Mineralienatlas - Fossilienatlas
Mineralien / Minerals / Minerales => Allg. Diskussionen Mineralien / General discussions minerals => Thema gestartet von: Stefan am 06 Aug 09, 10:45
-
Ich habe hier ein Gutachten eines Hauses vorliegen, wo der Vorbesitzer nicht allzu vorsichtig mit Quecksilber hantiert hat. Der Schaden für Sanierung etc. beläuft sich vermutlich auf über 80.000€.
Da Quecksilber die Eigenschaft hat immer wieder auszugasen und durchaus bis 30 cm Tiefe in Wände eindringt, sich bevorzugt in organischen Baumaterialen ablagert, stellt sich die Frage ob auch Quecksilberverbindungen (Mineralien) dazu neigen Quecksilber auszugasen und wie ggf. solche Mineralien zu lagern wären.
Hier eine Liste von Quecksilber-Mineralien (http://www.mineralienatlas.de/lexikon/index.php/MineralFinden?inclstrg=Hg&button=Mineralsuche)
Besten Gruß
Stefan
-
Ich bin zwar kein Fachmann, aber ich meine, die Mengen der Quecksilberminerale, welcher ein Durchschnittssammler aufbewahrt sollte keine Gefahr bedeuten. Größere Mengen Quecksilber in der Luft sind aber meines Erachtens gefährlicher als die Gammastrahlung von Uran- und Thoriummineralen.
Uwe
-
Hallo,
das Problem ist etwas vielseitiger/komplizierter.
Das Problem wird nicht durch elementaren Quecksilberdanpf alleine verursacht, sondern durch Quecksilberorganyle, hergestellt durch Bakterien. Die sind wesentlich gifitger und organismusgängiger. Leider finde ich die Seite nicht mehr mit den Einzelreaktionen.
Aber:
Wie werden Hg-Mineralien gelagert? In der Dose und somit nicht an der Luft.
In welchen Mengen jetzt Hg z.B. aus Zinnober oder anderen Sulfiden ausgast kann ich dir nicht sagen, aber ich hätte mehr Angst vor meinem Thunfisch-Brötchen als vor dem Zinnober im Regal.
MfG
Frank
-
Hallo
Bergfrische Quecksilber Minerale sollten wohl erst eine weile zum Ausgasen aufgestellt werden.
Da kann noch elementares Quecksilber drin sein.
Ich denke je nach Verbindung und Menge sollte das schon entsprechend gelagert werden.
Wird wohl von der Menge her meist nicht von Bedeutung sein.
Grüße
-
Hallo
Ich habe vor einigen Jahren festgestellt, dass bei meinen Quecksilberstufen aus Leogang sich das Quecksilber (ca 20 Jahre, nachdem ich sie gesammelt hatte) verflüchtigt hatte. Die Stufen waren z.T. eingedost.Seitdem bewahre ich die HG-Erze nicht mehr in Wohnräumen auf.
viele Grüße
HS
-
ja, alle Quecksilbermineralien tendieren mehr oder weniger dazu, sich in Form von Quecksilberdämpfen irgendwann mal (leicht) zu verflüchtigen. Erinnere mich noch, daß ich bei meinem Vordiplom in Physikalischer Chemie (mündlich) überschlagen mußte, wie hoch der Dampfdruck in einem Quecksilberbergwerk ist und ob das giftig sei. Das war natürlich im toxischen Bereich (Lüftung vernachlässigt).
Gruß
Doc Diether
-
Eine Kunststoff-Schraubdose mit c.a. 4cm Almaden Cinnabarit-Stufe ohne sichtbares Quecksilber wurde nach Jahren leicht geöffnet und gasförmiges Quecksilber in direkter Nähe gemessen.
Der Wert stieg so stark an, dass die Messung sofort abgebrochen wurde.
Der MAK-Wert ist 0,1 mg/m^3
Ob die Erzählungen stimmen dass zerbrochene Quecksilber-Thermometer Reste Alu-Fensterrahmen zerstörten (Amalgamierung)?
Was ich nicht verstehe ist dass man Schüssler-Salz (Hydrargyrum) Kinder verabreichen darf.
Bleib gesund (viele Mt. Amiata Bergarbeiter leider nicht)
Milo
-
Hallo,
es kommt auf die jeweilige Quecksilberverbindung an. Als Beispiele: Kalomel oder Quecksilberhornerz (Quecksilber(I)-Chlorid) zerfällt in Quecksilber und Quecksilber(II)-Chlorid. Das Quecksilber(II)-Chlorid ist zwar stabil, aber auch giftig. Zumindest in höheren Dosierungen, früher wurde es als Desinfektionsmittel eingesetzt. Bei gößeren Tieren wie Schafen liegt die letale Dosis im Gramm Bereich
Als Gegenbeispiel: Cinnebarit oder Zinnober (Quecksilber(II)-Sulfid ist stabil und ungiftig.
Bei den Amalgamen ist es ähnlich: Silberamalgam, ist soweit, ich weiß stabil und ungiftig, Kupferamalgam dagegen weniger.
Richtig heftig sind organische Quecksilberverbindungen wie Methyl-Quecksilber, das sind alles mehr oder weniger starke Nervengifte. Hier liegen die letalen Dosen im Milligramm Bereich, ausserdem reichern sich diese Substanzen im Fettgewebe an.
Gruß Günter
-
Man sollt sich auch vor Augen führen, daß man vor nicht allzulanger Zeit Amalgam als Zahnplomben benutzt hat. Ich hatte so etwas auch viele Jahre im Mund und lebe noch. Also bei aller Vorsicht sollte man die Kirche im Dorf lassen, wie man so sagt.
Uwe
-
Man sollt sich auch vor Augen führen, daß man vor nicht allzulanger Zeit Amalgam als Zahnplomben benutzt hat. Ich hatte so etwas auch viele Jahre im Mund und lebe noch. Also bei aller Vorsicht sollte man die Kirche im Dorf lassen, wie man so sagt.
Dem kann ich mich nur anschließen. Soweit ich weiß, wird Amalgam auch heute noch für Zahnfüllungen verwendet, zumindest bei meiner letzten Zahnfüllung (die allerdings auch schon einige Jahre zurückliegt :D). Solange es Amalgam als Zahnfüllung gibt, werde ich dieses auch nehmen, da die Füllungen immer noch zu den rubustestesten gehören, welche die Kasse zahlt. In Schweden ist es übrigens inzwischen verboten und es gibt eine Vereinbarung der UN, daß Hg aber 2013 grundsätzlich nicht mehr verwendet werden soll, da es ein tödliches Gift ist. Siehe auch:
http://de.wikipedia.org/wiki/Amalgamf%C3%BCllung#Amalgam-Verwendung_im_Ausland
Bei der ganzen Diskussion bzgl. der Toxizität von Substanzen sollte man immer bedenken, daß im Prinzip jede Substanz mehr oder weniger giftig ist, es kommt nur auf die jeweilige Menge an, die man aufnimmt.
Paracelsus: Die Menge macht das Gift.
Markus
-
man sollte sich immer klarmachen, ob
1. die toxische verbindung mobil ist
2. auf welchem pfad man die substanz aufnimmt.
3. wie stabil die verbindungen sind
d.h. elementares quecksilber und organische verbindungen davon sind sicher flüchtig in der dampfphase und können ausgasen. d. h. ich würde stufen mit elementarem hg nicht offen liegen lassen. gleiches gilt sicher auch für amalgame. es gibt photos davon, wie solche amalgam-xx frisch und nach jahren aussehen.
wenn der xx in der jousi-box liegt und keiner daran leckt, dann hätte ich keine probleme damit.
wenn das zinnober in der vitrine liegt, no problem...
meine zahnplomben habe ich mir auch entfernen lassen vor jahren. meine idee war, die verschiedenen quecksilber-konzentrationen sind unterschiedlich in verschiedenen plomben ..., dann wäre nach nernst* zwischen diesen plomben ein elektrochemischer potentialunterschied solange vorhanden, bis diese konzentrationen sich ausgeglichen haben. d.h. abbau und freisetzung von quecksilber in den körper. im darm könnte dieses quecksilber zum geringen teil als organisches quecksilber verstoffwechselt werden und dann ins fettgewebe wandern. das wollte ich nicht.
auf einer anderen ebene, in unserem "guten" kochsalz steckt scheinbar das böse natrium und das böse chlor. vor beiden habe ich ein wenig respekt. aber es steckt halt in kochsalz das natrium-kation und das chlorid anion. und natrium und natrium-kation sind zwei unterschiedliche baustellen.
grüße für heute abend aus der chemie-ecke jürgen lange
* nernst: nernst-sche gleichung E=Eo + faktor (aktivität oxidierte form/ reduzierte form) aber auch E = E0 faktor (aktivität concentration I / aktivität concentration II). E und Eo sind potentiale in Volt, hinter faktor steht ein bischen richtung logarithmus und so ... googelt das thema mal, wenn ihr mehr wissen wollt.