Mineralienatlas - Fossilienatlas
Mineralien / Minerals / Minerales => Mineralien (Fundort) bestimmen / determine minerals => Thema gestartet von: Achim am 26 Jul 09, 18:26
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Hallo Leute,
an dem Betreff kann man erkennen, das ich keinerlei Ahnung habe, über was ich in der alten Sammlung gestolpert bin. (Nachdem ich gut die hälfte des Materials durch habe kann man sagen, das es sich primär um eine Steinesammlung und nur am Rande um eine Mineraliensammlung handelt, umglaublich wie viel 'Schnott' zusammengetragen wurde, z.b. Flussgeschiebe aus allen möglichen Regionen der Welt, alle möglichen und unmöglichen vulkanischen Steine, Kohlen mit verschiedensten metallischen Bestandteilen etc etc etc. - das am Rande)
Das nachfolgende Objekt hat einen Durchmesser von ca. 38mm bei einem Gewicht von 138 g - also eine Dichte von ca. 5g/cm3.
Das Teil war in einem Glas mit vielen Bachsteinen aufbewahrt, jedoch separat in einer kleinen Plastiktüte. In dieser hatte sich etwas Kondensat gefangen. Auf dem Würfel waren kleine klare Kristalle, wie Zucker - als hätte sich etwas niedergeschlagen.
Unbedarft hatte ich das Teil mit klarem Wasser kurz abgespühlt, die 'Zuckerkristalle' haben sich dabei aufgelöst. Als die Kugel zum trocknen auf Papier gelegt wurde war zu erkennen, das an der Aufliegestelle- also jener mit langem Feuchtikeitskontakt - sich die Kugel anfing aufzulösen. Das hat sich dann zum Glück gegeben.
Am Riss im Objekt kann man strahlenförmige 'Fäden' sehen, die letztendlich den ganzen Körper bilden.
Kann jemand sagen, um was es sich hier handeln könnte? Ich bin völlig ratlos.
Viele Grüße
Achim
p.s. wie lädt man hier Bilder hoch? Bisher hatte ich die Bilder auf meine eingene Homepage geladen und verlinkt - das scheint jedoch nicht gewünscht zu sein. Unter 'Hilfe' konnte ich keinen Hinweis finden.
edit:
hier ist eine Anleitung zum Einbinden von Bildern
http://www.mineralienatlas.de/forum/index.php/topic,523.0.html
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... hört sich für mich irgendwie nach Salz (Steinsalz) an.
mal vorsichtig dran lecken....
Glückauf
Klaus
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Hallo,
da kann ich erstmal nur raten. Aber: Bei einer Dichte von 5g/cm3 auf gar keinen Fall daran lecken! Das ist niemals Steinsalz.
Gruß
Berthold
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Hallo,
meine Bilder scheinen gelöscht worden zu sein - so versuche ich es nochmals mit hochladen.
Bei der grob ermittelten Dichte dürfte es sich - wie von Berthold ja schon angemerkt - kaum um ein Salz handeln.
Viele Grüße
Achim
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könnte das eine hermanover kugel sein ?
http://www.mineralienatlas.de/lexikon/index.php/Hermanover%20Kugel
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Das ist eine Pyrit- oder Markasit-Knolle, die gerade zerfällt.
In diesem Stadium lohnt es sich nicht mehr, das Material aufzuheben. Der Zerfallsprozess wird weiter gehen.
Glück Auf
der Stollentroll
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Hallo,
wenn es sich im Pyrit oder Marksit handeln sollte: wie kann es zu derartigen Effekten bzw. Zersetzungen kommen? Jetzt, im trockenen Zustand ist das Material stabil. Mir leuchtet nicht ein, inwieweit normales Wasser hier die Struktur zerstören kann.
Wegwerfen werde ich es auf keinen Fall, das Teil sieht für mich sehr gut aus. Im Notfall gieße ich das ganze in Harz ein.
Es scheint ja zumindest ein kurioses Objekt zu sein.
Viele Grüße
Achim
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Hallo Achim,
Dein Markasit wird sich in der normalen Umgebung zersetzen. Denn wo hat man schon eine relative Luftfeuchte von 0 % ?
Markasit verwittert durch Feuchtigkeit und CO2 der Luft. Markasit ist dazu auch noch wärmeempfindlich. Durch die Bildung von Eisensulfaten im Kristallgitter zerfällt ein Markasit unter normalen Bedingungen.
Um diesen Effekt vorzubeugen oder diesen zu verlangsamen, muss man das Stück als erstes sehr gut trocknen und dann z.B. mit Haarspray besprühen. Dabei könnte sich aber ein unangenehmer Glanz bilden.
Gruß
Daniel
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Hallo,
ja, ich sehe es auch als Pyrit-/Markasitknolle.
Pyrit ist nur in seiner reinen Form chemisch stabil. In solchen Knollen ist in der Regel auch der chemisch instabile Markasit vorhanden. Bei dessen Zerfall entstehen Schweflige Säure (also nicht daran lecken ;)) und verschiedene Sulfate. Eisensulfat kann bei einer relativen Luftfeuchtigkeit ab 60% zu Melanterit reagieren und dadurch eine Volumenzunahme von über 250% erzielen. Dadurch "bläht" sich die Kugel auf. Schweflige Säure ist ebenfalls hygroskopisch und wird auch durch Luftfeuchtigkeit hydrolysiert (die Säureproduktion kann so intensiv sein, dass sie eine Pfütze unter dem Mineral bildet, ander Mineralien, den Sammlungschrank usw. schädigt...). Insbesondere bei der fast immer gegebenen Anwesenheit von Tonmineralien bilden sich neben den Eisensulfaten auch Aluminiumsulfate, die ebenfalls hygroskopisch sind und durch Aufnahme von Luftfeuchtigkeit weiter reagieren. Es setzt eine autokatalytische Reaktion ein, die nicht nur den verbliebenen Markasit sondern auch den chemisch stabilen Pyrit angreift. Manchmal reicht hierfür schon eine relative Luftfeuchtigkeit von 30% aus. Vergleichsweise sei angemerkt dass eine übliche relative Raum-Luftfeuchtigkeit zwischen 40% bis 50% liegt.
Trocken und Haarspray schafft kurzfristig Liderung, besser sind Pyrit-Konservierer (wird von Fossiliensammlern verwendet) aber wirklich Sicherheit gibt es nicht. Meine Empfehlung: Entsorgen.
Gruß
Berthold
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Hallo,
Pyrit. Besser entsorgen. Der Zerfall wird weitergehen. Das Problem ist, dass neben der Luftfeuchtigkeit auch bakterielle Prozesse eine Rolle spielen, die man schlecht stoppen kann. Selbst das Lagern an trockener Luft würde dann nicht helfen.
Glück Auf!
Smoeller
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@smoeller: Das ist jetzt schon das zweite mal, das ich was von bakteriellen Zersetzungsprozessen bei Pyrit/Markasit höre. Hast/kannst Du mir dafür vielleicht mal Literaturhinweise o.ä. zukommen lassen (hier als Post, PN, wie auch immer) ? Ich befasse mich schon länger mit Zersetzung von Pyrit/Markasit bzw. primär damit, wie man eben diese verhindern/aufhalten kann. Meine Beobachtung war bisher, das man die Zersetzung im Exsikator über Phosphoroxid stoppen kann. Nutzt leider nicht viel, weil die Zersetzung sofort wieder anfängt, sobald man die Stücke aus dem Exsikator nimmt.
Achso, ich würde auch sagen, das es sich um Pyrit/Markasit handelt, der nicht mehr zu retten ist...
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@cmd.powell
Das sind chemoautotrophe Bakterien, die an der Pyrit/Markasit-Zersetzung direkt und indirekt beteiligt sind, zumindest an einigen Reaktionen.
Bekannteste Bakterien sind Thiobacillus ferrooxidans (neuerdings Acidithiobacillus f. genannt), T. thiooxidans, Leptospirillium ferrooxidans und andere, die die Zersetzungsrate von FeS2 gegenüber der rein chemischen Zersetzung erheblich beschleunigen können.
Literatur dazu gibt es eine ganze Menge, nur mal als Beispiel
http://www.springerlink.com/content/n15e9mvknug53q13/ (http://www.springerlink.com/content/n15e9mvknug53q13/)
http://www.goek.tu-freiberg.de/oberseminar/OS_07/Mareen_Moche.pdf (http://www.goek.tu-freiberg.de/oberseminar/OS_07/Mareen_Moche.pdf)
http://www.ifa.tu-clausthal.de/de/lehrstuehle/lehrstuhl-fuer-rohstoffaufbereitung-und-recycling/forschung/aufbereitung-mineralischer-rohstoffeprimaerrohstoffe/sulfiderze-bioflotation/ (http://www.ifa.tu-clausthal.de/de/lehrstuehle/lehrstuhl-fuer-rohstoffaufbereitung-und-recycling/forschung/aufbereitung-mineralischer-rohstoffeprimaerrohstoffe/sulfiderze-bioflotation/)
Glück Auf
der Stollentroll