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Mineralien / Minerals / Minerales => Mineralien (Fundort) bestimmen / determine minerals => Thema gestartet von: Achim am 29 Jul 09, 07:38

Titel: Gersdorffid?
Beitrag von: Achim am 29 Jul 09, 07:38
Hallo,

gestern abend habe ich mich mit einem Freund erstmals an Bestimmungen versucht. Anbei das Bild eines für uns interessanten kleinen Stücks. Interessant, da hier zwei unterschiedliche Mineralien auf Kristall gewachsen sind.

Bei dem dunklen, metallisch wirkenden Mineral haben wir eine Härte von ca. 5,5 ermittelt. Der Strich ist metallisch-dunkel. Das bräunlich-gelbliche Mineral  hat einen blassgelben Strich, Härte um 5.

Wir tippen auf Gersdorrif mit Siderid.

Was sagen die Experten dazu?

Viele Grüße

Achim

p.s. ist eine Kombination dieser Mineralien häufig? Habe ich hier ein 'Allerweltsstück'
Titel: Re:Gersdorffid?
Beitrag von: Haspelknecht am 29 Jul 09, 08:23
Hallo!
Also, wenn es Gersdorffit wäre, dann wäre es kein "Allerweltsstück" sondern schon eher "Weltklasse". Ich halte das für Bleiglanz-Kristalle auf Quarz. Das gelbbraune könnte Flourit oder Zinkblende sein. Aber auch dann ist es nicht schlecht, das Stüfchen.
Gruß und Glück-Auf
Markus
Titel: Re:Gersdorffid?
Beitrag von: 2002opal am 29 Jul 09, 09:04
Wie Achim schon erwähnt hat, haben wir die Härte von 5,5 ermittelt bzw. die Härte 5 für das gelbe Mineral.
Damit scheidet Bleiglanz (Galenit) und Fluorit bereits definitiv aus.
Die Paragenese von Gersdorffit mit Siderit wäre ja möglich.
Von der Kristallform wäre Gersdorffit - meinen wir - denbar.

Gruß,
Wolfgang
Titel: Re:Gersdorffid?
Beitrag von: loparit am 29 Jul 09, 09:54
Hallo,

nun da würde ich sagen, weiterüben mit den Härte-Tests, bis es klappt.

Es ist eindeutig Galenit, das braungelbliche könnte Sphalerit und die hellen Kristalle Calcit sein.

Das braungelbliche erscheint auf dem Foto leicht durchscheinend, deshalb Sphalerit. Ist der Kruistall opak also nicht durchscheinend würde ich sagen dass es Siderit ist.

Gruß
loparit
Titel: Re:Gersdorffid?
Beitrag von: smoeller am 29 Jul 09, 09:58
Hallo,

Ganz eindeutig Siderit mit Galenit auf Quarz. Sieht nach Neudorf/Harz oder Siegerland aus. Gersdorffit ist es definitiv nicht.

Härtetests sind nicht so einfach. Man braucht schon scharfe Kanten des (genau bestimmten) Prüfminerals und am Besten eine Lupe (10fach) zur Betrachtung. Häufig gibt es Abrieb. Daher sollte man die geritzte Stelle vor dem Betrachten abwischen.

Glück Auf!
Smoeller
Titel: Re:Gersdorffid?
Beitrag von: 2002opal am 29 Jul 09, 10:26
Mit Siderit liegen wir ja dann richtig.
Auch mit der Bestimmung der Härte.

Zum Galentit:
Galentit hat eine Härte von 2,5.
Für das unbekannte Mineral haben wir eine Härte von 5,5 ermittelt.
Da hätten wir aber ziemlich daneben gelangt!

Gruß,
Wolfgang

Titel: Re:Gersdorffid?
Beitrag von: Haspelknecht am 29 Jul 09, 13:32
Aus dem Siegerland ist das Stück bestimmt nicht. Solche Siderite gibt es da nicht. Auch der Bleiglanz ist für Siegerländer Verhältnisse untypisch ausgebildet.
Titel: Re:Gersdorffid?
Beitrag von: Walpurgin am 29 Jul 09, 13:57
Das Stück ist ganz typisch für Neudorf/Harz.( 99,9 %)
Der Galenit ist absolut typisch von dort
Titel: Re:Gersdorffid?
Beitrag von: loparit am 29 Jul 09, 17:15
Ja Neudorf könnte durchaus passen! Die Galenite von dort sehen so aus und vor allem passt auch der Siderit wie auf dem vorhandenen Stück in der Ausbildung dazu! Ohne diesen Siderit könnte das Teil durchaus auch von anderen nicht deutschen Fundstellen stammen.

Auf dem Bild kann ich das nicht so richtig erkennen. Der Untergrund ist Quarz, darauf sitzt Calcit oder ist das alles Quarz. Was ich aber fast nicht glauben kann, da auf dem Siderit ebenfalls das helle Mineral (Calcit?) sitzt. Und dass dies von der Abfolge her Quarz sein soll ist eher auszuschließen.

Gruß
loparit
Titel: Re:Gersdorffid?
Beitrag von: cmd.powell am 30 Jul 09, 02:38
Ich schließe mich ebenfalls der Mehrheit an: Galenit mit Siderit auf Quarz mit wahrscheinlich Calcit. Bei Deiner Härteprüfung musst Du irgendwas falsch gemacht haben. Die Kristallform und die Farbe sprechen schon massiv für Galenit. Zudem ist dieser deutlich häufiger als Gerstdorfit. Vielleicht nochmal testen. Ein weiterer Beweis für Galenit wäre eine perfekte Spaltbarkeit nach dem Würfel.
Titel: Re:Gersdorffid?
Beitrag von: berthold am 30 Jul 09, 09:21
Hallo,

sicher Galenit, ich vermute auch Neudorf.

Gruß
Berthold
Titel: Re:Gersdorffid?
Beitrag von: Achim am 30 Jul 09, 20:16
Hallo,

eben von einer Dienstreise zurück will ich mich - auch mit weiteren Bildern - einmischen. Das dunkle Mineral ist definitiv härter als Bleiglanz, es war mit einem rostfreien Nagel mit viel Druck gerade so ritzbar. Eben habe ich unter der Lupe die entsprechende Stelle nochmals angesehen - feine Kratzer. Zum Bruch dieses Materials kann ich ein Bild anfügen, da der Würfel am Rand abgebrochen ist.
Ebenso zum Aufbau: Auf dem Felsen sind kleine, klare Kristalle gewachsen, wie kleine Bergkristalle auf diesen wiederum weislich-trübe Mineralien, nicht in stab- sondern mehr in würfelform. Und eben auch die beiden gesuchten Mineralien

Das bräunliche Mineral ist - wie hier schon festgestellt - schwach transparent.

Viele Grüße

Achim
Titel: Re:Gersdorffid?
Beitrag von: loparit am 31 Jul 09, 00:01
Na, dann lass doch eine EDX Analyse machen. Dann kriegst du es schriftlich dass es Galenit ist  ??? ;D
Zahlst du halt eben einen Betrag X für die Analyse.

Gruß
loparit
Titel: Re:Gersdorffid?
Beitrag von: berthold am 31 Jul 09, 08:49
Hallo,

Bei Härtebestimmung ist immer sehr viel Vorischt geboten. Wichtig ist mit wirklich scharfen Spitzen zu arbeiteten, nur 100% sicher bekannte Prüfspitzhärten heranzuziehen (Nägel wären mir da zu unsicher) und -ganz wichtig- die Härte von beiden Seiten her einzugrenzen. Bei einigen Mineralien haben wir unterschiedliche Härte je nach Richtung, manchmal ist eine natürliche Kristalloberfläche chemisch oder strukturell verändert so dass deswegen Lottozahlen rauskommen und dann spielt noch die Qualität (Baufehler im Kristall) eine Rolle.

Hier:

1. Für Galenit wird häufig auch eine höhere Mohs-Härte als 2,5 angegeben. 2,5-3
2. ein rostfreier Eisennagel hat Härte 5, wenn der ritzt muss das Mineral weicher als 5 sein
3. Ritzversuche an Bleiglanz-Kristallen sind nicht so einfach, scheinbar wirkt der Galenit "schmierend"
4. wenn die Oberfläche auch nur dünn pseudemorphisiert ist (da reicht schon Cerussit was nicht nur häufig, sondern in diesem Fall wegen der Paragenese sogar wahrscheinlich ist) dann haben wir eine höhere Härte
5. die Bilder lassen keinen Zweifel zu dass es sich um Galenit handelt

Gruß
Berthold
Titel: Re:Gersdorffid?
Beitrag von: thdun5 am 31 Jul 09, 10:08
Hallo,

für Gersdorffit ist solch eine Ausbildung sehr ungewöhnlich und die Paragenese passt auch überhaupt nicht.
Wenn es Gersdorffit wäre, dann würde die Paragenese Nickelbetont sein, aber nicht zusammen mit Sphalerit und Calcit !!
Das sieht hier sehr nach einer fba-Formation aus. Und da passt ein Gersdorffit ganz und gar nicht hinein.

Du kannst ja einmal die Probe auf Nickel machen. Aber das brauchst du hier nicht einmal, da hier kein Nickel enthalten ist und es somit sich auch nicht um Gersdorffit haldelt  ;).
Eine einfache EDX-Analyse, die nicht einmal preisintensiv ist, würde dir das Ergebnis bringen: PbS (evtl. mit anderen Beimengungen) -> Galenit

Gruß
Daniel
Titel: Re:Gersdorffid?
Beitrag von: Krizu am 31 Jul 09, 10:17
Hallo,

Bei Härtebestimmung ist immer sehr viel Vorischt geboten. Wichtig ist mit wirklich scharfen Spitzen zu arbeiteten, nur 100% sicher bekannte Prüfspitzhärten heranzuziehen (Nägel wären mir da zu unsicher) und -ganz wichtig- die Härte von beiden Seiten her einzugrenzen. Bei einigen Mineralien haben wir unterschiedliche Härte je nach Richtung, manchmal ist eine natürliche Kristalloberfläche chemisch oder strukturell verändert so dass deswegen Lottozahlen rauskommen und dann spielt noch die Qualität (Baufehler im Kristall) eine Rolle.

Hier:

1. Für Galenit wird häufig auch eine höhere Mohs-Härte als 2,5 angegeben. 2,5-3
2. ein rostfreier Eisennagel hat Härte 5, wenn der ritzt muss das Mineral weicher als 5 sein
3. Ritzversuche an Bleiglanz-Kristallen sind nicht so einfach, scheinbar wirkt der Galenit "schmierend"
4. wenn die Oberfläche auch nur dünn pseudemorphisiert ist (da reicht schon Cerussit was nicht nur häufig, sondern in diesem Fall wegen der Paragenese sogar wahrscheinlich ist) dann haben wir eine höhere Härte
5. die Bilder lassen keinen Zweifel zu dass es sich um Galenit handelt


Hallo,

und auch noch:
Einige kleine Quarzsplitter oder Kristalle auf der Fläche produzieren Kratzer in der Gegenfläche!

MfG

Frank


Titel: Re:Gersdorffid?
Beitrag von: Achim am 31 Jul 09, 11:14
Hallo,

vorneweg vielen Dank an alle, die hier mit Ihren Beiträgen unterstützen. Ich bin nicht so verbohrt zu glauben, dass Ihr mit euren Einschätzungen verkehrt liegt; ich bin auf dem Gebiet ja noch am Anfang.

Mich hat die doch gravierende Differenz in unserer Härtebestimmung massiv irritiert. Vielleicht war der verwendete Nagel nicht spitz genug, auch leuchten die Erläuterungen (Galenit eher gegen Härte 3, ggf. dünne pseudomorphisierte Oberfläche) ein.

Ich werde mir ein Ritzbesteck zulegen, um hier zumindest die Unsicherheit aufgrund ungenügenden Prüfmaterials zu eleminieren.

Nochmals vielen Dank!

Achim
... ist richtig spannend, sich mit Mineralien auseinander zu setzen