Mineralienatlas - Fossilienatlas

Vermischtes / Miscellaneous / Varios => Dies und Das / this and that => Thema gestartet von: Schneebrot am 05 Jan 09, 18:29

Titel: Kann ich Geologie studieren?
Beitrag von: Schneebrot am 05 Jan 09, 18:29
Hi!

Ich interessiere mich für Geologie und habe vor es dieses Jahr zu studieren, aber leider weiß ich noch nicht so richtig, ob es wirklich etwas für mich ist. Bin in letzter Zeit dabei alles zu hinterfragen. Eigenschaften die ich für Geologie habe / nicht habe:

Spricht dafür:
+ Erdkunde Leistungskurs (Note: 2)
+ gut in Mathematik (Note: 2)
+ gute Fremdsprachenkenntnisse: Deutsch, Tschechisch --> fließend
Französisch, Englisch --> fast fließend (hab sogar ein halbes Jahr im Ausland verbracht)
+ sehr gute geographische Kenntnisse (kenn jedes Land, jede Haupstadt, die wichtigsten Flüße, Gebirge, Städte etc.)
+ geologisches Interesse ist da (Wie entsteht ein Gebirge? Wie wirken sich Winde auf die Landwirtschaft aus? Wo ist Erdöl zu finden? Wie verändert sich die Erde in 100 Jahren? Was befindet sich unter unseren Füßen? Ozeane :).)
+ bin ein guter Taucher (weiß jetzt nicht ob das soooo relevant)^^
+ ich will keinen Sesselfurzer-Job

Spricht dagegen:
- fast überhaupt keine Chemie- und Physikkenntnisse. Mit Physik komm ich noch einigermaßen gut klar, aber Chemie ist die Hölle auf Erden.
weint
- Biologie nur als GK (Note: 3 oder 3-)
- sehr beschränktes Wissen über Steine


Meine Fragen:
1.) Kann ich mit diesen Eigenschaften Geologe werden?
2.) Wie viel Physik und Chemie ist im Studium vorhanden?
3.) Ist das Studium schwer? Schwerer als beispielsweise Jura, BWL, Theologie, Biologie, Medizin und was es sonst noch so alles gibt^^? Oder fandet ihr es eher einfach?

Ciao und danke für eure Antworten!
Titel: Re: Kann ich Geologie studieren?
Beitrag von: trommeln am 05 Jan 09, 18:45
Bist du gut im Auswendiglernen?
Hast du ein Auge für Details?
Hast du auch ein Sinn für Ueberbegriffe (wie sagt man dem.. also siehst du die grossen Zusammenhänge?)
Bist du gut in Puzzles?
Titel: Re: Kann ich Geologie studieren?
Beitrag von: giantcrystal am 05 Jan 09, 18:57
Einfach mal ausprobieren...ein halbes Jahr oder so...wechseln kann man später immer noch. Ist auf jedenfall besser als lange auf etwas herumzustudieren, bei dem man erst viel später merkt, das man es nicht mag

Meine eigene Erfahrung ist die, das ich erstaunlich viele Leute getroffen haben, die mir irgendwann anvertrauten, das sie - wenn sie es denn gewußt hätten - sehr gerne Geologie studiert hätten...

Und übrigens : viel auswendig lernen brauchte ich während meines Geologie - Studiums nie !

Glück Auf

Thomas, seit 20 Jahren recht zufriedener Geologe, seit 15 Jahren selbstständig beratend tätig (geht denn das ...? Ja, das geht !)


P.S. fällt mir noch ein : Im Laufe der Jahre kamen dreimal junge Menschen zu mir mit der selben Frage und ich habe jeweils dazu geraten, nicht ohne auf gewisse Eigenheiten des Berufes hinzuweisen (viel draussen mit allen Vor- und Nachteilen, nicht unbedingt immer sehr familiemfreundlich etc.) ...alle drei sind überzeugte Geologen geworden
Titel: Re: Kann ich Geologie studieren?
Beitrag von: guefz am 05 Jan 09, 19:02
Hallo,

das mit dem Auswendig lernen ist wohl eher das Medizin-Studium und zum Teil wohl auch Jura...

Günter
Titel: Re: Kann ich Geologie studieren?
Beitrag von: triassammler am 05 Jan 09, 19:17
Hallo Schneebrot! ( ;D)

Hier mal die Meinung eines fertig gebackenen Geologen. Muss dazu sagen, dass ich noch ganz klassisch an einem sehr kleinen Institut auf Diplom studiert habe. Was die neuen Bachelor- und Masterstudiengänge angeht, können vielleicht andere noch was dazu sagen.

Studieren solltest Du Deiner Neigung und Deinem Interesse entsprechend, weniger unter dem Aspekt der Vorkenntnisse. Die bekommst Du im Grundstudium ohnehin zur Genüge, es gibt zahlreiche Nebenfächer wie (Geo-)Physik, Chemie, Zoologie, Botanik, Bodenkunde, Geographie, Gesteinskunde, (Geo)Informatik, uvm., von denen einige zwangsweise absolviert werden müssen, andere freiwillig sind.
Deine Mitstudenten kommen von der Schule mit völlig unterschiedlichen Neigungsfächern, so dass tatsächlich der größte Teil des Grund-/Bachelor-Studiums darin besteht, den Studenten die gemeinsamen Basics beizubringen, wie Gesteinskunde, Mineralogie, Kartenkunde, allgemeine Geologie und Paläontologie. Anschauliche Erfahrungen wirst Du dann auf zahlreichen Studienexkursionen sammeln können, bei denen es von Vorteil ist, wenn man sich mit Zelt und Schlafsack und einfachsten Verhältnissen anfreunden kann.

Am allerwichtigsten ist es, während des Studiums am Ball zu bleiben und sich nicht dem trügerisch leichten Studentenleben nach dem Motto: "ich mache nur das Pflichtprogramm" hinzugeben. Je mehr Du am Anfang lernst, umso leichter kommst Du später im Studium weiter! Lücken einige Semester später auffüllen zu müssen, kann einem sehr die Freude am Studium vermiesen.

An Physik und Chemie kommst Du im Studium keinesfalls vorbei, das sind Essentials für das Verständnis der ganz grundlegenden naturwissenschaftlichen Zusammenhänge. Dieser Teil kann in der Tat sehr anstrengend und oft auch frustrierend sein, aber da musst Du einfach durch. Ich hatte auch sehr hart daran zu knabbern.

Ob das Studium schwer ist? Jein! Man ist nicht auf Rosenblüten gebettet, hat aber den Vorteil, sich mit sprichwörtlich be-greifbaren Sachverhalten auseinander zu setzen, die nicht so abstrakt sind wie Jura, BWL u. ä. Natürlich muss man viele Dinge erst mal schlicht auswendig lernen, aber irgendwann fügt sich das alles zu einem großen, zusammenhängen, selbsterklärenden Bild. Wichtig ist der Spaß an der Natur (und an der Erkenntnis, dass sich nicht alles in Formeln pressen lässt) und die Fähigkeit zum Staunen. Sehr hilfreich ist es, wenn man eigenständig denken und kombieren kann und sich seine eigenen Gedanken über Sachverhalte macht.
Das Studium lebt sehr von Diskussionen mit Kommilitonen und Professoren sowie generell vom gegenseitigen Austausch. Es ist durchaus ein "Teamstudium", und auch auf Exkursionen ist Teamarbeit gefragt. Einzelkämpfer tun sich eher schwer. Da kommen wir zu den "soft skills", die genauso wichtig sind wie Fachwissen.

Auch ein wichtiges Thema: Die Berufsaussichten!
Die sind sehr gut und werden es die nächsten Jahre über auch bleiben. Der global gestiegene Rohstoffbedarf und gesteigertes Umweltbewusstsein hat eine Vielzahl von neuen Jobs für Geologen in den unterschiedlichsten Bereichen geschaffen - z. Zt. kann ca. 1/3 des Bedarfs an Geologen nicht gedeckt werden! Die Jobs sind, im Gegensatz zum Zustand von vor einigen Jahren, attraktiv vom Anforderungsprofil und von der Bezahlung her. Vor allem internationale Unternehmen suchen händeringend flexible Mitarbeiter für Langzeit-Auslandseinsätze. Besonderen Wert wird auch hier auf Teamfähigkeit und Entscheidungsfreudigkeit gelegt.

So, das mal im groben Überblick. Wenn noch Fragen offen sind: nur zu!

Gruß,
Triassammler
Titel: Re: Kann ich Geologie studieren?
Beitrag von: Kerloc am 05 Jan 09, 19:24
Hi Schneebrot,

triassammler hat ja schon das meiste gesagt.
Frage an die anderen: sind geografische Kenntnisse wirklich wichtig?

Ich muss ja auch noch studieren und habe vor an der Uni Freiberg Geoinformatik zu studieren.

Grüßle Martin

Titel: Re: Kann ich Geologie studieren?
Beitrag von: triassammler am 05 Jan 09, 19:29
@Kerloc:

Es ist relativ unwichtig, ob man alle 50 Staaten der USA samt jeweiliger Hauptstadt kennt oder weiss wo Ovamboland liegt. Sinnvoll ist ein Überblick über die großen naturräumlichen Gegebenheiten der Planeten, aber zwingend erforderlich ist das nicht. Kann man ja alles im Atlas oder bei Google nachschlagen.

Gruß,
Triassammler
Titel: Re: Kann ich Geologie studieren?
Beitrag von: smoeller am 05 Jan 09, 19:36
Hallo,

Als Student der Mineralogie (fast fertig, fehlt nur noch die Korrektur der Diplomarbeit) kann ich meinen Vorrednern nur beipflichten.

Chemie brauchst du in jedem Fall, ebenso Physik und Mathematik. Geographie ist nicht so von Bedeutung, aber nicht schlecht.

Die neuen Bachelorstudiengänge sind sehr verschult. Für jede Vorlesung/Übung muss eine Klausur geschrieben oder ein Bericht abgegeben werden. Richte dich auf 30 Stunden die Woche + Lernzeit ein.

Wenn dir Geographie liegt, könntest du auch Geographie studieren.

Glück Auf!
Smoeller
Titel: Re: Kann ich Geologie studieren?
Beitrag von: triassammler am 05 Jan 09, 19:53
Hallo nochmal!

Danke für die Info, smoeller, jetzt hab ich auch wieder was neues erfahren  :D

Zitat
Richte dich auf 30 Stunden die Woche + Lernzeit ein.
Ist ja im Vergleich zum späteren Beruf (40-Stunden-Woche) eigentlich ok. In verantwortungsvollen Positionen kommen dann noch Überstunden, Reisezeit usw. dazu - von daher ist das Studium vom Zeitaufwand her noch übersichtlich.

Gruß,
Triassammler
Titel: Re: Kann ich Geologie studieren?
Beitrag von: Erik am 05 Jan 09, 20:33
Zitat
Richte dich auf 30 Stunden die Woche + Lernzeit ein.
Frage mich, wie die Leute das hinbekommen, schließlich müssen die meisten nebenbei noch arbeiten. Wenn ich mir überlege, dass ich neben dem Studium 20 Stunden in der Woche arbeite und mind. genauso lange sinnlos in öffentlichen Verkehrsmitteln herumsitze, hätte ich das B.Sc..-Studium (und jedes andere auch) bei dem Zeitaufwand sofort wieder aufgegeben  :-\

Gruß, Erik
Titel: Re: Kann ich Geologie studieren?
Beitrag von: minuwe am 05 Jan 09, 20:41
Wollte früher (ca. 1980) mal Geologie studieren. Da riet mir ein Geologe ab: 80 % Schreibtischarbeit. Da ließ ich es sein. Nach den obigen Posts scheint das heute ja anders zu sein  ???

Gruß
Uwe
Titel: Re: Kann ich Geologie studieren?
Beitrag von: Tapir am 05 Jan 09, 20:46
Deshalb überzieht der Durchschnittliche B.sc.Student in Deutschland ja auch um 2 ,5 Semester ;)


Und wie man das auf die Reihe bekommt, hmm, unsere Uni hat mir da 2 Lösungsansätze mitgegeben:

Prüfungsamt: "Sie sollen ja auch studieren und nicht arbeiten"  (auf die Frage wie ich dann (über)leben soll kam dann die selbe Antwort wie von einem Dozenten:)
Dozent: "das ist Ihr Problem. Früher wars ja auch nicht einfach"

Effektiv für jemanden der in den neuen Studiengängen Geologie studiert und arbeiten muß: im Schnitt 25 Semesterwochenstunden, Je SWS 45 min Vor- und 45 min Nachbereitungszeit, 20 Stunden Arbeit (oder Freiberuflich mehr) Besonders erfreuen tun dann Dozenten/Professoren der "alten Garde" die Ihre Vorlesungen vom zeitumfang mal schnell verdoppeln "weil man das ja eigentlich wissen muß". Das Zeitmanagement das im Bolognapapier vorgesehen ist wird nur von wenigen jüngeren Vorlesenden eingehalten.


Aber trotz allem: Ich habs nicht bereut (bisher) den B.sc.geol. gemacht zu haben und nun den Master dran zu hängen. (und das als Chemienull)


Und: 80 % Schreibtischarbeit? Klar... Aber in den meisten anderen Berufen die nach einem Studium folgen, ist diese Zahl wesentlich näher an den 100% dran.
Titel: Re: Kann ich Geologie studieren?
Beitrag von: triassammler am 05 Jan 09, 21:15
Zitat
Und: 80 % Schreibtischarbeit? Klar... Aber in den meisten anderen Berufen die nach einem Studium folgen, ist diese Zahl wesentlich näher an den 100% dran.

Konkret ist es doch so: Im Idealfall sammelst Du im Gelände Deine Daten und wertest die dann am Schreibtisch aus. Dass das Auswerten deutlich länger dauert als das Datensammeln liegt auf der Hand. Die Zeiten, wo Geologen mit salbungsvollen Worten durchs Gelände gezogen sind und die Büroarbeit ihren Assistenten überlassen haben, sind schon lange vorbei.

Ich hab übers komlette Studium hinweg 3 Tage studiert, 2 Tage voll in einer Firma gearbeitet, und am WE gelernt, vertieft, nachgearbeitet. Mir fiel es aber auch leicht, weil mich sowohl das Studium als auch der Job (Informatik) extrem interessiert haben und ich beides selten (nicht: nie!) als wirkliche Belastung empfunden habe. Dass einerseits die Profs gemosert haben, weil man mal nicht anwesend war, und andererseits der Arbeitgeber bei dringenden Projekten über Nichterreichbarkeit nicht erfreut war, waren Schattenseiten, aber da musste ich halt durch.

Ich bereue weder das Studium, noch den Nebenjob dabei - vor allem letzterer hat mir wertvolle Kenntnisse über die berufliche Wirklichkeit in Deutschland geliefert, die "Nur-Studenten" sich erst noch in ihrem ersten Job nach dem Studium erwerben müssen.

Das Leben ist kein Ponyhof  ;)

Gruß,
Triassammler
Titel: Re: Kann ich Geologie studieren?
Beitrag von: Schneebrot am 05 Jan 09, 21:55
Danke für die Antworten! :) :) :)

Chemie wird kacke, aber da komm ich durch. In der Schule hat man ja auch immer ein paar Fächer die man nicht leiden kann und kommt trotzdem weiter :).

Noch zwei Fragen :P:

1.) Ist man während des Studiums oft weg? Irgendwo hab ich mal gelesen, dass man in der Studienzeit oft verreißt. Wär hammer!
2.) Und wie siehts im Beruf aus? Würde in der Zukunft denk ich schon ganz gern irgendwann mal ne Familie haben... Wär doof wenn ich dann oft rumreisen müsste. Ab und zu mal ist sehr gut, wie gesagt: Ich bin nicht jemand der gerne nur rumsitzt. Klar ist das von Job zu Job unterschiedlich... Da müsst ich mich noch orientieren. Geologen die nach Erdöl suchen (naher Osten etc.) gibts denk ich wenige. In ner Wüste Wasser suchen....... hmmmmmmmm :(.... Die meisten arbeiten denk ich mal in Baufirmen (oder?).
Am besten wärs wenn ich nen Job hätte, bei dem ich hauptsächlich zu Hause bin und ab und an (ein paar Mal im Jahr) verreise. Ist sowas möglich bei Geologen oder ist man ständig unterwegs?


PS: Hauptsach Lamp uf de Kop un Sonnenbrille:  8)  -------> ;D
Titel: Re: Kann ich Geologie studieren?
Beitrag von: triassammler am 05 Jan 09, 22:45
Zitat
Ist man während des Studiums oft weg? Irgendwo hab ich mal gelesen, dass man in der Studienzeit oft verreißt. Wär hammer!
Das tut man in der Tat! War zumindest während meiner Studienzeit (vor 4 Jahren) so. Jedes Jahr gab es ein Pflicht-Geländepraktikum (10-14 Tage) mit steigendem Schwierigkeitsgrad in Südfrankreich und Spanien (Profilaufnahme, geologische Kartierung) und zusätzlich eine zu erreichene Pflichtanzahl von Exkursionstagen, wobei man da aus dem Gesamtangebot der Exkursionen je nach Gusto auswählen konnte. Ich habe da aber deutlich mehr als die vorgeschriebene Exkursionsanzahl belegt, und das wird auch durchaus begrüßt. Daneben gab es noch besondere Schmankerl wie eine lagerstättenkundliche Exkursion nach Chile. Auch Deutschland habe ich dadurch ganz gut kennen gelernt.
Grundsätzlich richtet sich das Exkursionsangebot einer Uni danach, welche Schwerpunkte das Institut hat. Bei uns war das eben Südeuropa, daneben die ganz lokale Regionalgeologie.
Die Reise- und Unterbringungsbedingungen sind dabei aber oft sehr einfach - Zelt, Hütten, Kochen über dem Lagerfeuer  ;D Wer an so was Spaß hat - hatte ich - ist da genau richtig. Wenn Du das halbe Sommersemester nur von Exkursion zu Exkursion gehechelt bist, bist Du nach ein paar Wochen auch mal wieder froh, zu Hause zu sein und fließend Wasser zu haben  ;)

Zitat
Und wie siehts im Beruf aus? Würde in der Zukunft denk ich schon ganz gern irgendwann mal ne Familie haben... Wär doof wenn ich dann oft rumreisen müsste.
Ich würde die Wahl des Studiums nicht jetzt schon von einer 10 Jahre in der Zukunft liegenden Familienplanung abhängig machen. Du kannst auch durchaus gute Jobs in regionalen Unternehmen finden, wenn es nötig ist: Geothermie, Altlastenerkundung, Ingenieurbüros, Bauunternehmen - sie alle suchen Geologen, und zwar mehr, als jedes Jahr die Uni absolvieren.

Zitat
Geologen die nach Erdöl suchen (naher Osten etc.) gibts denk ich wenige. In ner Wüste Wasser suchen....... hmmmmmmmm .... Die meisten arbeiten denk ich mal in Baufirmen (oder?).
Ich habe keine genauen Zahlen parat, aber im internationalen Bereich arbeiten sehr viele Geologen in der Kohlenwasserstoffprospektion. Der Bereich saugt die Geologen mittlerweile geradezu auf, schult sie auf die spezifischen Bedürfnisse des Unternehmens und setzt sie dann weltweit ein. Unternehmen wie Statoil suchen aber explizit sehr mobile und flexible Mitarbeiter, die ein paar Wochen oder Monate hier, dann dort, und dann wieder ganz woanders sind. Entsprechend langfristig sind die Verträge angelegt - zur Gründung einer Familie und Elternzeit mal schnell ein paar Jahre Auszeit nehmen wollen ist da nicht drin. Dafür bist Du für das Unternehmen schlicht zu teuer.
Ähnlich ist es mit den großen Bergbauunternehmen - die haben überall in der Welt Bedarf nach Geologen, aber man muss bereit sein, nur für das Unternehmen zu leben. Im Gegenzug gibt es eine großzügige Bezahlung und ein sehr spannendes Leben.

Ein "Job zu Hause" wäre dann in der Tat das Ingenieurbüro in der nächsten Stadt, ein Geothermieunternehmen o. ä. Aber die unterhalten typischerweise keine internationalen Zweigstellen, weil es regionale Firmen sind, also groß mit Reisen wird da nichts sein.

Bei der Wahl des Arbeitgebers (die für Dich ja noch in weiter Ferne liegt!) solltest Du also zuerst mal schauen, ob die Unternehmensstruktur Deine persönlichen Wünsche von der Gestaltung der Arbeit überhaupt unterstützen kann. Ein Vorteil ist, wenn Du ein "guter" Geologe bist, also die entsprechenden Leistungen aus dem Studium nachweisen kannst. Dann stehen Dir viele Türen offen.

Gruß,
Triassammler
Titel: Re: Kann ich Geologie studieren?
Beitrag von: spotts am 06 Jan 09, 09:05
Hallo Schneebrot,

wie bereits an anderer Stelle erwähnt:

ohne die Bereitschaft viel "nebenbei" zu Lernen oder sich möglichst oft im Gelände aufzuhalten wird aus dem Studium nur ein schöner Zeitvertreib.
Leider werden meiner Meinung nach viel zu viele Nebenfächer durchgezogen (bis zu 70%), meist bleibt dabei die Geländearbeit auf der Strecke.
Aus meiner Erfahrung sind mathematische Kenntnisse wichtig, dann sind, zumindest war das in Bonn so, die anderen Nebenfächer (Mathe, Physik, Chemie) immer zu schaffen. Alles andere mehr oder weniger Sinnvolle kann man sich anlernen.
Das wichtigste bei deiner Studienwahl und besonders in der Geologie überhaupt ist, dass du mit viel Herz und Interesse dabei bist.
Solange du dich noch fragst ob du vieleicht Geologie studieren möchtest, würde ich mich nach etwas anderem umsehen.
Ob du viel unterwegs bist hängt natürlich von deinem Job ab. Ob du in zehnJahren (wie lange möchtest du studieren?) einen Job findest ist eh nicht zu sagen. Mit der Familienplanung ist das auch vom Job abhängig.
Mein Vorschlag: wenn du wirklich viel unterwegs sein kannst und es dir Spass macht - verzichte auf die Familienplanung. Es gibt fast immer Ärger.

Zitat Triassammler:
Bei der Wahl des Arbeitgebers (die für Dich ja noch in weiter Ferne liegt!) solltest Du also zuerst mal schauen, ob die Unternehmensstruktur Deine persönlichen Wünsche von der Gestaltung der Arbeit überhaupt unterstützen kann. Ein Vorteil ist, wenn Du ein "guter" Geologe bist, also die entsprechenden Leistungen aus dem Studium nachweisen kannst. Dann stehen Dir viele Türen offen.
Zitat Ende

Wer kann sich anhand der Unternehmensstruktur als Anfänger mit persönlichen Wünschen einen Job "aussuchen"? Und dass  gute Leistungen die Türen öffnen - solch einen grenzenlosen Optimismus hatte ich auch mal...

Dennoch: ich habe das Studium nie bereut.

Gruss
Spotts
(Geologe)
Titel: Re: Kann ich Geologie studieren?
Beitrag von: triassammler am 06 Jan 09, 11:16
Hallo spotts!

Zitat
Wer kann sich anhand der Unternehmensstruktur als Anfänger mit persönlichen Wünschen einen Job "aussuchen"? Und dass  gute Leistungen die Türen öffnen - solch einen grenzenlosen Optimismus hatte ich auch mal...
Ich bin immer noch Optimist. Und das hat mich bisher ganz gut durchs Leben gebracht  ;D
Scheint leider so ein verbreiteter Fatalismus zu sein, dass man glaubt, egal wie man sich anstrengt, man bekomme doch nicht, was einem zustehe. Für meinen derzeitigen Job besitze ich keinerlei Hochschulqualifikation (im Gegensatz zu fast allen meinen Kollegen), vom Arbeitgeber wird das persönliche Engagement aber honoriert (nicht nur materiell) - es wird in der Tat auf die echten Leistungen, nicht auf irgendwelche Hochschultitel geschaut! Also, ganz so düster ist es dann auch nicht...

Ich weiss nicht, ob ich richtig verstanden wurde: Ich wollte damit sagen, dass man sich vor einer Bewerbung grundsätzlich Gedanken machen sollte, ob das Unternehmen bzw. der Arbeitsplatz überhaupt was für einen ist. Persönlich würde ich lieber ein halbes Jahr Bewerbungen schreiben und mich so lange anderweitig durchschlagen, als das Nächstbeste zu nehmen, was gerade greifbar ist, mich aber in keiner Weise befriedigt...

Beim Rest stimme ich Dir aber zu!

Gruß,
Triassammler
Titel: Re: Kann ich Geologie studieren?
Beitrag von: michael berghäuser am 06 Jan 09, 12:10
Hallo Leute,  ;D

ich wußte gar nicht, daß Geologen wieder (schon wieder) so gefragt sind.  :D

Hab 1996 in Mainz mein Diplom gemacht und vor/während des Studiums haben wir auch solche Aussagen zu hören bekommen.

Aus eigener Erfahrung kann ich nur sagen, daß es sehr schwierig ist, einen dauerhaften, gut bezahlten Job egal wo zu bekommen. Zu meiner Zeit saßen Geologen mit mehr Erfahrung drauf, und heute dürfte es nicht viel anders sein.

Wollte auch Praktika im Gold oder Erdöl machen, aber für Lau, das war mir nicht ausreichend.

Glückauf

vom Geologen Michael, nun im IT-Sektor tätig
Titel: Re: Kann ich Geologie studieren?
Beitrag von: caliastos am 06 Jan 09, 12:46
na praktika lässt man einen ja fast nur noch für lau machen, egal welche fachrichtung, selbst wenn es bei staat ist. bezahlung bei praktika (die während des studiums auch gefordert sind) sind meist glück. gute bezahlung erst recht. schon mal die fernsehberichte über die praktikantenausbeute gesehen? passt wie faust auf auge. praktikanten machen inzwischen meist vollwertige jobs, allerdings haben die nicht die nötige erfahrung. schert auch keinen, weil billig. merkt man auch als kunde oft genug. von denen die praktika machen mussten und von denen ich es weis hatten 10% gut bezahlte. bei 30% gab es dann zwischen 100-400€ im monat, von denen locker 50% für fahrtkosten weggingen. der rest hat unbezahlte gemacht. und dabei hat die mehrheit 2 verschiedene praktika gemacht. späterstens wenn du die geleisteten praktika vorweisen musst ist dir die bezahlung egal.

dass szu viel nebenfächer reingejubelt werden stimmt vollkommen. da beklagen sich sogar dozenten, dass die leute zu wenig ins gelände kommen und von nebenfächern mehr ahnung als von dem stein vor deren füßen. was ich kenne ist ein grundstudium aus 90% nebenfach, also über 4 semester. bio (1sem), physik (2 sem), chemie (3sem) und mathe (2sem) incl. zugehörige laborpraktika in ch und ph. daneben nur randlich geo-fächer. daneben sowas wie technische meachnik und andere bauingenierufächer. +/- kommst du auf 25-40% geologie im ganzen studium. und das auch noch gerne breit gefächert.

geographie interessiert an sich nur randlich. da interessiert keinen wo welcher ort liegt, sondern vielmehr die geograpische postion eines gebirge, das von land x nach y reicht und z.b. die klimatischen folge. einwohnerzahl von tralala, wenn interessiert's, sind eh nicht lang genug da und erst seit wenigen augenblicken der erdgeschichte.

wichtig ist gesteine, ihre eigenheiten, entstehung und vorkommen zu kennen. in die liga gold, öl, diamant und vergleichbar zu kommen ist schwer. zum einen heißt es gut sein, dann sind beziehungen nicht verkehrt, vorkenntnisse im spezielles sektor und das glück, das die leute brauchen. weil: viele dieser firmen bilden ihr personal selber aus und fort und halten daten akribisch unter verschluß.


vor paar jahren war geologie noch zulassungsfrei für jedermann. inzwischen sind vermehrt vorgespräche und zulassungsbeschränkungen aktiv. eienrseits scheint es populärer zu werden, andererseits aber sind viele dabei, die schnell wieder aufgeben oder nur eine parkposition einnehmen und hoffen evtl. nachher einen schein anrechnen lassen zu können.
schönes beispiel: 150 angemeldete erstsemester. davon erscheinen schon mal nur 100 bis 110 überhaupt zu dene ersten vorlesung. den rest sieht man nicht einmal. davon hauen dann 30-40 weil es ihnen zu schwer wird oder sie keine lust mehr haben. 10 bis 20 packens es nicht. da dies aber resourcen bindet kommen zunehmend auswahlverfahren rein. zudem reicht auch der restbetrag oft aus um die personalgrenzen zu sprengen. der einst enge kreis wird annonymer. kenne kaum studienfächer wo dozenten jeden ihrer studenten in allen semestern namentlich kennen und darüber hinaus. in den höheren semestern fällt die formelle anrede meist noch weg.


an sich machbar. die frage ist: will man und hält man durch? du hast da auch schön viele übungen, die dir die wochenenden und abende gewaltig füllen. arbeiten nebenher ist schon eng. die meisten die rausfallen mussten nebenher noch arbeiten.
Titel: Re: Kann ich Geologie studieren?
Beitrag von: giantcrystal am 06 Jan 09, 12:52
Noch einmal ein Statement von mir :

Auch wenn es sich etwas platt anhört, aber ich glaube, man sollte sein Studium - egal ob Geologie, Biologie, Römische Archäologie oder Angewandte Sinologie - lieben !

Tut man dies, ist man eigentlich automatisch auch gut in seinem Fach, auch wenn zweifellos die eine oder andere Klippe während des Studiums zu umschiffen bleibt (in meinem Fall in Göttingen war das beispielsweise das Physikpraktikum..uff!)

Ist man gut...und wichtiger noch : ist man sich dessen bewusst, das man besser ist als manch anderer ---> Ausstrahlung von Selbstbewußtsein kombiniert mit Fachwissen --> so stellt es auch kein großes Problem dar, eine befriedigende Stellung in der Geologie zu finden.

Studiert man dagegen Geologie oder Biologie etc etc, nur weil einem nichts besseres einfällt oder weil der NC nicht gepasst hat und macht man dann auch nur seiner Pflichtscheine und Geländeübungen, so sollte man sich beizeiten nach etwas anderem umsehen. Ein paar Semester Geologie reichen dann sicherlich und sind auch keineswegs von Nachteil, ist doch Geologie so ziemlich das einzige "universal - naturwissenschaftliche Studium" und auch das einzige "vierdimensionale" Studium im weiten Lehrangebot !

Nein, ich erkläre jetzt nicht, wieso das Geologiestudium vierdimensional, da könnt ihr gerne mal raten  ;D

Glück Auf

Thomas

P.S. . Zum Thema aktuelles Stellenangebot. Tatsächlich gibt es derzeit / bis jüngst einen erheblichen Bedarf für Lagerstättengeologen sowohl im Steine - Erden Sektor als auch im Metall / Kohlenwasserstoffbereich...sowohl in Deutschland als auch in klassischen Bergbauländern wie Kanada und Australien. Es steht aber zu befürchten, das dieser Bedarf gerade wegen der Wirtschaftskrise kurzfristig drastisch zurückgeht....wie es dann in fünf oder zehn Jahren aussieht, weiss eh kein Mensch, auch kein Professor
Titel: Re: Kann ich Geologie studieren?
Beitrag von: giantcrystal am 06 Jan 09, 13:02
Und noch ein Wort zum Thema Praktikum

Man sollte sehr früh damit anfangen und möglichst bezahlte Praktika machen. Das geht durchaus, wie man an folgender  Zusammenstellung meiner damaligen Praktika sehen kann

Studium in Göttingen 1981 - 1987 (Diplom Geologie / Paläontologie)

Praktikum (1 Monat) Sommer 1982 / 2. Semester : Goldexploration am Hohen Goldberg, Rauris mit St, Joe (Alternativ wäre es UT Braunkohlengrube Stolzenbach gewesen)
Praktikum (2 Monate) Winter 1982 - Sommer 1983 (so nebenbei mit etwa 4 - 8 Wochenstunden) : Mineralienhandel in Göttingen
Praktikum (1 Monat) Sommer 1984 : Dokumentation Abteufung Schächte Gorleben im Gefrierverfahren bei der DBE
Praktikum (1 Monat) Sommer 1986 : Auswertung Explorationsprogramm Zinnpegmatite Uis Tin Mine / Namibia (anschließend noch 1,5 Monate geologische Exkursionen in Namibia mit zahlreichen Bergwerksbefahrungen)

Natürlich war es nicht ganz einfach, immer bezahlte Praktika zu finden, aber auch das gehört dazu, um ein erfolgreicher Geologe zu werden. Schließlich will man später mal seine Brötchen verdienen

Glück Auf

Thomas
Titel: Re: Kann ich Geologie studieren?
Beitrag von: caliastos am 06 Jan 09, 13:10
was mir zu den exkursionen einfällt:

du reist dabei nicht quer durch die welt. vieles ist regional gebunden. warum in die usa und strukturen ansehen, die es hier auch gibt? ist immerhin auch eine zeit und kostenfrage. kleinere exkursionen nutzen oft wochenden und feiertage, größere die semesterferien. gezahlt wird selber. und da kosten die großen exkursionen gewaltig. konnte nicht eine der größeren mitmachen weil ich das nicht hätte bezahlen können. wenn der aushang für die anmeldung einer exkursion kommt, die in 3 monaten stattfindet und die anmeldung bis in 2 wochen gelaufen ist und expliziet dorten steht, das bis monatsende der betrag von 400€ + einzuhalen ist um verbindlich angemeldet zu sein, dann ist es nicht so einfach mal schlappe 400€ aus der tasche zu ziehen und nochmal 300-400€ für die 14 tage zurückzubehalten, da es nur die anzahlung war und man sich unterwegs auch noch selbst zu versorgen hat.
das ist echt ärgerlich wenn du dir selber sowas nicht leisten kannst oder nirgends das geld leihen kannst. die einzige exkursion, die ich mir hätte leisten können weil es geldtechnisch gerade gereicht hätte lag genau innerhalb des zeitraums meiner zwischenprüfungen. klasse, no time. keiner der nicht gerade in einer der wochen prüfung hatte konnte mit. um die tage so zu bekommen sammelst du kleinere exkursionen und hast noch weniger zeit weil du öfters weg bist. also auf sowas einstellen und am besten vorher genug geld haben. 50€ die dir am monatsende nach abzug aller kosten frei verfügbar bleiben reichen nicht für die großen exkursionen.

man bedenke: +/- studiengebühren, semesterbeitrag, evtl. fahrtkosten, evtl. miete, evtl. keine bafögberechtigung, evtl. nicht genug zeit für viel jobben nebenbei (nicht jeder will mitarbeiter, die nur unregelmäßig arbeiten können, weil sie auf exkursion sind oder keine zeit finden), evtl. kein stipendium, kosten für exkursionen


wenn man es sich leisten kann und machen will, warum nicht? aber inzwischen wird das ganze echt zunehemnder luxus und die zahl deren, die wegen des geldes nicht studieren nimmt erheblich zu. schau nur mal in die jahrgänge unter dir. wenn man da diejenigen fragt, die man dort kennt wie viele wegen geld nicht studieren, dann ist die zahl ziemlich gestiegen.


@ giantcrystal

da haste aber viel zeit in den semesterferien gehabt. und ehrlicherweise gesagt: damals war das mit der bezahlung noch ganz was anderes. die fehlende bezahlung hat sich erst gegen 2000 zunehemend etabliert.
Titel: Re: Kann ich Geologie studieren?
Beitrag von: giantcrystal am 06 Jan 09, 13:25
 @ Caliastos

naja, mag sein, das sich das Studium heute etwas anders darstellt. Was aber bezahlte Praktika anbelangt, so habe ich erst im September dringend einen Praktikanten für ein bezahltes Praktikum für ein Gold - Projekt in der Oberpfalz gesucht, unter anderem auch in diesem Forum...

Resultat ....??   was mich zum einen sehr erstaunt, zum anderen auch ziemlich enttäuscht hat. Seitdem frage ich mich, ob da im heutigen Studium nicht etwas falsch läuft.

Auch von anderen Seiten sind mir leider schon ähnliche Befürchtungen zugetragen worden

Glück Auf

Thomas
Titel: Re: Kann ich Geologie studieren?
Beitrag von: triassammler am 06 Jan 09, 13:35
Auch wenn sich die Diskussion langsam von Schneebrots Kernfragen wegbewegt (obwohl die Kontroverse ihm vielleicht zeigt, dass es schwer ist, pauschale Aussagen über ein Geologiestudium zu treffen und Erfahrungen sehr subjektiv sein können), bin ich doch überrascht, was für Vorstellungen zum Thema Studium und Beruf anscheinend existieren. Dass das Studium nicht einfach eine verlängerte Schulzeit ist, wo einem alles hinterhergetragen wird, sollte doch klar sein. Da muss schon jeder Student selbst auf die sinnvolle Ausarbeitung eines Studienplans achten, wissen was er will, sich fachlich entsprechend orientieren...
Und was Praktika angeht: Zumindest im Bereich der Geologie ist mir nicht bekannt, dass hier ein oder mehrere Praktika als Prüfungsvoraussetzung erwartet werden. Und wenn: Es gibt Möglichkeiten, zumindest nach den Aushängen in meinem ehemaligen Institut zu urteilen. Vom 4-wöchigen paläontologischen Praktikum als Grabungshelfer (unbezahlt, Unterkunft und Verpflegung frei) bis zur (leidlich bezahlten) Teilzeitstelle in Ingenieursbüros war da alles geboten. Darf ich als Student ernsthaft erwarten, wie ein "Großer" bei meinem Praktikum bezahlt zu werden? Kann ich das nicht auch mal langfristig sehen, das erworbene Wissen als Gewinn und Investition in die berufliche Zukunft, statt zu denken: Für 15 € die Stunde steh ich morgens aber nicht auf.... ?
Der Grund für die durchaus hohe Abbruchquote im Geologiestudium liegt unter anderem darin, dass es von vielen Studenten nicht als "bequem" empfunden wird - eine Exkursion wird durchgeführt, auch wenn es regnet oder friert, das Programm muss ja absolviert werden. Einige kommen mit den körperlichen Anforderungen der Geländearbeit (ganztägige Profilaufnahme in Südspanien bei 40° C ist nicht immer lustig) nicht zurecht. Wieder andere stellen fest, dass es nichts wird mit dem wissenschaftlichen Elfenbeinturm, und bevorzugen einen Abschluss mit "eleganterem" Nimbus... Meine Feststellung ist, dass die Absolventen, die es durchziehen und schaffen, duchweg begeisterte, engagierte und tüchtige Leute sind.

Wie von giantcrystal bemerkt:
Zitat
Ist man gut...und wichtiger noch : ist man sich dessen bewusst, das man besser ist als manch anderer ---> Ausstrahlung von Selbstbewußtsein kombiniert mit Fachwissen --> so stellt es auch kein großes Problem dar, eine befriedigende Stellung in der Geologie zu finden.
Niemand trägt einem ein Jobangebot hinterher! Man muss sich darüber im Klaren sein, was man will, wer man ist, was man kann, und das muss man aktiv an den Mann/die Frau bringen! Nicht nur in der Geologie muss man sich als Arbeitnehmer richtig verkaufen können. Gesundes (!) Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen ist gefragt! Niemand wird einem einen Job übertragen, wenn man an der eigenen Fähigkeit, ihn zu bewältigen, zweifelt. Das sind die soft skills, die genauso viel zählen wie fachliche Kompetenz.
Speziell Jobs, die Entwicklungs-, also Aufstiegspotenzial, besitzen, verlangen es, dass man in der Lage ist, vor Vorgesetzten, Mitarbeitern, Untergebenen seine Meinung fundiert zu vertreten und Entscheidungen sicher und selbstständig zu treffen.
Darauf bereitet das Studium leider generell nicht oder nur ungenügend vor. Zwar gibt es an den meisten Unis das Angebot von Rhetorikkursen, und in meinem Studium wurde auch das Erarbeiten und öffentliche Vortragen wissenschaftlicher Vorträge in einem gesonderten Seminar geübt, aber den grundlegenden Charakter eines Menschen kann das Studium nicht formen, genauso wenig, wie die Schule den Eltern die grundlegende Erziehung ihres Kindes abnehmen kann.
Meiner Beobachtung nach scheitert die Ergreifung des "Traumjobs" tatsächlich oft genug daran, dass man sich die Herausforderungen nicht zutraut, sich den Stress oder Aufwand nicht machen möchte und dann doch lieber den Weg des geringsten Widerstands geht, der leider oft genug an einem einsamen Schreibtisch endet, wo man dann die Tätigkeit des "einer unter vielen" erledigt.

Und sollte es doch mal mau mit den Berufsaussichten sein: Das Geologiestudium bietet eine so breit gefächerte Ausbildung und Wissensbasis, dass man in vielen Bereichen als Quereinsteiger unterkommen kann!

Gruß,
Triassammler
Titel: Re: Kann ich Geologie studieren?
Beitrag von: spotts am 06 Jan 09, 13:50
Vieleicht noch einmal zu den Exkursionen:
natürlich kosten die Geld - allerdings kann man nirgends besser etwas über das Gelände lernen als dort. Ob es wirklich die United Steaks sein müssen ist eben die Frage. Selbst bei mir in der Eifel können nahezu sämtliche Geländekurse durchgeführt werden. Kartierungen, Vulkanologie, Paläontologie, Sedimentologie und bei Bedarf noch tiefergehende Betrachtungen. Aber: sobald die Studenten "Eifel-Exkursion" hören ist das Interesse rapide gesunken. Da klingt der Vulkanismus der Auvergne natürlich besser, ist aber auch teurer (dennoch schöne Gegend).
Seit Jahren habe ich immer wieder Studenten in meiner Region, und wenn bei einer Kartierungsübung in der Kalkmuldenzone nur Sandsteine gegen Kalke, vieleicht noch Vulkanite, abgegrenzt werden können, ist das für mich als bekennender Geländegeologe erschreckend. Über die tektonischen Übungen möchte ich schweigen...
Natürlich gibt es auch Ausnahmen - leider viel zu wenig.
Hauptsache die 20 Semesterwochenstunden allgemeine Chemie mit Praktikum und 4 Wochen quantitatives Praktikum werden absolviert, dazu kommen vier Wochen Physikpraktikum, 4 Wochen Biologie Praktikum, sowie je 6 SWS Mathe-, Physik- und Chemievorlesungen.
Wenn die selbe Zeit mal für die praktische Ausbildung eingesetzt würde, sähe das schon anders aus.
Bei den geforderten 45 Exkursionstagen habe ich über 120 absolviert. Geschadet hat es bestimmt nicht.
Meine Empfehlung nicht nur an die Studenten: fahrt möglichst überall und so oft es geht in's Gelände. Am Besten mit jemandem der sich auskennt .

Inzwischen war ein neuer Beitrag eingestellt worden - Nachtrag:
Viele "gute" Fachleute erkennt man daran wie sie über ihre Arbeit oder ihr Hobby reden. Wenn dort das Leuchten in den Augen erscheint ist das gut. Auch die Leidenschaft muss stimmen. Da wurden schon viele Punkte angesprochen. Natürlich ist gerade das Geologie-Studium breit gefächert und schon anspruchsvoll, es ist trotzdem schade nach solch einer Ausbildung in unterbezahlten Jobs (15 €/Std? WO!!) unter zu kommen oder den Job als wiss. Abteilungsleiter nicht zu bekommen weil man sich dort für eine Tanzpädagogin entschieden hat (authentisch).


Gruss
Spotts


Titel: Re: Kann ich Geologie studieren?
Beitrag von: triassammler am 06 Jan 09, 17:34
@Spotts: Ja, leider steht bei der Exkursionsauswahl oft der Unterhaltungs-/Exotikfaktor vor der Frage: bringt mir das was, interessiert mich das? Wenn sich dann vor Ort Unmut breitmacht, dass 10 Tage Südspanien nicht am Strand, sondern 100 km im Landesinnern in der Steppe absolviert werden, kann ich nur den Kopf schütteln. Wer Geologie wirklich mag, wird seine Freude aus den Eindrücken der Exkursion ziehen, nicht aus abendlichen Strandparties. Und dass es abends auf Exkursionen auch durchaus lustig zugehen kann, soll auch mal gesagt werden.

Eine mehrtägige Eifel-Exkursion habe ich im Studium übrigens auch absolviert und fand sie toll!  :D
Kann Dir nur zustimmen: Auch private Geländeerfahrung zahlt sich aus! War oft mit Kommilitonen unterwegs, und wir haben uns gegenseitig Aufschlüsse gezeigt und erklärt. Und natürlich Fossilien und Mineralien gesammelt. Wenn das Hobby noch mit dabei ist, wird das garantiert nicht zu einer drögen Lehrveranstaltung.

Die praktische Ausbildung fand bei uns übrigens weitgehend in der vorlesungsfreien Zeit/Semesterferien statt. "*stöhn* da habe ich mal 3 Monate Urlaub und muss jetzt wieder 3 Wochen davon für die Uni opfern" - dass das aus Zeitmangel nicht zu schaffen sei, konnte mir da keiner glaubhaft erklären. Aber natürlich gab es die Leute auch, die vor lauter Freizeit keine Zeit hatten.

Also, unterm Strich alles eine Frage der Motivation. Wer nur irgendein Studium, hauptsache mit Abschluss, absolvieren will, sollte sich etwas weniger anspruchsvolles suchen...
Titel: Re: Kann ich Geologie studieren?
Beitrag von: caliastos am 06 Jan 09, 19:36
nur mal ein prüfungsordnungsauszug des §25 (3) Während des Studiums muß eine geologienahe praktische Tätigkeit von mindestens zwei Monaten außerhalb einer Hochschule bei einem privaten oder öffentlichen Arbeitgeber ausgeübt werden.

nicht bekannt heist nicht es wird nicht verlangt. ist inzwischen an mehreren hochschulen der fall. was bei den praktika an sich auch wichtig ist: wenn unbezahlte und bezhalte praktika auf null oder minus wegen den kosten hinauslaufen, finden sich auch hier weniger leute, weil die hoffnung auf bessere bezahlung besteht. niocht jeder kann und will sich den luxus leisten. für ein unbezahltes praktikum, aber dafür mit folgenden anderen vorteilen hatte ich auch schon mal 300€ ausgegeben. das entspricht dem ganzen betrag, der in einem semester maximal an geld übrig bleibt. d.h. verzicht auf jeglichen luxus und extrawünsche nur um 1 monat praktikum machen zu können. wer macht sowas schon?
da hilft nicht immer das beste praktikum. dein gesuch hatte ich auch da gelesen und der erste gedanke war: mist, schon alle tage fertig und auch kein zeit mehr. ansonsten wäre das interessant gewesen, aber selbst wenn scheitert sowas an der zeit, zumal das soweit ich weis auch in die Vl-zeiten reichte. bei uns hatten die leute meist nur im august und zwischen märz/april mit glück 4 wochen zeit. es heist zwar immer flexibel, aber zeitlich passt es nicht. während der semester ist das auch nicht unbedingt so einfach praktikas einzuschieben.

da läuft also schon irgendwas falsch. wie auch schon im schulwesen sind lehrstoff und inhalt zu aufgebläht und versucht alles zu umfassen, am besten noch speziell. wenn man an schulzeiten zurückdenkt, oder uni, dann kommt es immer öfters vor, das gesagt wird: sry, aber die zeit reiht für 1/3 bis 50% des stoffes nicht mehr. ---> selber nachlernen, aber selbst da hapert es an zeit.
selbst hatte ich in den letzten jahren vielleicht ein freies wochenende alle 2 monate, feiertage waren voller exkursionen und co. semesterferien mit praktika (uni), exkursionen, lernen und praktikum voll. dennoch immer zeitlich eng. da läuft also definitiv was falsch. gesund dürfte das alle mal auch nicht sein.
lustig wird wenn ältere jahrgänge saagen: ist doch ganz chillig oder man von bekannten, die was anderes machen oder andere fächer haben einen fragen ob man was zusammen unternimmt. die schauen einen ziemlich doof an, wenn man sagt: keine zeit, muß was für uni machen. irgendwann fragt auch keiner mehr.

selbst der vorsatz noch andere fächer just for fun und für einen selbst zu belegen ist nicht unbedingt durchsetzbar. da hatte ich immer vorlesung, die meisten sogar mit anwesenheitspflicht. tolle sache. nebenbei belegen geht also auch nicht immer. alles recht schade und ärgerlich. aber deswegen aufhören gab's nicht zur diskussion. frustet aber.

@ spotts

der aussage mit mehr gelände kann man echt zustimmen. die sache behält man 10x besser auch nach jahren im kopf als das eine handstück und der text aus den übungen. das zeug erkennt man dann sogar auf 100m, anderes nicht mal vor der nase.
aber auch gerade die "nervigen" gegenden sind irgendwie lustig, auch wenn die 10 bromberranke innerhalb 10 minuten im gesicht schon tierisch die laune vermiest oder man am abend wie ein gewürzladen nach rosmarin riecht. aber solange sich was finden lässt und nicht nur botanik die tour vermasselt ist das ok.
zu extreme witterungen bei exkursionen bringen aber leider auch wenig. wenn man im november den ganzen tag bei -6° im wind steht geht es irgendwann nicht mehr. da hilft die beste kluft nichts mehr. alles eingefroren und der kopf denkt nur noch kalt. gilt auch für dauerregen. das jeden tag vermindert die aufnahem, mit sicherheit bei jedem.
wer sich davon nicht aufhalten lässt steht auch am folgetag auf der matte, egal wie spät oder hochprozentig der abend war und was der kopf einem klagt. aber selbst da setzt irgendwann der kopf aus und macht feuerabend.

man muß halt nur daran denken, das vieles auch in den semesterferien abläuft. und wie triassammler schon sagte, das glaubt einem kaum einer

Titel: Re: Kann ich Geologie studieren?
Beitrag von: Geomaxx am 06 Jan 09, 19:59
Hi Schneebrot, hi alle,
meine Vorredner, allesamt liebe Geowissenschaftler-Kollegen, haben die Sache mit Studium-Exkursionen-Praktika-Berufseinstieg ja schon in 1A-Qualität in langen postings ausgeführt, drum mein Senf in aller Kürze:
Wenn Dein Herz für die Geologie schlägt und Du Dich mit harter Gelände- und ebenso harter Büroarbeit identifizieren kannst, gerne und gut Englisch sprichst, dann probiers doch einfach mit einem Geowissenschaftlichen Studium. In meinen Augen immer noch das tollste, vielfältigste, abwechlungsreichste, genialste, teuerste, spaßigste, anstrengendste, weitgefächertste Studium, das Du in Deutschland beginnen kannst. Wo Du's dann beendest und wo es Dich dann als Geowissenschaftler hintreibt, das kannste Dir vermutlich jetzt nicht mal in Deinen kühnsten Träumen vorstellen. Also, schreib Dich ein.
Glück Auf!
Ein Herzblut-und Vollblut-Geologe, Studienbeginn 1983, Diplom 1990 und seitdem immer als Geologe berufstätig
GEOMAXX
Titel: Re: Kann ich Geologie studieren?
Beitrag von: Schneebrot am 07 Jan 09, 21:38
Hi Schneebrot, hi alle,
meine Vorredner, allesamt liebe Geowissenschaftler-Kollegen, haben die Sache mit Studium-Exkursionen-Praktika-Berufseinstieg ja schon in 1A-Qualität in langen postings ausgeführt, drum mein Senf in aller Kürze:
Wenn Dein Herz für die Geologie schlägt und Du Dich mit harter Gelände- und ebenso harter Büroarbeit identifizieren kannst, gerne und gut Englisch sprichst, dann probiers doch einfach mit einem Geowissenschaftlichen Studium. In meinen Augen immer noch das tollste, vielfältigste, abwechlungsreichste, genialste, teuerste, spaßigste, anstrengendste, weitgefächertste Studium, das Du in Deutschland beginnen kannst. Wo Du's dann beendest und wo es Dich dann als Geowissenschaftler hintreibt, das kannste Dir vermutlich jetzt nicht mal in Deinen kühnsten Träumen vorstellen. Also, schreib Dich ein.
Glück Auf!
Ein Herzblut-und Vollblut-Geologe, Studienbeginn 1983, Diplom 1990 und seitdem immer als Geologe berufstätig
GEOMAXX
Amen :).

Bis das Studium überhaupt anfängt, werde ich nach dem Abitur noch sehr viel Zeit haben. Diese Zeit würde ich gerne nutzen, um geologische Bücher zu lesen. Durch einige Bücher kenn ich mich schon grob mit einigen Themen aus und schon als Kleinkind hab ich öfters auf Discovery, D-Max und wat et net allet jibt Dokumentationen zum Thema Erde gesehen, aber ich glaube nicht, dass mir das im Studium soooooooooooo viel weiterhilft...

Könnt ihr das ein oder andere Buch zum Thema Geologie empfehlen? Möchte nämlich einen möglichst guten Start im Studium haben und nicht direkt im 1. Semester von Fachbegriffen erschlagen werden :P.
Titel: Re: Kann ich Geologie studieren?
Beitrag von: smoeller am 07 Jan 09, 21:54
Hallo,

Einstiege sind die Bücher von Press&Siever und Bahlburg&Breitkreuz.

http://www.springer.com/spektrum+akademischer+verlag/geowissenschaften/geologie/book/978-3-8274-1812-8
http://www.amazon.de/Grundlagen-Geologie-Heinrich-Bahlburg/dp/3432297610

Die Links sind nur Beispiele. Google das am Besten mal. Prof. Breitkreuz ist übrigens in Freiberg, kenne ihn persönlich. Das Buch habe ich gelesen, ist für Einsteiger gut geeignet.

ZUr Mineralogie enpfehle ich die 3 Bände von E. Nickel: Grundwissen in Mineralogie, besonders Band 1.

Glück Auf!
Smoeller
Titel: Re: Kann ich Geologie studieren?
Beitrag von: Schneebrot am 08 Jan 09, 16:51
@smoeller:
Danke! Ich werde mir dann bald "Allgemeine Geologie" bestellen. :) Ist zwar a****teuer :-X, aber die Kundenrezensionen, die ich bis jetzt dazu gelesen habe, klingen vielversprechend. Da ist (denke ich) alles wichtige drin: http://www.buecher.de/shop/Handbuecher/Allgemeine-Geologie/Grotzinger-John-Jordan-Thomas-H--Press-Frank-Siever-Raymond/products_products/detail/prod_id/22845258/ --> Inhaltsangabe
Titel: Re: Kann ich Geologie studieren?
Beitrag von: smoeller am 08 Jan 09, 17:39
Hallo,

Lehrbücher sind immer teuer. Solltest du dann Geologie studieren, kannst du die dann immer noch gebrauchen. Viele Dozenten empfehlen genau diese Geologiebücher.

Glück Auf!
Smoeller
Titel: Re: Kann ich Geologie studieren?
Beitrag von: submariner am 08 Jan 09, 18:25
hallo schneebrot,

ich bin angehender geologe und verfasse gerade meine diplomarbeit.
du bist taucher? dann schau mal auf dieser seite vorbei:

http://www.geo.tu-freiberg.de/scientific_diving/index.html

ich selbst schreibe meine Diplomarbeit über submarine(unterwasser) Mineralbildungen an hydrothermalen (heißen wässern) quellen welche auf der Spitze eines "untergegangenen" Vulkans zu finden sind.  Die Proben haben wir im Laufe von zwei 2-wöchigen Exkursionen durch scuba-diving an den hydrothermalen Quellen vor Ort entnommen. Submariner Vulkanismus hautnah und durchaus prickelnd (CO2) und stinkend (H2S) ;).

Falls du im Laufe deines eventuellen Studiums auch weiter Tauchen möchtest, dann informier dich mal an der TUBA Freiberg.

Zum Thema Praktikum:

Ich musste als Diplomprüfungsleistung ein Praktikum von 10 Wochen an einer außeruniversitären Einrichtung absolvieren. Dieses absolvierte ich am Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in einem mir bis dahin relativ unbekanntem Themengebiet. Letztendlich sammelte ich jedoch sehr viele neue positive Erfahrungen, wurde im Anschluss an das Praktikum auf eine Forschungsreise auf einem Forschungsschiff ins Schwarze Meer eingeladen (als Hiwi) und kann mich über diese beiden Einträge in meinen Lebenslauf nicht beklagen.

Kurz zusammengefasst: Das Studium der Geologie bietet unglaublich viele Möglichkeiten, sich selbst zu verwirklichen und auch Träume zu verwirklichen. Die Forschungsreise sowie mein erster Besuch auf einem aktiven Vulkan (Stromboli) stellen Momente dar, die ich nicht wieder hergeben möchte, und die durch das Studium der Geologie erst möglich wurden.
 
Ein gutes Lehrbuch ist außerdem:

Plattentektonik, Kontinentverschiebung und Gebirgsbildung von Frisch & Meschede.

Bahlburg und Breitkreuz haben mir jedoch auch sehr gute Dienste erwiesen!

Nachtrag an Schneebrot: Ich würde dir eher Allgemeine Geologie von Bahlburg und Breitkreuz empfehlen. Den Press & Siever fand ich nach dem Grundstudium nur noch sehr oberflächlich, während ich im Bahlburg auch für meine Diplomprüfung in Allgemeiner Geologie sehr oft nachschlagen konnte.

Beste Grüße
Ronny
Titel: Re: Kann ich Geologie studieren?
Beitrag von: Unwissender am 10 Feb 09, 20:25
So, hallo zusammen!

Jetzt muss ich den Thread doch ma wieder nach oben holen, das Thema Geologie/Geowissenschaften zu studieren interessiert mich auch sehr! Einzig eine Sache macht mich irgendwo stutzig: Ist es wirklich ein so großes Problem, Geologie und Familie unter einen Hut zu bringen? Ich liebe das Fach und könnte mir momentan (beruflich...) nichts schöneres vorstellen, als etwas in Richtung Geologie zu machen. Jedoch schrecken mich diese doch recht düsteren Familieplanungsvorhersagen doch ein wenig ab...

Und was anderes noch: Gibt es wesentliche Unterschiede bei der Gewichtung von Mathe, Chemie und Physik zwischen den "herkömmlichen" Geowissenschaften und den angewandten Geowissenschaften? Ich liebäugel momentan eher mit den angewandten Geowissenschaften, bin mir aber auch hier nicht sicher, ob ich das v.a. mit Mathe packen kann... Meine Situation sieht ähnlich aus wie beim Threadersteller (Chemie und Physik in der Schule nicht gerade Lieblingsfächer, aber "wiederentdeckt" - die interessieren mich mittlerweile durchaus; Mathe war ich gut, wenn ich wollte...), jedoch hab ich bereits ein abgeschlossenes Studium hinter mir mit dem Lehramt GHS, aber das ist nicht das, was ich die nächsten 40 Jahre machen kann/will. Dort hatte ich im Studium u.a. Mathe, aber nicht mit Uni-Niveau vergleichbar...
Titel: Re: Kann ich Geologie studieren?
Beitrag von: caliastos am 10 Feb 09, 21:09
das grundstudium ist an sich überall identisch. was ist für dich herkömmlich, was angewandt? die unterteilung finde ich etwas idiotisch, da eins nicht ohne das andere lebt.

chemie und phydik brauchst du um die gesteinsbildenten prozesse verstehen zu können. was hast du davon wenn dir der dozent chemische formel hinknallt und du nicht weist, dass er dir gerade die metamorphose zeigt? oder dass formel x zu mineral y gehört.
physik gilt dann wieder für die mechanischen prozesse, bruchprozesse, deformation, um mal klein zu beginnen.

beides brauchst du generell für geologische prozesse.

mathe ist um da mit den formel hantieren zu können (auch wenn man dozenten meinen sie müsste mathematische dinge lehren, die einem elektrotechniker mehr bringen als dem geologen).

aus kommst du keinem der grundfächer.
Titel: Re: Kann ich Geologie studieren?
Beitrag von: giantcrystal am 10 Feb 09, 22:12
Hallo nochmal aus Mittelfranken zu diesem schönen Thema

Also das mit der Vereinbarkeit von Geologie und Familie geht durchaus. Ich bin seit 1994 glücklich verheiratet und nach wie vor als Geologe selbsttändig tätig : Schwerpunkt : Hydrogeologie und mineralische Rohstoffe, letzteres in den letzten Jahren deutlich vorherrschend.

Aber man muß bei der Wahl des Berufseinstieges schon etwas aufpassen, sonst landet man als Explorationsgeologe für etliche Jahre auf einem Projekt  in Hinterkakadusien. Wobei...wer weiß ob es nicht auch nette Frauen in Hinterkakadusien gibt... ;D  Wäre nicht das erste Mal, das einem Geologen so ein Schicksal widerfährt  ::)

Im Ernst gesprochen : Manches, zu dem ich aus geologischer Sicht sehr wohl Lust hätte, muß ich mir leider verkneifen, weil es die Familie einfach nicht mitmachen würde...aber auch da munkelt man, das so etwas nicht nur bei Geologen vorkommt.

Glück Auf

Thomas

P.S. @ caliastos : Sei mir nicht bös, aber Grammatik, Rechtsschreibung und Syntax deiner Beiträge sind ziemlich sinnentstellend ! Wenn  das beim ersten mal nicht hinhaut, so gibt es doch immer noch die Editierfunktion
Titel: Re: Kann ich Geologie studieren?
Beitrag von: caliastos am 11 Feb 09, 15:32
---> no comment. sagte schon mal anderweitig, dass ich in foren und chats nicht drauf achte. das lexikon, andere arbeiten, briefe usw. sind was anderes. da ja, aber nicht hier. da muss man sich nicht auch noch der verlogenheit des formal als richtig angesehen unterwerfen.
Titel: Re: Kann ich Geologie studieren?
Beitrag von: Tobi am 11 Feb 09, 15:40
In diesem Thread geht es um ein wissenschaftliches Studium an einer Hochschule - und dann sind manche noch stolz darauf, dass sie ihre Kommentare dazu in einer Form abgeben, für die sich mancher Hauptschüler schämen würde!

Armselig ::)

verlogenheit des formal als richtig angesehen unterwerfen.
??? ??? ???
Titel: Re: Kann ich Geologie studieren?
Beitrag von: giantcrystal am 11 Feb 09, 15:47
Hallo @ Calliastos und Tobi

Ich möchte  hier keinen Streit vom Zaun brechen und auch nicht jede Schrift und jeden Fehler auf die Goldwaage legen. Also sollten wir ruhig locker bleiben !

Aber trotzdem : wenn man erst einmal raten muß, was eigentlich gemeint ist...dann wird es zuweilen etwas schwierig mit dem Verständnis durch die Forenteilnehmer hier. So, und nur so, war mein Hinweis gemeint

Glück Auf

Thomas
Titel: Re: Kann ich Geologie studieren?
Beitrag von: TobiasBrehm am 11 Feb 09, 15:56
Hallo zusammen,

... um wieder zum thema zu kommen....

ich studiere auch gerade geowissenschaften als bachelor.

um physik, chemie und mathe kommt man (wie ja schon angeführt) nicht herum. aber ich hatte seit der 10. klasse kein physik mehr und habe trotzdem die klausuren und ein 6-wöchiges praktikum bestanden.... man muss sich halt vielleicht bisschen mehr dafür hinsetzten und lernen, aber es bleibt doch sehr stark bei den basics aus der schule...

wenn man familie und geologie verbinden will, muss man (meiner meinung nach) einfach bisschen gucken, in welche richtung man sich spezialisiert. es gibt so viele verschiedene gebiete auf denen geologen tätig sind. da ist sicher immer was dabei.
naja, und auch als explorationsgeologe in "Hinterkakadusien" kann man eine familie haben. da muss man halt nur ne explorationsgeologin heiraten... ;)

Ansonsten kann ich halt nur von meinen erfahrungen sprechen:
- viele exkursionen (minimum 10 tage pro jahr - ich mach meistens ca. 30 tage, da ich auf exkursionen viel mehr lerne)
- die woche ist recht gut voll mit vorlesungen, übungen etc...
... im grunde wurde ja schon alles beschrieben...

vielleicht noch der (aus meiner sicht) hauptunterschied zwischen bachelor und diplom: im diplom hatte man viel mehr wahlmöglichkeiten. im bachelor wird einem fast alles aufgetischt...
aber dass kann sich vielleicht auch von uni zu uni unterscheiden...

gruss,
tobias
Titel: Re: Kann ich Geologie studieren?
Beitrag von: Unwissender am 11 Feb 09, 19:22
@caliastos: Es gibt den allgemein bekannten Studiengang Geowissenschaften (in Richtung z.B. Paläontologie, Geologie...) und z.B. in Tübingen und Karlsruhe die Angewandten Geowissenschaften, die eine eher an der Praxis bei Firmen angelehnte Ausbildung beinhalten sollen - wohl etwas mehr in Richtung Ingenieurswesen? Der genaue Unterschied ist mir noch nicht so ganz klar...

Ansonsten hört sich das gut an! Ich dachte mir, dass ich etwas in Richtung Geothermie mache. Hier müsste es doch möglich sein, Arbeitsstellen innerhalb deutscher Grenzen zu finden... Wobei mir etwas in Richtung Katastrophenschutz auch sehr interessieren würde - das hört sich mehr nach geballtem Ausland an. Beides muss wohl mit den Angewandten Geowissenschaften Bachelor möglich sein.
Nach wie vor liegt mir einzig die Sache mit Chemie, Mathe und Physik im Magen. Aber ich kann mir schon vorstellen, dass ich mich da durchbeißen kann, v.a. weil hier die Anteile im Bachelor gekürzt worden sein sollen. In Karlsruhe z.B. sind insgesamt 8 SWS Mathematik ausgeschrieben. Das müsste zu schaffen sein... Da ist der Anteil an Physik und Chemie höher. Ich denke schon, dass ich die Sache ab Oktober in Angriff nehmen werde. Vom Thema her ist es voll meins und das ist generell erst mal das, was zählt. Und dass es ins Gelände geht, ist gleich nochmal besser.
Titel: Re: Kann ich Geologie studieren?
Beitrag von: caliastos am 11 Feb 09, 22:18
geothermie ist eine fachliche spezialisierung. wüste gerade nicht wo man das speziel lernen kann. vielleicht gibt es was, aber meist wird mit glück eine vorlesung dabei sein zu dem thema. speziell darauf fixieren... dafür ist das etwas zu speziel. geht nur nachher; meistens jedenfalls. stellen finden sich genügend, nur nicht immer so spannend, wie's klingt. hatte mal ein praktikum in der richtung gemacht.
Titel: Re: Kann ich Geologie studieren?
Beitrag von: TobiasBrehm am 12 Feb 09, 20:05
@ Unwissender: so viel ich weiß, ist der studiengang angewandte Geowissenschaften mehr auf den Bereich Tunnelbau etc. ausgelegt (100%ig sicher bin ich mir nicht). Es geht dabei glaube ich, wie du schon angedeutet hast, mehr um ingenieurgeologische Aspekte. Der "normale" Studiengang Geowissenschaften ist halt das, was man sich unter Geologie so vorstellt. Das ist dann auch die Richtung, in der mehr Forschung, Exploration etc gemacht wird... falls ich da was falsches sage, dann verbessert mich bitte! So habe ich jedenfalls das ganze verstanden.

@ caliastos: hier in freiburg habe ich zum Beispiel viel zum thema geothermie gehabt, da es ein/zwei dozenten gibt, die sich damit bisschen auseinandersetzten. um in dem bereich als geowissenschaftler einen job ausüben zu können, muss man sich eh auf dem gesamten gebiet, der geologie (tektonik, sedimentologie, etc.) auskennen. ich glaube also auch nicht, dass es da nen spezielle ausbildung gibt. vielleicht kann man sich in einem masterprogramm darauf etwas spezialisieren, aber man macht ja dann trotzdem eigentlich nur die "normale" geologie. für alles andere gibt es ja dann wieder spezialisten (driller, mudlogger, etc.).
... is wohl auch leider häufig so, dass sich jobs interessanter anhören, als sie dann letztendlich sind... aber das leben is halt kein wunschkonzert. und spaß machts ja trotzdem. hauptsache dabei dreckig werden! :)
Titel: Re: Kann ich Geologie studieren?
Beitrag von: Blackminer am 12 Feb 09, 20:37
Hallo Leute!
Ich hab auch in Freiberg Geologie studiert (1994 angefangen und 2001 geschmissen) und dann den Geologietechniker gemacht. Diese lange Studienzeit ging damals noch.
Das Studium ist genial, aber auch anstrengend! Z.Z. wird es auch immer finanzintensiver.
Zu meiner Zeit, wurden viele Exkursionen von Sponsoren unterstützt, was jetzt bestimmt auch weniger wird.

Macht euch aber nicht zu sehr an der Geologie fest!
Vielen Leuten (auch mir ), hat die Mathematik das Genick gebrochen. Ich hab 15mal die Matheklausur wiederholt! Erfolglos! :'(
Bei anderen war es Chemie und Physik.
Wer jetzt mit ner 3 in Mathe o.ä. anfängt, dürfte ziemliche Schwierigkeiten bekommen. Auch ein recht gutes Englisch ist nicht von Nachteil, da viele Vorträge in dieser Sprache gehalten werden müssen.

Das Berufsbild des Geologen, von dem viele geträumt haben, gibt es doch fast nicht mehr.
Die meisten Dipl. Geol. sitzen am PC und sehen die Natur oft nur vom Schreibtisch aus. Wenn man in einem Ing.büro arbeitet, wird immer 1/3 Feldarbeit und 2/3 Schreibtischarbeit gerechnet. Meistens ist das Verhältnis 1/4 zu 3/4 oder noch schlechter.
Viele Grüße!
Titel: Re: Kann ich Geologie studieren?
Beitrag von: caliastos am 12 Feb 09, 21:29
hehe, das mit dem pc kann man schon bestätigen. man kann auch den untergrund irgendwie modellieren. wer's anständig macht wird fast verrückt, da man sieht was für mist bei der datenerfassung verbrochen wurde.