Mineralienatlas - Fossilienatlas
Gesteine / Rocks / Rocas => Gesteine / Rocks / Rocas => Thema gestartet von: hightower1109 am 12 Sep 09, 08:58
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Hallo Leute!
Schon seit geraumer Zeit wollte ich mal anfragen, aus was eigentlich
die berüchtigten Sandzapfen (z.B. aus Ochsenhausen) bestehen und
wie sie entstanden sind. Vielleicht kennt sich da einer von Euch aus.
Vielen Dank schon mal!
Euer hightower1109 8)
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Moin :)
Diese Sandzapfen sind Kalcitkonkretionen die es dort in der Molasse zu finden gab oder gibt.
Es wurden auch schon sandige Calcit xx dort gefunden. Die dinger sind wohl ähnlich wie die Barytrosen von Rockenberg entstanden.
Das wars was mir dazu einfällt.
Gruß Boris
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Hallo!
Sandzapfen entstehen im Aquifer- bzw. Stauwasserbereich von Sandlagerstätten, wenn eine anhaltende und gerichtete Grundwasserströmung gegeben ist. Die Zementausfällung erfolgt dabei in Strömungsrichtung des Porenwassers, deswegen auch die Form und die Tatsache, dass alle Sandzapfen auf einer Stufe immer in dieselbe Richtung weisen. Der Teil, der der Strömung zugewandt ist, bekommt die höchste Lösungskonzentration ab und wächst am stärksten, entsprechend verringert er die Lösungskonzentration in seinem Strömungsschatten, so dass dort weniger Zement ausgefällt wird - die typische Tropfenform entsteht. Dazu kommt noch, dass die Fließgeschwindigkeit der Lösung am "Kopf" des Zapfens abgebremst wird, was dort die Ausfällung ebenfalls begünstigt, während sie dann beim Umfließen des Zapfens wieder zunimmt, was eine geringere Ausfällungsrate zur Folge hat. Die Form der Zapfen ist also "selbsterzeugend" bzw. selbstregulierend.
Gruß,
Rainer
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Servus, Boris, servus Rainer!
Na super, jetzt bin ich im Bilde. Danke Euch für Eure Ausführungen!!!
Schönes WE noch!
Der hightower1109 8)
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Ältere Literatur dazu:
Joachim Heider, Alois Wegele und G. C. Amstutz, Beobachtungen über Sandrosen und Zapfensande aus der Süßwassermolasse Südwürttembergs. In: Der Aufschluss, Sept. 1976.
Ein Artikel von 2021 führt zudem seismische Wellen als Entstehungsgrund an:
Buchner, E., Sach, V.J. & Schmieder, M. Sand spikes pinpoint powerful palaeoseismicity. Nat Commun 12, 6731 (2021). https://doi.org/10.1038/s41467-021-27061-6; https://www.nature.com/articles/s41467-021-27061-6
oder
pdf unter: https://oberschwaben-portal.de/files/tl_filesOPO/Autoren/Sach/BuchnerSachSchmieder2021_Sand%20spikes_NatCom.pdf
und zwei zusammenfassende web-Beiträge dazu:
https://www.scinexx.de/news/geowissen/raetsel-der-zapfensande-geloest/
https://oberschwaben-portal.de/beitraege-detailansicht/zapfensande-als-erdgeschichtliche-zeugen-gewaltiger-erdbeben.html
Wobei ich aber vermute, dass nicht für alle Sandzapfen / Zapfensande eine seismische Aktivität als Voraussetzung für die Entstehung zutrifft, sondern in vielen Gebieten wohl die "klassische" Erklärung gültig ist (ich kenne entsprechende, wenn auch nicht so perfekt ausgeformte Gebilde z.B. auch aus den Sedimenten der Hollabrunn-Mistelbach-Fm im Schmidatal - falls ich mich richtig erinnere, sollte es davon auch eine Beschreibung in einer Arbeit von R. Roetzel geben).