Mineralienatlas - Fossilienatlas

Fossilien / Fossils / Fósiles => Bestimmung von Funden / Determination of findings => Unbekanntes Erdzeitalter / unknown geological era => Thema gestartet von: Lapislazuli am 02 Sep 09, 22:10

Titel: Bitte um Bestimmungshilfe
Beitrag von: Lapislazuli am 02 Sep 09, 22:10
Hallo,

letzten Samstag war meine Pilzsuche im Wald nicht erfolgreich und so beschloss ich kurzerhand, mal wieder nach langer Zeit den geschlossenen Steinbruch am Grünten bei Rettenberg zu besuchen. Dort habe ich dann auch ein paar nette Pyritstufen und Calcit gefunden :). Aber auch noch ein paar Sachen, mit denen ich nicht gerechnet hätte. Vielleicht könnt Ihr mir ja beim Bestimmen helfen (einen Teil meiner Fundstücke werde ich zum Bestimmen im Fossilienbereich vorstellen).

Das erste Stück hat die Maße 12 cm x 9 cm x 5 cm. Das Grundgestein, in das die "Kristalle ?" eingelagert sind, ist der dort vorkommende Kalkstein. Die Stärke der Schichten liegt bei 3 - 4 mm. Die Härte der Schichten müsste so bei 4,5 liegen, schäumt bei Salzsäure. Was sind das für Kristalle? Für mich sieht es so aus, als seien diese nach ihrer Entstehung im Kalkstein eingebettet worden (Bruchstücke). Oder handelt es sich um etwas Fossiles?

Das Zweite Stück hat die Maße 11 cm x 7 cm x 2 cm. Das Grundgestein ist der auch dort vorkommende Brisisandstein. Das Stück sieht so aus, als wenn es eine kleine Kluft gewesen wäre (musste es nur auflesen, weil es in der Sonne am Boden geglitzert hat, die Fundstelle war aber etwas gefährlich gelegen). An den nicht glitzernden Verästellungen war die Kluft vermutlich mit der anderen Seite zusammengewachsen. Nun meine Frage: Da ich weiß, das in den Sandsteinklüften Anataskristalle vorkommen können, ist es vielleicht möglich, das da welche aufsitzen? Ich habe mir das Stück unter meinem Mikroskop angesehen und war erstaunt, das auf dem Stück überall schöne, winzigkleine Doppelenderkristalle aufsitzen, die Größten 1 - 1,5 mm. Deren Farbe ist meinst durchsichtig wie Bergkristall, geht aber manchmal auch in ein leichtes gelb bis Bernsteinfarben. Ich kann leider keine besseren Bilder machen, weil ich nur ein Durchsichtmikroskop ohne Kamera habe, die Ränder des Stücks sind gerade daruntergegangen. Meine Bitte: Vielleicht erklärt sich ja einer von unseren Profis bereit, das ich Ihm das Stück zuschicke, damit er es dann unter seinem Draufsichtmikroskop analysieren kann? Ich würde auch die Portokosten übernehmen bzw. könnte man die Rückgabe auch auf der Mineralienmesse in München durchführen, weil ich die Messe dieses Jahr auf jeden Fall zum Ersten Mal besuchen will. Vielleicht meldet sich ja einer von Euch.

So, jetzt kommen noch die Bilder:

Stück 1:
Titel: Re:Bitte um Bestimmungshilfe
Beitrag von: Lapislazuli am 02 Sep 09, 22:11
...
Titel: Re:Bitte um Bestimmungshilfe
Beitrag von: Lapislazuli am 02 Sep 09, 22:13
Stück 2 (hier wohl nicht zu identifizieren):
Titel: Re:Bitte um Bestimmungshilfe
Beitrag von: Lapislazuli am 02 Sep 09, 22:14
So, das letzte Bild, der Rest muss in den Fossilienbereich.
Titel: Re:Bitte um Bestimmungshilfe
Beitrag von: triassammler am 02 Sep 09, 22:36
Hallo,

die faserigen Leisten könnten calcitisierte Bruchstücke von großen Muschelschalen oder Ammonitengehäusen sein. Auf dem Bild sieht man es nicht genau - sind die Leisten horizontal unterteilt? Wenn ja, in wie viele Lagen? Bei Muschelschalen lassen sich selbst nach der Umkristallisation zu Calcit manchmal noch die beiden unterschiedlichen Schalenschichten (Prismen- und Permuttschicht) unterscheiden, während der Feinbau von Ammonitenschalen meist verloren geht.

Es könnte natürlich auch Fasergips sein, der in der Mitte der Lage oft auch eine Unterteilung aufweist. Mach doch mal einen Ritztest.

Gruß,
Rainer
Titel: Re:Bitte um Bestimmungshilfe
Beitrag von: Lapislazuli am 02 Sep 09, 22:52
Hallo triassammler,

schön, das so schnell eine Antwort von dir kommt. Den Ritztest habe ich schon gemacht. Flussspat (4) ritzt ihn nicht, der Apatit (5) ritzt ihn, so habe ich die Härte von 4,5 geschlussfolgert. Wenn man die Schichten liegend betrachtet, sind die Kristalle in die Höhe gewachsen, also wenn z. B. die Schicht das Maß 30 mm x 3 mm hat, ist jeder gewachsene Kristall 3mm lang und "stehen" alle nebeneinander (ich hoffe, du verstehst das ;D). Horizontal unterteilt sind die Schichten nicht, nur farblich halt. Der Mittelstreifen der Schichten ist dunkel, zu den Randbereichen oben und unten wird das Ganze heller. Für mich sieht es halt irgendwie aus, wie wenn diese scharfkantigen Bruchstücke in den Kalkstein eingebetet wurden, als dieser noch Schlick am Meeresgrund war.

Glück  Auf

Edgar
Titel: Re:Bitte um Bestimmungshilfe
Beitrag von: smoeller am 03 Sep 09, 12:15
Hallo,

Reste von Muschelschalen. Sehr ähnliche Calcitfasern kenne ich von den Inoceramenschalen (Muscheln) aus der Oberkreide Norddeutschlands.

Glück Auf!
Smoeller
Titel: Re:Bitte um Bestimmungshilfe
Beitrag von: Lapislazuli am 08 Sep 09, 22:57
Hallo,

danke für die Bestimmung, versteinerte Muschelschalen also. Eine Artbestimmung wird so eh nicht möglich sein.

Zusammenfassung:

Calcitierte Muschelschalen, Oberkreide (weil aus Seewerkalk)

PS: Vielleicht findet sich ja doch noch einer unter euch, dem ich das zweite Stück zum Analysieren zuschicken darf. Falls dem nicht so ist, werde ich es zur Messe nach München mitnehmen, vielleicht kann ja mal einer der Händler einen Blick mit seinem Mikroskop darauf werfen.

Glück Auf

Edgar