Mineralienatlas - Fossilienatlas

Gesteine / Rocks / Rocas => Gesteine / Rocks / Rocas => Thema gestartet von: Erik am 27 Oct 08, 19:34

Titel: flute cast - oder was?
Beitrag von: Erik am 27 Oct 08, 19:34
Hi,

ich rätsel schon etwas länger an diesem Ding herum. Auf den ersten Blick sieht es aus wie eine herausgewitterte Ausfüllung eines flute cast. Eigentlich müsste die Hangendseite dann aber doch flach sein - tut sie aber nicht, auch auf der anderen Seite sind diese rundlichen "Zapfen". Material ist ein leicht karbonatischer Sandstein (Tertiär?) aus der Toscana.

Irgendeine (einleuchtende) Idee?

Gruß, Erik
Titel: Re: flute cast - oder was?
Beitrag von: Tapir am 27 Oct 08, 19:38
Wie wäre es mit einem Beachrock?
Titel: Re: flute cast - oder was?
Beitrag von: triassammler am 27 Oct 08, 20:34
Hallo!

@Tapir:
Zitat
Wie wäre es mit einem Beachrock?
Ja, so ähnlich. Ich kenne die Teile unter der Bezeichnung "Sandzapfen" - typischerweise gebildet in kalkigen Sanden bzw. Sandsteinen mit Karbonatzement. Es gibt mehrere Prozesse, die zu diesen Bildungen führen: Konkretionär - einzelne Partien des Sediments werden selektiv (entlang von rezenten Wurzeln, Grabgängen uvm.) mit Karbonat imprägniert. In Fließgewässern können Sandzapfen aber auch direkt an der Sedimentoberfläche entstehen, sie wachsen dann in Strömungsrichtung. Anlagerung und Zementation bei geringer oder stagnierender Wasserführung wechselt sich mit Erosion = Formung zu Zeiten erhöhter Wasserführung ab. Auch entlang von Stauwasser- oder Vernässungshorizonten in Sandlagerstätten entsteht so etwas.

Gruß,
Triassammler
Titel: Re: flute cast - oder was?
Beitrag von: Erik am 27 Oct 08, 22:26
Okay, das klingt einleuchtend, jetzt kann ich dem Teil endlich einen Namen geben.

Danke & Gruß, Erik
Titel: Re: flute cast - oder was?
Beitrag von: caliastos am 27 Oct 08, 22:57
zapfensande klingt schon sehr plausibel. können erstaunlich groß werden.

also beispiel noch mal ein bild eine besser ausgebildeten stückes. allerdings nicht sehr scharf, da das bild schon wieder paar jahre alt ist und damals speicherplatz und digicam-qualität noch nicht ganz so toll waren.
Titel: Re: flute cast - oder was?
Beitrag von: Erik am 27 Oct 08, 23:20
@caliastos: das sieht echt genial aus! Woher kommt das Stück?

Gibt es dafür auch 'ne offiziellere Bezeichnung als Zapfensand bzw. Sandzapfen? Ich finde so gut wie nichts darüber - und das was ich finde ist...naja...wenig hilfreich (oh mann)  ::)
http://www.architektur-con-terra.de/derbogen/Artikel%20als%20pdf/Steine%20und%20ihre%20Engel.pdf

Gruß, Erik
Titel: Re: flute cast - oder was?
Beitrag von: caliastos am 28 Oct 08, 19:28
aus ochsenhausen. einer der zapfensand aus der süßwassermolasse. kenn nur die bezeichnung. an sich kann man auch sandkongretion dazu sagen oder lose verfestigter sand. stell dir lösungshaltige wässer vor, die in flißerichtung die zapfen in die länge ziehen, indem die körner zementiert werden. irgendwann wird ein sandstein aus dem sand.


hier nochmal eine bessere aufnahme.
Titel: Re: flute cast - oder was?
Beitrag von: felsenmammut am 28 Oct 08, 22:46
Glück Auf!

Ich könnte zu der Problematik noch den Begriff "Lößkindel" beisteuern, aber keine weiteren Fakten dazu geben. Es ist nicht mein Sammelgebiet und ich hatte mich bisher nicht weiter mit diesen Konkretionen beschäftigt.

Mit freundlichen Grüßen

Das Felsenmammut
Titel: Re: flute cast - oder was?
Beitrag von: caliastos am 28 Oct 08, 23:02
na lösskindl sind ein klein wenig was anderes.
Titel: Re: flute cast - oder was?
Beitrag von: triassammler am 29 Oct 08, 00:28
Hallo!

@caliastos: Wow, das sind ja schöne Stücke!  :D

@felsenmammut: Lößkindl sind wirklich was anderes. Das ist reiner Kalk, konkretionär gebildet. Entsteht in Lößböden bei der Verlehmung, d. h. durch Auswaschung des Kalks im Oberboden und Anreicherung im Unterboden.

@Erik: Einen anderen Namen kenne ich dafür nicht; das ganze wird in Fachkreisen auch eher als Kuriosum als als ernsthaftes Untersuchungsthema betrachtet.
Der von Dir verlinkte Artikel ist ja.... *muhahahahaaaaa* Vielen Dank, nach einem extrem ärgerlichen Arbeitstag war das die geballte Ladung Humor, die ich gebraucht habe  ;D Die Zapfensande der Reiki-Dame haben also (Energie-)abführende und reinigende Wirkung? Na. ich esse für sowas Sauerkraut *rotfl* Oh Mann, das sind so die Sachen, die sich keinesfalls parodieren lassen, weil es an sich schon der Gipfel der Lächerlichkeit ist  ;D

Gruß,
Triassammler
Titel: Re: flute cast - oder was?
Beitrag von: Jürgen am 15 Feb 09, 21:13
Hallo zusammen,


bin zwar etwas spät dran!


Mineral – Gestein: Sandzapfen - Zapfensande

Fundort : Ochsenhausen ( Südwürttemberg )

Beschreibung :Diese Sandgebilde, gibt es in zapfen, kugel – oder stalaktitenförmiger Konkretionen. In diesen ist der Quarzsand durch Calcit als Zement verfestigt worden. Die Sandgebilde liegen parallel zu den Tonmergel – und Sandsteinschichten in mehreren Lagen übereinander. Die verschiedenen Größen reichen von 1 cm bis 70 cm Länge.

Zusammensetzung : Hauptanteil Quarz, dann folgt Feldspat, Glimmer ( Muskovit u. Biotit ), Granat ( Almandin ), Epidot, Apatit und Titanit.

Entstehung : Der Aufschluss befindet sich in der Oberen Süßwassermolasse. Die Sande, aus denen die Quarzgebilde entstanden sind, stammen aus zwei Schüttungen bei der Heraushebung der Ostalpen und sind wahrscheinlich durch ein verzweigtes Flußsystem in den Oberschwäbischen Raum gelangt. Durch aggressives kohlendioxid – haltiges Wasser aus der Atmosphäre wurde aus den an der Oberfläche liegenden Älteren Deckenschottern ( Pleistozän ) Kalk gelöst. Diese Wasser gelangen bis in die grundwasserführenden Sandschichten. Mögliche Kristallkeime für die Bildung der Quarzgebilde waren sehr wahrscheinlich unter Luftabschluß vermodernde organische Bestandteile. Die Calcitmatric musste anfangs kugelig und dann in Abhängigkeit von der Grundwasserströmungsrichtung die stromlinienförmigen Quarzgebilde gebildet haben.   


Übrigens gibt es auch weitere Fundstellen in Oberschwaben / Süddeutschland nicht nur die in Ochsenhausen.

Gruß
Jürgen