Mineralienatlas - Fossilienatlas
Mineralien / Minerals / Minerales => Allg. Diskussionen Mineralien / General discussions minerals => Thema gestartet von: Embarak am 26 Jul 10, 23:50
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Hallo,
Beim Fotografieren eines Bixbyit beschäftigte ich mich mal wieder mit Kristallographie.
Bixbyit gehört zum kubischen Kristallsystem,welches noch einigermaßen überschaubar ist... ;)
Vorwiegend finden wir bei Bixbyit 3 Kristallformen,die mit den Millerschen Indizes beschrieben werden:
1.: Das Hexaeder {100}
2.: Die Kombinationen aus 2 Formen,vorherrschend Hexaeder {100} mit Oktaeder {111}
3.: Die Kombinationen aus 2 Formen,vorherrschend Hexaeder {100} mit Ikositetraeder ("Leucitoeder") {211} (http://www.mineralienatlas.de/smorf/smorf.php?mineral=Bixbyit)
Die zuletzt aufgeführte Form auch bei meinem Foto:
(https://www.mineralienatlas.de/VIEWmax.php?param=1280177542.jpg) (https://www.mineralienatlas.de/VIEWFULL.php?param=1280177542.jpg)
Dazu Fragen:
Wie läßt sich die Entstehung der symmetrischen Kerben auf den Kanten des Hexaeders erklären?
Auf der Lexikonseite
http://www.mineralienatlas.de/lexikon/index.php/Mineralienportrait/Fluorit/Kristallformen%20und%20Kombinationen
wird diese Kristallform in Zeichnung 43 dargestellt,wird aber dort mit "43 Hexaeder und Ikositetraeder 100, 311 (2)" beschrieben.
Ist das ein Tippfehler und fehlende geschweifte Klammer oder ist das wieder eine andere Nomenklatur ?
Was bedeutet die (2) bzw. die Ziffern in den runden Klammern am Ende der übrigen Angaben?
Viele Grüße
Norbert
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Hallo Norbert,
- die geschweiften Kammern wurden weggelassen (Vereinfachung, die gehören aber eigentlich dazu)
- es gibt bei Fluorit {211} und auch {311}
- die (2) bezeichnet die Quelle der Kristallzeichung (Liste unten auf der Seite)
Ob es bei Deinem Bixbyit [211} oder {311} ist müsste man goniometrisch ausmessen, das wage ich nach dem Foto nicht zu entscheiden.
Gruß
Berthold
Nachtrag: Im Anhang eine Kristallzeichnung mit einem {311}-"Eck" (orange) und {211} (grün)
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Hallo,@ Berthold
- die (2) bezeichnet die Quelle der Kristallzeichung (Liste unten auf der Seite)
Hätte ich nur ein einziges Mal bis ganz unten gescrollt,hätte ich's wohl auch gefunden.
Manchmal gehen die Ideen in die falsche Richtung.
Mit Deiner hervorragenden Zeichnung hast Du mir etwas zum Knobeln gegeben,da per Auge kein Unterschied
zwischen der {211} und {311}-Ecke zu sehen ist und meine Kristallographie-Kenntnisse arg verstaubt sind.
Ich mußte mir erst mal ein Modell malen,da ich mich noch nie mit CAD-Programmen beschäftigt habe.
Mühsam,aber danach war klar,warum der Unterschied ohne Goniometer nicht zu erkennen ist.
Ich hoffe,daß die Überlegung stimmt.
211 schneidet die Achsen in a = 1 , b = 2 , c = 2 , → Weißsche Koeffizienten 122 → Kehrwert und kleinstes gemeinsame Vielfache
1 , 1/2 , 1/2 , → Millersche Indizes 211
311 schneidet die Achsen in a = 1 , b = 3 , c = 3 , → Weißsche Koeffizienten 133 → Kehrwert und kleinstes gemeinsame Vielfache
1 , 1/3 , 1/3 , → Millersche Indizes 311
Habe im Netz keine Darstellung nur der Form {311} gefunden.Ist das noch ein Ikositetraeder ?
Für die reine {211} - Form ist Leucit charakteristisch . Ist ein Mineral bekannt,daß bevorzugt nur in {311} - Form auftritt,
oder liegt diese Form nur in Kombination mit anderen kubischen Formen vor ?
@Berthold,Ich gehe davon aus,dass Du die Zeichnung mit Deinem Programm "CAD für Kristall" erstellt hast.
Ist davon eine windows-Version geplant bzw. gibt es mittlerweile benutzerfreundliche windows-Alternativen ?
Viele Grüße
Norbert
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Hallo Norbert,
Deine Überlegungen sind richtig.
Ikositetraeder ist laut Definition alles in der Form {hll} mit h>l. Also {211}, {311}, {733} usw. Das ist z.B. auch beim Tetrakishexaeder (Pyramidenwürfel) so, nur lautet dort das Gesetz {hk0} mit h>k. (siehe dazu auch meinen Aufsatz im Aufschluss 1)
Ein Mineral das bevorzugt als alleinige Tracht {311} zeigt kenne ich nicht. Die Ausbildung einer bestimmten Tracht hängt in erster Linie von der Kristallstruktur und in zweiter Linie von den Bildungsbedinungen ab. Beispielsweise also von Temperatur, Eh-pH, Druck, Lösungsgenossen, Lösungskonzentration usw. Wenn es also irgendwo reine {311} Kristalle geben sollte, dann könnte das durchaus ein Mineral sein, das normalerweise (bevorzugt) z.B. Hexaeder zeigt. Das Bildungsfenster für {311} ist sicher sehr, sehr eng, somit sind wiederum eher auch nur kleine Kristalle zu erwarten. Als Trend kann man jedoch (im kubischen System) zwei Dinge festhalten: Höhere / hohe Millersche Indizes (wie {733}, {410} ..) macht die Natur viel seltener als einfache Formen und eher nur als modifizierende Flächen in Kombination mit anderen Trachen. Und zweitens sind solche Flächen-Trachten auch häufig(er) durch Lösungsvorgänge entstanden und unausgewogen entwickelt ("chaotische Formen").
Und richtig, die Zeichnung habe ich mit meinem Programm gemacht, das ich nur unter Linux anbieten kann. Windows- oder Plattform-unabhängige Programme gibt es schon, eine Empfehlung kann ich da nicht geben.
Gruß
Berthold
1) WEBER, B. (2009) Pyramidenwürfel: Seltene Kristallformen des Wölsendorfer Fluorits und ihre Bedeutung für die Bildungsbedingungen. Der Aufschluss 60: S. 195-201.