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Mineralien / Minerals / Minerales => Mineralien (Fundort) bestimmen / determine minerals => Thema gestartet von: thdun5 am 19 Nov 08, 14:53

Titel: Bestimmung von Grube Samson / St. Andreasberg
Beitrag von: thdun5 am 19 Nov 08, 14:53
Hallo,
Ich benötige Eure Hilfe.

Ich habe ein Stück in meiner Sammlung, welches ich einmal unter dem Mikroskop betrachtet habe. Dabei ist mir ein hochglänzender gefurchter schwarzer Kristall mit 0,7mm Länge in einer Art Kluft aufgefallen.
Es handelt sich um ein Stück, dass vor 1973 in der "Grube Samson" im "Bergmannstroster Gang" gefunden wurde. Auf dem Stück befindet sich noch gediegen Arsen, Calcit, Safflorit, Dyskrasit und Pyrargyrit.
Meiner Meinung nach könnte es durchaus Samsonit oder ein Spießglanz sein.

Es wäre sehr schön, wenn Ihr mir weiterhelfen könntet !

(http://C:\Daten\muttl\Samson1.jpg)
Titel: Re: Bestimmung von Grube Samson / St. Andreasberg
Beitrag von: thdun5 am 19 Nov 08, 14:54
hier noch das Bild:
Titel: Re: Bestimmung von Grube Samson / St. Andreasberg
Beitrag von: -M- am 19 Nov 08, 15:17
Hallo,
deiner Beschreibung nach, scheint mir Samsonit ganz gut zu passen.
Das Bild  offenbart darüber hinaus leider kaum Anhaltspunkte.
Welches "Spießglanz-artige" Min. hast du denn da im Sinn ?
( auf der Min.-liste zum FO hab ich eigentlich nichts passendes in der Richtung gefunden )

Gruß -M-

edit:  ist das der einzige x der Art an dem Stück, oder gibt es da evtl. noch ein paar "Opfer-krümel"
um evtl. weitere Parameter zu testen ? (Strich, Härte, Transparenz, etc. )
Titel: Re: Bestimmung von Grube Samson / St. Andreasberg
Beitrag von: Tobi am 19 Nov 08, 15:24
Da scheint er Recht zu haben: Sehr kleiner, länglicher Kristall, längs gestreift, metallisch glänzend, Herkunft Grube Samson ( ;)) das könnte in der Tat Samsonit sein.
Titel: Re: Bestimmung von Grube Samson / St. Andreasberg
Beitrag von: thdun5 am 19 Nov 08, 15:27
In dem Buch "Mineralienfundstellen im Harz" ist allgemein zu St. Andreasberg noch Antimonit aufgeführt, der aber hier im Lexikon nicht mit aufgefürt ist. Von Baia Sprie sieht der Antimonit  genauso aus.

Samsonit wäre für mich schon das Beste  ;D
Titel: Re: Bestimmung von Grube Samson / St. Andreasberg
Beitrag von: -M- am 19 Nov 08, 15:37
Antimonit wäre - im Gegensatz zu Samsonit - milde / biegsam. (ließe sich rel. einfach mit ner Nadel unter´m Bino testen )
Ansonsten vlt. noch Miargyrit - der kann äußerlich sehr ähnlich aussehen. Würde aber eigentlich auch am ehesten von
Samsonit ausgehen. (solange nicht analaysiert nat. trotzdem mit -?- )

Gruß -M-
Titel: Re: Bestimmung von Grube Samson / St. Andreasberg
Beitrag von: anatasi am 19 Nov 08, 16:02
Hi Leute, wie war denn das mit dem Samsonit? Gab es da nach dem Originalfund überhaupt je noch einmal ein Krümelchen zu finden??
Glück Auf
anatasi
Titel: Re: Bestimmung von Grube Samson / St. Andreasberg
Beitrag von: -M- am 19 Nov 08, 16:57
Das kann schon sein, daß danach keiner mehr gefunden wurde - wenn ich mich nicht irre, war die Grube, nach dem Fund
aber auch nicht mehr lange in Betrieb. Im Übrigen geht man wohl auch davon aus, daß Samsonit vor seiner Entdeckung
als eigenständiges Min., sehr wahrscheinlich oft für Miargyrit gehalten wurde...

Gruß -M-
Titel: Re: Bestimmung von Grube Samson / St. Andreasberg
Beitrag von: thdun5 am 19 Nov 08, 17:08
Hier noch zwei andere Bilder von diesem Stück:

Auf dem ersten Bild (ca. 8mm) befindet sich meiner Meinung nach in der Bildmitte im rechten Teil ein strahliger Spießglanz (vermutlich Antimonit, der sich etwas leicht biegen lässt).
Das zweite Bild (ca. 4mm) zeigt den Bereich, in dem sich der fragliche Kristall befindet.
Durch das Bino ist es nicht besonders leicht, die ausreichende Tiefenschärfe hinzubekommen, daher bitte ich um Entschuldigung.

Und noch eine andere Frage:
Aus welchem Gang stammt der Samsonit-Originalfund?
Titel: Re: Bestimmung von Grube Samson / St. Andreasberg
Beitrag von: -M- am 19 Nov 08, 17:17
Wer suchet, der findet - z.B. hier:

http://geomuseum.tu-clausthal.de/minerale.php?section=21200&level=10&name=Samsonit&details=on

Gruß -M-
Titel: Re: Bestimmung von Grube Samson / St. Andreasberg
Beitrag von: thdun5 am 19 Nov 08, 17:18
aus "Mineralienfundstellen im Harz":

" 1908, zwei Jahre vor Schließung der Grube Samson, entdeckte der Berginspektor WERNER ein unbekanntes, stahlschwarzes Mineral, das den Namen Samsonit (WERNER & FRANZ 1910) erhielt und als große Rarität gilt, da es nirgends auf der Erde wieder aufgefunden wurde. Für dieses Mineral wie auch für den Breithauptit (FRÖBEL 1840) ist St. Andreasberg die Typlokalität "
Titel: Re: Bestimmung von Grube Samson / St. Andreasberg
Beitrag von: cmd.powell am 20 Nov 08, 02:38
Wurde Samsonit nicht auch irgendwo in den Anden gefunden, Bolivien oder Peru ? Das man den auch in Cobalt gefunden hat, ist mir neu - hey, da fällt mir ein, das ich auf einer Stufe aus Cobalt auch noch nicht näher bestimmte dunkelgraue, spießige Kriställchen habe. Naja, aber an Samsonit will ich da noch nicht glauben.
Angeblich soll Samsonit auch nach der Stillegung der Grube Samson auch noch auf den Halden gefunden worden sein. Wenn Du da tatsächlich einen haben solltest, Glückwunsch, wäre dann auch ein recht hübsches Kriställchen und nicht irgendein Bruch auf einer Nadel - der Systematik halber. Aber daran würde ich erst nach einer Analyse glauben wollen.
Titel: Re: Bestimmung von Grube Samson / St. Andreasberg
Beitrag von: thdun5 am 20 Nov 08, 15:59
Wieviel kosten denn solche Analysen? Und wo muss man sich da hinwenden (Institute, Materialforschung...)?
Titel: Re: Bestimmung von Grube Samson / St. Andreasberg
Beitrag von: stollentroll am 20 Nov 08, 16:04
Bei dem Material würde ich eine EDX-Analyse empfehlen, da bekommst du halbquantitativ die chemische Zusammensetzung, und die ist ja sehr charakteristisch bei Samsonit. Die kann man schon für 15 - 20 Euro machen lassen.

Glück Auf
Titel: Re: Bestimmung von Grube Samson / St. Andreasberg
Beitrag von: raritätenjäger am 21 Nov 08, 12:33
Hallo,

Dem ist zuzustimmen! Sieht auf jeden Fall aber interessant aus. Samsonit kam glaube ich aus Peru noch welcher, auf jeden Fall aber aus Schweden und von Pribram/Böhmen.

Gruß
Andreas
Titel: Re: Bestimmung von Grube Samson / St. Andreasberg
Beitrag von: cmd.powell am 21 Nov 08, 19:35
Das Problem bei einer "normalen" EDX-Analyse ist, das Du Dich von einem Kriställchen trennen müsstest. Auf dem Foto sehe ich grade mal zwei Kristalle, das wäre ja schon ein herber Verlust, wenn es tatsächlich Samsonit ist. Man kann sicherlich auch die ganze Stufe unter das REM bringen, ist aber je nach Stufengröße auch nicht ganz trivial. Hinzu kommt, das man die Stufe elektrisch leitend machen sollte, was ich bisher immer mit Gold gemacht habe. Danach ist die Stufe dann golden. Kohlenstoff geht auch und soll unsichtbar sein, dazu kann ich aber nichts mehr sagen. Gut, man kann sie auch nicht sputtern, vielleicht findet man dann aber die Probestelle nicht, weil man nicht mehr viel sieht. Wo ich auch noch ein Problem sehe ist, das die Kristalle in einem Hohlraum stecken. Hier kann es sein, das die für die Analyse nötige Röntgenstrahlung in der Matrix hängenbleibt, das bekommt man aber vielleicht durch geschicktes Drehen und Neigen in Griff. Machen sollte das jedes ausgerüstete geowissenschaftliche Institut einer Uni oder vielleicht auch Materialkundler, Bodenforscher etc., eigentlich jeder, der ein REM mit EDX betreibt. Universitäten sind da sicherlich die besten Ansprechpartner.
Titel: Re: Bestimmung von Grube Samson / St. Andreasberg
Beitrag von: Krizu am 21 Nov 08, 20:06
Das Problem bei einer "normalen" EDX-Analyse ist, das Du Dich von einem Kriställchen trennen müsstest. Auf dem Foto sehe ich grade mal zwei Kristalle, das wäre ja schon ein herber Verlust, wenn es tatsächlich Samsonit ist. Man kann sicherlich auch die ganze Stufe unter das REM bringen, ist aber je nach Stufengröße auch nicht ganz trivial.

Hallo,

normale Probengröße ist 20cmx20cm mit ca 5cm Höhe, das Gewicht ist da eher hinderlich ;-)

Zitat
Hinzu kommt, das man die Stufe elektrisch leitend machen sollte, was ich bisher immer mit Gold gemacht habe. Danach ist die Stufe dann golden. Kohlenstoff geht auch und soll unsichtbar sein, dazu kann ich aber nichts mehr sagen. Gut, man kann sie auch nicht sputtern, vielleicht findet man dann aber die Probestelle nicht, weil man nicht mehr viel sieht.

Dafür gibt es heute den Niederdruckmodus  8) Und C sieht man auch  :'( zumindest bei mir früher.

Zitat
Wo ich auch noch ein Problem sehe ist, das die Kristalle in einem Hohlraum stecken. Hier kann es sein, das die für die Analyse nötige Röntgenstrahlung in der Matrix hängenbleibt, das bekommt man aber vielleicht durch geschicktes Drehen und Neigen in Griff.

Nein, meistens nicht. Das Problem ist, dass der e-Strahl senkrecht von oben kommt und die Röntgenstrahlung under einem Winkel um geschätzte  60° abgenommen wird.
Zur Wiederfindung:  Man schneidet sich aus den Klebepads vom REM einen kleinen Keil, der als Pfeil auf die Stelle zeigt :-) Suchen mit dem Materialkontrast (besser im Niderdruckbereich) und schon ist man fertig  :-X

Im Ernst, dadurch, dass der Kristall so im Loch sitzt ist die Sache schwer.

MfG

Frank
Titel: Re: Bestimmung von Grube Samson / St. Andreasberg
Beitrag von: thdun5 am 21 Nov 08, 20:37
Das Stück ist 4,5 x 3,5 x 2 cm groß; damit wäre durchaus eine EDX-Analyse möglich. Das Kriställchen möchte ich schon gerne an der Stufe belassen.

Zitat
Das Problem ist, dass der e-Strahl senkrecht von oben kommt und die Röntgenstrahlung under einem Winkel um geschätzte  60° abgenommen wird.
Zur Wiederfindung:  Man schneidet sich aus den Klebepads vom REM einen kleinen Keil, der als Pfeil auf die Stelle zeigt :-) Suchen mit dem Materialkontrast (besser im Niderdruckbereich) und schon ist man fertig 

Im Ernst, dadurch, dass der Kristall so im Loch sitzt ist die Sache schwer.

In dem "Loch" ist rechts neben dem Kristall noch etwas Platz, sodass man da dieses Klebepad anbringen könnte.

Wie sieht es denn mit einer Elektronenstrahlmikroanalyse (ESMA) aus?
Titel: Re: Bestimmung von Grube Samson / St. Andreasberg
Beitrag von: Krizu am 21 Nov 08, 21:28
Hallo,

nicht das Klebepad ist das Problem, sondern das Loch.

Der Strahl kommt von oben, trifft den Kristall, die Kugel im Loch und die Röntgenstrahlung gestrichelter Pfeil kommt nicht raus.

ESMA und REM-EDX, REM-WDX, Mikrosonde usw usw sind eigentlich nahezu das gleiche...

Frank
Titel: Re: Bestimmung von Grube Samson / St. Andreasberg
Beitrag von: raritätenjäger am 24 Nov 08, 10:43
Hallo,

Der genaue Fundort des Original-Samsonits war übrigens die Stollnfirste auf der 29. Strecke, Samsoner Gang.

Gruß
Andreas
Titel: Re: Bestimmung von Grube Samson / St. Andreasberg
Beitrag von: cmd.powell am 25 Nov 08, 02:40
Öhm, mal eine Frage zu den Samsoniten ? Gibt es die auch in Calcit eingewachsen oder sind die immer nur freistehend in Drusen ? Ich hab da jetzt durch Zufall einen Kristall auf einer Stufe gefunden, die über einige "Umwege" in meine Sammlung geraten ist, bei dem könnte es sich vielleicht, ggf. mit etwas mehr Glück (man beachte die Vorsicht in meiner Ausdrucksweise  8) ) ebenfalls ein Samsonit sein könnte. Die Stufe stammt aus der Sammlung der TU Braunschweig und wurde von einem Bekannten dort aus einem Bauschuttkontainer gefischt (die TU hat sich da wohl von Teilen ihrer Sammlung getrennt). Fundort von dieser und einer Hand voll weiterer Stücke ist - nach einem alten Zettel - St. Andreasberg, mehr weiß ich leider auch nicht. Der Kristall hat schon gewisse Ähnlichkeiten mit den mir bekannten Samsonitabbildungen (allerdings nicht allen), scheint monoklin zu sein und ist nicht transparent oder durchscheinend. Was ich allerdings nicht weiß ist, ob es das Mineral auch in Calcit gibt, da der Kristall definitiv im Calcit saß.
Titel: Re: Bestimmung von Grube Samson / St. Andreasberg
Beitrag von: -M- am 26 Nov 08, 13:59
Hallo,
also davon, daß der Samsonit aus Andreasberg auch in Calzit eingewachsen vorgekommen wäre, habe ich
bisher noch nichts "gehört". Allerdings war Calzit als Gang-bildendes Min. in unmittelbarer Nähe des original-
Fundpunktes bekanntermaßen anwesend - von daher kann man es vermtl. nicht ausschließen.
Was ist denn sonst an der Stufe noch dran ? (Mn-oxide, ... ? )
Ist der fragliche x (längs-) gestreift ? Hat der echte Kopflächen ?
Was die Transparenz angeht :  kannst du vlt. nur deshalb nicht feststellen, weil er angelaufen ist (bin mir da zwar nicht 100%
sicher, aber ich würde mal ganz stark annehmen, daß die bei S. schon vorhanden sein sollte - nur, ob man die auch erkennt
hängt nat. u.a. von der Stärke des Materials ab ... ich würde sowieso eher von internen Reflexen (wie bei Hübnerit), als von
einer durchscheinenden Transparenz ausgehen, aber die sollten dann m.M.n. - wie schon gesagt- auch vorhanden sein )
Naja, nehme mal  an, du wirst ihn früher oder später sicherlich mal analysieren (lassen) -  hoffe, du gibst dann das Ergebnis
hier bekannt - vor allem, wenn es wirklich S. sein sollte.

Gruß -M-

edit: zitat: "...(allerdings nicht allen)..." - ähm, was entspricht denn nicht den dir bekannten Abbildungen ?
         Falls mgl., würde mich mal ein Bild davon interessieren.
Titel: Re: Bestimmung von Grube Samson / St. Andreasberg
Beitrag von: thdun5 am 26 Nov 08, 18:18
Ich meine schon einmal Samsonit in Museen gesehen zu haben. Dies waren Stücke von dem original Samsonit-Fund. Die Kristalle waren da z.T. freistehend und auch in einer weißen Grundmatrix eingelagert. Ob es sich bei dieser Grundmatrix um Calcit gehandelt hat, weiß ich nicht; wäre aber durchaus möglich.

Zu meinem Stück:
Wenn ich jemanden gefunden habe, der des Kristall analysieren kann, werde ich das auf jeden Fall machen und das Ergebnis auch hier mitteilen.