jeder stoff. nahezu alles.
Titel: Re: Taschendosimeter - taugt der was?
Beitrag von: Anka am 05 Jun 08, 23:37
Hallo,

ich hab mir nun mal Batterien besorgt und das einfach mal ausprobiert. Das Teil arbeitet so, dass man auf einen Knopf drückt, dann fängt es an zu messen, bis ein Höchstwert erreicht ist, und dann bleibt es bei dem Wert stehen. Dabei wird nicht unbedingt die vollen 36 Sekunden, die angegeben sind, weitergezählt, sondern der Höchstwert kann z.B. auch schon bei 10 Sekunden erreicht sein (z.B. wenn ich mich damit "ins Grüne" stelle, oder mitten ins Zimmer). Daher glaube ich eigentlich eher nicht, dass es einfach immer weiter die Strahlung summiert? Man kann auch keine Langzeitmessungen machen, da sich das Gerät einige Zeit nach der Höchstwertermittlung von selber ausschaltet.

Ich habe schon einen deutlichen Unterschied gemerkt zwischen den Mineralien, bei denen ich wusste, dass sie radioaktiv sind, und den "normalen". Auch die Werte, die ich draußen gemessen hatte, entsprechen so in etwa den Messwerten aus der Gegend.
D.h. ich denke - hoffe! - dass ich das Teil trotzdem zumindest dafür nehmen kann, um einen ungefähren Anhaltspunkt zu erhalten (also durch den Vergleich mit den Umgebungswerten).

Die höchsten Werte habe ich übrigens bei einem Curit gemessen (da wusste ich das aber schon vorher) und beim Radiobaryt, außerdem waren die größeren Stücke natürlich teils etwas heftiger als die kleinen. Und je bunter, desto aktiver.

Sollte sich mir mal die Möglichkeit bieten, mit einem richtigen Geigerzähler da drüber zu gehen, werde ich das natürlich tun. Schon um die Werte zu vergleichen!

Mir ist es übrigens ziemlich egal, ob man das nun als übertrieben hinstellt oder nicht. Ich würde mal sagen, dass ich mich dafür, dass ich mit Mineralien an sich überhaupt nichts am Hut habe, doch sehr bemühe, zumindest so weit in die Materie einzutauchen, um alles in gute Hände weitergeben zu können. Aber warum sollte ich mich dazu dann noch mit Dingen umgeben, die mir irgendwie schaden könnten?
Klar nehme ich für meine eigenen Hobbys auch gewisse Risiken in Kauf - weil ich dafür ja auch viel Positives bekomme. Aber wenn was nicht mein Hobby ist und auch nicht werden wird (was nicht heißen soll, dass es mich nicht interessiert - aber wenn man vielseitig interessiert ist, muss man eben Prioritäten setzen...), muss ich mir ja nicht gerade einen Teilbereich aussuchen, wo sogar diejenigen, die das als Hobby betreiben, zumindest teilweise großen Respekt haben... :P

Abgesehen davon: Kleinvieh macht auch Mist. Das fing mit 2, 3 Döschen Uranophan oder Uranocircit an, die ich am Namen und auch vom Aussehen her ja leicht erkannt habe, aber nun habe ich im Laufe der letzten Monate fast 50 Döschen mit den unterschiedlichsten Uranmineralien zusammen gesammelt. Jedes für sich ist vielleicht nur ein schwacher Strahler, aber alle zusammen sind schon nicht gerade was fürs Wohnzimmer... Natürlich ist es beruhigend, wenn man sieht, wie die Strahlung mit dem Abstand sehr schnell abnimmt, aber dazu muss man ja erstmal wissen, wo die Strahlungsquelle überhaupt ist (Granit haben wir übrigens keinen im Haus).

Viele Grüße,

Anne
Titel: Re: Taschendosimeter - taugt der was?
Beitrag von: trommeln am 06 Jun 08, 08:44
Anka
super.. das tönt alles sehr richtig!
Und das mit dem Abstand (Abstand im Quadrat-Gesetz) hast du auch sehr richtig erkannt...
Titel: Re: Taschendosimeter - taugt der was?
Beitrag von: Hg am 06 Jun 08, 20:13
by the way: jedes mineral ist an sich radioaktiv, jeder stoff. nahezu alles.

Auch wenn es vom eigentlichen Thema abschweift; das möchte ich mal so nicht unkommentiert stehen lassen. Gewöhnlicher Quarz ist in keinster Weise radioaktiv. Erst durch bestimmte Einlagerungen wird er aktiv. Die Reihe ließe sich beliebig fortsetzen.
In organischen Verbindungen ist vorallem K-40 für die Radioaktivität verantwortlich. Es gibt aber Anwendungen, bei denen Kunststoffe benötigt werden, die praktisch keinen Untergrund erzeugen. Hier greift man auf Konststoffe zurück, die aus natürlichem Erdöl erzeugt wurden. Das ursprünglich enthaltene C-14 ist parktisch nicht mehr messbar und K-40 spielt bei den Messungen (aus eigener Erfahrung) auch keine Rolle mehr. Man kann mit solchen Kusntstoffen in Bereiche von wenigen Bq messen. Und mit messen sind wirklich teuere, extrem empfindliche Messgeräte gemeint, nicht einfache Geigerzähler.
Gruß,
Andreas
Titel: Re: Taschendosimeter - taugt der was?
Beitrag von: caliastos am 06 Jun 08, 20:30
@ hg

also wenn es nun schon so genau sein muß, dann korrigiere ich das mal gleich ganz kleinlich. "kein" mineral ist radioaktiv, auch pechblende nicht.

radioaktiv sind nur bestimmte elemente, die ein mineral zum teil aufbauen


aber da es an sich kein einziges mineral gibt, in dem keine einschlüsse oder fremdatome sind, so würde ich das halt nicht so genau nehmen. und bei den millarden von atomen ist es recht unwahrscheinlich kein radioaktives oder instabiles atom beim kristallwachstum zu erwischen.

org-verbindungen und v.a. k-40? also bisher hörte ich immer nur c-14 und bei anorg k-40.
Titel: Re: Taschendosimeter - taugt der was?
Beitrag von: Hg am 06 Jun 08, 20:49
nun, caliastos; dann erklär mir doch bitte mal, was an natürlicher Radioaktivität der Organimus noch so alles verstoffwechseln und einbauen soll. Warum finde ich im Kunststoff praktisch keine Untergrundstrahlung? (siehe Diagram; achja.....Ereignisse sind nicht mit Bq zu verwechseln!)
Ein Kollege von mir wollte einmal den Zusammenhang von Polonium im Tabak und Lungenkrebs bei Rauchern nachweisen. Irgendwann hat er dann aufgegeben.
Ich hatte schon Wasser aus unserem Bach nach Radioaktivität untersucht. Allerdings bin ich dann recht schnell auf die Nachweisgrenze von wenigen mBq gestoßen. Nach deiner These habe ich da wohl was falsch gemacht. In der Lahn finden sich dagegen immer ein paar Bq (nicht viel, aber gut messbar). Nach einzelnen Atomen unter 10x zu suchen ist völlig unsinnig.
Titel: Re: Taschendosimeter - taugt der was?
Beitrag von: Anka am 07 Jun 08, 17:47
Ich möchte nochmal betonen, dass es nicht meine Absicht ist/war, hier jetzt zu diskutieren, ob solche Mineralien gut oder schlecht, gefährlich oder ungefährlich sind. Ich kann da (inzwischen) selber ganz gut entscheiden, was ich für mich selber gut finde und was nicht. Ich respektiere es, wenn ein Sammler Freude an etwas deutlicher radioaktiven Mineralien hat, aber genauso erwarte ich auch, dass ein Sammler respektiert, dass ich als Nichtsammler mich lieber mit anderen Dingen umgebe. Es tut mir leid, wenn manche Leute hier genervt sind, weil das Thema überhaupt angesprochen wurde, anscheinend ist es nicht gerne gesehen.

Mir ging es mit meiner Frage hier eigentlich wirklich nur darum, ob das Dosimeter für meine Zwecke geeignet ist. Nichts weiter.
Titel: Re: Taschendosimeter - taugt der was?
Beitrag von: caliastos am 07 Jun 08, 20:44
die frage des dosimeters sollte an sich beantwortet sein. es dient eben nur dazu die aufgenommene strahlendosis festzustellen, nicht aber um die radioaktivität eines stoffes zu bestimmen. dafür wurde es nicht konzepiert. das kannst du in gewisser weise mit anderen instrumenten vergleich. ein druckmesser, der nur 10 bar anzeigt, wird dir bei 40 bar auch nichts bringen. denn er wurde nicht für den bereich konzepiert. man kann zwar werte ablesen, nur dann denkt man man hätte 10 statt 40 bar.

es bringt  demnach nichts mit einem unpassenden instrument die falsche größe zu messen. zu messender wert und instrument müssen schon zusammenpassen.


du kannst also sozusagen deine abbekommene strahlendosis feststellen, aber nur bedingt aussagen zur radioaktivität geben. außer dein dosimeter sollte zwischen den strahlungsarten umstellbar sein und du würdest die dosis in strahlung umrechnen.



@hg

also an sich kann jedes "passende" element eingebaut werden. inkompatible nicht, aber sie könnten kompatible strahler erzeugen. aber das ist nunmal extrem gering. insbesondere bei organismen, da diese sich regelmäßig erneuern. blei und co lagert sich ja auch nicht überall ein. von Pb, K, C,  usw. gibt es ja auch strahlende isotope. minerale sind was ganz anderes, da reichert sich strahlendes material viel länger an, v.a. die mit hoher halbwertszeit.
nachweisgrenze ist übrigens das stichwort. nicht meßbar heißt eben niemals nicht vorhanden. aber finde mal das eine strahlende atom in hunderten liter wasser pro sekunde. die strahlung ist vernbachlässigbar, aber nicht null.

ähm? im kunststoff untergrundstrahlung?also die definition von untergrundstrahlung, die mir bekannt ist, ist strahlung die von außerhalb kommt, also von den versuchaufbauten und allem drum herum und nicht aus der probe selbst. oder meinst du damit die strahlung die die substanz selbst aussendet?

dein diagramm würde ich so deuten: du hast den piek im kaliumarmen glas. kalium dient dabei generell im glas als flußmittel. ohne wäre die schmelztemperatur des glases bei schönen 1775°C und nicht bei um die 1000°C (je glas halt). kaliumarm heißt aber eben auch nicht kaliumfrei. da hast du folglich immer auch einen gewissen anteil des isotopen kalium 40.

polyethylen aber ist ein kaliumfreie verbindung und als rohstoff dient ja meistens erdöl. der hauptstrahler ist da wenn der kohlenstoff. aber dessen lausige halbwertszeit senkt die vorhandene strahlung erheblich. nimm mal die jungen kohlenwasserstoffe der tertiären molasse. schon mal ausgerechnet wie viele atome seit der molassebildung zerfallen sind? gewaltig viele. da ist logischerweise wenig strahlungsmaterial übrig. so viel fremdatome kommen auch nicht rein. da ist der unterschied zu heftig. kalium und kohlenstoff sind an sich krasse strahlungsgegensätze.
Titel: Re: Taschendosimeter - taugt der was?
Beitrag von: Anka am 07 Jun 08, 22:31
@caliastos: Wie gesagt werde ich das nochmal vergleichen, sollte ich die Gelegenheit haben, mit einem richtigen Geigerzähler zu messen. Das interessiert mich schon, wie sehr sich das unterscheidet...

Es war jetzt aber schon so, dass die höheren Werte eigentlich immer bei den Stücken auftraten, bei denen ich es auch vermutet habe, daher hoffe ich jetzt einfach, dass das Ergebnis bei ähnlichen (noch nicht von mir "entdeckten") Mineralien dann auch ähnlich gewesen wäre.
Wenn nochmal so ein Kandidat wie der Curit in der Sammlung gewesen wäre, hätte ich das jedenfalls gemerkt... (ich muss aber dazu sagen, dass der Curit auch vorher nie im Haus aufbewahrt wurde, da hat mein Vater schon aufgepasst).

Ich bin jetzt allerdings mit dem Sortieren nach Fundorten (zumindest grob nach Gegenden) eh so ziemlich durch, d.h. ich brauche mich nun auch nicht mehr so lange in den betroffenen Räumen aufhalten.
Titel: Re: Taschendosimeter - taugt der was?
Beitrag von: caliastos am 08 Jun 08, 11:50
nun, warum ich das messen mit dem dosimeter kritisch finde hat folgenden grund:

du erfaßt ja damit die strahlendosis. doch die "noch gesunde" dosis pro jahr richtet sich v.a. nahc der art der strahlung. alpha-strahlung verpaßt dir eine höherer dosis wegen der kerngröße als beta-strahlung. aber ich reichweite ist schlecht. gamma-strahlung hingegen geht durch alles durch. würdest du dich aber nun in einem raum mit strahlenden stufen aufhalten und das mit einem abstand von 1m zu den stufen und einer glastür, so würdest du kaum strahlung von den alpha-strahlern erwischen. die anderen strashler aber würden dir schon strahlung verpassen. würdest du aber in 1cm abstand postion besziehen, so hättest du fiel schneller deine jahresdosis erreicht.

aber solange du keine großstufen hast, daran herumknabberst oder hämmerst, lüftest usw., so sollte das an sich nicht so wild sein. man bedenkte: im bayerischen wald leben die menschen mit einer deutlich höheren untergrundstrahlung. denen geht es auch gut. oder die vielflieger. was dir eine flugstunde an strahlung reinhaut ist mehr als deine stufen so schaffen würden. aber dennoch sollte man halt strahlungsquellen nicht unbedingt in der wohnung haben. finde die uranminerale zwar auch toll, aber zugelegt habe ich mir keine. ich mag eindosen nicht so recht. aber anders hält man einen teil der strahlung nicht so ab. und bei meinem staub hier müßte ich die dauernd sauber machen und würde partikel der stufen aufwirbeln.
Titel: Re: Taschendosimeter - taugt der was?
Beitrag von: Hg am 08 Jun 08, 15:52
@caliastos
das Ganze führt zu weit von der eigentlichen Fragestellung weg. Von mir daher noch ein paar abschließende Worte.

Wenn ich an der Nachweisgrenze von menigen mBq scheitere, würde ich nie auf die Idee kommen das untersuchte Stück als radioaktiv zu bezeichnen. Da liefert die kosmische Strahlung eine deutlich höhere Belastung und Hintergrundstrahlung.

Der Kunststoff liefert definitiv eine Untergrundstrahlung, weil in das Kunstofffläschchen der Szinzillator (Gemisch verschiedener org. Aromaten) und das zu messende Stoff gegeben wird (LSC; liquid szintillation counting). Wären da noch wirklich messbare radioaktive Isotope vohanden (egal ob alpha oder beta würden die auch auffallen). Schließlich ist Erdöl auch aus biogener Masse entstanden, oder?
Bei den beta-Spektren spricht man kontinuierlichen Energieverteilungen, da neben dem beta-Teilchen auch ein anti-Neutrino emittiert wird und sich die Energie statistisch auf die beiden Teilchen verteilt wird (Halbwertsbreiten von mehreren hundert Kanälen; bei richtig guten Peaks in der gamma-Spektrometrie wenige Kanäle).
Bei K-40 wird übrigend nicht das beta-Teilchen gemessen, sondern man kann sehr elegant die Cherenkov-Strahlung in Wasser messen  ;)
Titel: Re: Taschendosimeter - taugt der was?
Beitrag von: Anka am 09 Jun 08, 10:02
@caliastos: Okay, dann gleicht sich das bei mir ja wieder aus mit der Strahlung - ich hab es in 30 Jahren gerade mal auf einen Flug hin und zurück nach London geschafft... ;D

Nee, ich verstehe schon, was Du sagen willst. Alpha ist denke ich nicht sooo das Problem, weil - zumindest bei den radioaktiven Mineralien, die ich bisher gefunden habe - eigentlich nichts absolut offen rumliegt/-gelegen ist. Alles entweder eingedost oder in stabilen (relativ dicht gepressten) Pappschachteln (da sind die offen rumliegenden Mineralien mit irgendwelchen Schwermetallen drinnen sicher schädlicher...).

Mein Gerät misst ja beta und gamma zusammen, ich komme so beim Curit auch auf einen höheren Wert, als er auf dem Etikett notiert war (leider ist das das einzige Stück, auf dem das drauf stand, und es stand nicht dabei, was gemessen wurde, ich tippe aber auf gamma).
Aber der genaue Wert ist mir eigentlich auch egal - alles was deutlich aktiver ist als der Rest, wird halt jetzt ausgelagert. Also jetzt nicht jedes Steinchen, bei dem mein Gerät anstatt 0,15 µSv/h nun 0,5 µSv/h misst, aber wenn es 1µSv/h oder mehr anzeigt, nehm ich das doch lieber raus. Da ist mir einfach wohler dabei...

Gestern bin ich auf diese Weise dann auch wieder fündig geworden - ein französischer Torbernite, ein kleiner Zeunerit, ein in Küchenpapier eingewickeltes Stück aus dem Erzgebirge mit irgendwelchem Uranglimmer (habs nicht ganz ausgewickelt) - wenigestens war das in einer Gefrierdose aufbewahrt worden - und dann noch ein (für meine Verhältnisse ziemlich aktives) Stück "Antraxolit". Google hat mir schon erzählt, dass das eine uranhaltige organische Verbindung sei, aber was ist das genau? Weiß das jemand zufällig? Der Name scheint nur in östlichen Ländern verwendet zu werden, ich finde da sonst absolut nichts dazu... ???
Da war ich jedenfalls wirklich froh, dass ich das messen konnte (wie verfälscht der Wert auch immer sein mag), denn der Name war mir völlig unbekannt... :P
Titel: Re: Taschendosimeter - taugt der was?
Beitrag von: -M- am 09 Jun 08, 12:39
Hallo Anka,
Antraxolit ist soweit mir bekannt, ein natürlicher Asphalt / Bitumen, mitunter auch als Impsonit bezeichnet.

Gruß -M-
Titel: Re: Taschendosimeter - taugt der was?
Beitrag von: Anka am 09 Jun 08, 13:38
Hallo -M-,

vielen Dank, das hat mir weitergeholfen!  Wär ich jetzt nicht drauf gekommen...
Da hab ich jetzt auch Infos dazu gefunden, siehe z.B. hier (http://www.segweb.org/EG/papers/Abs94-7_files/Kribek.pdf).

Viele Grüße, Anne
Titel: Re: Taschendosimeter - taugt der was?
Beitrag von: -M- am 09 Jun 08, 21:55
Hallo Anne,
freut mich, wenn ich helfen konnte.

Gruß -M-