Mineralienatlas - Fossilienatlas
Arbeitsmittel / Means for work => Reinigung (Präparieren, Konservierung) / Cleaning (Prepare, Conservation) => Thema gestartet von: gsiberger am 13 May 10, 13:12
-
Hallo!
Habe vor kurzem eine Kluft gefunden, bei der viele Stufen mit einer Art gesintertem Limonit überzogen waren. Ein Limonit- bzw Rostüberzug ist ja nicht so selten bei Bergkristallen. Der ist normalerweise leicht mit Salzsäure zu entfernen. Doch so wie ich das bisher gemacht habe (33 %ige Salzsäure) klappt das bei diesem Stück nicht mehr, weil der Überzug so dick ist. Teilweise sind Quarzsplitter aus der Kluft regelrecht mit der Stufe verbacken.
Was gibt es hier für Alternativen zur Salzsäure? Reicht es, wenn ich einfach nur höher konzentrierte Salzsäure auftreibe? Zur besseren Einschätzung habe ich 3 Bilder angehängt. Das Stück ist 10 cm groß.
Danke schon mal für die Antworten.
Lg Johannes
-
Hallo,
Salzsäure gibt es nicht wesentlich höher konzentriert und die hilft hier auch nicht. Suche hier im Atlas mal nach Natriumdithionit, eine solche gepufferte Lösung kann bei ausreichend langer Anwendung auch stärkere Limonitbeläge entfernen.
Günter
-
hallo,
wenn es sich um Calcit freie Stücke handelt, würde ich bei
solchen dicken Limonitschichten auf Quarz eher Oxalsäure in destillierten Wasser verwenden.
Da kannst Du die Stücke auch sehr lange einweichen, ohne die Lösung ständig austauschen zu müssen.
Auch wenn dies Wochen oder Monate dauern kann.
Ab und zu frische Lösung verwenden..
Viel Erfolg. Berichte mal ob es etwas gebracht hat.
Um welches Fundgebiet handelt es sich denn bei dem Fund?
Gruß
Kay
-
nach meiner Erfahrung reicht das wohl alles nicht. Die Schicht ist zu dick, verbacken und richtig zementiert. Gefällts Dir ästhetisch so denn nicht? Ich finde, daß diese Schichten manchmal dazugehören und nehme sie so in die Sammlung. Manche sehen sogar noch schöner aus.
Gruß
Doc Diether
-
Hallo.
Na ja über die Schönheit dieser dicken Überzüge kann man geteilter Meinung sein.
Aber bei so dicken Schichten ist das ein Problem und wird wohl ohne mechanische Reinigung ( Stichel oder Sandstrahler)
nicht gut gehen.
Vor allem wenn das z B Hämatit ist geht da mit Säure so gut wie nix .
Loismin
-
Hallo
Also Kay hat es schon ganz richtig beschrieben. Oxalsäure mit destilliertem Wasser löst Rost auf und klappt meist sehr gut. Wenn es sich aber um guten kompakten Limonit handelt Hämatit oder Psilomelan wird es auch mit der Oxalsäure nicht restlos weggehen.
Man sollte auch daran denken (und so meine es auch bestimmt der Dieter) das es Lagerstätten typisch ist und zusammen gehört.. Das heißt wenn der Quarz oder auch Bergkristall mit Limonit zusammen vorkommt sollte man diese auch zusammen belassen. Es gibt Auskunft über die Paragenese der Lagerstätte bzw. Fundstelle.
Beste Grüße
Roland
-
Noch eine Anmerkung:
Ich habe die Oxalsäure oft erhitzt bis zum Kochen und dann abkühlen lassen.
Es ist effektiver da die Säure heiß aggressiver ist.
Beste Grüße
Roland
-
Ich denke auch, das hier Oxalsäure einen Versuch wert ist. Maximal 6g auf 1 Liter destilliertes Wasser. Dann alle 14 Tage die Lösung austauschen, die Stufe bei der Gelegenheit mit klarem Wasser abwaschen. Oxalsäurelösungen zersetzen sich wenn Licht drauffällt. Also den Vorgang unbedingt im Dunklen stattfinden lassen. Ich würde bei solchen Belägen mit etwa 2 Monaten Behandlungsdauer rechnen, vielleicht auch mehr.
LG Xyrx
-
Hallo!
Vielen Dank für die zahlreichen Antworten. Ich werde das mit der Oxalsäure in dem Fall mal probieren, auch wenn mich die Dauer von 2 Monaten etwas abschreckt. Der auf manchen Stücken sitzende Calcit ist meist eh unschön und kann von mir aus ruhig weg. Es befinden sich allerdings auch Albitkristalle auf manchen Stufen. Werden die von Oxalsäure angegriffen?
Das Fundgebiet ist die Gegend des Piz Beverin in der Schweiz und es ist eine meiner besten Klüfte. Es geht nicht nur um das oben gezeigte Stück, sondern auch um bessere Stücke. Ich hoffe das mit der Oxalsäure wirkt. Zum Glück sind nicht alle Stufen von dem Limonit betroffen.
Verletzt Sandstrahlen denn nicht die Quarzkristalle? Das wäre sonst sicher eine interessante Alternative.
Bei dem 2. Bild ist oben rechts wieder der Belag. Wäre sehr schade um die schöne Stufe.
Lg Johannes
-
Vielleicht wie bei Kappenquarz.
Ein paar Tage im Gefrierfach und dann im kochenden Wasser.
Erst an eine weniger gute Stufe ausprobieren. Vorsicht!
Glück auf
Milo
-
Hallo Milo,
Nein das kann ich mir nicht vorstellen! Da bekommen die Kristalle ja überall Spannungsrisse. Nach der Bergung dürfen die Stücke teilweise nicht mal an die Sonne gelegt werden, da sie dann springen bzw innen Spannungsrisse bekommen können.
Der Überzug ist ja nicht deckend, sondern nur an einer Fläche oder einem bestimmten Bereich des Kristalls. Trotzdem danke!
Lg Johannes
-
Hallo Johannes
Die abgebildeten Stufen dürften sich mit heißer Oxalsäure schnell reinigen lassen (ist ja nur ein dünner Belag). Wie man auf 2 Monate kommt ist dabei nicht klar.
Meine Erfahrungen basieren auf 2 Stunden (max. 1 Tag). Wichtig ist es die Probe in kalter Oxalsäure zu legen und gemeinsam mit der Säure zu erhitzen.
Also nicht gleich ins heiße Becken wegen der schon erwähnten Spannungsrisse.
Vorsichtshalber kann es erst in kalter Oxalsäure probieren bevor man die heiße Methode wählt.
Beste Grüße und viel Erfolg
Roland
-
Hallo Johannes,
als Quarz-Sammler würde ich Dir zu folgender Abfolge raten (praktiziere dies seit Jahren mit Erfolg):
1. Abstrahlen der Stufe mit einem Wasserhochdruckreiniger
2. Einweichen in dest. Wasser
3. Zugabe von Oxalsäure (ca. 5 gehäufte Suppenlöffel auf 10l)
4. Abdecken und Einwirken lassen an einem am besten luftigen, sonnigen Platz
5. regelmäßige, am besten tägliche Kontrolle, inwieweit die Krusten sich aufgelöst haben; teste dies mit
ner alten Zahnbürste und ggf. mit dem Fingernagel
6. falls die Krusten weg sind, nun ausgiebig die Stufe in dest. Wasser wässern; dies nach Reinigung mit
Bürste und Hochdruckreiniger/Pinsel wiederholen, bis Du mit dem Ergebnis zufrieden bist.
So kann es durchaus vorkommen, dass die Reinigung sich über Wochen hinzieht. Meiner Erfahrung nach ist das Erhitzen von Quarzen zu überlegen; habe einige schöne Kristalle dadurch zerstört.
Wichtig ist auch: Lass Dir Zeit und geniesse die Veränderungen.
Beste Grüße
Michael
-
Der auf manchen Stücken sitzende Calcit ist meist eh unschön und kann von mir aus ruhig weg. Es befinden sich allerdings auch Albitkristalle auf manchen Stufen. Werden die von Oxalsäure angegriffen?
Die Oxalsäure greift natürlich auch den Calcit an und überzieht diesen mit einer weißen Ca-oxalatschicht :-\
Vielleicht wäre es besser die Calcite vor dem Oxalatbad zu entfernen, weil die einerseits Oxalsäure "verbrauchen" und andererseits Ca-oxalat ausfällen das sich in jede noch so kleine Ritze setzen kann. Wichtig ist deshalb auch die Verwendung von dest. Wasser, weil auch aus sehr hartem (=kalkreichem) Wasser dieses schwerlösliche Salz ausgefällt werden kann.
Dass Oxalsäure unter Lichteinwirkung instabil sein ("sich zersetzen") soll ist mir neu ;)
Viel Erfolg!
Gruß,
Andreas
-
Hallo!
Vielen dank für die wirklich guten und ausführlichen Erklärungen, ich werde es in den nächsten Tagen probieren und später dann hoffentlich Erfolge posten :)
Also werde ich die Stücke erst mit HCI vorreinigen bzw vom Calcit trennen, und um die dicken Krusten zu entfernen dann in die Oxalsäure legen.
Greift Oxalsäure die Haut an, bzw wie steht es mit den Albiten auf den Stufen?
Lg Johannes
-
Hi,
also Albit sollte von der Oxalsäure eigentlich nicht angegriffen werden.
Die Haut wird von Oxalsäure nicht direkt angegriffen. Man sollte aber nicht vergessen, dass die Verbindung durchaus auch über die Haut in den Körper aufgenommen werden kann. Also nicht allzu lange drin baden und danach gründlich die Hände waschen oder sogar eincremen ;)
Gruß,
Andreas
-
Ach so, die HCl nur in etwa 10% anmischen, das reicht völlig fürs Weglösen von Calcit. Und meine Angabe von 2 Monaten für die Prozedur bezieht sich auf meine Erfahrung mit extremen Krusten. Natürlich kann die Sache in wenigen Tagen erledigt sein.
Das Waschen mit Hochruck-Wasserstrahl (jenseits 100 Bar) ist eine gute Idee, lohnt sich bestimmt. Auf Erhitzen würde ich unbedingt verzichten, Quarz macht "Peng", schneller als man sich vorstellen kann.
LG Xyrx
-
Hallo!
Einen Schuss Phosporsäure zur Oxalsäure dazumischen kann eigentlich auch nicht schaden.Die gibt es 85%ig.Praktisch ein guter Rostlöser .
Ansonsten sind alle Eisenwaren schwer löslich in Salzsäure-das dauert dann eben seine Zeit.Die Druse hat ja schliesslich auch lange genug auf Dich gewartet :)
Dem Albit dürften die Säuren nichts ausmachen,da sich nur basische Plagioklase mit einem Albitgehalt von unter40% dabei zersetzen.
Gruß Jens
-
Hallo,
da scheint ja doch eine recht dicke Schicht drauf zu sein. Ich würde an diesen Stellen erst einmal den Sandstrahler ansetzen (bei mikon oder krantz gab es auch mal Strahlmittel, die weich waren- Baryt oder Fluorit- sollte für kompakte Fe-Hydroxide genügen- am besten mal an einem schlechteren Stück testen ) und danach den Calcit runterlösen. Dazu niedrig konzentrierte HCl oder Essig-Essenz (20%) aus dem Supermarkt. Wenn kein Calcit mehr vorhanden ist, mit der Oxalsäure arbeiten, wobei ich hier nur Flüssigkeit mit Zimmertemperatur (am besten eine Stunde stehen lassen) verwenden würde. Mir ist mal ein gut geölter chinesischer Fluorit ohne sichtbare EInschlüsse unterm Wasserhahn zersprungen. Und da war das Wasser nicht mal lauwarm :P
Sehr schöner Fund so wies aussieht übrigens, hast du vielleicht noch Bilder von den Quarzen in situ?
Gruß Daniel
-
Hallo,
am besten lese dir erst einmal das Sicherheitsdatenblatt von der Oxalsäure durch.
Oxalsäure ist sehr toxisch... --> kein Hautkontakt, Einatmen von Aerosol bzw. Staub (falls Kleesalz verwendet wird) etc,
Dieses kannst Du online runterladen.
Michael hat eine der besten Vorgehensweise beschrieben.
Da ich Bergkristalle (viel viel kleiner, glasklar) zusammen mit Calcit reinige,
kann ich dann keine Oxalsäure verwenden. Also nehme ich dann Na-dithionit (gut aber bei dünnen Schichten).
Bei der dicken Schicht hilft wie schon mehrfach beschrieben besser die Oxalsäure.
Bei einer Konzentration von max. 6g Oxalsäure / Liter dest. Wasser wird eigentlich auch der Albit nicht angegriffen.
Viel Erfolg.
Kay
-
Hallo!
Nochmal vielen Dank für die zahlreichen Antworten - Oxalsäure ist bestellt und kommt am Dienstag.
@ Goldi
Leider kaum Fotos von den Kristallen in situ - wir mussten ja die Kluft ausräumen und waren im Rausch ;) Da vergisst man das mit den Fotos schnell mal.
2 sind's trotzdem geworden. Kristalle bis 15 cm, Blättercalcit und Albit. Und das Loch ist noch nicht zu Ende :D
Lg Johannes
-
Solche Fotos finde ich immer wieder interessant, danke fürs zeigen. Dann viel Glück bei der Reinigung :D
Gruß Daniel
-
Servus zusammen,
hat jemand schonmal versucht so einen gemischten Hämatit/Calcit/Siderit Überzug mit Königswasser zu entfernen, ist zwar eine recht gefährliche Säure aber sollte doch relativ gut funktionieren, oder?
Viele Grüße und Danke
-
Hallo!
Königswasser besteht zu 3virtel aus Salzsäure und 1virtel Salpetersäure.Das wird auch nicht viel besser gehen
Gruß Jens
-
hat jemand schonmal versucht so einen gemischten Hämatit/Calcit/Siderit Überzug mit Königswasser zu entfernen, ist zwar eine recht gefährliche Säure aber sollte doch relativ gut funktionieren, oder?
nein, das wird nicht funktionieren. Hämatit (Fe2O3) wird garantiert nicht von einer oxidierenden Säure angegriffen. Die reaktiven Spezies im Königswasser sind atomares (naszierendes) Chlor <Cl> und Nitrosylchlorid (NOCl). Die Wirkung gegenüber Hämatit ist gleich null. Bei Calcit und Siderit reicht bereits verdünnte Salzsäure.
Für den ungeübten Laien gilt Finger weg von Königswasser!
Oxalsäure wirkt hier deutlich besser (reduzierend und komplexierend) und ist bei weitem nicht so gefährlich.
Gruß,
Andreas
-
Hallo
So weit meine Informationen sind löst das Königswasser sogar Gold auf.
Für den Laien wirklich nichts.
Beste Grüße
Roland
-
Hallo Andreas,
vielen Dank für die Info! Da fehlt mir eben einfach das Fachwissen...Ich reinige solche Stufen normalerweise auch immer mit Salzsäure oder Natrium-Dithionit. Habe eben nur gehört man löst mit Königswasser sogar Stahl, deshalb hats mich einfach mal interessiert!
Viele Grüße,
Patrick
-
Hallo,
Stahl ist fast immer sofort weg ;-)
Das besondere an Königswasser ist das Lösen von Gold...
MfG
Frank
-
Das Ganze geht jetzt vom eigentlichen Thema/Fragestellung weg, aber noch ein paar Dinge zu den Säuren.
Das Lösen von Eisenoxiden mittels Oxalsäure ist ein Redoxprozess (Reduktion von Fe(III) zu löslichem Fe(II)) und zugleich eine Komplexierung des reduzierten Fe(II) durch die überschüssige Oxalsäure.
Das Lösen von Gold durch Königswasser zu Tetrachlorgoldsäure H[AuCl4] ist wegen der hochreaktiven Spezies möglich, die im Königswasser gebildet werden. Die Redoxpotentiale (Stichwort Spannungsreihe) von Salpetersäure und Salzsäure der einzelnen Komponenten reichen nicht zum Lösen.
Flusssäure wird nicht selten als starke Säure bezeichnet; schließlich kann sie ja Glas oder Quarz lösen. Tatsächlich aber ist sie nur eine mittelstarke Säure und kann oft Metalle nicht lösen. Salzsäure ist diesbezüglich deutlich stärker.
Gruß,
Andreas
-
Ein Versuch mit Phosphorsäure könnte auch nicht schaden!
Habe in den letzten Jahren gute Erfolge damit erzielt.
Allerdings lässt sich damit kompakter Limonit oder gar Hämatit auch nicht entfernen.
Und im übrigen finde ich auch, dass mann nicht alles mit Chemie behandeln sollte!
Jedes Mineral einer Fundstelle hat seinen Charakter und eine gewisse Paragenese.
Dieses sollte man möglichst erhalten. ;)
Grüsse vom Steinmetz.
-
Ein Versuch mit Phosphorsäure könnte auch nicht schaden!
Habe in den letzten Jahren gute Erfolge damit erzielt.
Kann dies bestätigen habe zwei stufen in Phosphorsäure eingelegt ,zwei tage drin gelassen und siehe da , fast alles sauber , die stufe selbst ( kommt mir so vor ) ist im Gegensatz zu denn anderen heller geworden . Ein nachteil hat die Sache allerdings Quarz mit rissen sollte man vermeiden in Phosphorsäure zu legen da sie danach auseinander fallen .
Fazit : es ist eine alternative zu Oxalsäure aber man sollte sich überlegen die stufen nicht besser so zu lassen , da es nichts bringt wenn sie danach kaputt sind .
-
Hallo
Ahja noch ein Nachtrag:
Entgegen meiner Erwartung ließen sich beinahe alle Stufen schon mit der normalen Salzsäure gut lösen, außer bei 2 Stücken war der harte Überzug wohl mit Aragonit vermischt und ließ sich somit wunderbar ablösen. Eine der zwei anderen Stufen beließ ich wie sie ist, die zweite (leider die auf dem Bild) ging bei der Bearbeitung mit einem Stößel in die Brüche. Aber es waren offenbar mehrere Spannungsrisse durch das Stück durch und nur der Rost/Limonit behielt das Stück zusammen.
Nochmals vielen herzlichen Dank für eure zahlreichen Tipps!
Lg Johannes