Mineralienatlas - Fossilienatlas

Vermischtes / Miscellaneous / Varios => Bestimmungen allg. => Thema gestartet von: Helmi am 13 Jan 09, 18:37

Titel: unbekanntes Gestein - Schlacke ?
Beitrag von: Helmi am 13 Jan 09, 18:37
Hallo,
was könnten das für Gesteine sein ?
erstes Bild: Dichte 3,30 g/cm³.Schwarzbraun, matte glatte Oberfläche, zeigt gerichteten Magnetismus (über 3 und 9 N,über 6 oben S, über 4 unten S und über 4 Knolle mit Einschlüssen N) und keinerlei Veränderungen an der Oberfläche.(Wurde so wie im Bild vor acht Jahren gefunden.

zweites Bild: Dichte 2,62 g/cm³, riecht irgendwie nach Pulver, zeigt zwei Wochen nach dem Fund weiße Stellen.Das Gestein sandet bei Berührung. Der Sand besteht aus schwarzen, grauen und weißen Sandkörnern,wobei letztere teilweise einen schwarzen Belag haben (Form wie aufgetropftes Wachs) sowie weiße und schwarze "Fetzen", die aussehen wie wenn dünnflüssiges Blei im Wasser erstarrt ist. Auf der braunen Fläche befinden sich ca. 0,8 mm große gelbe, durchsichtige Sandkörner und ein gelblicher an Schwefel erinnernder dünner Belag.

Fundort von beiden: Strand am Riedensee bei Kühlungsborn.
Gruß Helmi.
Titel: Re: unbekanntes Gestein
Beitrag von: Lapislazuli am 13 Jan 09, 20:10
Hallo, bist du sicher, dass es sich bei Bild Nummer 1 um ein Gestein handelt? Sieht für mich eher wie Schlacke aus. Die Farbe spricht auf jeden Fall dafür. Schlacken können auch je nach Zusammensetzung ganz oder nur partiell einen Magnetismus aufweisen (du schreibst ja von verschiedenen magnetischen Stellen). Bild Nummer 2 spricht auch dafür, sieht für mich wie ein Bruchstück des Schmelzofens aus. Könnte Sandstein oder was ähnliches gewesen sein, das eine Russschicht oder was ähnliches aufweist aus dem Feuer- oder Schmelzraum des Ofens. Wenn das Ganze schon etwas älter ist, kann der Stein sich durchaus zersetzt haben, deshalb zerbröselt er. Sind aber nur Vermutungen, vielleicht ist es aber auch ganz anderst und mein Beitrag nur Mist.

Unter der Internetadresse http://dare.uva.nl/document/68005 kannst du alles über Schlacken lesen (Abschnitt 3.3.2 über Magnetismus von Schlacken). Ist sehr informativ.

Glück auf

Edgar
Titel: Re: unbekanntes Gestein
Beitrag von: Helmi am 14 Jan 09, 20:21
Hallo Edgar,
danke für den Seitentip. Beim ersten Bild hast du recht. Es müßte sich um Ausheiz-/ Schmiedeschlacke handeln. Der Stein zeigt auf der Rückseite winklig zueinanderstehende glatte Flächen. Beim zweiten Bild währe Schlacke mit Schweisssand möglich, aber die Dichte ist zu klein für Schlacke aus der Eisenverarbeitung. Außerdem ist der Stein im Innereren derart fest und hart, das der Schneidevorgang ewig dauert und ich zum Hammer gegriffen habe. Dabei entstand Sand s. Bild. Bin weiter auf der Suche. Das violette Mineral in der Mitte könnte Morganit sein.
Gruß Helmi
Titel: Re: unbekanntes Gestein
Beitrag von: Lapislazuli am 14 Jan 09, 22:54
Hallo, kannst du vielleicht noch ein Bild von der Rückseite von Bild Nummer zwei hochladen?

Noch ein anderer Gedankenanstoß: Du schreibst, dass sich nach zwei Wochen weiße Stellen gebildet haben. Wenn ich so etwas höre, denke ich als erstes an Salpeterausblühungen bzw. Salzausblühungen. Ich weiß aber nicht genau wie lange so etwas dauert, sprich, es bei diesem Stück überhaupt möglich ist. Wenn das Stück zwei Wochen zum trocknen gebraucht hat, könnte es sich durchaus um Salzausblühungen handeln, bei Salpeter kenne ich wie gesagt die Ausblühungszeiten nicht. Alter Mauerputz bekommt auch oft Salpeterausblühungen, schon mal an so etwas gedacht? Diese gelblich bräunliche Farbe könnte schon auf alten Putz passen, aber zu der nach Pulver riechenden schwarzen Schicht fällt mir im Moment keine Idee ein, höchstens, das Salpeter in Pulver drin ist. Hm, alter Putz - extreme Härte - ob das zusammenpasst?
Wie gesagt, nur mal ein Gedankenanstoß. ::)

Glück auf

Edgar
Titel: Re: unbekanntes Gestein
Beitrag von: minuwe am 15 Jan 09, 00:22
Was ist denn das metallisch glänzende auf dem letzten Bild? Ist das magnetisch?

Gruß
Uwe
Titel: Re: unbekanntes Gestein
Beitrag von: Lapislazuli am 15 Jan 09, 19:08
Hallo, muss mich verbessern :-[. Also alter Putz wird es auf keinen Fall sein. Bin davon ausgegangen, dass das Grundgestein aus dem gelblichen Sand besteht. Bei genauerer Betrachtung und Vergrößerung mittels Programm Paint habe ich dann festgestellt, das dem nicht so ist, sondern das graue Material die Grundsubstanz bildet (erkennt man, da der gelbe Sand nur noch in den Vertiefungen des grauen Materials anhaftet, der andere Rest wurde also schon abgerollt.
Also ich halte es für Schlacke mit Schweißsandresten. Die graue Farbe und auch der pulvrige (schmauchige?) Geruch, den du erwähnst, passen meiner Meinung nach gut für Schlacke. Du meinst, dass die Dichte von 2,62 nicht passt. In dem Beitrag steht aber nur, dass die Dichte für Schlacken im allgemeinen zwischen 3 und 5 liegt, kann also auch mal davon abweichen und ist nur ein ungefährer Wert. Es hängt halt einfach davon ab, was für Ausgangsmaterialien und unterschiedliche Mengen davon verwendet wurden, darum kann man da meiner Meinung nach keine wirklich genauen Fixwerte zugrundelegen. Und dann spielt ja auch noch rein, wie genau du die wirkliche Dichte des Materials bestimmen konntest, vielleicht war auch noch beim Bestimmen ein Anteil vom möglichen Schweißsand dabei, der dann das Ergebnis wieder beeinflusst.

Glück auf

Edgar
Titel: Re: unbekanntes Gestein
Beitrag von: triassammler am 16 Jan 09, 01:02
Zitat
wobei letztere teilweise einen schwarzen Belag haben (Form wie aufgetropftes Wachs)

Zu Bild 2 bzw. dessen Beschreibung muss ich eine Beobachtung, ebenfalls von der Ostsee, an den Mann bringen:

Ich war auf Öland bei Åleklinta im Kambrium unterwegs und habe mich auch über die harten, aber irgendwie Wachsoptik besitzenden Flecken und Überzüge auf einigen der Gerölle in der Brandungszone gewundert. Mir fiel dazu Bitumen ein, das nach einiger Zeit im Salzwasser hart und etwas spröde wird. Nur war mir unklar, woher das Bitumen hätte kommen sollen. Als ich um die Ecke der Klippe kam, standen am Ufer des kleinen Fischereihafens einige Fischerboote, die frisch geteert und kalfatert waren. Einiges von dem Bitumen war auf die Strandgerölle getropft. Sicher wird das jährlich so gemacht, und die betropften Steine der Vorjahre verteilen sich mit der Strömung über den ganzen Strandabschnitt, wobei das Bitumen altert und teilweise abgeschliffen wird, so dass die ursprüngliche Tropfenform der Flecken nicht mehr erkennbar ist.

Könnte es sein, dass Dein Stück etwas ähnliches ist? Mit einer in einer Flamme erhitzten Nadel müsste sich das schwarze Material dann penetrieren bzw. zumindest oberflächlich anschmelzen lassen.

Gruß,
Triassammler
Titel: Re: unbekanntes Gestein
Beitrag von: Helmi am 18 Jan 09, 17:59
Hallo,
mit Bitumen hat es  nichts zu tun (habe sicherheitshalber mit rotglühender Nadel getestet.). Für Putz wäre es auch zu feinkörnig.Beim erhitzen mit Bunsenbrenner zeigt sich auch keine Reaktion. Bei dem metallisch Glänzenden handelt es sich um einen Belag aus kleinen Kügelchen des schwarzen Materials. Diese schillern unter dem Mikroskop bei stärkerer Vergrößerung entweder rot oder grün. Unter dem Mikroskop zeigen die durchsichtigen Körner im polarisierten Licht intensive, kräftige Farben (s. 3. Bild).
Im ersten Bild ist die Rückseite vom Fund zu sehen.Die  helle Stelle über dem roten Balken ist ein ca.5 mm großer Spatkristall.
Gruß Helmi
Titel: Re: unbekanntes Gestein
Beitrag von: Helmi am 18 Jan 09, 18:00
Bild 2
Titel: Re: unbekanntes Gestein
Beitrag von: Helmi am 18 Jan 09, 18:02
Bild 3 (Bild 2 im polarisierten Licht)