Mineralienatlas - Fossilienatlas
Gesteine / Rocks / Rocas => Gesteine / Rocks / Rocas => Thema gestartet von: giantcrystal am 12 Oct 09, 18:57
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Hallo aus Mittelfranken
wie versprochen, hier wieder einmal ein geologisches Rätsel(raten) :von meiner jüngsten Namibiareise im September 2009 :
Granit verwittert ja bekanntlich meist zu rundlichen Formen, diese Art der Verwitterung hat auf deutsch den schönen und sehr einprägsamen Namen "Wollsackverwitterung".
Wie aber entstehen Granit"kugeln" auf einer ansonsten freien Granitfläche, wie zum Beispiel auf der Farm Ameib in Namibia ?
Hat jemand eine Idee ?
Glück Auf
Thomas
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juppi, ein neues Rätsel!
ich glaub zwar die antwort zu kennen, aber ich werde sie jetzt nicht posten, damit´s fürs restliche
auditorium noch interessant bleibt.
werd´s dir mal per PM meine Lösung schicken, die Lösung seh ich dann eh in kürze hier..
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Schön,
ich sende auch mal die Lösung per PN :-)
Frank
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Was Ihr sendet alle per PM?
Mach ich nicht und hier meine Antwort:
Die aus Granit bestehende Spitzkoppe ist ein Pluton, d.h. das Magma blieb im Erdinneren stecken und bis auf den zentralen Granitkörper ist ringsherum bereits alles verwittert und abgetragen. Granit besteht bekanntlich aus Feldspat, Quarz und Glimmer und ist damit eigentlich ein Konglomerat, daß zu mehr oder weniger groben Sand /Kies verwittert. Charakteristisch für den Granit ist die sogenannte Wollsackverwitterung. Sonne, Regen und vor allem Wind tragen die kleinen Gesteinskörner ab und es entsteht dabei ein vornehmlich rundes Felsgebilde - niemals Kanten.
Das Material bricht regelrecht wie Schalen ab.
Ursache hierfür ist der Abkühlungsprozeß im Erdinneren, die auf Grund der kugel- oder pilzförmigen Magmakörper relativ gleichmäßig von innen nach außen erfolgte und im Prozeß der Erosion in umgekehrter Reihenfolgen abläuft.
Diese Verwitterungsform kann man sowohl an der Spitzkoppe als auch im Erongogebirge ausgezeichnet studieren - siehe Bild von Farm Ameib.
Herzliche Grüße
Moni
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Hmm, ich glaube ich muß meine Frage etwas präzisieren :
Wie bilden sich Granitkugeln wie die oben gezeigte ? Auf einer Stelle, die nach allen Seiten abfällt...hätte ja eigentlich schon lange mal runterrollen müssen, oder ?
Noch ein Nachtrag zur Lage der Farm Ameib : etwa 150 Kilometer vom Meer entfernt,, dort findet mit einiger Sicherheit keine Salzverwitterung mehr statt, übrigens gibt es die typische Wollsackverwitterung auch noch in weit größerer Entfernung vom Meer...
Glück Auf
Thomas
P.S. Übrigens : so ganz sicher bin ich selber nicht, wie das hier mit der Kugelbildung funktioniert, aber vielleicht hat ja jemand eine wirklich gute Idee ?
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Hallo giantcrystal,
Okay, Du bist auf das Zustandkommen des "Standbeines" aus, Frage ist nun präzisiert. Antwort folgt.
Von Salzverwitterung war übrigens nicht die Rede, macht bei Granit auch keinen Sinn. meine Antwort lautete:
Ursache hierfür ist der Abkühlungsprozeß im Erdinneren, die auf Grund der kugel- oder pilzförmigen Magmakörper relativ gleichmäßig von innen nach außen erfolgte und im Prozeß der Erosion in umgekehrter Reihenfolgen abläuft.
Gruß Moni
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Hallo,
Meine Vermutung: Kombination von äolischem Sandtransport (Sandstrahlen, z.B. durch Sandstürme) und Temperaturschwankungen.
Durch Sandstrahlen werden die unteren Bereiche der Granitkugel am meisten angegriffen, da sich die Sandfracht am meisten in Bodennähe konzentriert. Dazu kommt dann evtl. noch das Abplatzen der äußeren Gesteinsschicht durch Temperaturschwankungen (tägliche Temperaturunterschiede in der Wüste über Jahrtausende), Die äußere Gesteinsschicht wird davon natürlich am ehesten beeinflusst (Ausdehung am Tag, Zusammenziehen in der Nacht), daher wird der Kornverband gelockert.
Glück Auf!
Smoeller
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Hatte ja oben angekündigt, nochmals zu räzisieren:
Die Granitkörper ruhen auf einem mehr oder weniger stark ausgeprägten “Sockel”, der seine Ursache in der Verwitterung hat, die auf Wassereinwirkungen zurück zuführen sind.
Wasser tropft von den Granitkugel ab und bildet ringsherum Vertiefungen. Nach Wasserverdampfung und anschließender Ausblasung/Verwehung der Verwitterungsrückstände vergrößern sich diese Vertiefungen. Es bilden sich die im Bild zu sehenden Sockel, die mit zunehmender Zeit immer dünner werden. Irgendwann kommt dann der Zeitpunkt, daß ein instabiles Gleichgewicht entsteht und schwups die Granit rollt weg ....
Grundlage bzw. “Vorarbeiter” zur Ausbildung der schmalen Sockel müssen jedoch auch reine mechanische Wassertransporteffekte sein, denn insbesondere zu Regenzeiten wird das Blockwerk insgesamt durchströmt, so daß sich an den “Füßen” schon mal Hohlräume ausbilden können.
Gruß Moni
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Hallo,
ich denke nicht, dass es stimmt, aber es erscheint mir kreativ: Proterozoischer glazialer Dropstone, der nach der vollständigen Erosion des umgebenden Tillits freisteht ;D
OK, jetzt ernsthaft: Jeder Wollsack fängt mal als größerer Granitkomplex an. In diesem speziellen Fall hat ein besonders großer Granitblock der Erosion als einziger seiner ehemals vorhandenen kleineren Wollsackkollegen standgehalten. Außerdem ist nicht gesagt, dass er von Anfang an an Ort und Stelle entstanden ist. Wahrscheinlicher ist, dass er von einem heute nicht mehr vorhandenen Granithöhenzug (von der weiteren Umgebung sieht man auf dem Bild ja nichts) stammt und bis an seine heutige Position gerollt ist. Die Erosion hat dafür gesorgt, dass mal die Balance des Blocks selbst aus den Fugen geriet, mal ist ihm die Unterlage wegerodiert, und jedes Mal ist er ein Stück weitergekullert, bis er wieder stabil zu liegen kam. Bedingt durch die geschützte Lage unter dem Block dürfte es nicht unwarscheinlich sein, dass sich jeder seiner "Liegeplätze" zu einem kleinen Pfeiler entwickelt, bis die Lage wieder instabil wird und der Block seinen Weg fortsetzt.
Ansätze hat er ja schon gemacht, indem er auf der rechten Seite einen Teil seiner Granitschale verloren hat. Jetzt hat er gefährliches Übergewicht nach links - wahrscheinlich geht die Reise eines Tages in die Richtung weiter 8)
Gruß,
Rainer
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Hallo
eine schöne und sehr leicht verständliche Erklärung der Entstehung unter http://www.namibia-1on1.com/bulls-party.html (http://www.namibia-1on1.com/bulls-party.html) .
Lieber Rainer:
Doch, die Kugeln sind an Ort und Stelle als Folge der Temperaturverwitterung entstanden und nicht von irgendwo her gerollt. Es wurde auch nicht gekullert. Auf dem Bild von Thomas ist das nicht so deutlich zu sehen (ich vermute, dass dies eine Kugel auf dem Geländer Farm Ameib ist).
Auch einige andere Kugeln auf der Ameib liegen nicht einfach so rum, sondern sind fest mit dem Untergrund "verwachsen", d.h., die Erosion hat die Verbindung noch nicht gänzlich weggefressen.
Auf der Farm Etemba - nebendran -, gibts identische Kugeln; bei einer davon, welche als "Steinpilzfelsen" bezeichnet wird, kann man noch sehr gut den etwa 30-40 cm hohen Stiel mit etwa 80 cm Durchmesser erkennen, welcher die Verbindung zwischen Kugel und Erdoberfläche (Felsdecke) ist.
Ganz ähnliche Granitkugeln gibts zuhauf und zum Anfassen auch in Indien, u.a. in Mahabalipuram in Tamil Nadu.
Gruß
collector
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Hallo,
das waere dann etwas zum Thema Verwitterung im Lexikon.
Bilder aus Namibia von der Farm Ameib stehen dort ja schon ;-)
Frank
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Hi Frank
Bilder von der Temperatursprengung der namibischen Ameib-Kugeln (Bull's Party) stehen schon seit langem im Lexikon. Unter Verwitterung.
Die Antwort auf das Rätsel von Thomas
*1. Wollsackverwitterung in situ - ohne Transport (siehe link eiter oben)
*2. Die weitere Erosion durch Temperatursprengung, d.h. abgesprengte Krusten durch drastische Tag-Nacht-Temperaturänderungen
gruß
collector
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Hallo aus Mittelfranken
na, ich denke, das Rätsel ist gelöst : Die auch für mich neue Erkenntnis dabei ist die in situ Verwitterung ohne Transport. Auch wenn die Kugeln häufig so aussehen, als wären sie von wo anderswo herabgerollt, so stehen sie doch fast immer noch auf einem mehr oder minder gut erkennbaren Sockel oder auch mehreren "Füßchen".
Ich nehme aber an, das gelegentlich die ein oder andere frei liegende Kugel doch etwas rollen wird...
Ein Nachtrag noch zur Temperatursprengung : Diese kann mitunter extrem stark ausfallen, zum Beispiel bei einem über einen langen Sommertag hinweg aufgeheizten Granitkugel mit anschließendem kaltem Gewitterguß, so das die Granitkugel regelrecht platzt : man spricht dann von einem Kernsprung - die rechts von der abgebildeten großen Kugel liegenden Bruchstücke sind wohl das Resultat eines solchen Kernsprungs.
Anbei noch ein paar Bilder von der Gesamtsituation und ein paar Granitkugeln mit "Füßen".
Glück Auf
Thomas
P.S. Eine ganz herrliche Landschaft übrigens, speziell bei Sonnenauf- und Untergang, so richtig was zum Meditieren über Gott, das Leben und die Welt..
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Hallo Thomas,
herrliche Bilder :D
Da bekommt man richtig Fernweh
Grüße,
Andreas
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Hallo,
hier noch ein Link zu einer wahren "Monsterkugel": http://www.geo-reisecommunity.de/bild/143492/Karibib-Namibia-Bulls-Party-Erongo-Farm-Ameib (http://www.geo-reisecommunity.de/bild/143492/Karibib-Namibia-Bulls-Party-Erongo-Farm-Ameib)
BG
Fritzi
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P.S. Eine ganz herrliche Landschaft übrigens, speziell bei Sonnenauf- und Untergang, so richtig was zum Meditieren über Gott, das Leben und die Welt.
Hi Thomas
also meditieren unter so ner Kugel ?
Ich habe auf der Ameib immer ein ganz komisches Gefühl, unter so einem Monster zu stehen - es könnte ja jede Minute umfallen oder sich ein Krustenfragment von mehreren Tonnen lösen. Ich finde die Kugeln viel schöner, wenn man 50 m davon entfernt ist. ;D
Gruß
Peter
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Unter:
http://www.mineralienatlas.de/lexikon/index.php/Thailand/S%C3%BCdthailand/Phangnga,%20Provinz/Andamanensee/Similan-Inseln
gibts noch ein paar dieser Beispiele ...
(https://www.mineralienatlas.de/VIEWmax.php?param=1196409361.jpg) (https://www.mineralienatlas.de/VIEWFULL.php?param=1196409361.jpg)(https://www.mineralienatlas.de/VIEWmax.php?param=1196409768.jpg) (https://www.mineralienatlas.de/VIEWFULL.php?param=1196409768.jpg)(https://www.mineralienatlas.de/VIEWmax.php?param=1196408935.jpg) (https://www.mineralienatlas.de/VIEWFULL.php?param=1196408935.jpg)
Gruß Stefan
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Hallo,
... lieber doch noch etwas Senf dazu.
Der Grund für die Kugelbildung ist eigentlich ganz einfach.
In situ-Verwitterung wurde ja schon gesagt. Aber solche Kugeln würde es in unserem feuchten Klima nie geben, auch wenn man einen Zaun um einen Pluton macht und 1 Millionen Jahre wartet.
Und umgekehrt: Wollsackverwitterung gibt es in Namibia nicht (weigstens nicht in der Wüste).
Denn die hat mit der tiefgründigen Vergrusung (chemische Verwitterung) von Granit entlang der natürlichen Klüftung zu tun, wie sehr schön im Lexikon erklärt.
Das erste Foto (Nordost-Erongo) zeigt sehr schön: Die Kugeln liegen auf massivem, nicht auf zerklüftetem Granit. Bei Wollsackverwitterung sähe der Berg anders aus, komplett zerklüftet (siehe Lexikon).
Die Verwitterung findet also vorwiegend oberflächlich statt.
Die Kugeln bilden sich, weil die Teile des Felsens, die im Schatten liegen, länger feucht bleiben als die von der Sonne beschienene Oberseite der Felsen. Wie "bei uns" setzt die chemische Verwitterung entlang vorhandener Klüfte ein. Wenn die Kluft dann geweitet ist, erodiert bevorzugt der beschattete Fels (Oberseite der Spalte). So wird der Fels langsam rundherum von unten freigelegt.
Der gleiche Mechanismus ist für die gelegentlichen Höhlenbildungen im Granit verantwortlich: das zweite Foto zeigt die Phillips Cave, Farm Ameib.
Sobald irgendwo eine Stufe im Fels ist, in der sich Feuchtigkeit sammelt, frisst sich die Erosion in den Felsen ein.
Die isolierten Felsen stehen oft auf einem Sockel, weil sich 1. bei Regen im Bereich unmittelbar um den Felsen mehr Feuchtigkeit sammelt (nämlich zusätzlich das, was vom Felsen runtertropft) und 2. der Bereich beschattet ist (=mehr Verwitterung). Deshalb wird der Bereich um einen Felsen "abgesenkt".
Gruss
Amir
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Aber solche Kugeln würde es in unserem feuchten Klima nie geben, auch wenn man einen Zaun um einen Pluton macht und 1 Millionen Jahre wartet.
Und umgekehrt: Wollsackverwitterung gibt es in Namibia nicht (weigstens nicht in der Wüste).
Denn die hat mit der tiefgründigen Vergrusung (chemische Verwitterung) von Granit entlang der natürlichen Klüftung zu tun, wie sehr schön im Lexikon erklärt.
Hallo aca
recht spät die Antwort, hängt damit zusammen, dass ich erst jetzt zur neuen Bearbeitung des Themas Verwitterung komme; die alte Lexikon-Version hat ausgedient.
Danke für Deine übermittelten Gedanken, aber das siehst Du einiges (nicht alles) nicht so ganz richtig.
Grundsätzlich, ob Bull's Party, Wackelsteine, Blockverwitterung etc. - diese runden Blöcke sind allesamt Resultat von sogenannten Wollsackverwitterungen; dafür gibts im Englischen kein passendes Synonym, meist werden die Brocken dann einfach als Boulders = Blöcke bezeichnet.
Insofern wäre es passender, im Deutschen dann Blockverwitterung anstelle Wollsackverwitterung zu sagen, wobei wir dem Thema näherkommen.
Ein zweites Problem, auch der Grund, warum die bestehende Lexikonseite "Verwitterung" von mir ersetzt wird, ist der sehr lockere und meist unzutreffende Umgang mit den Begriffen Verwitterung und Erosion, besonders bei Fachgeologen (sowohl deutsche als auch international), die den Unterschied eigentlich kennen sollten.
Wollsackverwitterung ist eine in-situ chemische Verwitterung und keine Erosion, auch keine Denudation. Und wollsackverwitterte Granitfelsen erodieren nicht, sondern werden am ursprünglich kantigen Block von den Klüften her nach innen zersetzt, wobei sich konzentrische Schalen (Rinden) bilden und letztendlich gerundete wollsackähnliche Formen enstehen. Diese sind nicht immer so spektakulär wie die großen Kugeln, auch die schönen Felsenmeer im Odenwald und im Böhmerwald bestehen aus Wollsäcken.
Dass es in feuchtem Klima keine Kugeln gibt, stimmt nicht. Die schönsten und größten, viel schöner als auf der Ameib, liegen im tropisch-schwülen Indien, sowohl 10 m am Strand vor dem indischen Ozean sowie im klebrig-feuchten Landesinneren. Und sehr schöne sind auch allgemein bekannt von den Seychellen, Burma, Thailand und den Philippinen. Natürlich gibts auch Kugeln und runde Blöcke an vielen feuchten Orten in Europa, besonders an der Atlantikküste von Cornwall, England und Irland.
Dass es in Naimbia in der Wüste keine Wollsackverwitterung gibt, ist ebenfalls unrichtig. Schau Dir mal Bilder von der Giant' s Party bei Keetmanshop an - die tollsten Wollsäcke in der südlichen Namib-Wüste. Auch die fantastischen Granitkugeln und riesigen runden Blöcke der beiden Spitzkoppe-Inselberge, mitten in der Wüste, sind nichts anderes als Wollsackverwitterungen.
Gruß
collector