Mineralienatlas - Fossilienatlas
Arbeitsmittel / Means for work => Reinigung (Präparieren, Konservierung) / Cleaning (Prepare, Conservation) => Thema gestartet von: helgesteen am 16 Oct 10, 21:50
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Hallo zusammen,
ich habe ein paar Stufen aus chalcedonartigem Quarz, dessen Oberfläche aus unzähligen winizgen Kristallspitzen besteht. Darauf sitzen gut walnussgroße Reste eines völlig vergammelten, körnigen Fluorits. Diese würde ich gerne entfernen, doch frage ich mich nun, wie ich das am besten anstelle.
Mit dem Kärcher habe ich es schon versucht und einen Teil wegspülen können, doch komme ich nun beim Rest nicht mehr weiter. Möglich wäre wohl eine mechanische Entfernung z.B. mit einem Stichel, was wohl auch ginge, nur besteht die Gefahr, dass ich dabei die Oberfläche der Quarzschicht beschädige, was wegen ihrer feinkristallinen Struktur sicher unschön aussehen würde. Zudem würden auf jeden Fall in Zwickeln Reste bleiben, an die ich nicht recht herankomme.
Nun habe ich an eine chemische Methode gedacht, z.B. mit EDTA. Hat das schon einmal jemand probiert? Alternativ könnte man auch versuchen, den Fluorit durch Tau-Frost-Zyklen im feuchten Zustand abzusprengen...
Langer Rede, kurzer Sinn: Ich würde mich über Ratschläge oder evtl. Literaturhinweise freuen, wie ich den Fluorit loswerden könnte!
Vielen Dank und Grüsse,
Helge
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Hallo,
ich könnte mir gut vorstellen dass das mit Sandstrahen (mit Eisenspänen) geht. Dieses Verfahren wird zur Präparation von Fossilien mit Erfolg verwendet.
Gruß
Berthold
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Hallo,
EDTA ist ein Komplexbildner, der hier mit Sicherheit keinen Erfolg bringen wird. Ganz große Vorsicht, wenn mit Säure drangegangen wird. Fluorit löst sich in konz. Schwefelsäure. Die alleine ist für einen Laien schon sehr kritisch (sehr stark ätzend). Bei der Umsetzung wird HF frei, ein Gas das sehr aggressiv auf organisches Gewebe wirkt und zudem toxisch ist. Würde ich also ohne Labor und Abzug nicht machen, selbst wenn die Kenntnisse vorhanden wären.
Eher das Verfahren von Berthold ;)
Gruß,
Andreas
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Hallo Andreas,
konz. Schwefelsäure ist wahrscheinlich die beste aber gefährlichste Methode den Flourit zu entfernen. Meiner Meinung nach wäre ein Komplexbilder doch zu empfehlen, ich müsste aber ersteinmal nachschauen welcher am geeignetsten ist, oder ob dies überhaupt zu realisieren ist.
Gruß Erik
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Hallo,
sollte sich der Fluorit nicht recht leicht im Ultraschallbad lösen? Gerade auch wenn er schon stark zersetzt ist. Fragt sich nur, ob die Stufe auch in eine solche Wanne passt.
Glück auf!
openpit
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Hallo zusammen,
vielen Dank für die Hinweise!
@openpit: Die Stufen sind nur rund 10 cm groß, die passen schon in ein Ultraschallbad. Nur habe ich Zweifel, dass ich den Fluorit damit abbekomme, wenn er mit dem Kärcher nicht weggeht.
@Minerik,Hg: An konz. Schwefelsäure habe ich nicht gedacht, allerdings ist die Entstehung von HF schon scheusslich. Ich dachte vor einiger Zeit gelesen zu haben, dass Komplexbildner geeignet sind, um Fluorit zu lösen. Wie gesagt, das Zeug ist schon ziemlich angewittert, d.h. es würde vielleicht schon ausreichen, wenn die Risse zwischen den Körnern etwas erweitert würden, da man dann mit dem Hochdruckreiniger nochmal dran könnte.
@berthold: Das mit dem Sandstrahlen klingt interessant. Werde ich mal weiterverfolgen!
Viele Grüsse,
Helge
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Mir wäre da spontan Salzsäure eingefallen. Müsste doch klappen?
Lg Johannes
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Phosphorsäure zerlegt meines Erachtens den Fluorit aber ob der Quarz davon Matt bzw.angegriffen wird kann ich nicht sagen.
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Mir wäre da spontan Salzsäure eingefallen.
nein, die bringt nix. Und wenn, würde theoretisch auch wieder HF frei.
Phosphorsäure ist eine noch viel schwächere Säure. Da sollte auch nichts großartiges passieren.
Gruß,
Andreas
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Hallo,
Ich würde es mit Ultraschall wenigstens mal probieren.
Zur Löslichkeit von Fluorit in EDTA habe ich noch ein abstract über ein paper mit EDTA-Experimenten
gefunden,aus dem hervorgeht,daß Fluorit nicht löslich ist.
http://search.datapages.com/data/doi/10.1306/74D72932-2B21-11D7-8648000102C1865D
Gruß
Norbert
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Glück Auf!
Würde es wohl auch wenn es ein wenig länger dauert auf die mechanische Weise probieren.
Kleiner Tipp auf jeden Wochenmarkt steht meist ein Händler mit 99 Cent-Artikeln, dort gibt es meist Zahnartztwerkzeug zu kaufen. Gute Griffe lange schöne schlanke Nadeln, macht sich sehr gut für Drusen zum reinigen oder entfernen von störenden Material.
Bergbaumaullwurf
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Hallo
Das Schwefelsäure nicht so der Hit ist, weil gefährliches HF frei wird, hatten wir ja schon. Mich würde das HF nicht weiter stören, man kann ja im Freien arbeiten. Allerdings stört sich der Quarz/Chalcedon an dem HF, da sich sofort SiF4 bzw. H2SiF6 bildet und der Quarz/Chalcedon so ebenfalls zumindestens angelöst wird.
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Mit chemischen Mitteln ist da wohl kaum was zu machen. Mit starken Säuren wird HF gebildet, der sofort den Quarz angreift und außerdem SEHR giftig ist. Oxalsäure greift zwar den Fluorit an, aber nur minimal. Reicht aber aus, um eine Fluoritstufe vollkommen unansehnlich werden zu lassen. Also Fluorite nie mit Oxalsäure (und wenn, dann mit äußerster Vorsicht) reinigen.
Mag seltsam klingen, aber "Feuersetzen" könnte das Mittel der Wahl sein.
Gerade Fluorit reagiert empfindlich auf thermische Beanspruchung, Quarz weniger. Mehrfaches wechselseitiges Erhitzen (Lötlampe, Backofen) und anschließende schockartige Abkühlung der Oberfläche(!) mit kaltem Wasser (Sprühflasche) könnte den Fluorit so weit zermürben, dass er sich leichter mechanisch entfernen lässt.
Thomas
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Manchmal kommt man auch mit starken US-Bädern weiter. Das Zeug bröselt sichtbar weg. Aber zur kompletten Entferung führt das nicht.
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Hallo Helge, nach Versuchen mit Ultraschall würde ich vor der chemischen Keule der Empfehlung von Berthold folgen. Ein Freund von mir in Namibia reinigt Quarzstufen durch Strahlen mit großem Erfolg und zwar benutzt er dafür Mikro-Glasperlen, die es in Körnungen ab 40 my für ca. 2,- Euro/Kilo gibt. Da es sich in der Regel um gehärtetes Natronglas handelt, muß man natürlich vorsichtig arbeiten, da es eine Mohs-Härte von 6-7 hat.
Beste Grüße
Gobobos
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Hallo zusammen,
und danke für die Infos. Tatsächlich liegen die Stücke immer noch unbearbeitet bei mir herum. Ich werde jetzt aber doch mal die Sandstrahlmethode versuchem, nachdem Ultraschall nichts gebracht hat. Alternativ würde ich zu gerne mal bei meiner Zahnärztin das Gerät zum Entfernen von Zahnstein an diesen Stufen ausprobieren. Ich muss sie gelegentlich mal fragen ;)
Viele Grüße,
Helge
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Hallo
Ich stehe derzeit vor einem ähnlichen Problem und habe in einem Chemiebuch folgende Aussage gefunden: In verdünnter salzsaurer Lösung ist Calciumfluorid unlöslich, jedoch ist es löslich in Gegenwart von Ammoniumsalzen. Diese Aussage bezieht sich in besagten Buch zwar auf die Fällung von Calciumfluorid, welche dann naturgemäß äußerst feinkörnig ist, allerdings zeigen erste Vorversuche mit stark angelöstem Fluorit ebenfalls Anzeichen von Erfolg. Verwendet habe ich ca. 5 - 10% Salzsäure mit reichlich Ammoniumchlorid (Salmiak, gibt es günstig bei ebay). Einziger Unterschied zu Deinem Problem ist, das ich Calciumfluoritreste nach einer Ätzung mit Flusssäure entfernen will (bei Anwesenheit von Calcium fällt einem das Fluorit dummerweise beim ätzen mit HF aus). Das Calciumfluorid dürfte also noch deutlich poröser sein als mineralisch gewachsener Fluorit, aber mit etwas Geduld kommst vielleicht auch Du ans Ziel. Zudem ist die Reaktionsmischung vergleichsweise mild, da dürfte z.B. der Quarz keinen Schaden nehmen.
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Wenn Sandstrahlen, dann versuch es mal mit Walnuss-Schalen. In der Restaurierung von Holzgegenständen wird z.T. sogar mit Kork gestrahlt. Walnuss hat schärfere Kanten, ist schwerer und abrasiver, aber wird den Quarz nicht angreifen.