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Mineralien / Minerals / Minerales => Allg. Diskussionen Mineralien / General discussions minerals => Thema gestartet von: Hugo am 07 Aug 11, 12:49

Titel: Abschirmung von Pechblende - Bremsstrahlung?
Beitrag von: Hugo am 07 Aug 11, 12:49
Moin!
An verschiedenen Stellen wird die Möglichkeit erwähnt, die von Pechblende ausgehende Strahlung mit Blei abzuschirmen. Ich frage mich aber, ob dabei nicht auch mit Bremsstrahlung zu rechnen ist.
Über den harten Betastrahler 32P habe ich mehr herausgefunden. Die häufigste Energie liegt bei 0,5 MeV, die maximale Energie bei 1,7 MeV. Um wenig Bremsstrahlung zu erzeugen, müssen Materialen mit leichten Kernen zur Abschirmung verwendet werden, also z. B. Plexiglas.
Wie verhält es sich nun aber bei Uran bzw. Pechblende? Habe leider nicht in Erfahrung bringen können, welche Energie die Betastrahlung hat. Ist der Anteil der Betastrahlung oder ihre Energie so gering, daß man gefahrlos mit Blei abschirmen kann, oder muß man auch hier über eine Kombination aus leichten Materialien mit Blei nachdenken?
Gruß,
Hugo
Titel: Re: Abschirmung von Pechblende - Bremsstrahlung?
Beitrag von: Embarak am 07 Aug 11, 20:28
Hallo Hugo

Im Laborbereich wird auch gerne 33P eingesetzt, da es ernergieärmer ist und damit eine geringere Reichweite hat.
32P hat eine Reichweite von bis zu 8 m ( , die übrigens von geländegängigen Geräten nicht detektiert werden mangels
ausreichender Sensitivität.)
Zur Lagerung der im Labor üblichen paar mCi  32P, 33P und 35S werden Bleimanteldosen verwendet, zum Transport
und zum handling sind die Eppis in Gefäßen mit Plexiglas 12mm Wandstärke.
Nun sind das aber gereinigte Isotope mit kurzen Halbwertszeiten von ein paar Wochen. Deswegen nimmt man sie ja.

Anders bei den natürlichen Strahlern : Hier liegt ein Gemenge von Zerfallsprodukten der 3 möglichen natürlichen Zerfallsreihen vor, Du hast also ein
Strahlungsgemisch von vorwiegend Materialien langer Halbwertzeit, das berücksichtigt werden muss.
Legst Du eine fette Pechblende in eine dicke oben offene Bleidose, ist es zu den Seiten prima abgeschirmt, schaust Du aber von oben länger in die offene Dose,
bekommst Du eine dicke Ladung Röntgen(brems)strahlung ab. Prinzip siehe link und folgende Animationen

Bei den kombinierten Materialien ist die Reihenfolge wichtig : Erst Kunststoff, dann Metall !
Machst Du es umgekehrt, wird der schwache Beta-Strahler zum dicken Röntgenstrahler ( was natürlich bei den countern nicht registriert wird).Prinzip siehe
http://www.kernfragen.de/kernfragen/physik/08-Abstand-und-Abschirmung/8-4-Bestrahlung-mit-Betateilchen.php#id2587685
( ein bisserl auf den Seiten rumspielen.Sind ganz nette flasch-animationen dabei.)

Ich habe eine größere Anzahl Strahler in meiner Sammlung und lagere jedes einzeln in einer Jousie -Dose. Diese Dosen lagere ich dann zu mehreren in genau den Plexiglas-Kästen mit 12mm, wie oben beschrieben.( Metall benutze ich nicht. )
Meine Zähler messen auf der Box immer noch 25% der Strahlung gemessen direkt am Mineral. In 2 m Entfernung natürlich nichts mehr, aber wie gesagt detektieren sie nicht alles und sind nicht sensitiv genug.
Solange man die Grundregeln beachtet, möglichst kurzes handling, Abstand waren, Hände nach Kontakt waschen, sollte man damit auf der sicheren Seite sein.
Ich orientiere mich damit an den Arbeitsvorschriften, die ich aus der Molekularbiologie gewohnt bin.

Dadurch, daß ich sowohl den biologischen Sektor kenne und Mineralogie als Hobby habe, bin ich sehr schnell auf völlig unterschiedliches handling der Biologen und der Geowissenschaftler gestoßen. Meine Beobachtungen dazu würden den Rahmen eines postings sprengen. Habe mich schon wiederholt dazu geäußert.
Eigentlich bin ich es leid, hier weiter auf dieses Thema einzugehen.

In den nun folgenden Antworten ist zu erwarten, daß meine Einschätzung als völlig übertrieben bezeichnet wird und ich eher als Pedant dastehe.
Du wirst vielleicht hören, daß alles halb so schlimm ist und das Jousie-Dosen völlig ausreichen, dann könnten noch ein paar Milchmädchenrechnungen folgen.

Nimm alles zur Kenntnis und dann entscheide für Dich, nach welchen Kriterien Du in Zukunft arbeiten möchtest....
Angst vor den Strahlern braucht es nicht. Man muss nur sauber damit arbeiten.

Gruß
Norbert




Titel: Re: Abschirmung von Pechblende - Bremsstrahlung?
Beitrag von: Bergbaumaulwurf am 07 Aug 11, 20:53
Glück Auf!
Es kommt wohl natürlich auch ein wenig drauf an wie groß die Stufe ist und wie hart die Strahlung ist die von ihr ausgeht. Aber im Grunde genommen reicht eine Plexiglasdose und ein Ort wo man sich nicht gerade sehr oft aufhält.
Aber im Grunde genommen ist eine Pechblendenstufe eigentlich nicht gerade ansehnlich und mehr ein Belegstück. Bei den Uransekundärmineralien sieht es Optisch ganz anders aus- siehe zB. Mechelgrün.
Diese sind dort nicht sehr groß und stellen in einer Dose eigentlich keine Gefahr dar. Nur beim Formatisieren sollte man gewisse Grundregeln einhalten- nicht Essen ,Trinken und hinterher gut die Hände usw reinigen .
Bergbaumaulwurf
 
Titel: Re: Abschirmung von Pechblende - Bremsstrahlung?
Beitrag von: Hugo am 08 Aug 11, 20:34
Okay, vielen Dank für die Antworten. Habe auch einen Plexiglas-Kasten und werde den für einen Micromount Pechblende benutzen.
Was ich nicht verstanden habe: wenn ich Pechblende in eine oben offene Bleidose stecke, dann müßte ich Bremsstrahlung doch dort abbekommen, wo Korpuskularstrahlung auf das Metall trifft, also hinter dem Blei, oder?
Zur Messung verwende ich einen LB1200 von Berthold mit einer externen Sonde LB6511. Laut Bedienungsanleitung kann sie Gammastrahlung ab 80 keV detektieren. Gilt trotzdem, daß die Sonde nicht sensitiv genug ist, um Bremsstrahlung messen zu können? Tests kann ich noch nicht machen, warte noch auf die Pechblende...

Gruß,
Hugo
Titel: Re: Abschirmung von Pechblende - Bremsstrahlung?
Beitrag von: Krizu am 08 Aug 11, 22:27
Was ich nicht verstanden habe: wenn ich Pechblende in eine oben offene Bleidose stecke, dann müßte ich Bremsstrahlung doch dort abbekommen, wo Korpuskularstrahlung auf das Metall trifft, also hinter dem Blei, oder?
Hallo,

Drei Fragezeichen...
Also die Elektronen der Betastrahlung und fliegen an den Kernen vorbei und werden abgebremst. Je schwerer die Kerne, desto "positiver" sind die Kerne und desto schneller werden die Elektronen abgebremst und die Bremsstrahlung wird effektiver (C hat Z=6 und Blei Z=82, ergibt also knapp14x mehr Bremsstrahlung). Dann kommt noch die Fluoreszenzstrahlung, je schwerer das Element desto härter die Strahlung. Zudem hat Blei eine charakteristische Bande von rund 73keV während Kohlenstoff und Sauerstoff irgendwo weit unter 1keV liegen.

Jetzt die die Röntgenstrahlung - wie die Gammastrahlung - wesentlich durchdringender als die Betastrahlung. Die Richtungsabhängigkeit gibt es auch noch - imho wird seitlich mehr abgestrahlt als nach "vorne". Also Bleikiste oben offen gibt Röntgenstrahlung plus die "normale" Radioaktivität.

Wenn jetzt erst eine verklebte Plexiglasdose kommt, kommt das Radon schwerer raus, und strahlender Partikelstaub bleibt drin. Gleichzeitig wird an den C-,O- und den H-Atomen des Plexiglases relativ viel bis alle alpha und beta Strahlung absorbiert und wenig Röntgenstrahlung erzeugt. Die durchgehende Gammastrahlung wird vom Blei geschwächt.

Somit ist die vorgeschlagene Kombination von Plexiglas innen und Blei aussen ideal in meinen Augen.

Mfg

Frank
Titel: Re: Abschirmung von Pechblende - Bremsstrahlung?
Beitrag von: Hugo am 14 Aug 11, 22:58
Moin!

So, jetzt kommt der Praxistest, habe inzwischen eine Kleinststufe Pechblende erhalten.
Wenn ich sie direkt vor das Zählrohr halte, ist das Maximum meines Geigerzählers mit 30.000 Impulen/Minute überschritten - wahrscheinlich spielt dabei auch Alphastrahlung eine Rolle.
Für den Test der Abschirmung habe ich versucht, den Abstand zwischen Stufe und Zählrohrfenster bei konstant 2,5 cm zu halten. Dabei kam folgendes heraus:

Impulsrate ohne Abschirmung:               12.000 +/- 1.000 Ipm,
mit Plexiglasgefäß, Wandstärke 10 mm:   1.100 +/- 100 Ipm,
zusätzlich mit Bleimanteldose, 3 mm Blei:    800 +/- 100 Ipm.

Daß das Plexiglasgefäß die Impulsrate um 90% senkt, finde ich ja gar nicht schlecht, außerdem sieht die Stufe darin m. E. auch akzeptabel aus (siehe Foto).
Aber die Gammastrahlung ist ja doch nicht gerade unerheblich (wenn man davon ausgeht, daß nichts anderes das Plexiglas durchdringen kann).
Die Bleimanteldose mit ihrer geringen Wandstärke von 3 mm kann daran auch nicht viel ändern
Fazit: Das Plexiglas leistet gute Dienste, aber unters Kopfkissen legen sollte man die Stufe auch mit Bleiabschirmung nicht.
Mehr oder gar größere Pechblendestufen kommen mir auch nicht ins Haus!

Viele Grüße,
ein strahlender Hugo
Titel: Re: Abschirmung von Pechblende - Bremsstrahlung?
Beitrag von: cmd.powell am 17 Aug 11, 02:40
Schöner Test. Immerhin zeigt er, das selbst eine vergleichsweise schwache Abschirmung schon gute Dienste leistet. Was allerdings Deine Bedenken wegen evtl. größer Stufen oder auch dieser Stufe betrifft, so solltest Du in Deine "Berechnungen" noch den Abstand zur Stufe mit einbeziehen. Du hast in 2,5 cm Entfernung gemessen, d.h., als wenn das Teil permanent in der Hosentasche oder unter besagtem Kopfkissen liegen würde. Mach mal eine Nullmessung (also die natürlich Hintergrundstrahlung) und ermittle den Abstand zu Deiner Stufe, ab dem Du sie nicht mehr aus eben jener Nullmessung herauslesen kannst. Ich tippe mal, das es keine 2 Meter sein werden. Ich selber hab drei Stufen mit radioaktiven Mineralen in meiner Vitrine stehen und kann diese in ca. 2,5 Metern nicht mehr aus der Umgebunsstrahlung herausmessen. Also: DON'T PANIK !
Titel: Re: Abschirmung von Pechblende - Bremsstrahlung?
Beitrag von: montanpark am 17 Aug 11, 23:43
Markus,
so lange Du das Teil nicht unterm Kopfkissen hast ist die Stufe im abgeschlossenen Plexi-Kasten hervorragend aufgehoben. Mal keinen Kopf machen wegen all dem Unfug über Gefährdung etc der da so in den Medien etc kolportiert wird. Wenn Du Raucher bist, ist Deine Belastung deutlich höher (ich bin .. leider, aber es ist eine Gewohnheit wie Mineraliensammeln  8)).  Ich habe lange Jahre mit radioaktiven Mineralen/Materialien hantiert, teils beruflich, teils privat. Zwei Grundsätze: never ever Staub oder Partikel der Stufe in den Körper bekommen (insbesondere bei alpha-Strahlern), und ansonsten - nicht ins Schlafzimmer.  Dat bissel Gamma macht den Kohl nicht fett .. und die kriegst Du auch mit Blei nicht richtig geschirmt. Die Aufbewahrung im "radonsicheren" Kästchen - d.h. luftdicht - ist schon 99% der Miete.
Und ansonsten empfehle ich: nicht im Schwarzwald wohnen (zumindest nicht im Bereich des Bärhaldegranits, gleiches gilt für einige erzgebirgische Regionen vom background her) und auch keine Leichtbetonsteine verbauen (K40 im Bims).
Ziemlich überbewerte Problematik wenn man grundlegende Vorkehrungen trifft.

Cheers, 2 cent
Roger
Titel: Re: Abschirmung von Pechblende - Bremsstrahlung?
Beitrag von: Hugo am 19 Aug 11, 00:29
Moin!
@Roger: Bei Stufen mit ein paar xx sekundärer Uranmineralien kann man vielleicht über Jousi-Kästchen reden, aber bei Pechblende bin ich doch lieber etwas vorsichtiger. Habe beruflich mit Tumorgenetik zu tun, und von diesem Standpunkt aus betrachtet würde ich sagen, daß man seine DNA-Reparaturmechanismen nicht mehr als nötig beanspruchen sollte. Zum Thema Rauchen mache ich von meinem Aussageverweigerungsrecht gebrauch, sonst wird's schizophren...

@ Markus G.: Von Panik kann keine Rede sein, hätte ja keine Pechblende kaufen müssen.
Habe noch nichts über die Größe der Stufe gesagt, und Abmessungen habe ich auch nicht parat, aber die Feinwaage zeigt 3,08 g an.
Das Abstandsquadratgesetz sagt mir wohl etwas, aber Deine Bemerkung hat mich veranlaßt, die Impulsrate in Abhängigkeit vom Abstand nachzumessen, und zwar mit und ohne Abschirmung. Habe daraus ein paar Graphiken erstellt. Leider habe ich keinen GZ, der alle Impulse in einem bestimmten Intervall mißt. Stattdessen wird die Impulsrate analog angezeigt, und die Nadel zittert z. T. ganz ordentlich. Deshalb habe ich versucht, die "Mittelwerte" abzulesen und die Schwankungen als Fehlerbalken darzustellen. Das ist also keine Standardabweichung oder so, alles eher semi-exakt...
In den Graphiken ohne Abschirmung gibt "d" den Abstand zwischen Zählrohrfenster und Stufe an, in der Graphik mit Abschirmung den Abstand zwischen Zählrohrfenster und Oberfläche der Bleimanteldose. Die Nullrate beträgt etwa 35 +/- 10 Ipm. Wie man sieht treten meine 3 g Pechblende auch ohne Abschirmung in 0,8 - 1,0 m Abstand kaum noch in Erscheinung. Ist natürlich auch eine Frage der Sensitivität.
Ich bin mit meiner Abschirmung jedenfalls soweit zufrieden, bleibe aber dabei, daß ich keine größeren Brocken dieses Minerals ansammeln möchte. Das gilt allerdings nicht für sekundäre Uranmineralien  ;)
Titel: Re: Abschirmung von Pechblende - Bremsstrahlung?
Beitrag von: Hugo am 19 Aug 11, 00:30
Graphik mit Abschirmung...
Titel: Re: Abschirmung von Pechblende - Bremsstrahlung?
Beitrag von: Bergbaumaulwurf am 19 Aug 11, 21:08
Glück Auf!
Sehen wir es mal von einer anderen Seite. Eine Pechblendenstufe ist nicht unbedingt so Atraktiv für eine Vitrine, also doch mehr ein Belegstück.
Abgesehen dann von den Uransekundärmineralien, aber da reicht schon wegen der Größe die Plexiglasdose.
Ich habe mir bei einem Billigmarkt einen kleinen Tresor gekauft. Darin sind all meine Pechblendenstufen drin und die Strahlung nach ausen ist mehr als gering.
Bergbaumaulwurf
Titel: Re: Abschirmung von Pechblende - Bremsstrahlung?
Beitrag von: cmd.powell am 21 Aug 11, 18:23
Hi Namensvetter

Sehr schöne Messungen. Ich wünschte, manch einer hier in Deutschland würde sich ebenso sorgfältig wie kritisch mit diesem Thema beschäftigen anstatt immer nur auf den allgemeinen Panikzug aufzuspringen.

Was die Attraktivität von Pechblendestufen betrifft, so sind die Geschmäcker bekanntlich verschieden. Sicherlich können die schwarzen traubig-nierigen Konkretionen keiner perfekt kristallisierten Torbernitstufe paroli bieten, attraktiv können sie aber dennoch sein. Leider ist es kaum noch möglich, an gute Pechblendestufen zu kommen  :'( Ich kann mich immernoch ärgern: Die Uni Hannover hat vor ein paar Jahren ihre Lagerstättensammlung "ausgemistet" und einen ganzen Batzen Pechblendestufen etc. für teures Geld entsorgen lassen - ich hätte gerne mal drüber geguckt und die ein oder andere Stufe "gerettet" - wäre kein Problem gewesen, war nur leider zur falschen Zeit nicht vor Ort...
Titel: Re: Abschirmung von Pechblende - Bremsstrahlung?
Beitrag von: Embarak am 21 Aug 11, 23:17
Hallo
Ich wünschte, manch einer hier in Deutschland würde sich ebenso sorgfältig wie kritisch mit diesem Thema beschäftigen anstatt immer nur auf den allgemeinen Panikzug aufzuspringen.
Da stimme ich grundsätzlich zu. Mangelndes Wissen ist ein Problem. Die Berichte nach Fukushima zeigen zum Teil, daß es da
nicht nur bei Lesern und Zuschauern sondern auch bei Journalisten hapert.

Nur zeigt sich, daß es auch bei denen mit höherem Hintergrundwissen zu unterschiedlicher Einschätzung eines Gefahrenpotentials kommt.
Nicht umsonst haben wir seit Jahrzehnten eine kontroverse Diskussion über die Risiken der Kernkraft .
Es ist für mich nicht akzeptabel, denjenigen, der zu einer anderen Einschätzung gekommen ist, nur deswegen als Trittbrettfahrer eines Panikzuges abzuwerten.

Wie bereits oben erwähnt, war ich wiederholt über die unterschiedliche Risikobewertung strahlenden Materials durch Biologen und Geowissenschaftler gestolpert.
Es wäre unwissenschaftlich, wenn die jeweils eine Fraktion die andere der Unwissenheit bezichtigt.
Schliesslich ist auch die Bewertung durch Physiker nicht einheitlich.
Viel interessanter wäre es, sachlich zu diskutieren, warum es zu unterschiedlicher Bewertung kommt.
Es würde mich allerdings überraschen, wenn wir diese Frage hier im Forum klären könnten....  8)
(sollte dann aber in einem eigenem thread diskutiert werden.)

Lieber Markus, es geht mir nicht darum, mit Dir einen öffentlichen Streit vom Zaun zu brechen ! Aus unseren Beiträgen geht hervor, daß wir beide einige Strahler
in unseren Sammlungen haben und im handling wahrscheinlich garnicht sooo weit auseinander liegen.  ;)
Unser jeweiliger beruflicher Werdegang hat mit Sicherheit unsere Einschätzungen geprägt.
Auch ich habe mich intensiver mit dem Thema beschäftigt, wie z.B. in meinen Beiträgen in den threads Betafit (http://www.mineralienatlas.de/forum/index.php/topic,27716.msg214767.html#msg214767) und Wie viel in Sievert ist das ? (http://www.mineralienatlas.de/forum/index.php/topic,26967.msg209987.html#msg209987) zu lesen.
Unsere Auffassungen über notwendige Sicherheitsmaßnahmen mögen unterschiedlich sein, ich halte es aber für sinnvoll und legitim, in unserem Forum
andere Sammler darauf aufmerksam zu machen, daß sich auch hier die unterschiedlichen Einschätzungen wiederspiegeln, wie in der übrigen Gesellschaft.

Es steht ja dann jedem die Entscheidung frei, ob er solche Mineralien sammeln will und nach welchen Kriterien er damit umgehen sollte.
Wenn ein Sammler durch einen thread dazu angeregt wird, sich besser in die Materie einzuarbeiten, um so besser !
Dann hat der thread seinen Zweck erfüllt.

Gruß
Norbert

P.S.: Für 'ne Pechblende finde ich Hugo's Stüfchen sogar noch recht attraktiv.  ;D





Titel: Re: Abschirmung von Pechblende - Bremsstrahlung?
Beitrag von: cmd.powell am 23 Aug 11, 02:45
Hi Norbert

Ich denke mal, mein von Dir zitierter Satz ist ansich schwer falsch zu verstehen und gibt auch keinen Anlass zu Streit o.ä.. Schaue ich mir die allgemeine (!) Berichterstattung im TV oder den anderen Medien an, so kommt beim durchschnittlichen Verbraucher (und Wähler) leider immer eine doch eher einseitige und wenig kritische Berichterstattung an. Besonders in Deutschland hat sich eine "Anti-Atom"-Haltung (so nennen sich die Verfechter ja selber) durchgesetzt und diese ist letztlich genau das Gegenteil von dem, was mein Namensvetter mit seinen Experimenten gemacht hat ! Stichwort Fukushima (aber auch jüngst die Shell-Havarie in der Nordsee): Als "Experten" werden fast nur noch Leute von Greenpeace zu Wort gelassen. Logisch, welche Botschaft die uns vermitteln. Lassen wir es mal außer acht, das Greenpeace ein Verein ist und letztlich von Spenden und Mitgliedern lebt (ein Schelm, der da Böses denkt im Zuge von Berichterstattung und Katastrophen), warum werden nur diese Meinungen geäußert ? Tag täglich hört man immer nur negatives bis extrem negatives von der Atomkraft, fragt man aber mal den Menschen auf der Straße, was er eigentlich von Atomkraft weiß, so ist man schockiert: Der normale Durchschnittsdeutsche hat nämlich exakt Null Ahnung von Atomkraft, Radioaktivität etc., weiß (!) aber, das es schlecht für ihn ist. Logisch, von Kindes an wird ihm ja auch aus allen Richtungen eingetrichtert, das es schlecht für ihn ist, alle bestätigen ihm das und warum sollte er von etwas anderem ausgehen !? Leider ist das letztlich extrem traurig, da zu einer Berichterstatung nunmal mehr gehört als die eigene Meinung (hier meist die Meinug des Reporters). Das Thema ist, wie Du schon richtig genannt hast, sehr komplex und sicherlich nicht ohne Irrtümer und Fehleinschätzungen. Allerdings bitte ich zu verstehen, das ich mit meinem Satz nicht auf kontroverse Meinungen unter den verschiedenen Wissenschaftlern verweisen will, sondern vielmehr die Bemühungen loben, mal das Thema wirklich zu verstehen bzw. sich überhaupt damit näher zu beschäftigen. Leider ist grade das bei dem Thema Atomkraft bzw. Radioaktivität eine große Ausnahme. Ok, hier im Forum vielleicht nicht ganz so sehr, aber hier tummelt sich auch eine etwas andere Klientele als auf der "Straße" (ich hoffe, das wird jetzt nicht negativ ausgelegt, so ist es nicht gemeint).

Grüße

Markus

P.S.: Achso, natürlich will ich nicht so verstanden sein, das es ungefährlich oder unproblematisch ist, radioaktive Minerale zu sammeln. Letztlich muß jeder selber entscheiden, ob er das macht oder nicht. Kurz: Ja, es gibt Risiken und Gefahr für Leib und Leben und ja, man kann es kontrollieren und die Risiken minimieren. Ein Geigerzähler kann ich aber jedem nur empfehlen, der sich entschließt, radioaktive Minerale zu sammeln ! Damit gewinnt man ein recht gute Übersicht über seine Stücke und die davon ausgehende Strahlenbelastung. Vorsicht ist niemals verkehrt, trotzdem: DON'T PANIK !
Titel: Re: Abschirmung von Pechblende - Bremsstrahlung?
Beitrag von: montanpark am 23 Aug 11, 10:21
.. dem schließe ich mich so ziemlich 100%ig an  8)

cheers
Roger

Hi Norbert

Ich denke mal, mein von Dir zitierter Satz ist ansich schwer falsch zu verstehen und gibt auch keinen Anlass zu Streit o.ä.. Schaue ich mir die allgemeine (!) Berichterstattung im TV oder den anderen Medien an, so kommt beim durchschnittlichen Verbraucher (und Wähler) leider immer eine doch eher einseitige und wenig kritische Berichterstattung an. Besonders in Deutschland hat sich eine "Anti-Atom"-Haltung (so nennen sich die Verfechter ja selber) durchgesetzt und diese ist letztlich genau das Gegenteil von dem, was mein Namensvetter mit seinen Experimenten gemacht hat ! Stichwort Fukushima (aber auch jüngst die Shell-Havarie in der Nordsee): Als "Experten" werden fast nur noch Leute von Greenpeace zu Wort gelassen. Logisch, welche Botschaft die uns vermitteln. Lassen wir es mal außer acht, das Greenpeace ein Verein ist und letztlich von Spenden und Mitgliedern lebt (ein Schelm, der da Böses denkt im Zuge von Berichterstattung und Katastrophen), warum werden nur diese Meinungen geäußert ? Tag täglich hört man immer nur negatives bis extrem negatives von der Atomkraft, fragt man aber mal den Menschen auf der Straße, was er eigentlich von Atomkraft weiß, so ist man schockiert: Der normale Durchschnittsdeutsche hat nämlich exakt Null Ahnung von Atomkraft, Radioaktivität etc., weiß (!) aber, das es schlecht für ihn ist. Logisch, von Kindes an wird ihm ja auch aus allen Richtungen eingetrichtert, das es schlecht für ihn ist, alle bestätigen ihm das und warum sollte er von etwas anderem ausgehen !? Leider ist das letztlich extrem traurig, da zu einer Berichterstatung nunmal mehr gehört als die eigene Meinung (hier meist die Meinug des Reporters). Das Thema ist, wie Du schon richtig genannt hast, sehr komplex und sicherlich nicht ohne Irrtümer und Fehleinschätzungen. Allerdings bitte ich zu verstehen, das ich mit meinem Satz nicht auf kontroverse Meinungen unter den verschiedenen Wissenschaftlern verweisen will, sondern vielmehr die Bemühungen loben, mal das Thema wirklich zu verstehen bzw. sich überhaupt damit näher zu beschäftigen. Leider ist grade das bei dem Thema Atomkraft bzw. Radioaktivität eine große Ausnahme. Ok, hier im Forum vielleicht nicht ganz so sehr, aber hier tummelt sich auch eine etwas andere Klientele als auf der "Straße" (ich hoffe, das wird jetzt nicht negativ ausgelegt, so ist es nicht gemeint).

Grüße

Markus

P.S.: Achso, natürlich will ich nicht so verstanden sein, das es ungefährlich oder unproblematisch ist, radioaktive Minerale zu sammeln. Letztlich muß jeder selber entscheiden, ob er das macht oder nicht. Kurz: Ja, es gibt Risiken und Gefahr für Leib und Leben und ja, man kann es kontrollieren und die Risiken minimieren. Ein Geigerzähler kann ich aber jedem nur empfehlen, der sich entschließt, radioaktive Minerale zu sammeln ! Damit gewinnt man ein recht gute Übersicht über seine Stücke und die davon ausgehende Strahlenbelastung. Vorsicht ist niemals verkehrt, trotzdem: DON'T PANIK !
Titel: Re: Abschirmung von Pechblende - Bremsstrahlung?
Beitrag von: Hugo am 04 Sep 11, 13:30
Moin!

Einen Streit wollte ich nicht heraufbeschwören, und ich sehe hier auch gar kein so großes Streitpotential. Jeder kann meinetwegen anders mit radioaktiven Stoffen umgehen als ich, und wenn jemand meint, Pechblende als Schmuck tragen zu müssen, bitteschön. (Beispiel: http://www.ebay.de/sch/i.html?_from=R40&_trksid=m570.l2736&_nkw=freakingcat+uraninite (http://www.ebay.de/sch/i.html?_from=R40&_trksid=m570.l2736&_nkw=freakingcat+uraninite) Ist das wirklich Uraninit? Angeblich "weak radioactive"...) [Falls der Link nicht funktioniert: bei Ebay "Freakingcat" und Uraninite" eingeben]
Andersherum ist es mir auch egal, wenn jemand meine Vorsichtsmaßnahmen für übertrieben hält. Ich gehe so mit radioaktiven Mineralien um, wie ich es für richtig halte, und das kann auch jeder andere tun. Divergierende Ansichten finde ich bei diesem Thema wenig überraschend, und ein Austausch von Meinungen muß nicht auf einen Streit hinauslaufen.

Norbert, Du hast mehrfach die unterschiedliche Handhabung von Biologen und Geowissenschaftlern angesprochen. Um Dich richtig zu verstehen, wollte ich nachfragen, inwiefern sich der Umgang in den beiden Disziplinen unterscheidet. Herrscht Deiner Ansicht nach unter Biologen eine größere Vorsicht vor? So habe ich Deine Andeutungen jedenfalls aufgefaßt.

Interessant fand ich auch den Hinweis von Commander Powell, daß an der Uni Hannover Pechblendestufen entsorgt wurden. Dem kann ich hinzufügen, daß das nicht nur in Hannover so gehandhabt wurde. Der Strahlenschutzbeauftragte der Bremer Uni berichtete mir, daß auch aus der hiesigen geowissenschaftlichen Sammlung sämtliche Pechblendestufen entfernt wurden. Geärgert habe ich mich darüber allerdings nicht, ich hätte die Brocken nicht haben wollen - ohne zu wissen, um welche Mengen es hier ging.

Gruß,
Markus
Titel: Re: Abschirmung von Pechblende - Bremsstrahlung?
Beitrag von: Embarak am 05 Sep 11, 23:59
Hallo
Herrscht Deiner Ansicht nach unter Biologen eine größere Vorsicht vor? So habe ich Deine Andeutungen jedenfalls aufgefaßt.
Das ist zumindest mein ganz persönlicher Eindruck. Der unterschiedliche Umgang könnte daran liegen, daß Sammler radioaktive Materialien
als Bestandteil einer natürlichen Umgebung betrachten, während die Bio-Fraktion den Umgang mit Radioaktivität eher als potentielle Gefahr ansehen,
der mit strengen Kontroll- und Sicherheitsvorkehrungen begegnet werden muss.
Inkorporation/Inhalation/Strahlenexposition muss um jeden Preis vermieden werden.
Diese Maßnahmen hinterlassen ihre Spuren - auch bei mir.
So muss jeder, der mit freien Isotopen arbeiten will, beim Betreten und Verlassen durch eine Schleuse mit Handflächenzähler.
Bevor es los geht, wird der Arbeitsbereich gründlich gemessen, um Kontamination durch den Vorgänger auszuschließen.
Spätenstens jetzt hat man verinnerlicht, daß man in einem Sicherheitsbereich arbeitet.  ;)

Während des Arbeitens wird peinlich darauf geachtet, welches Papiertuch, welcher Puffer kontaminiert und damit als Sondermüll gesammelt werden muss.
Die Isotope sind im Gegensatz zu Mineralien in wässriger Lösung. Ein unbedachter Spritzer auf dem Tisch oder Boden, und schon kann man mit Handschuhen oder Schuhen im Handumdrehen einen ganzen Raum kontaminieren. Im günstigsten Fall entdeckt man das bei der Endkontrolle selbst. Dann ist man länger mit Dekontamination beschäftigt.
Entdeckt es erst der Nachfolger, hat man ein Problem....
Man ist beim Arbeiten durch eine Plexiglasplatte abgeschirmt, die Proben - übrigens fast alles Betastrahler mit HWZ von nur Monaten - sind abgeschirmt.
Alles gekennzeichnet. Der Abklingraum bleiverkleidet. Am Kittel hängt ein Filmdosimeter. Handschuhe sind Pflicht.
Um all die vielen Sicherheitsbestimmungen nicht zu vergessen, bekommt jeder einmal im Jahr die gesetzlich vorgeschriebene Strahlenschutzbelehrung über
Strahlenarten, Messungen, Bremsstrahlung, Probenverwahrung,Entsorgung etc., eine sehr beliebte Veranstaltung...  8)

Ich hatte meinen Kollegen mal wegen der Fluoreszenz einige Uranglimmer mitgebracht. Als sie erfuhren, was es ist, sind fast alle unwillkürlich
ein paar Schritte zurückgegangen, den UV-Effekt fanden sie dann aber doch gut !

Es ist sicher verständlich, daß ich einen Teil dieser hier nur kurz umrissenen Arbeitsbedingungen mit nach Hause nehme und
beim Umgang und Lagerung von radioaktiven Mineralien nicht alles über Bord werfen kann.

Nun sind im Hobby-Keller nicht so viel Leute zugange, daß ein solcher Aufwand wie oben gerechtfertigt wäre.
Auf der anderen Seite haben die kleinen Krümelchen und Stäube auf dem Tisch oder Boden eine höhere HWZ.
Kleine Unachtsamkeiten im handling entdeckt man leichter, wenn man Bedingungen wie oben schon kennt.
Da es verschiedene Arten von Zählkammern gibt und ich nicht weiss, was für ein Strahlengemisch vorliegt und wie sensitiv das Gerät ist,
vertraue ich auch nicht mehr blind jeder Anzeige.

Natürlich fällt mir dann beim Museumsbesuch auf, daß bei radioaktiven Mineralien Kennzeichnung und Abschirmung fehlen.
Auch werden häufig Reichweiten von Strahlungsarten unabhängig von ihrer Energie in cm angegeben. Stimmt so nicht.
Wer benutzt schon Handschuhe oder Papierunterlagen? Jousie-Dosen als maximaler Schutz?
Sammler oder andere Berufsgruppen scheinen geringere Sicherheitsstandards zu haben.

Durch das crossover von Hobby und Job  musste ich zwangsläufig über die Widersprüche stolpern.
Ich möchte das hier auch nicht werten, aber wenigstens mal kurz beschreiben, um die Frage zu beantworten.
Zum Schluß noch ein Schnappschuss von so einem Arbeitsplatz.

Gruß
Norbert





Titel: Re: Abschirmung von Pechblende - Bremsstrahlung?
Beitrag von: Josef 84,55 am 06 Sep 11, 14:21
"Wer benutzt schon Handschuhe oder Papierunterlagen? "
Ich tue das, wenn ich mit "heißem" Material wie Pechblende mit Sekundärmineralien arbeite. Ich lege einfach eine nasse Zeitung unter's Mikroskop und beim pressen kommt auch Zeitung um das Stück.
Gelagert werden die Stücke wenn es geht gedost im Heizungskeller (kein Aufenthaltsraum und gut belüftet) ohne besondere Schirmung.

Grüße Josef