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Mineralien / Minerals / Minerales => Mineralien (Fundort) bestimmen / determine minerals => erledigte Bestimmungen / completed determinations => Thema gestartet von: Dieterinorge am 23 Jul 11, 12:47

Titel: Fund Meck-pom/Fischland-Darß/Küste Ahrenshop-Pyrit? / + Markasit-Zerfall
Beitrag von: Dieterinorge am 23 Jul 11, 12:47
Hallo, habe 2008 an der Küste von Ahrenshop ca. 16 kg Pyrit(?) gefunden. War frisch aus der Küste freigespült worden. Ich denke es ist Pyrit, die Strichfarbe ist grau-grünlich aber nicht grünlichschwarz. Die Kristalform (auf den Fotos zu sehen) geben mir noch Rätsel auf. Das weiße im Stein ist Kalk. Größe: ca 7,0x6,0x4,5 cm. Ein Teil des Fundes ist brüchig und zerfällt teilweise zu Pulver nach dem trocknen. Kann mir jemand weiterhelfen?
Titel: Re: Fund Meck-pom/Fischland-Darß/Küste Ahrenshop-Pyrit?
Beitrag von: smoeller am 23 Jul 11, 13:43
Hallo,

Das sind typische Pyrit/Markasit-Konkretionen, wie sie in der Kreide Norddeutschlands nicht selten sind. Die Steilküsten von Ahrenshoop haben größere Kreideschollen eingeschuppt.

Der Zerfall ist leider typisch, das hatte ich auch bei meinen Funden aus Schleswig-Holstein immer zu beklagen. Sobald das Zeug mit Meerwasser in Berührung kommt und gut durchfeuchtet, kann man dem beim Zerbröseln zuschauen.

In den meisten Fällen Pyrit, es gibt in der Kreide aber auch Markasitkonkretionen.

Das Problem ist, dass die Kristalle des Pyrits (kubisch; oft Kombination Oktaeder + Würfel) und Markasits (rhombisch; oft Kombination Bipyramide + Pinakoid) einander ähnlich sehen können, insbesondere wenn sie verzerrt und verrundet sind.

Glück Auf!
Smoeller
Titel: Re: Fund Meck-pom/Fischland-Darß/Küste Ahrenshop-Pyrit?
Beitrag von: TinoLith am 25 Jul 11, 09:30
Hallo Dieter,

ich kann Sebastian nur zustimmen, ich habe ein vergleichbares Stück/Brocken von der Kreideküste Rügen.
Pass bei der Lagerung auf, dass es möglichst trocken und bei einigermaßen kostanten Temperaturen gelagert wird.
(Meines ist seit 12 Jahren stabil)
Sollte es weiter zerfallen, weg damit!!! Die sauren Dämpfe greifen andere Mineralien an und zerstören diese teilweise (untergelegtes Papier/Bestimmungszettel werden zerfressen, mit braunen Rändern.)
Diesen Markasit-Zerfall musste ich leider auch schon des öfteren hinnehmen, da hilfts meist nur noch das vorher !!! gemachte Foto betrachten und der schönen Stufe nachtrauern.

Glück Auf
Tino
Titel: Re: Fund Meck-pom/Fischland-Darß/Küste Ahrenshop-Pyrit?
Beitrag von: Krizu am 25 Jul 11, 10:04
Ja,

wenn sich ein weisses Pulver bildet, dass nicht von der anhaftenden Kreide stammt, ist nach meiner Erfahrung das Stück in weniger als 5 Jahren Schrott. Es werden sich Risse bilden und das Pulve wird in länglichen Kristallen auskristallisieren. Der Puyrit vergammelt zu Eisenoxiden/Hydroxiden und schwefeliger Säure und oder Alaunen.

MfG

Frank
Titel: Re: Fund Meck-pom/Fischland-Darß/Küste Ahrenshop-Pyrit?
Beitrag von: giantcrystal am 25 Jul 11, 11:37
Hallo aus Mittelfranken

seit etwa 10 Jahren habe ich einen Langzeittest mit einem ehemals schönen, großen Markasitkristall aus Misburg bei Hannover laufen, der langsam, aber sicher zerfällt. Dabei blühen reichlich die genannten weißen länglichen Kristalle aus.

Ich wollte schon immer gerne wissen, um was es sich dabei handelt ? Melanterit oder etwas anderes ?

Danke und Glück Auf

Thomas
Titel: Re: Fund Meck-pom/Fischland-Darß/Küste Ahrenshop-Pyrit?
Beitrag von: Krizu am 25 Jul 11, 11:46
Hallo Thomas,

Tja, die normalen Fe(ii)-Sulfate bilden ihmo selten nadeln, allerdigns ist hier das Wachstum auch nicht gleich dem aus der Lösung.  >:D
Da das weisse Pulver ihmo gut wasserlöslich ist, scheidet imho Gips aus. Entweder Alaune oder Eisensulfate oder was ganz anders :-)

MfG

Frank
Titel: Re: Fund Meck-pom/Fischland-Darß/Küste Ahrenshop-Pyrit?
Beitrag von: Dieterinorge am 25 Jul 11, 18:26
Hallo,

das fotografierte Stück ist jetzt ca. 3 Jahre stabil. Einige andere auch. Diese habe ich jedoch direkt nach dem auffinden (ca.1/2 Std) mit 33% Salzsäure gewaschen und 4 bis 5 mal mit Wasser gereinigt. Die mit denen ich es nicht gemacht habe sind zu ca. 50% zerfallen. Der andere Teil ist nach ca. 4 bis 7 Tagen grau angelaufen. Einige wenige sind nach Rissbildung in stillstand gekommen. Bis heute jedenfalls. Habe also noch einige Beobachtungstücke. Werde mich wieder melden.

vielen Dank für eure Hilfe

Dieter
Titel: Re: Fund Meck-pom/Fischland-Darß/Küste Ahrenshop-Pyrit?
Beitrag von: smoeller am 26 Jul 11, 19:50
Hallo,

Das mit den weißen Nadeln ist so eine Sache. Da Sammlungsneubildungen, werden viel zu wenig Analysen gemacht. Meist wird dann Halotrichit vermutet, es könnte aber auch Siderotil dabei sein. Grünliche Nadeln sind Melanterit, weiße Krusten auch schon mal Rozenit (der von Fundorten in Brandenburg und Vorpommern beschrieben ist), bei den gelblichen Krusten liegt öfters Copiapit vor, kein Schwefel, wie oft vermutet.

Glück Auf!
Smoeller
Titel: Re: Fund Meck-pom/Fischland-Darß/Küste Ahrenshop-Pyrit?
Beitrag von: Dieterinorge am 27 Jul 11, 00:09
Hallo nochmal,

habe mal ein Foto mit ein paar Exponaten eingestellt die noch in Ordnung sind.

Gruß Dieter
Titel: Re: Fund Meck-pom/Fischland-Darß/Küste Ahrenshop-Pyrit?
Beitrag von: Dieterinorge am 27 Jul 11, 00:12
Und nun zwei Exponate mit weißen Rändern.

Gruß Dieter
Titel: Re: Fund Meck-pom/Fischland-Darß/Küste Ahrenshop-Pyrit?
Beitrag von: smoeller am 27 Jul 11, 14:23
Hallo,

Eher Pyrit als Markasit, ist meist so. Gerade beim Pyrit gibt es aus Gelen entstandene, feinstkristalline Massen, sog. Melnikovit, die häufig für Markasit gehalten werden. Diese scheinen geradezu im Zeitraffer zu zerfallen. Meist dauert es allerdings auch bei denen ein halbes Jahr oder länger, dann geht es aber rapide und irreparabel. Solche Stücke sind dann nur noch Müll.
Hatte ähnliche Stücke von Helgoland, bei denen ist es auch so gegangen.

Glück Auf!
Smoeller

Titel: Re: Fund Meck-pom/Fischland-Darß/Küste Ahrenshop-Pyrit?
Beitrag von: Dieterinorge am 27 Jul 11, 22:22
Hallo,smoeller

was macht man den zur Erhaltung der intakten Stücke?

Gruß Dieter
Titel: Re: Fund Meck-pom/Fischland-Darß/Küste Ahrenshop-Pyrit?
Beitrag von: Krizu am 27 Jul 11, 23:32
Hallo,

bei mir ist es so: Die Stücke die ich vor ca 25 Jahren gefunden habe sind stabil.
Ein Stück war schon rissig, aber die Risse sind nur grösser geworden ohne zu blühen.

Ein Stück blühte weiss aus.  Etwas 2 Jahre und es war zerfallen.

Ich mache nichts :-) hatte aber Glück mit der/den Fundstelle/n.

MfG

Frank
Titel: Re: Fund Meck-pom/Fischland-Darß/Küste Ahrenshop-Pyrit?
Beitrag von: smoeller am 29 Jul 11, 09:48
Hallo,

Das ist gerade die Schwierigkeit. Es gibt kein Patentrezept zum Erhalt von Pyrit/Markasit. Im Fachhandel gibt es speziellen Pyritkonservierer, nützt allerdings wenig, wenn der Zerfall unbemerkt schon begonnen hat.

Glück Auf!
Smoeller
Titel: Re: Fund Meck-pom/Fischland-Darß/Küste Ahrenshop-Pyrit?
Beitrag von: Conny3 am 30 Jul 11, 21:28
Hallo,

mein Pyrit von Ahrenshoop - ich berichtete schon einmal über diesen Fund -  ist glücklicherweise noch stabil und kaum verändert (Fund Frühjahr 2008). Ich werde ihn nun aber verstärkt beobachten:

http://www.mineralienatlas.de/forum/index.php/topic,16880.msg152545.html#msg152545


Gruß Conny
Titel: Re: Fund Meck-pom/Fischland-Darß/Küste Ahrenshop-Pyrit?
Beitrag von: helgesteen am 31 Jul 11, 13:00
Hallo,

ich habe ausgesprochen gute Erfahrungen mit Pyritkonservierer auf Thioglycolatbasis gemacht. Die Stufe erst gründlich mit Wasser abspülen, um sovie wie möglich von den Sulfaten abzuwaschen, dann in Spiritus mit einigen Prozent Thioglycolatlösung einlegen. Die Lösung verfärbt sich durch Bildung von Eisenkomplexen violett. Nach einigen Stunden Lösung auswechseln. Das ganze so oft wiederholen, bis es zu keiner weiteren Violettfärbung kommt. Dann nochmal einige Zeit in reinen Ethanol (100%) einlegen, um die Chemikalien auszuwaschen und den Wasseranteil des Spiritus  zu verdrängen und fertig.
Die Stufen werden oft sehr viel schöner/glänzender, da oberflächliche Sulfatbeläge mit aufgelöst werden.
Hält die Stufe nur noch durch die Sulfate zusammen, wird sie bei dieser Prozedur zerfallen. Daher möglichst früh behandeln. Es gibt verschiedene Meinungen, was die Haltbarkeit der Ergebnisse und den Grund für die konservierende Wirkung angeht. Ich vermute, dass die Konservierung hauptsächlich durch den Ethanol/Spiritus erfolgt, indem Bakterien abgetötet werden, die (so eine Hypothese) bei der Zersetzung eine Rolle spielen.  Das Thioglycolat macht die Reinigung.
Die Haltbarkeit bei meinen Stücken ist sehr gut. Bei einigen Stufen liegt die Reinigung nun etwa 5 Jahre zurück und es gibt keinerlei Anzeichen für eine weitere Zersetzung.

Viele Grüsse,
Helge
Titel: Re: Fund Meck-pom/Fischland-Darß/Küste Ahrenshop-Pyrit?
Beitrag von: triassammler am 31 Jul 11, 23:45
Hallo Helge,

statt dem initialen Waschgang mit Wasser würde ich bei einem bereits trockenen Stück gleich Spiritus nehmen, so bringt man von Anfang kein weiteres Wasser in die Stufe ein.
Die Wirkung des Thioglycolats basiert auf der Komplexbildung mit zahlreichen Eisenverbindungen (ausgenommen Pyrit): Die instabilen Komponenten werden damit aus der Stufe entfernt. Der gebildete Eisenkomplex ist zunächst löslich und damit aus der Stufe auswaschbar.
Schwefelliebende Bakterien mögen auch eine Rolle spielen, ihnen kann man z. B. durch Sterilisation im Backofen zu Leibe rücken. Macht aber nur Sinn, wenn man das Stück anschließend unter sterilen Bedingungen aufbewahrt oder porenversiegelt, sonst erfolgt erneut Kontamination über Berührung oder die Raumluft.

Unzufriedenheit über das erzielte Ergebnis dürfte es dann geben, wenn man das Thioglycolat-Verfahren halbherzig anwendet, also "nur ein bisschen", oder anschließend die Stufe wieder mit Wasser in Berührung kommt. Je nach Größe des Stücks und bereits vorhandener Ausblühung kann man nämlich erstaunliche Mengen der Chemikalie und Wiederholungen der Behandlungsdurchgänge benötigen. Wer hier sparen will, kann es gleich lassen. Auch wichtig im Zusammenhang mit der Aufbewahrung sulfidischer Erze ist eine wenig schwankende Luftfeuchtigkeit, die je nach Quelle 30 bis 50% nicht überschreiten soll. Das geht so weit, dass man den direkten Kontakt zu saugfähigen Aufbewahrungsbehältnissen (bspw. Pappschachteln, Holzschubladen) vermeiden sollte, da diese an den Kontaktstellen zur Stufe aus der Raumluft aufgenommene Feuchtigkeit weitergeben.

Gruß,
Rainer
Titel: Re: Fund Meck-pom/Fischland-Darß/Küste Ahrenshop-Pyrit?
Beitrag von: amethyst am 09 Sep 11, 14:53
Hallo,
wer kann mir helfen? Ich habe in Dresden ein Mineraliengeschäft und mir wurden diese wirklich großen Markasitkonkretionen zum Kauf angeboten. Das musste ich vorerst ablehnen, weil ich keine Ahnung habe, wie diese Mineralien gehandelt werden. Auf dieser Plattform hoffe ich nun Hilfe zu erhalten.

Glück auf
Martina
Titel: Re: Fund Meck-pom/Fischland-Darß/Küste Ahrenshop-Pyrit?
Beitrag von: Kluftknacker am 09 Sep 11, 15:03
weil ich keine Ahnung habe, wie diese Mineralien gehandelt werden.

Hallo Martina,
was meinste denn damit: "wie"? Ich würde einen Verkaufspreis kalkulieren und dann die Teile an geeigneter Stelle anbieten .... aber das weißt Du als Profi-Händler doch sicherlich schon, oder?

Kluftknacker
Titel: Re: Fund Meck-pom/Fischland-Darß/Küste Ahrenshop-Pyrit?
Beitrag von: triassammler am 11 Sep 11, 19:04
Hallo Martina,

"wirklich große Markasitkonkretionen" - das sagt alles und nichts. Es wäre außerdem sinnvoll gewesen, für die Anfrage einen neuen Thread aufzumachen.

Für geschäftliche Anfragen würde ich Dir eine Sponsorenmitgliedschaft hier im Atlas empfehlen.

Gruß,
Rainer
Titel: Re: Fund Meck-pom/Fischland-Darß/Küste Ahrenshop-Pyrit?
Beitrag von: amethyst am 21 Sep 11, 13:12
Hallo Rainer,
stimmt meine Angaben waren nicht konkret genug. Die Kugeln waren ca. 10-12 cm im Durchmesser.
Du empfahlst mir eine Sponsorenmitgliederschaft im Mineralienatlas. Was bedeutet das, was bringt das für geschäftliche Anfragen und wie schließt man das ab? Habe auf dieser Plattform alles durchgeforstet und nichts dazu gefunden.

Viele Grüße
Martina
Titel: Re: Fund Meck-pom/Fischland-Darß/Küste Ahrenshop-Pyrit?
Beitrag von: Doc Diether am 03 Oct 11, 11:08
Hatte in meiner Garage ca. 15 Jahr sphärische Markasite von der Clara in einer Plastik-Tüte. Eigens nur zu dem Zweck, daß ich die Sulfat-Neubildungen studieren wollte. Es ist eine ganze Palette von hochinteressanten und wunderschönen Kristallen (Eisensulfate) entstanden, fast alle durch Vergleich mit Bildern bestimmbar.
Gruß
Doc Diether