Mineralienatlas - Fossilienatlas

Gesteine / Rocks / Rocas => Meteorite, extraterrestrische Geologie / Extraterrestrial Geology => Thema gestartet von: TobiasBrehm am 15 Mar 10, 18:37

Titel: Modellversuch Meteoriteneinschlag
Beitrag von: TobiasBrehm am 15 Mar 10, 18:37
Hallo zusammen,

eure Kreativität ist gefragt! ;)

Ich habe jetzt mehrere Stunden im Internet nach Experimenten gesucht, bei denen ein Meteoriteneinschlag nachgeahmt wird... leider ohne Erfolg.

Ich würde gerne selbst einen solchen Versuch machen, um daran die Grundcharakteristiken eines Einschlages erläutern zu können. Es muss also nicht unbedingt komplett naturgetreu sein...

Ziel dabei ist jedoch, einfachste Mittel dabei zu verwenden. Mir würde also was in Richtung einer "Schüssel" mit Sediment o.ä. vorschweben, in die ich eine Kugel (Glaskugel/Metallkugel/...) hineinschieße und somit einen Krater erzeuge. Dabei sollte die Form danach natürlich so bleiben und nicht wieder in sich zusammenfallen (evtl. mit feuchtem Sand/Silt zu machen?)...

Super ideal wäre es natürlich, wenn man nach einem "Aufschneiden" radialstrahlige Risse unterhalb des Kraters sieht, oder im Krater eine kleine Aufdomung hätte, aber das wäre wohl bisschen zu viel Optimismus.

Kennt jemand Literatur/Internetseiten etc. auf der ein solches Experiment vorgestellt wird, oder hat jemand vielleicht Tips, wie man so etwas am Besten ausführt?

Schließlich wird es nicht reichen, eine solche Kugel von Hand zu werfen (ungenaues Zielwasser etc.). Also müsste das Ganze also eine Art Abschussvorrichtung besitzen...

Über Anregungen freue ich mich jetzt schon!

GA,
Tobias
Titel: Antw:Modellversuch Meteoriteneinschlag
Beitrag von: Krizu am 15 Mar 10, 18:58
Hallo,

ich befürchte, du musst in einen Bereich gehen, der nicht einfach durch Fall und Prall zu erreichen ist.
Die mechanischen Eigenschaften ändern sich mit der Geschwindigkeit des Objekts.

Also ich würde ein Luftgewehr und feuchten Gips/Lehm nehmen bzw. Wachs verschiedener Temperatur.

MfG

Frank
Titel: Antw:Modellversuch Meteoriteneinschlag
Beitrag von: triassammler am 15 Mar 10, 20:46
Hallo Tobias,

ich würde angefeuchteten Sand nehmen, wie Du auch schon angedacht hast. Den nimmt man auch für professionelle Versuche zur Tektonik. Gips, Lehm und Wachs verhalten sich in dem Maßstab nicht wie ein "herunterskaliertes" Gestein, sie sind duktil und verändern sich nach dem Maximum der Krafteinwirkung nicht mehr weiter, während in der Tektonik/beim Impakt das Gestein auch noch nach dem Kraftmaximum durch den Kollaps übersteilter Strukturen "weiterarbeitet". Sand bildet das besser ab.

Und ja, Du brauchst ein Luftgewehr.

Sicherlich klappt das nicht gleich beim ersten Versuch, das ganze ist schon etwas aufwändiger, und man muss herumprobieren... Besonders effektvoll wird es, wenn Du dünne, verschiedenfarbige Sandlagen übereinander häufst, an deren Deformation und Durchmischung sich die Auswirkungen dann besonders gut erkennen lassen. Ich würde dazu gefärbten Dekosand aus dem Bastelladen verwenden, der hat einheitliche Korngrößen. Und je feiner, desto besser (auch für das spätere "Aufschneiden" der "Torte").
Ich habe mal einen Versuch beobachtet, bei dem sich anschließend der feuchte Sand ausgezeichnet wie Kuchenstücke entlang der gewünschten Schnittlinien zerteilen und in Blöcken auseinanderschieben ließ. Voraussetzung dafür ist natürlich eine glatte Unterlage. Eventuell kann man die Masse auch irgendwie imprägnieren, um sie zu verfestigen, ich wüsste aber auch nicht konkret, womit.

Gruß,
Rainer
Titel: Antw:Modellversuch Meteoriteneinschlag
Beitrag von: Krizu am 15 Mar 10, 21:31
Ok,

nach das "Nachrutschen" habe ich nicht gedacht.
Ich war mehr auf dem Trip den Krater zum Zeitpunkt x nachzubilden,
also die Kraterwand mit den Auswürflingen usw.

Dann bleiben die Parameter:
- Munition (Spitzkugel, Diabolo, Kugel, Bolzen)
- Entfernung (>2m)
- Aufprallwinkel

So wie ich die aktiven Schiessgruppen kenne, sind die gerne hilfsbereit.
Der Vorteil ist, dass die Wettkampfgewehre "etwas" präziser sind als die "Garten"-gewehre.

MfG

Frank
Titel: Antw:Modellversuch Meteoriteneinschlag
Beitrag von: Hotzenblitz am 15 Mar 10, 21:38
hallo....

da fällt mir spontan nen so richtig so nen halb ausgetrockneter schlammsee in nem steinbruch ein.... so mit richtig lecker brauner suppe drinn... wenn du da dann so nen steinbrocken rein wirfst.......? 

da gibts dann manchmal echt nette kraterbildungen......!


g.A. chris
Titel: Antw:Modellversuch Meteoriteneinschlag
Beitrag von: TobiasBrehm am 15 Mar 10, 21:53
hallo,

erstmal vielen Dank für die vielen Tips!

Ich habe fast "befürchtet", dass ich mit größeren "Geschützen" (im wahrsten Sinne des Wortes !?) arbeiten muss...

Mal gucken, ob man da jemand mit einem Luftgewehr auftreiben kann.

Das mit den verschiedenfarbigen Sanden ist ne super Idee!

Als Projektil würde ich jetzt aus dem Bauch raus eine Kugel bevorzugen, aber sowas wäre dann wohl auch einfach eine Sache des Ausprobierens.

Der Abstand hängt wohl von der Leistung des Gewehres ab und den Winkel kann man ja eigentlich wählen, je nach gewollter Form des Kraters.

GA,
Tobias

Titel: Antw:Modellversuch Meteoriteneinschlag
Beitrag von: giantcrystal am 15 Mar 10, 22:02
Hallöchen

setz dich mal mit dem Rieskratermuseum in Nördlingen in Verbindung : die haben da mehrere Exponate und Filme zu diesem Thema

Glück Auf

Thomas
Titel: Antw:Modellversuch Meteoriteneinschlag
Beitrag von: Krizu am 15 Mar 10, 22:02
Hallo,

wenn ich mich recht erinnere, liegt die Mündungsgeschwindigkeit eines Wettkampfgewehrs bei 175m/s (Diabolo) und 170m/s nach 10m. Die Energie sollte 7,5J sein. Auch die anderen Gewehre liegen irgendwo an dieser Grenze (deutsches Waffenrecht). Kugeln sind in der Flugbahn nicht so präzise.

Schau doch mal ins Vereinsregister und wo das nächste Schützenhaus ist. Für'n Bier machen die fast alles möglich  ;D

MfG

Frank
Titel: Antw:Modellversuch Meteoriteneinschlag
Beitrag von: Hotzenblitz am 15 Mar 10, 22:08
hallo,...


 ;D ;D ;D frag doch mal hier an :http://www.bundeswehr.de   ;D ;D ;D
Titel: Antw:Modellversuch Meteoriteneinschlag
Beitrag von: TobiasBrehm am 15 Mar 10, 22:36
;D ;D ;D frag doch mal hier an :http://www.bundeswehr.de   ;D ;D ;D

Da bekomme ich dann auch die ganz große Kaliber.  ;D

@giantcrystal

Das ist ne gute Idee! Ich schreib' denen einfach mal!

GA,
Tobias
Titel: Antw:Modellversuch Meteoriteneinschlag
Beitrag von: triassammler am 16 Mar 10, 00:21
den Winkel kann man ja eigentlich wählen, je nach gewollter Form des Kraters.

Bei natürlichen Impaktkratern spielt der Anflugwinkel kaum eine Rolle; wenn er nicht extrem flach ist, sorgt die Explosion beim Einschlag immer für eine kugelförmige Druckwelle, die entsprechend einen runden Krater formt. Nur bei kleinen Körpern, die "richtig" einschlagen und nicht explodieren, verhält sich das anders. Deswegen sind auch alle Großkrater auf der Erde oder anderen Himmelskörpern rund, obwohl man beileibe nicht davon ausgehen darf, dass der Impaktkörper stets senkrecht von oben auftraf.

@Krizu:
Zitat
nach das "Nachrutschen" habe ich nicht gedacht.
Ich war mehr auf dem Trip den Krater zum Zeitpunkt x nachzubilden,
also die Kraterwand mit den Auswürflingen usw.
Da kenne ich jemanden, der das mal mit einem Elektronenstrahl auf eine Wolframplatte veranstaltet hat. Das hatte sehr schöne strahlenförmige Streufelder von Auswurftropfen um den Krater zur Folge. Sieht aus wie echt. Ich werde mal fragen, ob ich davon Bilder hier zeigen darf.
Aber für Tobias technisch wahrscheinlich noch schwieriger zu realisieren als mit der Dicken Berta auf ein Sandbett zu feuern  ;)

@Tobias:
Wenn es Dich mal in die Gegend verschlägt: Das Rieskrater-Museum in Nördlingen ist absolut sehenswert.

Gruß,
Rainer
Titel: Antw:Modellversuch Meteoriteneinschlag
Beitrag von: giantcrystal am 16 Mar 10, 11:19
Hallo aus Mittelfranken

das mit dem "immer kreisrunden Kratern" ist so nicht ganz richtig. Zum einen hat man mittlerweile durchaus ovale Krater entdeckt , z.b. Toms Canyon Crater, zum anderen liegt das natürlich nicht nur am Aufprallwinkel selbst, sondern auch an der Form des Körpers.

Ein langezogener Impaktkörper wird auch bei einem steilen Aufprallwinkel einen ovalen Krater erzeugen. Klassisches Beispiel ist die Sudburystruktur (obwohl es da auch ältere Literatur gibt, die eine nachträgliche tektonische Verformung postuliert)

Übrigens gibt es auch Meteoriten ganz ohne Krater, zum Beispiel der Hoba in Namibia,

siehe hier

http://giantcrystals.strahlen.org/africa/hobavv0.htm


Glück Auf

Thomas

Titel: Antw:Modellversuch Meteoriteneinschlag
Beitrag von: triassammler am 16 Mar 10, 13:59
Hallo Thomas,

der Toms Canyon Crater war mir bisher gar nicht bekannt, ich musste selbst erst mal danach googeln, allerdings waren die Details dazu, die ich gefunden habe, unbefriedigend. Vor allem habe ich kein Blockbild auf der Basis der bathymetrischen Daten gefunden, was aber sehr informativ gewesen wäre. Kannst Du mir ggf. einen weiterführenden Link oder Literatur empfehlen? Wenn ich es richtig sehe, geht man ggf. vom gleichzeitigen Impakt mehrerer Objekte aus - daraus würde sich dann auch eine asymmetrische Kraterform erklären.

Was Sudbury angeht, da möchte ich es mit der "älteren Literatur" halten und bei einer derart alten Struktur tektonische Deformation nicht kategorisch ausschließen. So gibt es auch im skandinavischen Gebirge einige Großkrater, die durch die kaledonische Gebirgsbildung "halbiert" (die andere Hälfte wurde mit der entsprechenden Decke über- oder unterschoben) oder deformiert wurden. Freilich sind diese Krater nicht mehr als Oberflächenstrukturen sichtbar, sondern nur indirekt über Massenanomalien nachweisbar.

Und der Hoba-Meteorit hatte wahrscheinlich ursprünglich einen kleinen Krater um sich herum, der aber recht schnell von Wind und Wetter eingeebnet wurde. Denudation ist in der Region doch durchaus ein Problem, oder? Aber Du hast natürlich Recht: Vergleichsweise sehr kleine Meteoriten werden beim Flug durch die Erdatmosphäre abgebremst und fallen schließlich mit maximal 9,81 m/s zu Boden, was in keinem Verhältnis zu den großen Brocken steht, die ihre kinetische Energie ungebremst beibehalten und mit 12 km/s und mehr einschlagen. Ein richtiger Krater wird durch die Explosion infolge Umwandlung der kinetischen Energie in Wärme erzeugt, nicht durch den Einschlag des Körpers an sich. Letzteres erzeugt höchstens ein kleines Loch im Boden, das sehr schnell der Erosion anheim fällt.

Gruß,
Rainer
Titel: Antw:Modellversuch Meteoriteneinschlag
Beitrag von: giantcrystal am 16 Mar 10, 14:34
Noch ein Nachtrag zum Hoba

Als neulich in der argentinischen Pampa ein kleiner Meteorit (Masse vielleicht 3 Tonnen ?) einschlug, gab das einen ordentlichen runden Krater. Der Hoba, geschätzt auf ein paar zehntausend Jahre, müßte demnach einen weitaus größeren Krater verursacht haben. Hat er aber nicht. Und was die Denudation anbelangt, so war der Hoba bei seiner Entdeckung von einigen Dezimetern Kalkkruste bedeckt...

Vermutlich ist er woanders flach aufgeschlagen und dann wie ein Stein auf dem Wasser ein paar mal "aufgetitscht" bevor er an seinem heutigen Ruheort zu liegen kam

Alles nicht so einfach mit den Meteoriten ;-)

Glück Auf

Thomas
Titel: Antw:Modellversuch Meteoriteneinschlag
Beitrag von: TobiasBrehm am 16 Mar 10, 15:08
Das hat sich ja inzwischen wieder in eine richtige Fachdiskussion verwandelt! Find' ich super!

Das Thema Meteoriten ist doch immer noch super spannend! :)

@ triassammler:
Das mit dem Auftreffwinkel für natürliche Meteoriten ist wohl weitestgehend richtig. Nur für den Modellversuch wird er wahrscheinlich schon eine Rolle spielen, da dabei ja keine Explosionen beim Auftreffen iniziert werden (sollten). Daher sind die dabei entstehenden Krater natürlich auch nicht naturgetreu, aber das ist bei einem solchen "low-budget-Versuch" wohl schlecht zu realisieren. In Freiburg wird/wurde scheinbar ein Versuch dieser Art durchgefürht. Jedoch ist dafür sicher ein anderes Budget verfügbar....
Hier der Link: http://www.welt.de/wissenschaft/article1556390/Deutsche_Forscher_simulieren_Weltuntergang.html

Falls Du die Erlaubnis für die Bilder mit der Wolframplatte bekommst, wäre das super! Das würde mich interessieren! Aber klar, für mich natürlich nicht machbar.

Ries steht definitiv auf meiner Liste der noch in meinem Leben zu besuchenden Gegenden der Erde (zusammen mit Hawaii, Yellowstone, Mt. St. Helens, Arktis, .... ;) ), aber sicher eher zu realisieren, als die anderen Gegenden...

GA
Tobias
Titel: Antw:Modellversuch Meteoriteneinschlag
Beitrag von: triassammler am 20 Mar 10, 00:17
Hallo,

zwischenzeitlich habe ich die Bilder von dem Versuchsergebnis mit der Wolframplatte bekommen (Besitz und Fotos: Dr. E. Albert). Durchmesser des Kraters ca. 3 cm. Man sieht sehr schön, wie der "Impakt" in Kraternähe zu einer geschlossenen Auswurfdecke und in weiterer Entfernung zu einer strahlenförmigen Verteilung der Ejekta geführt hat, wie man dies z. B. an Kratern auf dem Mond beobachten kann. Nur die Anlauffarben entsprechen nicht ganz der Impakt-Realität  ;)

Gruß,
Rainer
Titel: Antw:Modellversuch Meteoriteneinschlag
Beitrag von: triassammler am 20 Mar 10, 00:18
Hier noch eine Detailaufnahme des Kraters
Titel: Antw:Modellversuch Meteoriteneinschlag
Beitrag von: jürgen lange am 20 Mar 10, 08:28
hallo zusammen,

neben der masse, der energie, dem auftreffwinkel gibt es da wohl noch den effekt des untergrundes. sieht man sich ultrakurzaufnahmen von wassertropfen an, die auf eine wasseroberfläche auftropfen, sieht man neben dem krater und den seitlich wegtriftenden wellen noch den rücksteigenden berg (fachausdruck?).

ich bilde mir ein, dass es im steinheimer becken (auch ein krater eines meteoriten), einen solchen berg gibt. was ich aber nicht unbedingt verstanden hatte, waren die fossilienfunde dort oben, die ich anläßlich einer wanderung gesehen hatte.

ich dachte immer, der meteorit würde alles zerschlagen.


das führt noch zu einer zweiten geschichte. ab und an bleiben vom meteoriten  reste übrig, die unsere kollegen so gerne in die vitrine stellen.

wenn die meteoriten aus fester materie sind, haben sie auch die berechtigte chance dazu. wenn die stücke so groß sind, dass sie  nicht verdampfen.

nun soll es ja auch schneebälle aus methan, kohlendioxid, wasse ... geben. und die verdampfen.

soweit die gedanken eines nichtfachmannes dazu.


so wie tobias sagt, das thema ist spannend

glück auf jürgen
Titel: Antw:Modellversuch Meteoriteneinschlag
Beitrag von: triassammler am 20 Mar 10, 10:38
Hallo Jürgen!

Zitat
sieht man neben dem krater und den seitlich wegtriftenden wellen noch den rücksteigenden berg (fachausdruck?)
Den nennt man "central uplift", auf Deutsch auch "Zentralberg" genannt. Auch die "Wellen" sind als sog. Ringwälle (nicht zu verwechseln mit dem Kraterrandwall, der aus Auswurfmassen besteht) in größeren Kratern zu sehen. Das Nördlinger Ries hat bspw. einen Ringwall.
Es hängt von der Größe des Kraters ab, welche dieser Strukturen ausgebildet werden. Die einfachste Form eines "komplexen Kraters" (also nicht nur eine Schüssel) stellt das Steinheimer Becken mit seinem Zentralberg dar. Die nächst größere Stufe erzeugt einen Zentralberg, der so weit nach oben federt, dass er sofort wieder kollabiert; das seitliche "Wegfließen" der Zentralberg-Masse erzeugt dann einen inneren Ringwall (Nördlinger Ries) ohne Zentralberg. Auf dem Mond mit seiner viel geringeren Gravitation sind komplexe Krater mit mehreren Ringwällen plus Zentralberg keine Seltenheit.

Zitat
ich bilde mir ein, dass es im steinheimer becken (auch ein krater eines meteoriten), einen solchen berg gibt. was ich aber nicht unbedingt verstanden hatte, waren die fossilienfunde dort oben, die ich anläßlich einer wanderung gesehen hatte. ich dachte immer, der meteorit würde alles zerschlagen.
Du hast schon Recht. Das Steinheimer Becken ist ein Paradebeispiel für einen Krater mit "central uplift" (Klosterberg/Steinhirt).
Die Fossilien, die man am Klosterberg/Steinhirt sieht, stammen einerseits aus der nachfolgenden See-Phase des Kraters (die berühmten Schneckensande), sind also von dem Einschlag ohnehin nicht mehr betroffen. Und in den Kimmeridge-Kalken, die den Zentralberg aufbauen, gibt es ebenfalls Fossilien, und diese sind vom Einschlag meist stark geschockt (zerbrochen) worden, sind aber im Lauf der ca. 15 Mio. Jahre seit dem Impakt in situ wieder diagenetisch verkittet worden. Daneben gibt es in dem Gestein des Zentralbergs die sog. "shatter cones" (Strahlenkegel), Deformationsstrukturen, die durch die Schockwelle des Impakts entstehen. Ein Charakteristikum großer Meteoriteneinschläge ist, dass neben dem Auswurf zertrümmerter und pulverisierter (bei sehr großen Einschlägen auch geschmolzener) Gesteinsmassen auch die in situ verbliebenen Gesteine im Krateruntergrund geschockt und deformiert werden. Diese Bruchdeformation geht aber nicht so weit, dass Gesteinskomponenten wie Fossilien oder Konkretionen völlig zerstört werden. Man muss es sich eher so vorstellen, dass die Gesteine im Untergrund des Kraters sozusagen en bloc zuerst nach unten gedrückt werden und dann wieder zurückfedern. Einfach gesprochen kann man sagen, dass man gerade im Krater selbst eher noch vollständige Fossilien findet, weil die völlig zertrümmerten Fossilien mit den Lockermassen ausgeworfen wurden.

Zitat
ab und an bleiben vom meteoriten  reste übrig, die unsere kollegen so gerne in die vitrine stellen.
wenn die meteoriten aus fester materie sind, haben sie auch die berechtigte chance dazu. wenn die stücke so groß sind, dass sie  nicht verdampfen.
nun soll es ja auch schneebälle aus methan, kohlendioxid, wasse ... geben. und die verdampfen.
Auf den ersten Blick paradoxerweise gibt es eine untere und eine obere Grenze, innerhalb der ein Meteorit tatsächlich am Erdboden ankommt, ohne in der Atmosphäre zu verglühen (untere Grenze) oder beim Aufschlag zu verdampfen (obere Grenze). Bei sehr großen Brocken (ab ca. 100 m Durchmesser, auch abhängig von Material und Einschlagsgeschwindigkeit) ist die enthaltene kinetische Energie so groß, dass sie sich bei der fast abrupten Abbremsung, die sie beim Auftreffen auf die Erdoberfläche erfahren, bis zum Verdampfungspunkt erhitzen. Erst diese schlagartige Verdampfung ist das, was für die wirklich gewaltige und im Vergleich zur Größe des Impaktkörpers unverhältnismäßig starke Explosion und entsprechend ausgedehnte Kraterbildung verantwortlich ist. Das verdampfte Meteoritenmaterial vermischt sich dann mit den Auswurfmassen und ist schließlich nur noch in starker Verdünnung nachweisbar, aber nicht mehr makroskopisch zu erkennen. Meist gibt es hier das Problem, dass der Typ des Einschlagkörpers (Eisenmeteorit, Steinmeteorit, Chondrit, Komet) und dessen Größe im Nachhinein nicht genau zu bestimmen ist, weil die Isotopensignatur in den Auswurfmassen nur die qualitative Aussage hergibt, dass es sich um außerirdisches Material handelt, nicht aber, um wie viel. Glück hat man, wenn sich vor dem Impakt kleinere Teile des Körpers abgelöst haben und in der weiteren Umgebung des Kraters zu Boden gefallen sind.
Sicher gibt es auch Kometen ("schmutzige Schneebälle"), die so groß sind, dass sie ohne wesentlichen Masseverlust die Erdatmosphäre durchqueren und einen Einschlagkrater erzeugen können. Eine der Theorien für das Tunguska-Ereignis von 1908 basiert auf dieser Annahme. Aber auch hier haben wir das Problem, dass der Körper beim Einschlag verdampft und seine Bestandteile in höchster Verdünnung über einen weiten Umkreis verteilt werden. Gibt es keine Impaktschmelzen oder Auswurfmassen, die diese Fremdstoffe einschließen und konservieren, gelangen sie nach wenigen Jahren in den Kreislauf der Natur und sind dann bis unter die Nachweisgrenze verdünnt. Es handelt sich ja durchweg um Stoffe, die auch auf der Erdoberfläche vorkommen, hier allerdings teilweise in ganz anderer Konzentration.

Das Thema ist wirklich spannend! Jedenfalls stelle ich mir auch gern shatter cones, Impaktbrekzien und deformierte Fossilien in eine separate "Impakt-Vitrine". Nicht jedes "kaputte" Fossil muss ein uninteressantes Fossil sein...

Anbei noch ein Schmankerl: impaktgeschockte und diagenetisch wieder verkittete Konkretion aus obersilurischen Sedimenten im Siljan-Meteoritenkrater (Schweden, Provinz Dalarna, Impakt vor ca. 377 Ma), Durchmesser ca. 40 cm. Leider zu groß für die Sammlung, deswegen noch vor Ort zu bewundern  ;) Analog dazu findet man in diesen Sedimenten auch gelegentlich zerbrochene Kopf- und Schwanzschilder von Trilobiten, deren Teile gegeneinander versetzt wurden, sozusagen das paläozoische Gegenstück zu den Ries-Belemniten.

Gruß,
Rainer
Titel: Antw:Modellversuch Meteoriteneinschlag
Beitrag von: giantcrystal am 20 Mar 10, 11:46
Rainer, das hast Du alles wunderbar erklärt  :D

ich hätts nicht besser können ! Wäre das nicht eine Aufnahme ins Lexikon wert ?

Glück Auf

Thomas
Titel: Antw:Modellversuch Meteoriteneinschlag
Beitrag von: triassammler am 20 Mar 10, 12:20
Wäre das nicht eine Aufnahme ins Lexikon wert ?

Mag das jemand einpflegen? Ich bin schon wieder auf dem Sprung...
Für meine eigene HP arbeite ich seit geraumer Zeit an einer Unterabteilung über die Geologie von irdischen Meteoritenkratern, komme da aber auch nur sporadisch dazu, an den Texten und Bildern zu arbeiten.

Gruß,
Rainer
Titel: Antw:Modellversuch Meteoriteneinschlag
Beitrag von: TobiasBrehm am 26 Mar 10, 17:52
Hallo Rainer und all die anderen, die hier tatkräftig geschrieben haben:

Sorry, dass ich so lange gebraucht habe, bis ich mich endlich wieder melde.
Das sind echt super Bilder! Einfach toll!
Derzeit schaut es so aus, als würde es in naher Zukunft eine Versuchsreihe mit nachgestellten Einschlagskratern geben!
Sobald es soweit ist, werde ich hier davon berichten.

GA,
Tobias
Titel: Antw:Modellversuch Meteoriteneinschlag
Beitrag von: Kerloc am 29 Mar 10, 15:50
man könnte den Vorgang des Impaktes auch sehr gut per Computersimulation via Fluidsim/Softbody darstellen ...
Titel: Antw:Modellversuch Meteoriteneinschlag
Beitrag von: triassammler am 29 Mar 10, 17:14
Hallo Tobias!

Derzeit schaut es so aus, als würde es in naher Zukunft eine Versuchsreihe mit nachgestellten Einschlagskratern geben!
Sobald es soweit ist, werde ich hier davon berichten.

Ich bin schon sehr gespannt!  :D

Gruß,
Rainer
Titel: Antw:Modellversuch Meteoriteneinschlag
Beitrag von: TobiasBrehm am 29 Mar 10, 17:23
Hallo Kerloc,

Ja. Das stimmt.

Deine Idee ist prinzipell super!

Nur bin ich zum Einen persönlich kein sonderlicher Fan von Computersimulationen und zum Anderen soll an Hand des Modells ein Einschlag erklärt werden können. Ich weiß, dass ist auch mit einer Simulation realisierbar, aber es ist schwierig Kinder, bzw. Schüler lange bei der Stange zu halten, wenn sie sich eine Animation am Computer angucken sollen (auch 11. und 12. Klasse).

Und zuletzt ist mein innerer Spieltrieb nicht zu verachten. ;)

Nein, um genau zu sein, hab' ich diese Idee (die ich schon lange verfolge) im Rahmen eines Programms für Schulklassen der Jahrgangsstufe 10/11/12 wieder aufgenommen. Und dabei geht es mir wirklich darum, dass dieses Modell etwas Greifbares wird, um das man herumgehen kann, es von allen Seiten betrachten kann etc., ohne die Schüler ein weiteres Mal vor den Bildschirm zu verfrachten (da dürften sie schon häufig genug davor sitzen). Es sollen in diesem Programm eben auch Dinge gezeigt/gemacht/erlebt... werden, die nicht ohne Weiteres im Unterricht umsetzbar sind.

GA,
Tobias
Titel: Antw:Modellversuch Meteoriteneinschlag
Beitrag von: TobiasBrehm am 29 Mar 10, 17:26
@triassammler

Oh. Da war ich wohl zu schnell, bzw. zu langsam. Wie man es nimmt.

Gespannt bin ich auch!
Es wird aber sicher noch ein paar Wochen dauern, bis es endgültig durchgeführt wird. Davor sind noch diverse logistische und personelle Probleme zu klären. ;)

Ich habe übrigens einen Versuch der NASA gefunden, der zwar nicht auf den Krater selbst abziehlt (im wahrsten Sinne des Wortes), sondern eher auf den Auswurfkonus. Ist aber trotzdem schon mal nen Tip: http://solarsystem.nasa.gov/deepimpact/science/cratering.cfm

Zudem habe ich folgendes Buch gefunden, in dem auch solche Versuche kurz in Bildern dargestellt ist:
Melosh, H. J. (1989): Impact Cratering - A Geologic Process. Oxford Monographs On Geology And Geophysics, 11.

GA,
Tobias
Titel: Antw:Modellversuch Meteoriteneinschlag
Beitrag von: Kerloc am 31 Mar 10, 18:58
@tobias

ich dachte eher daran die simulation analog nebenbei - quasi ergänzend - laufen zu lassen ^^
Titel: Antw:Modellversuch Meteoriteneinschlag
Beitrag von: TobiasBrehm am 31 Mar 10, 22:02
Ahso.  :D

Ok. Das wäre natürlich eine gute Ergänzung.

Sorry. Hab' ich wohl erst falsch verstanden.

GA,
Tobias