Mineralienatlas - Fossilienatlas
Mineralien / Minerals / Minerales => Mineralien (Fundort) bestimmen / determine minerals => Thema gestartet von: Helmi am 05 Mar 09, 17:56
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Hallo,
was könnte das für ein Gestein sein? (Fundort Strand bei Börgerende / Ostsee) Der Stein besaß eine ca. 2 mm dicke braune harte Kruste von der durch Abrollen nur noch Reste vorhanden sind und besteht bis auf einzelne metallisch glänzende Körner (Größe 10 µm-Bereich) und einzelnen metallisch glänzenden bzw rostbraunen Nadeln aus festem weißem kalk- bzw. kreideartigem Material (keinerlei erkennbare Körnung im µm - Bereich),daß sich talkartig anfasst, sich mit dem Messer abschaben läßt, nur unter größter Krafteinwirkung in tafelige Bruchstücke zerbrechen läßt, auf Säure nur mit Materialabspaltung (Körner) reagiert und daß an der Luft eine bräunlich-gelbliche Färbung annimmt. Er ist verhältnismäßig schwer (Dichte 3,06 g/cm³) und zieht im Stück einen Magneten an (Bruchstücke zeigen keinerlei magnetische Wirkung). Meiner Meinung nach dürfte Kalkstein ausscheiden.
Gruß Helmi
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Hallo,
sieht für mich nach ner Ton-eisen-Konkretion aus,
deiner Beschreibung nach, gibt es m.M.n. nichts, was dagegen spräche.
Gruß -M-
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gibt es m.M.n. nichts, was dagegen spräche.
Hallo -M-,
doch: der Magnetismus. Wenn es natürlich gebildeter Limonit wäre, wäre der nicht magnetisch. Das die braunen Stellen magnetisch sind, legt verrostetes Eisenblech nahe. Reste liegen auf einer Masse (?) auf. Meiner Meinung nach ein Fragment eines Gegenstandes.
Interessant wäre, ins Innere blicken zu können.
Helmi: kannst du es aufspalten?
Gruß
Uwe
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Hallo Uwe,
solche Toneisensteinkonkretionen bilden sich doch auch natürlicherweise um gewisse "Fremdkörper",
wie z.B. Pyrit / Markasit oder auch Siderit ... wäre also nicht verwunderlich, wenn man im Inneren eine Fe-Anreicherung
findet. Für den Magnetismus kämen auch nicht allein Fe-Oxide / Hydrox. in Frage, sondern z.B. auch Pyrrhotin bzw. ein H2O-haltiger Pyrrhotin (keine Ahnung, wie der heutzutage gerade offiziell genannt wird)
Also ganz ausschließen, kann ich deine These nat. nicht, und was diese met.-Nadeln und -Körner betrifft ...mhm ?, aber
aufgrund der ansonsten recht typ. Erscheinung ...würde ich doch erstmal bei meiner Vermutung bleiben, laß mich aber
auch gern überraschen und evtl. eines Besseren belehren.
Gruß -M-
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Die wellige Oberfläche des Steines scheint unter das- ich sage mal rostige Blech- zu gehen. Auch sind in die Steinoberfläche keine Oxide eingedrungen, was mir seltsam vorkommt. Die Bleche wirken wie aufgesetzt. Aber klar, wenn es ein talkiges Gemisch ist, in das nichts eindiffundieren kann, und sich drum herum Eisenminerale abgelagert haben, aber Pyrrhothin, ich weiß nicht ???
Uwe
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Denke nicht, daß das ein Blech ist. Würde sagen, das ist die typ. Limonit-Außenhaut / Hülle solcher Konkretionen,
die selbst, so wie ich Helmi verstanden habe, nicht die Ursache für den Magnetismus sei.
Die liegt, wie ich vermute, im Inneren der Ton-konkretion, und ist bzw. war mal : Pyrit / Markasit / Pyrrhotin, was nicht
ungewöhnlich für marine Bildungen wäre und sowohl die Dichte, als auch den Magnetismus erklären würde.
Gruß -M-
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Hallo,
war einige Tage verreist,deshalb erst jetzt die Antworten. Die braune Kruste ist definitiv kein Rost sondern mineralisch, vieleicht entstanden durch Verdunstung einer Salzlösung oder von Kristallwasser an Oberfläche. Deshalb sicher auch das Nachbräunen weißer Stellen. Werde mal versuchen den Stein in der Mitte durchzuschneiden. Bisher war ich von homogenem Material ausgegangen. Daß in der Mitte die Ursache für die magnetischen Wirkungen liegen könnte, drauf bin ich bisher nicht gekommen, es wäre aber eine Erklärung.
Gruß Helmi
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Ne andere mgl. Erklärung wären feinverteilte, winzigste Magnetit xx im Ton.
Oder auch, daß sich bei der Umwandlung der Fe-Min. erst Limonit und daraus
dann Hämatit gebildet hat - der ja manchmal auch deutlich (passiven) Magnetismus zeigt.
Gruß -M-
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Hallo,
was du auch noch machen könntest, wäre einmal dieses braune aufsitzende Etwas mit einen Durchgangsprüfer oder ähnlichem auf eine eventuell vorhandene Leitfähigkeit zu überprüfen. Dann würde ein Fe-Blech definitiv ausschieden.
Gruß
Daniel
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Hallo!
Wäre es möglich, dass es sich um korrodierte, ggf. besonders entsprechend einem unbekannten Zweck geformte Eisenstifte, eingegossen in einem künstlichen Stein, handelt?
Die Beschreibung der Gesteinseigenschaften erinnert irgendwie an einen künstlich geformten Fassadenschmuckstein aus dem 19. oder frühen 20 Jh., und der wurde je nach Zweck auch mit Metallstiften bzw. Bolzen am Mauerwerk angebracht oder besser zusätzlich zum Mörtel damit verankert. Nur so eine Idee... Hier in meinem Viertel wurde das um die Jahrhundertwende häufig in der Art "roter Sandstein" gemacht, um die Kosten für echte Steinmetzarbeiten an den Sandsteinfassaden zu verringern.
Gruß,
Triassammler
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Es ist ein Feinsandstein mit Sideritischem Bindemittel. Vermutlich ein Lokalgeschiebe aus dem Tertiär, möglich wäre aber auch Jura... (bei dem Fundort aber wahrscheinlich ersteres) Durch Verwitterung ist eine Limonitkruste entstanden, die aber bei vorliegendem Stück weitestgehend abgeschlagen/aberodiert wurde.
Selten finden sich darin Steinkerne von Muscheln, seltener Schnecken.
Glück Auf!
Der Tapir
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Es ist ein Feinsandstein mit Sideritischem Bindemittel. Vermutlich ein Lokalgeschiebe aus dem Tertiär, möglich wäre aber auch Jura... (bei dem Fundort aber wahrscheinlich ersteres) Durch Verwitterung ist eine Limonitkruste entstanden, die aber bei vorliegendem Stück weitestgehend abgeschlagen/aberodiert wurde.
Das erklärt aber noch nicht den Magnetismus- ganz wichtig! ;D
Gruß
Uwe
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Oder auch, daß sich bei der Umwandlung der Fe-Min. erst Limonit und daraus
dann Hämatit gebildet hat - der ja manchmal auch deutlich (passiven) Magnetismus zeigt.
Gruß -M-
;)
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Für Hämatit nach Limonit bräuchte es aber reduzierende Bedingungen bei entsprechenden Temperaturen. Zumal ist nur die Gamma- Hämatit magnetisch (Maghemit).
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Ich habe mir des Stück nochmal angesehen. Ich bin mir inzwischen ziemlich sicher dass es große Ähnlichkeiten mit den Jurassischen "Toneisensteinen" die meist sideritisch gebundene Silteisensteine mit einem gewissen Fein- bzw. Mittelsandanteil sind, gibt und die an diesem Küstenabschnitt auch ab und an mal vorkommen. Mitunter ist inkohltes Holz und auch Pyrit darin enthalten. Magnetismus habe ich bei denen bisher noch nicht überprüft. Bei den Stücken die ich hier habe liegt keiner vor. (ich zweifle ihn auch ein wenig an... ;) )
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Hallo,
@ minuwe -
die entsprechenden Bedingungen für ne Reduktion von Fe-hydroxiden zu Hämatit u./o. Magnetit
(Sauerstoffmangel +Hitze +Trockenheit) können in Sedimenten durchaus gegeben sein.
Ursachen dafür, daß "Limonit" und "Hämatit" manchmal (unter gewissen Umständen auch häufiger)
stärker magnetisch sind als "normal" - scheint es mehrere zu geben.
Gruß -M-
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Hallo,
durch das beim Teilen entstandene Pulver bin ich noch mal auf die Idee gekommen den Kalktest an diesem durchzuführen (mit konzentrierter Zitronensäure sprich Entkalker). Ergebnis: Das Pulver bildet explosionsartig relativ wenige aber dafür um so größere Gasblasen. Nach ca. 2 Sekunden hört das Ganze wieder auf und das Pulver verklumpt, saugt die Flüssigkeit vollständig auf und verfestigt sich. Der Steines ist im Inneren homogen und hat auch hier die teils metallisch teils bräunlich aussehenden Körner (0,1 - 0,2 mm) bzw.nadelförmigen Stellen in fast regelmäßiger rasterartiger Anordnung (Abstand 2 - 5 mm). Es könnte sich vielleicht um Gipsstein handeln. Zumindest würde das das obige Verhalten und die Stofflichen Eigenschaften erklären. Lediglich die für Gips zu hohe Dichte und die magnetischen Eigenschaften sind für mich bei dieser Annahme unerklärlich. Den Tip mit der Leitfähigkeit habe ich aufgegriffen. Die Kruste leitet nicht, dafür aber das weißen Material an der Oberfläche im feuchten Zustand (199 kOhm auf 2 mm Abstand) kurzzeitig (die exponentielle Widerstandzunahme kann man am Meßgerät verfolgen). Dies deutet ebenfalls Richtung Gips (Salzspuren).
Gruß Helmi
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Hallo,
die beschriebene Reaktion auf Säure würde auch auf Toneisenstein passen.
Der kann durchaus deutliche Anteile von Karbonaten, aber auch Gips enthalten.
Wenn es größtenteils Gips wäre (was ich nicht glaube), sollte er so ziemlich vollständig
in H20 löslich sein (evtl. mit nem Schuß H2SO4, das beschleunigt die ganze Sache).
Interessant wäre, um was es sich nun eigentlich bei den metallischen Körnern - Nadeln
handelt. Würde noch mal genau schauen, ob die erwähnte Annordnung tatsächlich
regelmäßig ist, oder vlt. nur "zufällig" / teilweise so erscheint und ob man zu Form
noch Konkreteres sagen kann.
Daß sie die Ursache für den Magnetismus sind, ist nat. anzunehmen - die regelmäßige
Orientierung würde da einen gewissen Sinn machen - hast du mal überprüft, wie stark
die einzelnen Körner / Nadeln selbst auf den Magneten reagieren ?
Gruß -M-
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Hallo,
Gips glaub ich auch nicht. Salz wäre durchaus denkbar, wenn der Stein im Salzwasser gelegen hat.
Es wäre durchaus denkbar, das unter den Sulfiden auch Pyrrhotin ist. Dann wäre das mit dem Magnetismus erklärbar.
Glück Auf
Smoeller
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Hallo,
habe das Abriebpulver in destiliertes Wasser gegeben und mit einem Teststreifen (für Aquarianer) getestet. Ergebnis: Sauer, Hauptanteil Karbonat (über 90%). Tonstein käme demnach eher hin. Saugt aber Tonpulver Säure bzw. Wasser auf ? Was die Nadeln anbetrifft, so sind dies offensichtlich winzige Kristalle , die sich offenbar unter Atmosphäreneinfluß (Luft ,Feuchtigkeit) einfärben (zunächst grau und nach längerer Zeit braun).
Gruß Helmi
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Hallo,
Karbonat-anteil von 90% kann ich mir eigentlich kaum vorstellen, einen Tonstein mit so hohem Kalkanteil gibt es nicht,
das wäre dann wohl ein Kalkstein (evtl.mit tonigen Anteilen).
Kalkstein kann, v.a. in feinstkörnigen Massen, sicherlich auch Wasser / Säure aufsaugen, allerdings in dtl. geringerem
Maße, als es für viele Tonsteine geradezu typisch ist.
Gruß -M-
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Hallo!
Karbonat-anteil von 90% kann ich mir eigentlich kaum vorstellen, einen Tonstein mit so hohem Kalkanteil gibt es nicht,
das wäre dann wohl ein Kalkstein (evtl.mit tonigen Anteilen).
Bei einem Karbonatanteil von < 95% spricht man bereits von "Mergel" bzw. mergeligem Kalk, mit den entsprechenden mechanischen Eigenschaften.
Gruß,
Triassammler
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Hallo,
jetzt wo "Mergel" in die Bestimmung gekommen ist, muß ich im Nachhinein ergänzen, daß das Absplittern beim Bruch tatsächlich so geschieht und aussieht wie bei diesem. Außerdem habe ich Pulver vom Stein unter dem Mikroskop mit einer magnetisierten Stecknadel untersucht. Ein Teil des weißen Pulveranteiles (d < 0,1 mm) wird von der Nadel angezogen. (Siderit ?) Wenn man von einer gleichmäßigen Verteilung dieser Klümpchen ausgeht, würde das das magnetische Verhalten erklären. Was die Prozentangabe betrifft, muß ich präzisieren, gemeint ist vom gesamten Salzanteil. Beim Betrachten der Bruchstücke zeigen sich wenn man die Oberfläche etwas angefeuchtet hat während des Trocknens auf einigen feine etwas dunklere teils ovale Struckturen, teils Linien die nach dem Trocknen wieder verschwinden. Die Liniengebilde sehen aus wie winzige Würmer bzw. Querschnitte von sehr kleinen Schnecken und Muscheln. All das deutet doch auf Kalkstein oder mergeligen Kalk eventuell mit Kreideanteil hin.
Gruß Helmi