Mineralienatlas - Fossilienatlas
Fossilien / Fossils / Fósiles => Lebewesen / Life forms => Kopffüßer / Cephalopoda => Thema gestartet von: Joachim am 31 Oct 04, 02:03
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das wäre bestimmt interessant. ganz selten findet man auch zahnreste in knochen. hab leider keinen bis jetzt.
wenn man nur wüßte, von wem diese verletzung stammt. manchmal werden diese tierchen auch in der brandung gegen den fels geschleudert, oder leben die nur auf offenen meer?
marco
Hallo Marco
Interessante Frage! :)
Zum Einstieg kann ich eigendlich nur einem jeden das Buch von Prof.Dr.Dr Helmut Keupp
AMMONITEN Paläobiologische Erfolgsspiralen (http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3799590862/wwwmineralien-21)
empfehlen!
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Zur Lebensweise dieser Tiere herrschen unterschiedliche Meinungen! 8)
Eine Verletzung überleben kann so ein Tier nur wenn diese im Mündungsbereich der Wohnkammer passiert!
Ein "Loch" im Phragmocon(Gaskammer) und dem hinteren Ende der Wohnkammer führte unweigerlich zum Tod!
Je nachdem wo sich das Tier verletzte versuchte das Epithel ( Nervenzone an der Mündung)diese zu regenerieren!
Dabei traten die Unterschiedlichsten Formen auf!
Diese Verletzungen hatten die unterschiedlichsten Ursachen!
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Punktförmige Epithelverletzung
Diese kommt bei Ceratiten des öfteren vor!
Durch eine kleinere Verletzung an der Mündung bildete sich wärend des Wachstums eine Rinne.
Ceratites Sublaevigatus mit Schalenbruch und Punktförmiger Epithelverletzung!
Darunter die Rückenansicht eines Ceratites Weyeri mit derselben Verletzung.
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das sieht dann aber schon so aus, als wenn diese ceratiten sich selber geschadet haben oder einfach deformiert zur welt kommen. na gut, wenn jemand diese tierchen fressen wollte, hat er bestimmt die schalen zerknackt und nicht herausgeschlürft :)
marco
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;D Hallo Marco
Es geht ja bald weiter! Da kommen schon noch einige sehr Pathologische dazu! ;D
Man sieht ja auch nur die Stücke die es überlebt haben und Fossil wurden!
Gruss Joachim
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1875 erwähnte Credner zum ersten mal den Begriff "Fastigatus"
Damals dachten verschiedene Autoren,das es sich um eine eigene Art handelt!
Wenger (1957) beschrieb diese als vermutliche Mutationen.
Erst in den letzten Jahren wurden diese Pathologischen Ceratiten verstärkt von Rein und Keupp
bearbeitet und es wurden die Zusammenhänge erkannt die zu diesen Gehäuseveränderungen führten.
Die Fundhäufigkeit endspricht etwa 1:1000 bis 1:2000 im Felde gefundenen Ceratiten!
Ceratites nodosus forma Fastigatus
Fundort Mainfranken
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;) Wie ein Zahnrad greifen die Rippen von der Flanke über den Rücken.
Ceratites spinosus forma Fastigatus
Fundort Elsass
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Ceratites Spinosus forma Fastigatus
Fundort bei Heilbronn BW.
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Ceratites Sublaevigatus forma Fastigatus
Fundort Gänheim/Mainfranken
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Diese Fastigate Ringrippigkeit ist aber eher die Ausname!
Hier mal ein Beispiel eines Discoceratites Semipartitus der sich am Rücken verletzt hatte und diese sehr schön wieder regeneriert hat!
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Bei diesem Semipartitus war die Verletzung schon etwas stärker.
Daher bildete sich ein kleiner Knoten und die weitere Skulptur wurde änlich des Dorsoplanus am Rücken vierkantig.
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Des öfteren finden sich Ceratiten die sich an der Flanke verletzt hatten!
Im Regelfall wird hier das Mundepithel bis zur Verletzung zurückgezogen und diese regeneriert.
Sehr schön an Wucherungen der Rippen zu erkennen.
Ceratites Evolutus
Gänheim
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.. und hier ein ganz krasses Beispiel eines Ceratites Spinosus dazu.
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Das kann sogar bis zum kompletten Skulpturabbau führen.
Ceratites Evolutus
Troistedt
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Bei diesem Ceratites Spinosus bildete sich eine schwarze Ersatzschale im Verletzungsbereich.
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Die folgenden Beispiele sind keine Verletzungen!
Ceratiten wurden ja häufig zu Lebzeiten von Placunopsis bewachsen die als Larvenschwärme Jährlich im Wasser ausströmten.
Ceratiten und Nautiliden boten da ja einen Idealen Untergrund.
Wenn so ein Ceratit in seiner Jugendphase bewachsen wurde hatte er teilweise schon arge Probleme seine Kammern
weiterzubauen!
Bei den beiden Beispielen war dieses der Fall!
Der Ceratit hat den Placunopsis einfach überwachsen.
Man sieht sehr schön wie er aus der Windungsspirale geht.
1.Ceratites Laevigatus Würzburg
2.Ceratites Sublaevigatus Hollstadt
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Auch bei den Lobenlinien gibt es äusserst selten Anomalien!
Diese sind vermutlich genetisch bedingt oder auf ein sehr frühes traumatisches Ereignis zurückzuführen.
Discoceratites Semipartitus mit geteilten Lobus.
A71 Hain
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Bei diesem Stück ist der Auxiliarkranz auf die Flanke verschoben!
Der Pfeil zeigt an wo eigendlich der Rücken sein sollte!
Discoceratites Semipartitus
A71 Pfersdorf
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Bei diesem Ceratites Spinosus fehlt der Lobus!
Dieser ist nur durch die Auxiliarzäckchen angedeutet!
Fundort Isseroda Thüringen
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Manchmal finden sich in der Robustus-Zone noch Ceratiten mit gezackten Loben und Sätteln wie es bei Ceratites Flexuosus vorkommt!
Ceratites Robustus
Tiefurt bei Weimar
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Zum Abschluss noch etwas einmaliges! :D ;D ;)
Ein Ceratites Compressus mit "Ammonitischer" Lobenlinie.
Fundort Erkeln/NRW
Gruss Joachim
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Hallo Joachim,
Whow..., ein Ceratit mit ammonitischer Lobenlinie - das ist ja wirklich etwas ganz Besonderes!!!
Gruß
Steinchen :)
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Hallo Steinchen
Das ist aber eine Lobenanomalie!
Auf der Rückseite hat er eine Ceratitische Lobenlinie! ;)
Gruss Joachim :D
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Hallo Joachim,
sehr interessant! Das ist dann wohl ein Beweis dafür, dass die Ceratiten schon eine Veranlagung zur Weiterentwicklung der Lobenlinie in sich hatten.
Gruß
Steinchen :)
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Hallo Steinchen
Die Alpinen Ceratiten hatten ja bereits eine Ammonitische Lobenlinie.
Wenn du dir mal die Ceratiten aus dem unteren Muschelkalk(Wellenkalk MU) anschaust,siehst du es!
Unsere Ceratiten aus dem Germanischen Becken haben eine eigene Lobenlinie endwickelt.
Dieser Endwicklungszweig endet allerdings in einer Sackgasse!
Es gab im mittleren Keuper nochmal einen Meereseinbruch! Grenzdolomit genannt.
Hier fanden sich in Thüringen auch noch Ceratiten. Diese hatten sogar eine etwas änliche Lobenlinie!
Es tauchen halt im laufe der Jahre immerwieder überaschungen auf! ;)
Gruss Joachim
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Hallo zusammen,
für die Ceratiten der germanischen Trias hat man wegen der Einzigartigkeit der Lobenlinie den Begriff der ceratitischen Lobenlinie geprägt. Dies sind die eigentlichen Ceratiten, zu denen die Ammoniten der Alpinen Trias nicht gerechnet werden.
Michael