Mineralienatlas - Fossilienatlas
Mineralien / Minerals / Minerales => Allg. Diskussionen Mineralien / General discussions minerals => Thema gestartet von: berthold am 25 Jun 09, 14:54
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Hallo,
im Museum in Pleystein steht ein Stück (der historischen Lehner-Sammlung) das mit "Angelardit" beschildert ist, Fundort Grube Lindner/Wildenau-Plößberg. Die genaue Betrachtung zeigt mir:
- vermutlich zersetzten Zwieselit
- kugeligen blauvioletten Strengit
- darauf kleine, hellbraune Kristalle (könnte Phosphosiderit, Leukophosphit o.Ä. sein).
Mir ist schon klar, dass Angelardit kein anerkannter Mineralname ist, aber für welches Mineral wurde diese Bezeichnung (so um 1925-1935) verwendet? Die mittels google gefunden Hinweise (Vivianit oder Ludlamit) streuen sehr und von diesen beiden Mineralien ist auf der Stufe nichts zu sehen.
Vielen Dank für jeden Hinweis.
Gruß
Berthold
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Laut "wipertech" ist Angelardit "chemisch ähnlich wie Ludlamit", die Quelle dieser Information ist jedoch nicht aufgeführt.
Gruss,
Wegwerfit
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Hallo,
ein Sammlerfreund hat mir mitgeteilt, dass in einem älteren "Klockmann" (13. Auflage von 1948 ?) folgendes zum Angelardit steht:
Der Angelardit steht zwischen Vivianit und Ludlamit; Limoges, auch Pleystein, Plößberg und Hagendorf in Bayern.
Nun bin ich bei weiteren Nachforschungen auf den Mineralnamen "Anglarit" gekommen wobei der möglicherweise identisch mit dem Angelardit sein soll. Wobei die Angaben hier bis zum Berthierit (http://de.wikipedia.org/wiki/Berthierit) hin streuen :o
Irgendwo muss es doch mal eine Definition und -würde mich besonders interessieren- eine Diskreditierung gegeben haben?
Gruß
Berthold
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Nach HINTZE:
Von Berthier (Jahr oder Literatur nicht angegeben) als Anglarit beschrieben, von Lacroix (1910) in Angelardit umbenannt. Sphärolithische Massen mit wechselnder Dichte, von blauer, violettblauer bis grauer Farbe. Chemisch zwischen Ludlamit und Vivianit stehend. Chemische Analyse 24.8 % P2O5, 51.0 FeO, 9.0 MnO, 15.0 H2O an einem durch Manganoxyd verunreinigten Exemplar. Von Les Hureaux, Compreignac, Frankreich.
Glück Auf,
Thomas
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Hallo Thomas,
vielen Dank!
Sphärolithische Massen mit wechselnder Dichte, von blauer, violettblauer bis grauer Farbe.
Das kommt für das Stück gut hin - dürfte aber hier Strengit sein. Auf die Analyse (ist in Arbeit) bin ich schon gespannt.
Über weitere Info's -besonders zur Diskreditierung- würde ich mich freuen.
Gruß
Berthold
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Hallo Berthold,
auch im Hey findet sich der Angelardit mit einer Formel "near Fe2PO4OH.2H2O".
Ich zitiere weiter:
" A.Lacroix (1910) Minéralogie de la France, 4, 524. The correct form of anglarit (of Kobell). Usually regarded as a synonym of vivianit; E.S.Dana (1892) Syst.Min., 6th ed., p. 814. Considered by Lacroix to be a distinct species, near to ludlamite."
Zum "Anglarit" gibt es dann auch noch eine eigene Notiz:
"Anglarite (of Kobell), syn. of angelardite. F. von Kobell (1831) Charakteristik Min. 2, 237 (Anglarit). (TL) Anglar, La Creuse, France, Named for locality"
Anglar steht in mindat als Typlokalität von Dufrenit.
Glück Auf
Helmut
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Ja und einen Anglarit (of Nordenskiöld, 1848) gibt es als ein Synonym für Berthierit laut Hey ebenfalls
Helmut
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Hallo Helmut,
vielen Dank. Da scheint ja schon vor 100 Jahren etwas Verwirrung um den Namen gewesen zu sein.
Also deute ich das jetzt so: Angelardit (nach Kobell) und Anglarit (nach Kobell) sind synonym und beschreiben (ein dem Ludlamit oder eher) ein, dem Vivianit nahesetehendes Eisenphosphat (mit weniger Wasser ?) wobei es noch einen Anglarit (nach Nordenskiöld) gibt der als Berthierit aber nichts mit dem Vivianit-ähnlichen Mineral zu tun hat.
O.k., da bin ich jetzt etwas schlauer. Aber irgendwo (nach 1948 ?) muss der doch diskreditiert worden sein.
Gruß
Berthold
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Es muss gar keine offizielle Diskreditierung geben. Viele Minerale sind einfach weggefallen und wurden nicht mehr in den Mineralzusammenstellungen erwähnt (z.B. bei Dana oder anderen), weil sie zu schlecht beschrieben waren. Etliche fragwürdige "Minerale" sind so einfach aus der Literatur verschwunden, lange bevor es die IMA gab. Das kann man als stillschweigende Diskreditierung betrachten. Es gab ja auch keine Instanz, die das offiziell macht. Und seit bestehen der IMA hat sich niemand mehr damit befasst.
Glück Auf
Thomas