Mineralienatlas - Fossilienatlas
Gesteine / Rocks / Rocas => Vulkane, Erdbeben, Tektonik / Volcanos, Earthquakes, Tectonics => Thema gestartet von: Darwin am 12 Sep 11, 13:08
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Hi,
ich habe mal eine Frage...wie ist die Fränkische Linie im Frankenwald/Fichtelgebierge entstanden?
Ist dies auch ein Ergebnis der varisztischen Orogenese oder ist sie viel jünger bzw älter?
LG
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Ich bin mit der Gegend nicht so vertraut, aber es ist eine Verwerfung, keine Falte, und jünger als die Gesteine der nordöstlich gelegenen Scholle.
Im Buch "Einführung in die Geologie Deutschlands" von Dierck Henningsen und Gerhard Katzung, 2006 findet sich u.a. folgende Information:
"An dieser Verwerfung ist das Grundgebirge vor allem in der jüngeren Kreidezeit z.T. mehr als 1000m hoch herausgehoben und das Deckgebirge teilweise flexurförmig angeschleppt, so dass bei Erbendorf östlich Bayreuth Sedimente des Rotliegenden zutage treten."
Ob es für die Bildung einen "konkreten Anlass" gab, weiss ich nicht, aber die variszischen Grundgebirge bilden ja eine ganz allgemein herausgehobene Schollen.
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Hallo,
die Heraushebung des Grundgebirges steht im Zusammenhang mit der Alpenauffaltung und ist spätkreidezeitlich bis alttertiär. Dabei wurden auch bereits variszisch angelegte Störungssysteme reaktiviert, was den Verlauf der Fränkischen Linie beeinflusste.
Gruß,
Rainer
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Hallo,
nun ich sitze hier in Weiden fast genau auf der Fränkischen Linie. ;) Die FL ist ein große Störung, die bereits variskisch angelegt war (älter vermutlich nicht). Im späten Mesozoikum (TANNER et al, 1998, Peterek 2001) oder/und nach anderen Angaben im Neogen wurde diese Sörung reaktiviert. Richtig, vertikale Sprunghöhe von ca 1000 Meter bei Wirsberg-Bad Berneck, ca. 2300 Meter bei Weiden. Wichtig erscheint mir noch zu erwähnen, dass sich in der FL das Grundgebirge (östlich mit Saxothuringikum, Modanubikum) über das mesozoische Vorland im Westen geschoben hat. Die FL fällt mit 35° bei Altenparkstein nach NO ein (DILL 1990, DILL & WEBER 2010). Ähnliche Angaben mit 50° nach NO bei Döltsch beschreibt STETTNER 1992. Dieser Umstand führte dazu, dass die FL in der KTB (Kontinentalen Tiefbohrung bei Windischeschenbach) durchbohrt wurde.
Ich vermute dass das "flexurförmige anschleppen" (bei der Überschiebung) noch Diskussionsbedarf hat.
Gruß
Berthold
Literatur
DILL, H. G. (1990) Die Beckenentwicklung im Permokarbon und der Oberkreide zwischen Parkstein und Erbendorf (Oberpfalz / NE Bayern): Im Vergleich. - Erlanger Geologische Abhandlungen, 118: 1-42
DILL, H.G., WEBER, B. (2010) Von der Kreide ins Grundgebirge – Eine geologisch-lagerstättenkundliche Exkursion durch die nördliche Oberpfalz im Umfeld der „Fränkischen Linie“.- Der Aufschluss 61: (Heft 5/5), S. 299-320
Peterek, A., (2001) Zur geomorphologischen und morphotektonischen Entwicklung des Fichtelgebirges und seines unmittelbaren Rahmens, Geol. Bl. NO-Bayern, 51, 37-106
STETTNER, G. (1992) Geologie im Umfeld der Kontinentalen Tiefbohrung Oberpfalz, Bayer. Geol. Landesamt (GLA), München
Tanner, D.C., Behrmann, J.H., Oncken, O., und Weber, K., (1998) Three-dimensional retro-modelling of transpression on a linked fault system: the Upper Cretaceous deformation on the western border of the Bohemian Massif, Germany, in Continental Transpressional and Transtensional Tectonics, eds. Holdsworth, R.E., Strachan, R.A. und Dewey, J.F., Geological Society, London, Special Publications, 135, 275-287
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Hallo,
da habe ich von meiner Frühjahresexkursion 2011 ein paar Bilder von dieser Linie. So zum Bsp. bei Altenparkstein in einem Wasserriß wo Grundgebirge über Kreide zu sehen ist. Leider ist das Gebiet sehr unzugänglich und es finden sich vor Ort auch keine Hinweise auf diese interessante Lokalität. Ich muss auch noch einmal genauer schauen ob das der Ort Altenparkstein oben war.
Gruß Conny
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Hallo,
noch einmal zu diesem Aufschluss: der Ort oben heißt Kirchendemenreuth an der B22. Unten ist dann Altenparkstein. Da sind zwei Wasserrisse die zusammenführen. Im linken ist dann der Aufschluss, eine kleine Steilstufe, ein kleiner Wasserfall. Ich nehme an es handelt sich dabei um die Fränkische Linie, die wohl nur an dieser Stelle so direkt zu sehen sein soll. Während meiner mineralogischen Exkursionen lege ich auch immer mal einen Geologietag ein. Da war schon beeindruckend. Ich würde dort ein Geotop einrichten !
Literatur:
STETTNER, G. (1992) Geologie im Umfeld der Kontinentalen Tiefbohrung Oberpfalz, Bayer. Geol. Landesamt (GLA), München, S.148-150 (Aufschluss 65)
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Hallo Conny,
Das war schon beeindruckend. Ich würde dort ein Geotop einrichten !
Habe ich auch schon mal angedacht. Man müsste wegetechnisch was machen, den Aufschluss offen halten und eine Tafel aufstellen. Für die ersten zwei Punkte habe ich bislang leider niemand begeistern können.
Gruß
Berthold
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Hi,
nächste Frage ;)
Im Gebiet um Marktrohdach und Seibelsdorf findet man nur die Schichten der Trias.
Bei Seibelsdorf findet man von der FL (Richtung Süden) folgende Schichten....wobei ich mir aber bei der Stratigraphie nicht sicher bin
Lettenkeuper, Keupersandstein, Grenzdolomit und zum Schluss MuKa....Lettenkeuper ist also hier die jüngste Schicht...oder ist es (wie ich zb aus der stratigraphischen Tabelle von Dtl 2002 gesehen hab) Keupersandstein, Lettenkeuper, Grenzdolomit und Muka...also hier ist der Sandstein die jüngste Schicht
Was ist nun die richtige Reinfolge?
Je nachdem, welche es ist, muss man ja ne andere Entstehungsgeschichte nehmen (ich rede jetzt vom Lettenkeuper)
Ich glaube mich zu erinnern, dass mir gesagt wurde, dass der Lettenkeuper durch Störungen entstanden ist, er entstand also so, dass der Sandstein durch mechanische Vorgänge, die halt Störungen ausmachen, "aufgerieben" wurde (Kakirite?)
Dann wäre ja der Lettenkeuper die jüngste Schicht, aber dies würde zb nicht mehr mit der stratigraphischen Tabelle passen.
Was ist denn nun die richtige Stratigraphie und wie ist dieser Lettenkeuper dann entstanden?
Wer kann helfen :-\
LG
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Hallo Gordon,
Ohne jetzt Profile von Marktrodach/Seibelsdorf zur Hand zu haben, würde ich sagen, Du liest die Stratigraphie falsch. Oder durch Abschiebungen ist eine Scholle mit Lettenkeuper als oberster Schicht tiefer gelangt als der anstehende Keupersandstein.
Ich glaube mich zu erinnern, dass mir gesagt wurde, dass der Lettenkeuper durch Störungen entstanden ist
Mitnichten. Der Lettenkeuper ist eine Abfolge mariner, fluviatiler, limnischer und terrestrischer Sedimente, nicht mehr und nicht weniger.
Gruß,
Rainer
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Hi,
ok, dann wird wohl die Stratigraphie Sandstein-Lettenkeuper-Grenzdolomit und MuKa sein
Ein genaues Profil find ich nirgends, d.h ich habe die passende Literatur nicht...:(
Ok, dann machen meine Gedankengänge doch Sinn, wie ich mir die Entstehung von Lettenkeuper vorstelle :)
Danke und LG