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Mineralien / Minerals / Minerales => Mineralien (Fundort) bestimmen / determine minerals => Thema gestartet von: Schluchti am 01 Nov 04, 17:09

Titel: Radioaktives schwarz-violettes Mineral?
Beitrag von: Schluchti am 01 Nov 04, 17:09
Hallo ich mal wieder. Gestern hat es mich nach Antonsthal auf die Schachthalde (Halde 235?) verschlagen.
Die Funde waren wiedermal sehr bescheiden. Habe zwar eine Stufe mit schönem radialstrahligem Schörl gefunden und wahrscheinlich etwas grünlichen Beryll, leider nur derb,  (gibt es grüne, durchsichtige Quarzvariationen?), aber natürlich wieder mal keine Silber oder Rotgültigerze... :-\


Dann fiel mir noch ein Stück eines fast schwarzen bis ins dunkelviolett gehenden Minerals in die Hände, welches leider nur derb vorliegt, aber einen glasartigen Glanz hat und durchscheinend ist. Ich hatte es vorläufig als dunklen Amethyst oder Fluorit  eingeordnet. Habe dann mal meine Funde in einer Reihe aufgelegt und bin mit dem Geigerzähler drüber. Nun ja, diese Stufe läßt es jedenfalls ganz ordentlich knistern. (alle anderen Stufen keine erhöhte Aktivität, Ausschlag mit aufgelegem Zählrohr max 1µSievert/h , diese Stufe lies den Zeiger im Meßbereich bis 10 µSievert/h bis an den Anschlag knallen, im nächsthöheren Meßbereich so etwa zwischen 10 und 11 µSievert/h).

Habe nun den Verdacht, daß es sich hierbei um "Stinkspat" handeln könnte. Die Schwarzfärbung soll ja durch Radioäktivität verursacht sein. Ich weiß aber nicht, ob "Stinkspat" nun aber normalerweise auch selbst radioaktiv ist...

Habe leider kein Bild gemacht, da ich dann schnell wieder los mußte und die Stufe lieber erstmal in die entfernsteste Ecke des Gartens geräumt habe (okay, ist vielleicht etwas übertrieben...  ;)).

Hat jemand eine Idee, welches radioaktive Mineral dies vonder Farbe her theoretisch sein könnte? Die Stufe ist so etwa 7 x 4 cm. 
Titel: Re: Radioaktives schwarz-violettes Mineral?
Beitrag von: geomueller am 01 Nov 04, 17:25
Hallo Schluchti,

so wie du das Stück beschreibst ist es "Stinkspat", eine schwach radioaktive dunkelviolette Flußspatart die typisch ist für das Erzgebirge. Wenn Du das Stück anschlägst und dran richst wirst Du merken das es "stinkt", der Geruch wird durch freigesetztes Fluor verursacht. Ich habe am Wochenende einige solche Stücke angeschliffen, dabei hat es ganz schön gemüffelt ;D. Naja Fluor ist gut für die Zähne ;D ;D ;D ;D ;D

Beschreib mal die Lage der Halde näher? Ist das aus Schwarzenberg kommend vor Antonthal links übers Schwarzwasser (Holzbrücke) am Hang die Halde die klassiert und als Schotter/Splitt abgefahren wird?


Gruß Jürgen
Titel: Re: Radioaktives schwarz-violettes Mineral?
Beitrag von: Schluchti am 01 Nov 04, 17:41
Hallo Geomüller, danke, also wird es wohl der Stinkspat sein.

Die Halde habe ich von Erla aus (dort war ich vorher auf der Halde oben auf dem Berg) durch den Wald von oben erreicht. War ca. 2 km von der Halde in Erla entfernt. Von der Halde in Erla kann man quasi von oben auf diese Halde in Antonsthal schauen. Die Halde wird auch rege zur Split-und Schottergewinnung genutzt. 
Titel: Re: Radioaktives schwarz-violettes Mineral?
Beitrag von: geomueller am 01 Nov 04, 18:14
Hallo Schluchti,

ja dann ist es die selbe Halde auf der ich auch schon war, allerdings bin ich von unten ran. Den Stinkspat habe ich dort auch schon gefunden, außerem mehrere Brocke der für den Raum typischen Skarnvererzung, sieht angeschliffen ganz interessant aus.

Jürgen
Titel: Re: Radioaktives schwarz-violettes Mineral?
Beitrag von: Schluchti am 01 Nov 04, 18:24
Diese Skarnvererzung sind das so gelblich-weißlich-manchmal leicht rötlich metallische Vererzungen, die mitunter auch leicht bläulich und grünlich schimmern?

Habe von solchen Brocken eine ein ganze Menge gefunden, da der Metalldetektor darauf anschlug. Äußerlich sind die Steine meistens schwarz. Habe natürlich auf reichlich Arsen gehofft... Da war leider nichts zu finden. Langsam habe ich das Gefühl, das Arsen versteckt sich vor mir...

Edit: Der größte Brocken den ich von diesem Material gefunden habe war etwa 50cmx30cmx30cm groß. Der Stand am Rand beim diversem Metallschrott... Leider keine Chance das Teil auch nur einen Meter zu tragen, geschweige denn 2 km steil bergauf...   ;)
Titel: Re: Radioaktives schwarz-violettes Mineral?
Beitrag von: uwe am 01 Nov 04, 19:35
Hallo Schluchti,

die grünlichen kristallinen Aggregate werden irgendwo in der Diopsit/Epidot/Zoisitgruppe einzuordnen sein. Beryll ist in Skarn von Antonsthal mehr als unwahrscheinlich. Es gibt dort allerdings auch grünen Fluorit.

Turmalin kommt natürlich überall vor. Es ist aber möglich, daß es sich bei den schwarzen, nadligen Aggregaten um Ludwigit handelt, der in diesem Skarn sehr häufig vorkommt.

Die metallischen Aggregate sind sehr wahscheinlich Arsenkies, der auf der Halde oft oft bunt anläuft. Man sollte schon mal mit den Hammer darauf schlagen. Manchmal ist so ein Aggregat drusig und man kann ein schönes Handstück mit Kristallflächen gewinnen.

Das Du kein Silber gefunden hast muß Dich nicht ärgern. Silber ist meines Wissens zwar in Antonsthal schon gefunden worden, aber nicht auf dieser Halde.

Glück Auf
Uwe
Titel: Re: Radioaktives schwarz-violettes Mineral?
Beitrag von: Schluchti am 01 Nov 04, 20:03
Danke Uwe! Ja, Beryll erscheint mir nun auch nicht mehr so wahrscheinlich (obwohl er dort schon angeblich gefunden wurde). Könnte wohl auch Fluorit sein. Habe mal ein Bild gemacht (das letzte).


Mmmh, bezüglich Ludwigit habe ich keine genaue Vorstellung, wie das aussehen könnte. Habe mal von meiner Stufe die Vorder- und Rückseite fotografiert  (Bild 1 und 2).

Ja, diese metallischen Steinchen habe ich ordentlich gehauen. Waren ganz nette Bruchflächen zu sehen. Teilweise doppelt gebänderte Adern.

Auf dieser Halde wurde von einem Sammler, der mir den Tip gab schon Arsen, Proustit und Pyrargyrit gefunden. Davon war aber bei mir leider keine Spur zu finden...  :(   
Titel: Re: Radioaktives schwarz-violettes Mineral?
Beitrag von: geomueller am 01 Nov 04, 20:09
Hallo Schluchti,

alles was Uwe geschrieben hat kann ich zu 100% bestätigen. Außerdem, auch ged. Arsen wirst Du dort vergeblich suchen, der passt nicht zu der dort typischen Skarnvererzung, zwar gibt es hydrothermale Gangvererzung auch in Anthonstal aber nur sehr selten mit ged. Arsen. Ged. Arsen ist dagegen typisch für die Bi-Co-Ni-Vererzung von Schlema/Hartenstein/Alberoda und Pöhla.

Jürgen
Titel: Re: Radioaktives schwarz-violettes Mineral?
Beitrag von: geomueller am 01 Nov 04, 20:18
Hallo Schluchti,

unsere Beiträge haben sich gerade überschnitten, deshalb gleich noch meine Antwort auf Deine Bilder.

Bilder 1 + 2: Aktinolith (sehr schönes Stück!), die hellgrünen Kristalle müsste man sich noch mal genauer ansehen, könnte Zoisit sein,
Bild 3: Fluorit

Gruß Jürgen
Titel: Re: Radioaktives schwarz-violettes Mineral?
Beitrag von: wolfilain am 01 Nov 04, 20:22
hi
kannste mal noch ein photo des radioaktiven machen.
und mir bitte sagen welche strahlungs arten du gemessen hast?  (a,b,g)
tnx

(edit)
weil ich kann nur gamma messen.
Titel: Re: Radioaktives schwarz-violettes Mineral?
Beitrag von: Schluchti am 01 Nov 04, 20:33
@Uwe & Geomüller: Gut, dann muß ich mich auch nicht ärgern, wegen dem Proustit (habe wohl einen Proustit-Fetisch....  ;D)... Nur wo soll ich da noch suchen... Auf der 296 sah es auch mau aus. :-\

Die grünen Kristalle werde ich nochmal versuchen größer hinzubekommen.

@wolfilain:

Das radioaktive Steinchen habe ich leider nicht mit in Dresden, das liegt noch in Aue im Garten. Werde mal am Freitag ein Bild machen.  Mein Geigerzähler mißt Beta und Gammstrahlung. Soweit ich das Teil durchschaut habe, kann der leider geräteseitig nicht unterscheiden, welche Strahlung in welcher Menge vorliegt. Zwar hat das Zählrohr ein "Fenster" über dem "B" steht und genau auf der Rückseite steht "G", so daß ich mal vermute, daß man durch drehen des Zählrohres die Strahlungsart unterscheiden kann, aber das hat keinen Unterschied gemacht bei der Messung. 



Titel: Re: Radioaktives schwarz-violettes Mineral?
Beitrag von: Schluchti am 01 Nov 04, 23:56
Nochmal zu der ersten Stufe:

Bloß gut, daß ich mal Bilder eingestellt habe, denn auf Aktinolith wäre ich wahrscheinlich nie gekommen. Hatte die Stufe (vorschnell) als Turmalin -> Schörl  eingeordnet. 

Hier noch mal ein etwas vergrößerter Ausschnitt der grünen Kristalle. Mehr ging leider mit meiner Kamera nicht.
Titel: Re: Radioaktives schwarz-violettes Mineral?
Beitrag von: uwe am 02 Nov 04, 19:08
Hallo Schluchti,

ich bin nicht so sicher, daß es sich bei dem schwarzen Strahlen (übrigens eine schöne Stufe) um Aktinolith handelt. Prüfe mal den Strich. Ludwigit hat einen schwarzen Strich, Aktinolith keinen. Ich hänge mal ein Bild von meinen Ludwigit von der gleichen Halde an.

Das olivgrüne Mineral ist bestimmt, wie bereits oben vermutet ein Zoisit/Diopsid Mix. Ebenfalls das Bild einer Stufe von der betreffenden Halde.

Glück Auf
Uwe
Titel: Re: Radioaktives schwarz-violettes Mineral?
Beitrag von: Schluchti am 02 Nov 04, 19:18
Ja, der Strichtest (hätte ich ja auch mal dran denken können...). Der Strich ist olivgrün. Was kann das bedeuten? Würde eher für Ludwigit sprechen, oder?

Deine Stufen sehen aber auch nicht übel aus!  :)


Titel: Re: Radioaktives schwarz-violettes Mineral?
Beitrag von: Schluchti am 03 Nov 04, 16:45
Edit: im Lexikon hier wird der Strich mit grünlich-schwarz beschrieben. Könnte also passen. Wurde dort auch häufig gefunden. Gibt es sonst einen Test für Ludwigit?
Titel: Re: Radioaktives schwarz-violettes Mineral?
Beitrag von: uwe am 03 Nov 04, 19:59
Hallo Schluchti,

mir fällt nur noch das Skarn-Mineral Hedenbergit ein, welches auch einen dunkelgrünen Strich hat. Ich tentiere jedoch gefühlsmäßig (mir ist bekannt, daß das unwissenschaftlich ist) zu Ludwigit.

Ludwigit ist ein Borat. Bor sollte sich wie folgt nachweisen lassen:
Eine Mineralprobe in einem Reagenzglas mit konz. Schwefelsäure versetzen. Methanol zugeben und erhitzen. Wenn das Methanol verdampft, Flamme anzünden. Bor färbt die Flamme grün. Aber Achtung, heiße, konzentrierte Schwefelsäure ist kein Spaß. Reagenzglasöffnung vom Gesicht weg halten und nicht unbedingt über einen wertvollen Fußbodenbelag testen. 

Glück Auf
Uwe

Titel: Re: Radioaktives schwarz-violettes Mineral?
Beitrag von: Schluchti am 03 Nov 04, 20:14
Danke, Uwe! :) Vielleicht darf ich ja mal bei den Chemikern der TU ins Labor, um dort den Versuch zu machen (oder machen zu lassen).

 
Titel: Re: Radioaktives schwarz-violettes Mineral?
Beitrag von: Schluchti am 08 Nov 04, 21:06
Nachtrag:

Hier noch ein Bild des Stinkspates:

Titel: Re: Radioaktives schwarz-violettes Mineral?
Beitrag von: smoeller am 12 Dec 05, 13:21
Hallo,

bezüglich des Ludwigites.
Das ist eher Amphibol oder Pyroxen. Der Strich von Ludwigit ist eher bräunlich. Sieht auch schon auf den Fotos eher wie Amphibol (Aktinolith) aus.

Smoeller
Titel: Re: Radioaktives schwarz-violettes Mineral?
Beitrag von: kristallspürnase am 12 Dec 05, 13:36
Vielleicht mal allgemein was zu den Fundmöglichkeiten:
Dieses Jahr sah es dort nicht allzu rosig aus! Die haben ja auch früh Winterpause eingelegt!
Meiner Erfahrung nach lag die Fündigste Zone im Bereich der Baubuden und es Asphalthaufens! Dort hab ich schöne massive Bi-Co-Ni-Brocken, kleine Proustite, schöne Fluorite(gelb und dunkellila), eine winzige Silberlocke auf Matrix,hervorragende Ludwigite, kleinere Calcite auf Quarz... gefunden! Leider wird dort schon ewig nichts mehr weggenommen! Im hinteren Bereich ist mir letztens wieder ein Handstück Bi-CO-Ni in die Hände gefallen. Super Silber in Arsen-funde müssen zu Beginn der Abtragung gleich oben am Waldrand gemacht worden sein, aber das weis ich nur von anderen! Mit dem Metalldetektor kannst dus dort sogut wie vergessen, da ja die massiven Arsenkiesbrocken alles verrückt machen!
Insgesamt ist dort immer ein guter Fund möglich, doch ist die Halde auch immer gut besucht...