Mineralienatlas - Fossilienatlas
Fossilien / Fossils / Fósiles => Lebewesen / Life forms => Säugetiere / Mammalia => Thema gestartet von: Kilo am 22 Jul 10, 15:55
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Hallo,
gestern haben wir einen interessanten Fund in Sulzheim hinter der Gemeindehalle auf einem neu angelegten Weinberg gemacht. Handelt es sich hierbei tatsächlich um ein Fossil und wenn ja, um welches?? Das Gewicht ist mit 27 g ziemlich hoch.
Vielen Dank im Voraus
Kilo
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Hallo Kilo,
könnte ein Zahn sein. Vermutlich rezent der einer Kuh oder Schafes.
Gruß
Bodo
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Hallo Kilo,
Fossil würd ich nicht dazu sagen, es ist ein Zahn, vieleicht von irgendeinem Wild, Hirsch ö.ä.
Backenzahn, könnte auch von der Grösse her hinkommen.
Grüsse Andreas
Jetzt war der Bodo Scheller schneller ;D
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Hallo Kilo,
das ist mit großer Sicherheit ein Molar (Backenzahn) eines Schweines.
Der gesamte Habitus des Stückes macht einen sehr rezenten Eindruck! Muss aber nicht.
Wenn du denkst, dass es sehr nach Fossil aussieht, geh zum nächsten Denkmalamt und frag da mal nach. ;)
Schöne Grüße,
Markus
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Hallo,
zur Altersfrage: Wie von den Vorrednern geäußert, wirkt das Stück rezent. Vom Fundort ("Weinberg") würde ich bei subrezenten "Fossilien" eine Dunkelfärbung durch Huminsäuren und Erdpartikel erwarten. Auch der gesamte Erhaltungszustand spricht dafür, dass das Stück noch nicht lange da gelegen hat.
Was war denn die vorherige Nutzung des Weinbergs? Wenn da bereits etwas landwirtschaftliches war, stehen die Chancen hoch, dass der Zahn Bestandteil einer Düngerfuhre war. Nicht mehr unbedingt heute, aber bis vor einigen Jahrzehnten wurde ja so allerlei auf Misthäufen entsorgt...
Exakte Auskunft kann Dir aber sicher ein Experte (Kreisarchäologe, Denkmalamt) geben. Nur, die Hoffnungen nicht allzu hoch hängen...
Gruß,
Rainer
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Nicht mehr unbedingt heute, aber bis vor einigen Jahrzehnten wurde ja so allerlei auf Misthäufen entsorgt...
In manch anderen Ländern auch heute noch! :P z.B. in Polen wo ich mal bei ner Feldbegehung an nem halben Schwein vorbeigelatscht bin. *seufz*
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Hallo,
danke für die Antworten! Entweder war da vorher auch schon ein Weinberg oder ein Brachstück. Für einen Acker ist die Lage zu steil und nicht groß genug. Nach Misteintrag sieht es dort nicht aus, es lagen dort auch schon im letzten Frühjahr Glycimeris, Fragmente von Schinkenmuscheln und kleine Turmschnecken, alles auffallend sauber und ohne Ablagerungen drauf. Überhaupt ist dieser Weinberg sehr gepflegt.
Gruß Kilo
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Hallo Michael,
die Glycymeris etc. haben zeitlich ja nichts mit dem Zahn zu tun. Im Gegenteil ist es ein schlechtes Zeichen, denn es bedeutet, dass der Hang eine erosive Lage ist - hier wird Sediment abtransportiert (und dabei werden vorquartäre Fossilien freigelegt). Es spricht nichts dafür, dass in dieser Situation im Quartär an jener Stelle Sedimente zur Ablagerung kamen.
Nach Misteintrag sieht es dort nicht aus
Ich bezog mich auf Düngungen, die durchaus vor 30, 40...100...200 Jahren erfolgt sein können, und von denen außer harten Kulturabfällen natürlich sonst nichts mehr übrig ist.
Es ist manchmal überraschend, wie stark der Mensch schon jeden Quadratmeter des Bodens in Mitteleuropa beeinflusst und dabei seinen Müll hinterlassen hat: Man gehe mal in einen dichten Wald mit altem Baumbestand und grabe ein Loch - je nach Region stehen die Chancen nicht schlecht, dass man nach wenigen Dezimetern auf einen mittelalterlichen oder frühneuzeitlichen Pflughorizont stößt, inklusive aller möglichen Hinterlassenschaften. Ähnliches gilt für Hanglagen: Wo heute ein Hangwald wächst oder eine Hangwiese ist, kann früher durchaus ein Weinberg gewesen sein. Wird das dann erneut zum Weinberg umgelegt, kommen die Dinge wieder zu Tage, die unsere Vorfahren so in ihren Misthäufen zu entsorgen pflegten.
Vor zwei Jahren bei der Quarzsuche auf einem Acker fand ich ein gut und gerne halbes Rinderskelett vom Pflug zerstreut. Da hat irgend jemand irgendwann eine richtige Menge Knochen entsorgt...
Gruß,
Rainer
PS: Bodenverbesserung durch Kulturabfall ist ein hoch interessantes Thema, in Amazonien haben einige Indianervölker ihren Ackerboden absichtlich mit Tonscherben, Knochen usw. angereichert, um die Durchlüftung, Wasserhaltung und langfristige Nährstoffversorgung zu verbessern, das ergab die sog. Terra preta. Auf dieser Basis war eine im Regenwaldmilieu eigentlich nicht mögliche langfristige ackerbauliche Landnutzung machbar.
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Hallo,
das ist ein typischer Bovidenzahn, hypsodont, rezent.
Fossiles oder subfossilies ist nicht zu erkennen. Die "Verwitterungserscheinung" ist bereits nach kurzer oberflächlicher Lage normal.
Fossilix grüßt