Mineralienatlas - Fossilienatlas
Bergbau und Verhüttung / Mining and Smelting / Minería y Fundición => Schlacken, Gläser, Verhüttungsprodukte / slags, glasses, smelting products => Themen zu Schlackenmineralien und -fundstellen, Verhüttungsprozesse etc. => Thema gestartet von: Kluftknacker am 31 Jul 11, 16:40
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Hallo Sammlervolk!
Beim Zerbröseln von Schlacke aus der vormittelalterlichen Verhüttung von Pb-Cu-Sulfiderzen aus dem Nordharz (vermutlich Rammelsberg), gefunden im Bereich der Innerste, kamen etliche hervorragende, zweifelsohne Phosgenit-Kristalle zum Vorschein.
Während die Bildung von Phosgenit durch Meerwassereinfluss nachvollziehbar ist (z.B. Lavrion), frage ich mich (in Unkenntnis der uralten Verhüttungsmethoden), was bei meinen Funden aus dem Harz (bekanntlich weit abseits von Meerwasser) der Chlorlieferant sein mag? Zuschlagstoff? Die Schlacke ist nicht wie üblich "glasig", eher krümelig, tiefrotbraun (hohe Eisenanteile) mit limonitischer Verwitterungskruste. Fund: Oberflächlich ohne Erdabdeckung, Waldboden)
Wer kann helfen - Literaturnennungen sind auch gerne gesehen? Danke.
Kluftknacker
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Hallo,
Salz als Flussmittel? Wäre meine Vermutung. So sind ja wohl auch die ganzen Bleichloride von der Juliushütte entstanden.
Gruß
Andreas
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Mmh,
haben unsere ganz Altvorderen (12.-14. Jh.) Salz als Flußmittel eingesetzt? Wenn das bestätigt wird, dann wäre das natürlich eine ernstzunehmende Möglichkeit.
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Chlor ist auch im Pyromorphit enthalten, welcher bei einer Bleiverhüttung durchaus anwesend sein kann bzw. in Bleilagerstätten nicht ungewöhnlich ist.
Uwe
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Hi,
Chlorzusatz bei der "Chlorierenden Röstung", entweder Kochsalz oder Stassfurter Abraumsalze, führen bei älteren Hüttenschlacken zu sekundären Chlobildungen, z. B. Juliushütte bei Astfeld/Harz.
Verfahren wurde bis zum 2. WK angewandt.
Weitere Hinweise über Google!
GA
Schlacke
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Salz (NaCl) ist auch in den Bildungsstadien der Minerale durchaus mal anwesend. Es gibt z.B. Inclusen in Bergkristall und auch anderen Mineralien, die eine Kochsalzlösung, selten mal auch Kristalle enthalten. Hydrothermale Wässer können auch salzhaltig sein.
Doc Diether
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Hallo Schlacke,
danke für den Hinweis zum "chlorierenden Rösten" ... was es nicht alles gibt. Höchst interesaant. Allerdings lese ich bei google und Co, dass dieses Verfahren erst in der zweiten Hälfte des 19. Jh. entwickelt/angewendet wurde. Auch die Herzog-Julius-Hütte ist noch nicht so alt wie meine Funde (ca. 13. Jh.). Es wäre in der Literatur zur prüfen, ob die Alten das Verfahren quasi "vorwegnahmen".
Meine Frau meinte gestern, dass die Schmelzer vielleicht ihre gepökelten Wurstreste oder Salzheringe im Schmelzofen "entsorgt" haben könnten ....
Kluftknacker
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Hallo,
das erscheint mir doch ein durchaus ernstzunehmender und wissenschaftlich fundierter Ansatz zu sein ;D
Gruß
Andreas
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Na ja, also ein montantechnisch/-historischer Ansatz wäre mir da aber lieber. Den suche ich weiterhin ...
Kluftknacker
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Hi
Vergiss bei Deiner Fragestellung bitte nicht, das es sich immer auch um einen selektiven Prozess handelt. Immerhin hast Du ja nur die interessanten Bereiche der Schlacke (die mit Mineralien) behalten, diese machen sicherlich nur einen winzigen Bruchteil deer Masse aus. Hinzu kommt, das Du wahrscheinlich bevorzugt die exotischen Minerale (= Phosgenit) ausgewählt hat. Das ist dermaßen selektiv, das man kaum Rückschlüsse auf die Zusammensetzung der Schlacke ziehen kann. Möglicherweise hast Du grade eine besonders exotische Partie behalten, wo die Chlorkonzentration ungewöhnlich hoch war, warum auch immer. Wie schon richtig bemerkt ist im Pyromorphit auch etwas Cl, das kommt ja auch irgendwoher. In Gesteinen ist Chlor in den erforderlichen Mengen auch wieder nicht so selten, das es hier Bildungsprobleme gibt.
Einen Kopf würde ich mir erst machen, wenn die Schlacke förmlich von Phosgeniten überquellen würde, sprich, mehrere Gewichtsprozent in Form von Phosgenit vorliegen.
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@Kluftknacker
...hier die erste Aufgabe:
Chlorierende Röstung, 1842 patentiert.
Tafel, V.: Lehrbuch der Metallhüttenkunde, Bd. 1, Leipzig: 1951, S. 519 f.
Mehrfache Röstung, ohne Zusatz.
Bartels, Fessner, Klappauf und Linke: Kupfer, Blei und Silber aus dem Goslarer Rammelsberg von den Anfängen bis 1620, in: Montanregion Harz, Bd. 8, Bochum/Bergbaumuseum: 2007, S. 165 f., S. 188 f.,
Die erwähnte Literatur ist in den UB's Braunschweig, Clausthal und TIB/UB Hannover vorhanden.
Prinzipiell ist bei sog. Schlackenmineralien zu beachten, dass die eingesetzten Erze, der angewandte Hüttenprozess mit evtl. zugeführten Zuschlägen und die Bildungsbedingungen in einer Schlackenhalde zu berücksichtigen sind! Leider kennt man als Mineralienfreund nur die letzte Stufe (den gefundenen Kristall), des Prozesses.
Glückauf!
Schlacke
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Hallo,
vielleicht einmal interessant:
http://miami.uni-muenster.de/servlets/DerivateServlet/Derivate-4815/diss_bode.pdf
Dissertation zur Bleiverhüttung in der römisch-germanischen Raumzeit ;D
MFG
Frank
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Hallo,
etwas zur historischen Verhüttung:
Moesta, H.: Erze und Metalle - ihre Kulturgeschichte im Experiment, Berlin/Heidelberg: 1982/2. Aufl., 189 S.
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Hallo Kluftknacker,
Chlor ist doch auch sonst im Harz natürlich verbreitet. Der Chlorargyrit von St.Andreasberg enthält doch auch 25% Chlor. Und Andreasberg ist noch weiter vom Meer abgelegen.
Oder bin ich jetzt auf dem falschen Danpfer?
wilbi
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Oder bin ich jetzt auf dem falschen Danpfer?
eigentlich nicht.
Hallo wilbi,
ein interessanter Aspekt, an den habe ich noch gar nicht gedacht. Ich gehe bei meinen Funden davon aus, dass das Einzugsgebiet der Nordosten des Harzes ist, hier also Erze verhüttet wurden, die keine echten Silberminerale (wie in St. Andreasberg) enthielten: Cu-und Pb-Erze von der Innerste/Goslar/Rammelsberg, Lautenthal, vielleicht noch Wildemann.
Ich frage mal anders: Kennts Du Schlackeplätze (außer die im Siebertal, da Naturschutzgebiet) im Südharz?
Könnte man ja mal besammeln und anschließend mit den Innerstezeug vergleichen.
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Hallo Kluftknacker,
mit Schlackensuche habe ich mich eigentlich nur ein/zwei Jahre befaßt, und dann nur im Gebiet um Lautenthal und Juliushütte. Im Siebertal war ich nicht tätig.
Aber es können ja auch Andreasberger Erze im nördlichen Harzgebiet verhüttet sein. Das Kloster Walkenried hat schon im 11/12.Jahrhundert im Andreasberger Gebiet offenbar Silbererze abgebaut. Es ist da von einem Rupenberg die Rede, den aber heute keiner mehr genau einordnen kann, es sei, man findet nochmal neue urkundliche Nachweise. Da die Walkenrieder auch im Nordharz (Rammelsberg und Lautenthal) Anteile hatte, kann es doch sein, daß diese Mangels Wasser und anderer Möglichkeiten im Nordharz verhüttet wurden, wenn auch bisher nur von Rammelsberger Erzen ausgegangen wurde.
Gruß wilbi