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Mineralien / Minerals / Minerales => Mineralien (Fundort) bestimmen / determine minerals => Thema gestartet von: cmd.powell am 13 Oct 11, 02:50
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Hallo Zusammen
Ich habe mir letzten Sonntag mal so eine kleine Quarzdruse aus Marokko zugelegt, die sieht man in der letzten Zeit häufiger auf den Börsen. Allerdings steht da als Fundort immer nur "Marokko". Kennt hier vielleicht jemand den genauen Fundort ? Ich hab schonmal etwas gegoogelt und auch bei mindat nachgeforscht und bin auf die Phosphatlagerstätte Bou Craa (http://www.mindat.org/loc-159597.html) gestoßen, die abgebildeten Bilder der Quarzdrusen kommen meiner schon recht nahe. Wenn die wirklich aus Bou Craa kommen ist dann Marokko überhaupt richtig ? Genau genommen liegt Bou Craa in West Sahara und Marokko hält das entsprechende Gebiet nur besetzt. Solange das der Fall ist, Fail State hin oder her, wäre Marokko als Land falsch, oder gibt es noch andere Fundorte für diese Drusen ?
Grüße
Markus
P.S.: Foto reiche ich nacher nach...
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Hallo Markus
in Marokko gibt es unzählige Fundstellen dieser kleinen Quarzdrusen. Es wäre also hilfreich, wenn Du ein Foto reinstellst, möglichst, wo man die Oberfläche der Druse gut erkennen kann. Dann werden wir dem Fundort näher kommen.
Gruß
collector
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So, hier mal das versprochene Foto:
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Hallo Markus
Erst mal Ja:
In der riesigen Phosphatlagerstte Bou Kraa bei El Aijun (Laayoun) in der ehemaligen „Spanischen Sahara“ kamen während der Erschließungsarbeiten, etwa zwischen 1972 und 1978, viele Quarzknollen, wie die von Dir abgebildete, aus der oberflächlichen silikatischen Decke der Lagerstätte. Nachdem diese Decke jedoch abgetragen wurde, um an die Phosphoritschichten zu gelangen, wurden Quarzstufen aus El Aijun immer seltener.
Ein sehr guter Freund, ein spanischer Bergbauingenieur, hat mir schon 1975 wunderschöne Geoden, gefüllt mit klaren etwas stalaktitischen Quarzkristallen, sowie auch sehr schöne Calcitgeoden mitgebracht.
Obwohl ich seit nunmehr etwa 30 Jahren intensiv Marokko „befahre“ und die Mineralienszene eigentlich ganz gut kenne, habe ich seit vielen, vielen Jahren kein authentisches Material mehr aus Bou Kraa gesehen. Es kann natürlich sein, dass Du eine Stufe aus einem älteren Fund erworben hast, aber das ist, wegen der Ähnlichkeit und Charakteristika mit anderen marokkanischen Quarzknollen, kaum oder nicht beweisbar.
Aber: Zwischen 2005 und 2009 (Ende ca. 2010) wurde zwischen Essaouira und Marrakech eine neue Schnellstraße gebaut. Zwischen den Städtchen Chichaoua und Sidi Moktar, etwa 25 km W von Chichaoua, nächste Gemarkung ist „El Hbabra“, stand dem Straßenbau ein ca. 70 m hoher und am Fuß ca. 800 m breiter Berg im Wege, welcher komplett aus weißen kalkigen Sedimenten und aus Quarzknollen bestand. Der gesamte Berg wurde abgetragen und als Böschungs-Unterbau für die neue Straße verwendet.
Bis 2008 konnte man an den Berg ranfahren und in einer Stunde tausend Quarzknollen aus dem lockeren Gestein rausklopfen; seit 2009 ist der Berg verschwunden, aber es gibt immer noch sehr reiche Halden und einfach stehengelassener Abraum, gespickt mit diesen Quarzknollen, bis in Kopfgröße. Gesäubert in situ, mit einer Flasche wertvollem Mineralwasser in der trostlosen Wüste, kommt die Oberflächenstruktur der an Chalcedon erinnernden Quarzknollen deutlich zum Vorschein (siehe Foto).
Ich war vor einigen Monaten wieder an der Fundstelle. Es gibt immer noch jede Menge Material und ich habe dieses auch bei einigen marokkanischen Händlern gesehen. Wie üblich, wusste natürlich keiner der Händler, woher genau diese Knollen stammen, ergo Fundortangabe „Marokko“.
Du kannst das Vorkommen gut auf google-earth sehen, wenn Du auf Chichaoua klickst und dann langsam die N8-Straße nach links, Richtung Essaouira (im Westen) gehst. Dann kommst Du auf einen großen weißen Fleck ober- und unterhalb der Straße. That’s it.
Ich schlage Dir als Fundortangabe vor:
*Quarz: El Hbabra, Provinz. Chichaoua, Region Marrakech-Tensift-El Haouz, Marokko.
Ich hoffe, ich konnte Dir helfen. Die anhängenden Fotos zeigen den Rest des Berges im Jahr 2009 und eine typische gesäuberte Quarzgeode (ungeöffnet).
Gruß
Peter Seroka aka collector
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Hi Peter
Erstmal Danke für Deine ausführliche Beschreibung. Ich bin mir aber nicht ganz sicher, ob Dein vorgeschlagener Fundort passt, da ich bei mir nicht die beschriebene, chalcedonähnliche Oberfläche habe. Ich hab den Knödel gereinigt und die hellbraune Schicht geht definitiv nicht oder nur extrem schwer ab, von anhaftenen Sand (?) mal abgesehen. Dein Stück schaut ja recht blank aus. Ok, keine Ahnung, ob das ein Kriterium ist, aber das beige Zeugs ist extrem feinkörnig und teilweise mit dem Drusenmaterial verwachsen. Die eigentliche Oberfläche erinnert zwar schon an Chalcedon, nur wird sie nicht "blank" beim Putzen. Der Händler, von dem ich die Stufe habe, hat die Teile zu Schleuderpreisen unter das Volk gestreut und meinte, er hätte noch mehrere Zentner (!!) davon auf Lager - das würde wiederum für Deinen Fundort sprechen, da ich bezweifle, das der Mann zentnerweise Quarzgeoden hortet, nur um sie dann nach 30 Jahren quasi zu verschenken. Vielleicht hilft eine genauere Größenangabe weiter, da ich mit der Bezeichnung "kleine Quarzdruse" etwas tiefgestapelt habe: Größter auf dem Bild sichtbarer Durchmesser ist ca. 40 cm, Gewicht (beide Hälften = komplette Geode) ca. 50 kg - passt nicht mehr ganz zu "bis Kopfgröße".
Grüße
Markus
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Hallo Markus
wir hatten dieses Thema ja schon mal diskutiert http://www.mineralienatlas.de/forum/index.php?topic=26775.0 (http://www.mineralienatlas.de/forum/index.php?topic=26775.0) , ist aber nichts weiter bei rausgekommen. Trotz mehr 1.800 klicks.
Ich wollte Dir nur eine Alternative aufzeigen, da ich - bis auf wenige Ausnahmen von Stufen aus der Vergangenheit - seit vielen Jahren keine Geoden mehr aus Bou Craa gesehen habe. Auch in mindat gibts zwar den portugiesischen Sammler Martins da Pedra mit einigen Stufen, aber auch das ist nicht garantiert, da dieser Sammler auch tauscht und kauft.
Was die Größe angeht, da bin ich bei der von mir beschriebenen Fundstelle überfragt; ich war zwar schon einige Male da, da ich aber weder Quarzsammler noch Händler bin, war ich immer mit einigen kleineren Stücken zufrieden. Könnte es denn nicht sein, dass Dein Händler Zeit und Arbeit aufgewendet hat und dass es auch an meiner Fundstelle richtig große Geoden gibt ?
Und was die Oberfläche angeht: Sicher, auch an meiner Funmdstelle gibts Unmengen Geoden mit einer nicht lösbaren Schicht von kalkig-sandigem Material, was nur durch mechanische Reinigung abgeht, aber nicht, wie bei der Stufe auf meinem Foto, nur mit Wasser. Selbstverständlich habe ich, da es ja eine große Auswahl gibt, nur saubere Knollen gesucht, welche nicht mit einer Silikatschicht bedeckt waren.
Wie gesagt - es gibt wohl kaum eine Möglichkeit, den genauen Fundort festzulegen. Ich kenne noch mindestens 3 weitere Vorkommen, wo es auch solche Knollen und Geoden voll mit Quarz in großen Mengen gibt; man muss nur hinfahren und einsammeln.
Fazit: Schreib Dir ein Etikett mit der Dir am wahrscheinlichsten Fundstelle - mehr als falsch kann es nicht sein.
Besten Gruß
collector
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Hallo Markus,
das Marokko-Fundstellenbuch aus dem Bode-Verlag bestätigt Peters Angaben, dass diese Quarzdrusen aus Phosphatlagerstätten stammen. Zudem wird der Fundort "Khouribga" (ca. 140km SW von Casablanca) genannt und eine dünnwandige Druse, welche große Ähnlichkeit zu deinem Stück zeigt, ist abgebildet.
Besten Gruß,
Stefan
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@collector: Sein kann erstmal alles, wenn man es nicht weiß ;) Ich wollte mit meiner Rückfrage nur evtl. Toleranzen abklopfen. Es mag ja vielleicht sogar sein, das die wirklich großen Geoden schon von Händlern abtransportiert wurden und Du in Folge dessen keine solch Großen mehr gefunden hast. Alles im allem halten wir mal fest, das "Dein" Fundort in Frage kommt und auch nicht unwahrscheinlich ist. Wo sie letztlich her kommt, weiß wahrscheinlich nur die Geode selbst - und die ist leider nicht sehr gesprächig (vielleicht auch gut so, man will sich den Lärmpegel in einer größeren Sammlung ja gar nicht vorstellen...).
Auf jeden Fall vielen Dank für die Hinweise, auch den von Stefan.
Grüße
Markus