Mineralienatlas - Fossilienatlas

Fossilien / Fossils / Fósiles => Lebewesen / Life forms => Schnecken, Muscheln, Kahn-, Grabfüßer / Bivalvia, Gastropoda, Scaphopoda => Thema gestartet von: Torben am 17 Jun 08, 23:48

Titel: Inoceramus-Familie / Kreide
Beitrag von: Torben am 17 Jun 08, 23:48
Hallo!

Ich habe eine stattliche Anzahl an Inoceramus-Funden aus dem Teutoburger Wald um Bielefeld (bis knapp 15 cm Größe) zusammengetragen und würde gerne die Unterarten bestimmen. Gibt es irgendwo einen hilfreichen Link oder ein taugliches Buch dazu? Das einzige, was ich erkennen kann, ist, daß es mehrere Arten sind. Welche mit eher glattem Panzer, und welche mit relativ stark gewelltem.

Die Stücke stammen meines Wissens nach ausschließlich von der dem Münsterländer Becken abgewandten Seite des Waldes und da zum größten Teil aus der Gegend zwischen Bielefeld und Detmold.

Viele Grüße,

Torben
Titel: Re: Inoceramus-Familie
Beitrag von: smoeller am 18 Jun 08, 09:28
Hallo,

Abbildungen von Stücken gibt es in dem Buch Stühmer: Die Fossilien Helgolands, Band II. Ansonsten bräuchtest du die detaillierte geologische Karte. Da Inoceramen in der Oberkreide wichtige Leitfossilien sind, wurden die SChichten nach den Arten benannt. Die gewellten könnten I. lamarcki sein, eine recht häufige Art, die ich schon des öfteren auf Helgoland gefunden habe. Das andere könnte I. labiatus sein, eines der Leitfossilien. Die Art ist eher langgestreckt (sieht in der Form einer heutigen Miesmuschel nicht unähnlich).


Glück Auf!
Smoeller
Titel: Re: Inoceramus-Familie
Beitrag von: Torben am 18 Jun 08, 10:51
Ja, ich habe im Netz gestern einige Stunden recherchiert. Labiatus und lamarcki wurden u.a. genannt. Nur lassen sich beim besten Willen keine tauglichen Bilder im Netz finden. Welche Schichten hier bei uns anstehen habe ich ganz gut herausfinden können. Der Steinbruch, wo ich die schönsten Stücke (zusammen mit Fasercalciten und Calciten in schönen Skalenoedern bis 7 mm Länge) gefunden habe, existiert im Netz allerdings leider quasi nicht, so daß ich mir die entsprechenden Schichten nun zusammenreimen muß. Für einen anderen Steinbruch in der Nähe gibt es ein ausführliches Schichtenprofil im Netz, aber zwischen denen liegen nun auch wieder einige km Distanz.
Ich kann nachher, sobald ich Zeit finde, einige Bilder hochladen, dann sieht man mehr. Interessant ist, daß ich außer den Inocerami hier noch nie andere Fossilien gefunden habe, obwohl ich die Gegend seit über 20 Jahren immer wieder abgrase.
Titel: Re: Inoceramus-Familie
Beitrag von: smoeller am 18 Jun 08, 11:33
Hallo,

Das da keine anderen Fossis bei sind, ist an sich nicht so selten. In den Inoceramen-Schichten überwiegen diese bei weitem. Aber es auch andere Oberkreide-Schichten (die sog. Plänerkalke), in denen reichlich Ammoniten vorkommen (u.a. als Leitfossilien Acanthoceras rhotomagense und Schloenbachia varians). Konnte während der Kartierung im Leinebergland (bei Hildesheim) einige Schloenbachien finden.

Glück Auf!
Smoeller
Titel: Re: Inoceramus-Familie
Beitrag von: Torben am 18 Jun 08, 13:41
Soo, hier sind nun eine Reihe von Bildern. Optimal wäre, wenn ich die Unterarten unterscheiden und damit dann die geologische Schicht des Fundes aufklären kann. Das dokumentiert sich so fein in der Sammlung.  ;D
Wenn diese Inoceramen in dem von dir genannten Buch vorkommen, wäre es durchaus eine Anschaffung wert, weil ich dieses Jahr evtl. noch 1,2 mal sammeln gehen möchte.
Titel: Re: Inoceramus-Familie
Beitrag von: Torben am 18 Jun 08, 13:43
eine andere Art?
Titel: Re: Inoceramus-Familie
Beitrag von: Torben am 18 Jun 08, 13:44
was kleineres:
Titel: Re: Inoceramus-Familie
Beitrag von: Torben am 18 Jun 08, 13:44
und:
Titel: Re: Inoceramus-Familie
Beitrag von: Torben am 18 Jun 08, 13:46
hier eine ganze Schublade. Oben sieht man ein paar der Fasercalcite. Die gibts dort wirklich zu hunderten überall. Blockige Calcite kommen gelegentlich auch vor. Unten eine kleine Pyritkonkretion. Wie so oft kräftig ankorrodiert.
Titel: Re: Inoceramus-Familie
Beitrag von: Torben am 18 Jun 08, 13:47
Noch einen gitterförmigen Fasercalcit
Titel: Re: Inoceramus-Familie
Beitrag von: smoeller am 18 Jun 08, 13:48
Hallo,

Die ersten 3 Bilder sehen sehr nach lamarki, die nächsten 2  nach labiatus aus. Bin mir aber nicht 100 % sicher. Die Arten sind in dem genannten Buch drin.

Glück Auf!
Smoeller
Titel: Re: Inoceramus-Familie
Beitrag von: Torben am 18 Jun 08, 13:55
Und zum Schluß noch eine Stufe mit den Calcit Skalenoeder. Leider ist da ein Fahrzeug drübergefahren. Alle Stücke hier stammen aus derselben Schicht oder direkt angrenzenden.
Titel: Re: Inoceramus-Familie
Beitrag von: Torben am 18 Jun 08, 13:58
Ja prima! :)
Vielen Dank wiedereinmal! Dann werde ich mir das Buch mal zulegen und hoffentlich dann Klarheit bekommen.
Titel: Re: Inoceramus-Familie
Beitrag von: der Sauerländer am 19 Jun 08, 14:32
Hi torben,

warste mal in Anröchte? Da gibt es Inoceramus bis richtig groß :o

Gruß
Titel: Re: Inoceramus-Familie
Beitrag von: Blackminer am 19 Jun 08, 16:38
Hi Torben!
Kannst ja mal versuchen, dich mit Prof. Karl- Armin Tröger von der  TU Bergakademie Freiberg in Verbindung zu setzen. Der gilt als Experte bei Inoceramen . Per email geht das aber nicht. Der gute Mann ist so um die 80, aber er forscht immer noch!
Ich kann leider keinen Kontakt herstellen. Hab schlechte Erfahrungen mit ihm gemacht (Prüfungen)!
Versuch es doch mal mit nem Brief an die TU Bergakademie. Die Adresse hast du sicher oder findest sie.
Klingt ein bissel blöd, doch der Mann kann deine Probleme innerhalb 15 min klären. Allerdings bekommst du noch ne Privatvorlesung gratis.
Glück auf!
Raik
Titel: Re: Inoceramus-Familie
Beitrag von: Torben am 19 Jun 08, 19:23
In Anröchte war ich noch nicht. Wenn dem so ist, wäre das mal einen Abstecher wert.  :D Sind ja von Bielefeld aus allerdings auch schon ein paar km Gurkerei bis da. Aber mal schauen. Klingt in jedem Fall gut!

Ich habe heute einen sehr hilfreichen Kontakt hergestellt und warte nun gerade auf mehrere Literturstellen zu der ganzen Thematik. Nur bis Antiquariate, Buchhändler und die Uni-Fernleihe soweit sind, muß ich mich wohl noch ein wenig gedulden müssen. Bislang schaut es ganz so aus, als stammen diese Inoceramen aus dem Mittel- und Oberturon und sind überwiegend I. lamarcki.
Hab mal vor einiger Zeit gehört, daß man mancherorts Inoceramen bis Halbmeter-Format finden kann.
Titel: Re: Inoceramus-Familie
Beitrag von: smoeller am 19 Jun 08, 20:21
Hallo,

Meine größte von Helgoland maß ca. 30 cm und war auch nicht vollständig. War eine lamarcki.

Leider habe ich das Stück schon vor Jahren verkauft, so dass ich kein Foto machen kann.

Glück Auf!
Smoeller
Titel: Re: Inoceramus-Familie
Beitrag von: Torben am 20 Jun 08, 13:55
Hui, schick!

Kann man denn in Helgoland überhaupt noch sammeln? Ich denke, das ist dort Naturschutzgebiet. Das einzige, was ich von Helgoland habe, ist ein kleiner Buntsandstein als Lesestein.
Titel: Re: Inoceramus-Familie
Beitrag von: smoeller am 20 Jun 08, 14:17
Hallo,

Soweit ich weiss ist alles unterhalb der NN-Linie (Normal Null) NSG, aber ich hatte bislang keine Probleme bei Strandfunden (die Inoceramen kommen dort in Strandgeröllen vor). Man sollte halt nur keine Flintsteine aufschlagen, das ist recht heikel dort, da sich Badegäste und Robben verletzen könnten. Es gibt auf Helgoland auch ein Inselmuseum, unter anderem auch mit Fossil-Funden und Rohkupferscheiben aus der Sammlung des Herrn Stühmer (der auch das Buch geschrieben hat). Sehenswert!!

Glück Auf!
Smoeller
Titel: Re: Inoceramus-Familie
Beitrag von: Torben am 21 Jun 08, 16:59
Hm, ich wollte ohnehin immermal nach Helgoland. Habs bislang nur noch nicht geschafft. Also wenn sich mal die Gelegenheit ergibt, werde ich mir den Strand genauer anschauen und das Museum nicht auslassen!
Ich habe vor Jahren einmal eine Dokumentation gesehen, die sich mit möglichen Goldfunden auf Helgoland befasste. Buntsandstein ist ja durchaus dafür geeignet. Und dort findet sich auch angeblich von Zeit zu Zeit ein wenig davon. Nur mußte man das damals zumindest bei der Überfahrt zum Festland verzollen und die Sache mit dem Naturschutz machte das ganze obendrein heikel.

Feuersteine aufschlagen brauche ich nicht mehr unbedingt. Seeigel hab ich über die Jahre mehr als genug im Feuerstein gefunden. Ich fand die verkieselten Kleintiere / Pflanzenteile in den vorwiegend mittelbraunen Feuersteinen letztendlich viel interessanter. Und die Fundmöglichkeiten sind dann auf Møn noch zusätzlich viel faszinierender. Da hat man auch die Chance, zumindest kleine Knochen und sowas zu finden.

In der Zwischenzeit habe ich eine geologische Wanderkarte von der angrenzenden Region direkt südöstlich meiner Fundorte gefunden. Wenn ich die Gesteinsschichten extrapoliere, können es eigentlich nur Funde aus den mittelturonischen I.lamarcki-Schichten und direkt angrenzender sein. Weitere Literatur ist bereits im Anflug. :P
Titel: Re: Inoceramus-Familie
Beitrag von: Blackminer am 23 Jun 08, 01:13
Hi Torben!
Sei mit den Goldvorkommen auf Helgoland mal "gaaanz" vorsichtig! Der BuSa gibt höchstens Seifen her. Gold kannst du an der ganzen Nordseeküste finden, nur wie viele Tonnen Sand man für 1Gramm durchwaschen muss, ist mir entfallen. Habs mal auf irgendner Goldsucherseite gelesen.
Die Kupfermineralisation ist auch nicht so groß, daß sie verhüttbar wäre.

1995 hat die Berkakademie Freiberg dorthin ne Exkursion gemacht.
Ins Vogelschutzgebiet kommt eigentlich kein normal "Sterblicher", ist im Hochsommer auch kein Vergnügen.
Die Cu- Mineralisation besteht aus Auricalzit und ein paar anderen. Mit dem bissel Kupfer, was darin ist, hätten die Alten schon die ganze Insel einschmelzen müssen um die gefundenen Kupferscheiben zu gewinnen.
Hab meine ganzen Proben leider weggeschmissen, da ich nur Erzgebirge sammle. Sonst hättest du sie kriegen können.

Lokale Erzlagen im BuSa sind nix besonderes. Sehr oft sind sie aber nicht bauwürdig.
Liegt die Lagerstätte Mechernich nicht auch im BuSa? Da waren die Erze  aber bauwürdig und das über lange Zeit!!

Glück auf!