Mineralienatlas - Fossilienatlas
Arbeitsmittel / Means for work => Reinigung (Präparieren, Konservierung) / Cleaning (Prepare, Conservation) => Thema gestartet von: triassammler am 11 Mar 11, 21:26
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Hallo,
ich habe schon im Forum und im Lexikon recherchiert, aber keine für mich befriedigende Antwort gefunden: Wie bekomme ich hauchdünne, aber nicht zu übersehende Limonitüberzüge von Calcitkristallen herunter? Wenn ich es richtig verstanden habe, geht es mit dem üblichen "Anti-Limonit-Mittel" Oxalsäure nicht, weil sie auch den Calcit löst. Na-Dithionit hatte ich als Tipp erhalten, von erfahrener Seite wurde mir aber gesagt, dass die Wirkung bei Limonit auf Calcit gegen null ginge.
Abbürsten konnte den Überzügen natürlich nichts anhaben. An Spülmaschine und Ultraschall glaube ich bei diesen Calciten nicht (sprich, ich habe die Erfahrung machen müssen, dass Calcite von der betreffenden Fundstelle beides unter Rissbildung sehr übel nehmen). Mit den ersten paar Probestücken im passiven Geschirrspültab-Bad über Nacht bin ich schon durch - wirkt Wunder bei den Tonpartikeln auf den Flächen und in den Zwickeln, aber natürlich nicht gegen den Limonit.
Da die xx größenmäßig und qualitativ sehr außergewöhnlich für den Muschelkalk sind und mir nur wenige Teststücke zur Verfügung stehen, möchte ich nicht planlos daran herum experimentieren. Wenn also jemand einen probaten Tipp hat, wäre ich sehr dankbar!
Gruß,
Rainer
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Hallo Rainer,
ich habe auch schon dünne Limonitbeläge auf Calcit mit Dithionit entfernt.
Wichtig ist, dass immer wieder die Stücke kontrolliert werden, damit
die Lösung nicht zu sauer wird und den Calcit anätzt.
Also mit Puffer arbeiten, der zugleich noch das Eisen komplexiert...
Aber dieses Thema ist im Forum schon mehrfach behandelt worden.
Mach doch einmal ein paar Bilder von deinen Calciten aus dem Muschelkalk...
Gruß
Kay
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Bei Calcit habe ich es noch nicht versucht, aber limonitische Überzüge/Verfärbungen auf Geschiebefossilien beseitige ich mit Oxalsäure (Kleesäure) aus der Apotheke. Funzt ganz gut und meine Stücke wurden bislang nicht angegriffen, aber den Überzug beseitigt.
Ronny
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Hallo,
Oxalsäure greift auch den Calcit an.
Zusätzlich bildet sich Calciumoxalat, der als schlecht löslicher Niederschlag
sich auf die Stufe absetzt.
Gruß
Kay
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Servus,
Oxalsaeure ist natuerlich, wie schon Kay festgestellt, voellig ungeeignet. Alle Carbonate sind saeureempfindlich.
Das Beste um "Limonit" (auch von Calcit oder Fossilien in Kalkerhaltung) zu entfernen ist gepufferte Natriumdithionitloesung. Deren pH-Wert ist immer alkalisch, da sich sonst das Dithionit zersetzt. Ein Rezept findest unter "Waller Solution" im Internet. Calcit und andere Carbonate werden von dieser Loesung nicht angegriffen.
Viel Spass beim Ausprobieren.
GA
Harald
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Hi,
wenn ich mich recht erinnere, schrieb Harjo mal etws von Glanzverlust bei Calciten.
Irgendwie bei der Löslichkeit schon in reinem Wasser klar, oder?
Frank
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Hallo Frank,
diese Beobachtung wie Harjo habe ich auch schon gemacht.
Wenn der Calcit keinen "Glasglanz" hat, ist die längere Einlagerung
in gepufferte Dithionit Lösung kein Problem.
Bei hochglänzenden Calcit wird der Calcit nur sehr kurz (max. 1 Minute)
behandelt, dann gründlcih gewässert und nach dem Trocknen beurteilt,
ob eine weitere Behandlung möglich ist. Dies probiere ich logischerweise zuerst an einem
Belegstück aus.
Gruß
Kay
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Hallo,
ich danke euch allen für die umfangreichen Tipps!
Wenn der Calcit keinen "Glasglanz" hat, ist die längere Einlagerung
in gepufferte Dithionit Lösung kein Problem.
Ob er Glasglanz hat, weiß ich ja erst, wenn der Limonit runter ist ;)
Gerade die überkrusteten Stufen haben xx mit messerscharfen Kanten und völlig planen Flächen, die will ich ungern beeinträchtigen.
Ich werde mich also mit der "Waller Method" beschäftigen und es vorsichtig mit gepuffertem Na-Dithionit probieren. Bis ich hier Resultate zeigen kann, wird es aber eine gewisse Weile dauern.
Anbei noch zwei exemplarische Stufen aus der Kluft. Die eine eine wüste Brekzie (scheinbar brachen immer wieder Kristalle von der Kluftwand, sammelten sich zu Calcitschotter und wurden erneut überwachsen), die andere aus der Kategorie "Sorgenkind mit Limonit".
Stufe 1: Breite ca. 15 cm, der große Kristall oben in der Mitte hat allein schon 6 cm.
Stufe 2: Breite ca. 9 cm
Gruß,
Rainer
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Hallo Rainer!
So wie es auf dem Foto aussieht, scheint da ehemals Pyrit auf den Calciten gewesen zu sein. Da brauchst du dir auch keine Sorgen wegen etwaigem Glanzverlust der XX machen. Denke, die XX sind matt bzw.rauh.
Kannst gleich pures Dithionit nehmen. Meine Kollegen puffern auch nicht ab und erziehlen beste Ergebnisse. V.a. diese Methode dauert nur wenige Minuten, wenn man heißes Wasser (wie es aus dem Hahn kommt) einsetzt.
Glück auf!
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Hallo Raik,
interessante These, das mit dem Pyrit. Allerdings möchte ich das bezweifeln. Pyrit (oder eher Markasit) kommt im hiesigen Muschelkalk nur dispers oder in kleinsten Kristallen und Aggregaten punktuell vor, und zwar genau dort, wo primär organische Substanz als Lieferant für Fe und S zur Verfügung stand. Woher der so reichlich in einer MuKa-Kluft kommen soll, ist mir nicht eingängig. Es handelt sich ja nicht um eine hydrothermale Bildung, sondern um ein Störungssystem, in dem ordinäre meteorische Wässer und Grundwasser zirkulierten.
Gruß,
Rainer
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Hi Rainer,
bei Pyrit müßten der Belag mehr punktuelle verteilt und mit der Lupe Pyritnegative im Calzitkristall zu sehen sein.Der gleichmäßige Anflug erinnert an limonithaltige Grundwässer.Sind aber auch extrem große Brummer,meine größten in einem Germanonautilus waren so um 6 mm,dafür aber mit 1 mm großen Chalkopyrit (3 St.) und an anderer Stelle kleine Malachitbüschelchen,aber wie gesagt ,was für MM Sammler.
este Urlaubswünsche und freundl. Grüße Günter
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Hallo Günter!
Sind aber auch extrem große Brummer,meine größten in einem Germanonautilus waren so um 6 mm,dafür aber mit 1 mm großen Chalkopyrit (3 St.) und an anderer Stelle kleine Malachitbüschelchen,aber wie gesagt ,was für MM Sammler.
Wie gesagt, für die hiesigen Verhältnisse sind das geradezu Giganten :D
1 cm in kleinen Drusen und Cephalopoden-Kammern im MuKa wären ansonsten schon beeindruckend genug, meistens ist die Qualität der xx aber ohnehin zum Wegwerfen. Chalkopyrit konnte ich erstmalig Ende letzten Jahres und Anfang diesen Jahres in "größeren" xx finden (1-3 mm), an der gleichen Fundstelle auch Malachitbüschel (2-3 mm). Ich bin definitiv weder Mineralien- noch gar MM-Sammler, aber für mich gehört es dazu, auch Mineralien aus den Schichten mitzunehmen, in denen ich meine Fossilien suche. Schließlich sagen sie auch etwas über die Diagenese der Sedimente aus. Und da es die selteneren Sachen meistens nur als MM gibt, werden die auch mitgenommen.
Gruß,
Rainer
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Hi Rainer,
aus diesem Grund hab ich die Proben auch nicht zu MM "geschottert",sondern bei meinem Schwiegersohn in der Sammlung eingestellt.Hat einige Überredung gekostet,den auf Fosilien fixierten zu überzeugen,nun hat er Belege von den wichtigsten mo Mineralien aufgenommen.
Gruß Günter
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[...] Meine Kollegen puffern auch nicht ab und erziehlen beste Ergebnisse. V.a. diese Methode dauert nur wenige Minuten, wenn man heißes Wasser (wie es aus dem Hahn kommt) einsetzt.[...]
Genau, das ist die Methode fuer die Experimental-Rambos - rein ins heisse Wasser, drauf' mit dem Dithionit, das Ganze am Besten in der Kueche ::). Das ist die genau die Methode, die fuer groessere Ansaetze unnd empfindliche Proben geeignet ist. Pech nur , wenn der pH-Wert abschmiert, aber dafuer haben die Kollegen sicher den umluftunabhaengigen schweren Atemschutz bereitliegen ?
GA
Harald
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Da kann ich Axinit nur beipflichten ! Dithionit ist schon etwas mit Vorsicht zu genießen. Vor allem, wenn man zum wirkungsvollen Abpuffern schlicht und ergreifend nur etwas Natriumhydrogencarbont zufügen muß, da würde ich keine unliebsamen Nebenreaktionen heraufbeschwören wollen. Zudem sollte man immer zu große Dithionitkonzentrationen vermeiden, eben wegen der Gefahr von Nebenreaktionen. Als persönlichen Erfahrungswert kann ich noch hinzufügen, das ein bis zum Rand gefülltes und z.B. mit einer Glasplatte abgedecktes Gefäß (die Flüssigkeit steht dabei idealerweise an der abdeckenden Glasplatte an, so das nur wenig bis keine Luft mehr über der Lösung steht) die Einwirkzeit drastisch verlängert ! Dithionit wird von Luftsauerstoff langsam zersetzt und so kann man mit geringen Konzentrationen lange einwirken lassen - die Glasplatte reduziert gleichzeitig etwas den elendigen Geruch (wobei meine Frau in letzter Zeit immer ihre komischen Bohnen züchtet, die richen auch nicht besser :P ).
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Da an das Dithionit sehr teuer ist und man daran schlecht herankommtund es zudem auch schlecht längere Zeit haltbar isthabe ich mir eine andere Methode überlegt.Dazu braucht man zwar auch eine Chemikalie die in Kleinstmengen fast unbezahlbar teuer ist aber die großtechnisch zu vernünftigen Preisen verfügbar ist und die sich beliebig lange lagern lässt.Das teure daran wäre nur der Citratpuffer aber Zitronensäure gibts billig bei Ebay.
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Servus,
hast Du vor uns an Deiner Erkenntnis teilhaben zu lassen oder ist ist das wieder einmal GEKADOS ?
Uebrigens, viele zur Mineralreinigung notwendigen Chemikalien gibt es zu vertretbaren Preisen bei MIKON. Der Puffer sollte besser NICHT mit Citronensaeure angesetzt werden, sonst koennte der pH-Wert des Bades aus dem Ruder laufen ;D ::). Aber diese Diskussionen hatten wir alle schon des Oefteren ... .
Harald
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Ditionit ist vergleichsweise günstig zu haben, gepuffert bis 2 Wochen wirksam, was den Preis zusätzlich relativiert.
Calcit ins Heisse Wasser? Gibt sicher schöne Spaltromboeder... ::)
Was auf den Fotos Auffällt und auch schon als Pyrit- oder Markasitrückstände bezeichnet wurde, sind orientiert eingewachsene Rückstände. Es kann daher sein, dass der Limonit teilweise bereits während des Calcitwachstums vorhanden und daher leicht eingewachsen ist. Dann wird die Entfernung schwierig oder hinterlässt Raue oder matte Oberflächen.
Manchmal ist der Limonit als Strukturgeber besser zu belassen. Weiss in weiss wirkt eine Stufe oftmals nicht mehr plastisch.
Viel Glück und Grüessli
Christian