Mineralienatlas - Fossilienatlas
Gesteine / Rocks / Rocas => Geschiebe / Glacial erratic => Thema gestartet von: Matthias am 21 Oct 11, 14:03
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Hallo,
anbei Bilder von vier Geschieben, alle nördlich von Sassnitz auf Rügen (01/2010) von
mir gefunden und anfängermäßig bestimmt (mittels Büchern von SMED, VINX). Eine
Überprüfung und auch Ergänzung der "?? ?" wäre super!
Danke!
Angaben:
* Strandgeschiebe
* Fundort: nördlich Sassnitz/Rügen ("Kreideküste")
* Funddatum: 01/2010
Gruß
Matthias
* Nummer 1
* Breite: ca. 6cm
* Bestimmung: Granitporphyr, speziell Ringquarzporphyr
* Herkunft: Südaland???
* Besonderheiten/Aufbau: rote Kalifeldspäte gefärbt wie Grundmasse, Ring aus Hornblende??? um Quarzkörner
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* Nummer 2
* Breite: ca. 5cm
* Bestimmung: Amphibolit ohne Grante
* Herkunft: nicht bestimmbar???
* Besonderheiten/Aufbau: Quarz, Hornblende als Amphibol, Biotit??? (metallisch glänzend)
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* Nummer 3
* Breite: ca. 11cm
* Bestimmung: Basalt/Andesit mit Plagioklaseinsprenglingen??? (phorphyrisches Gefüge)
* Herkunft: ?? ?
* Besonderheiten/Aufbau: Magnet bleibt haften
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* Nummer 4
* Breite: ca. 7cm
* Bestimmung: Granat-Amphibolit???
* Herkunft: nicht bestimmbar???
* Besonderheiten/Aufbau: Grante = immer Almandin in Amphiboliten???, wenig Quarz
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Hallo Matthias,
1 ist def. ein Aland-Granit (Die Bezeichnung Ringquarz-Porphyr oder Granit-Porphyr ist aber auch richtig) Als Anstehendes kommt m. E. Mariehamn in Frage)
3 geht in Richtung Öje-Diabas (allerdings nicht ganz typisch, evtl. Randbereich)
4 würde ich auch als Granatamphibolit einschätzen. Ein Anstehendes lässt sich bei dem Stück glaube ich nicht eruieren.
Glück Auf!
Jörg
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Hallo,
2. dürfte ein Biotitgranit sein.
Glück Auf!
Smoeller
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Hallo,
danke für die Mithilfe bei der Bestimmung.
Ist es eigentlich richtig, wie ich oben geschrieben habe, dass der Granat in Amphiboliten immer Almandin ist?
Oder kann es irgendeiner aus der Gruppe sein? Ich habe irgendwie noch nichts über die "Bildungsvorschriften"
von bestimmten Grananten in der methamorphen Fazies herauslesen können...
Gruß
Matthias
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Hallo Matthias,
das siehst Du richtig. Granate in Granatamphiboliten sind immer Almandine.
Habe einen recht aktuellen Link dazu angehängt, einschl. Diskussion über seine Herkunft:
http://www.kristalline-geschiebe.de/granat.htm (http://www.kristalline-geschiebe.de/granat.htm)
Glück Auf!
Jörg
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Hallo,
Granate sind immer Mischungen verschiedener Endglieder. Habe aber hunderte Analysen an Granaten basischer Gesteine aus Süditalien gemacht (für meine Diplomarbeit) und da war nicht einer dabei, bei dem nicht die Almandinkomponente überwog (meist 55-80 %). Der überwiegende Anteil des Restes ist Pyrop, dann noch etwas Grossular und untergeordnet Spessartin. Mit steigender Temperatur steigt meist der Pyropanteil, mit steigendem Druck der Grossularanteil. Das Eisen-Magnesiumverhältnis in Granat und damit im Gleichgewicht stehender Pyroxene oder Biotite kann als Thermometer benutzt werden. In Amphiboliten überwiegt in der Regel der Almandinanteil.
Glück Auf!
Smoeller
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Hallo,
grundsätzlich kann ich mich den Einschätzungen meiner Vorredner nur anschließen. Allerdings würde ich, obwohl von den Aland-Inseln eine Vielzahl von Gesteinstypen mit zahlreichen Übergängen zwischen den einzelnen Typen bekannt sind, für das Gestein in Bild Nr. 1856 aufgrund der feinkörniger Grundmasse die Bezeichnung "Aland-Granitporphyr" bevorzugen wollen ("typischer" Aland-Granit weist doch einen etwas abweichenden Aufbau auf). Zandstra bezeichnet das Gestein als "Granitporphyr mit dunkel umringtem Quarz" und Smed/Ehlers - wie schon in diesem Thread erwähnt wurde - als "Ringquarz-Porphyr" (daran schließt sich auch Rudolph an). Bei Bräunlich heißt das Gestein neutral "Aland-Granitporphyr".
Viele Grüße
Sprotte
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Hallo Matthias,
sind beim Geschiebe Nr. 1856 vielleicht ein oder mehrere grünliche Plagioklas-Einsprenglinge erkennbar?
Viele Grüße
Sprotte
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Hallo,
vielen Dank für die Aufklärung über die Granatbildungen und den interessanten Link.
Vorhandensein von grünlichen Plagioklas-Einsprenglinge muss ich noch prüfen.
In Zusammenfassung aller Antworten habe ich die vier Geschiebe jetzt wie folgt benannt:
1 Aland-Granitporphyr, speziell Ringquarzporphyr
2 Biotit-Granit
3 Öje-Diabas, untypisch (phorphyrisches Gefüge mit sehr kleinen Plagioklaseinsprenglingen)
4 Granat-Amphibolit
Wenn wir nun aber schon beim Thema Ovoid-Gefüge sind (oder?) möchte ich gern einen weiteren
(frisch gefundenen) Stein zur Diskussion stellen (2 Bilder).
Angaben:
* Nummer 5
* Strandgeschiebe
* Fundort: nördlich Drewoldke/Rügen
* Funddatum: 10/2011
* Breite: ca. 7cm
* Bestimmung: Rapakiwi-Granit, Wyborgit???
* Herkunft: Aland oder Wyborg-Region???
* Besonderheiten/Aufbau: große Alkalifeldspateinsprenglinge mit Saum aus Plagioklas, Quarz, "dunkles" Mineral (Glimmer/Biotit???), MAGNETISCH
Gruß
Matthias
Bild 1:
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Bild 2:
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Hallo,
Das letzte ist ein typischer Rapakivi-Granit von Aland.
Glück Auf!
Smoeller
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Hallo Sprotte,
ich möchte noch etwas zu den Bildern vom 21.10. anführen:
("typischer" Aland-Granit weist doch einen etwas abweichenden Aufbau auf).
Nee, eben nicht. Die bekannten Rapakivis und Porphyre machen nur etwa einen Anteil von ca. 30% der Aland-Gesteine aus. Der Rest sind "normale" Granite. Ich will den angeführten Namensgebern gar nicht widersprechen, das Gestein wird in der Literatur zwar als Aland-Granitporphyr oder Ringquarz-Porphyr bezeichnet, er ist und bleibt aber ein Granit. Die Namensgebung hat nicht immer etwas mit dem tatsächlichen Gestein zu tun. D.h., wenn er im Schrank ein Schild mit Ringquarz-Porphyr umhängen hat, ist das ja keineswegs falsch, und es ist der wissenschaftlich festgelegte Name. Ich wollte nur richtigstellen, dass er nicht den Porphyren zugerechnet werden soll, sondern den Graniten.
Weiterhin gute Funde und Glück Auf!
Jörg
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Hallo Jörg,
du hast natürlich recht: Die Bezeichnung "Granitporphyr" kann irreführend sein, da sie ein Vulkanit suggeriert. Besser wäre es aus meiner Sicht Granite mit feinkörniger Grundmasse und großen Einsprenglingen prinzipiell als "porphyrische Granite" und nicht als Granitporphyre zu bezeichnen. Mir ging es lediglich um die Abgrenzung von +/- gleichkörnigen Aland-Graniten von porphyrischen Varianten.
Viele Grüße
Sprotte
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Hallo Sprotte,
Besser wäre es aus meiner Sicht Granite mit feinkörniger Grundmasse und großen Einsprenglingen prinzipiell als "porphyrische Granite" und nicht als Granitporphyre zu bezeichnen.
Dein Vorschlag trifft das Problem exakt! Eine Namensgebung wie von Dir vorgeschlagen, wäre auch meines Erachtens weniger irreführend.
Glück Auf!
Jörg
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Hallo,
drei Sachen vielleicht noch:
1) Danke für die kleine Diskussion der letzten Beiträge. Ich hatte mit "Aland-Granitporphyr, Ringquarzporphyr" jetzt zwar die richtige Benennung im
Verzeichnis, aber die Abteilung war mit "Magmatit -> Vulkanit" noch falsch. Werde das nun zu "Magmatit -> Plutonit" stellen (eben mit porphyrischem
Gefüge). Das Problem dabei ist auch, dass er im SMED auch unter den Porphyren steht und somit leicht automatisch zu den Vulkaniten "rutscht".
2) Ich habe gestern im gleichen Gestein nochmal nach "ein oder mehreren grünlichen Plagioklas-Einsprenglingen" gesucht aber nichts gefunden. Was
würde ich daraus erfahren (Sprotte)?
3) Danke für die Bestätigung der Benennung des Rapakivi-Granit von Aland. Dazu vielleicht auch noch eine Frage. Ist mit dem Begriff "Wyborgit" nur
ein Typus (Alkalifeldspat mit Plagioklassaum) oder Typus UND Lokalität (Alkalifeldspat mit Plagioklassaum aus der Region um Wyborg) verbunden?
(((Dazu fehlt vielleicht was im Lexikon?)))
Gruß und Danke für die Erleuchtungen
Matthias
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1. Granitporphyr = Ganggestein (alt)/ Protovulkanit (neu), also weder ein Plutonit noch ein Vulkanit.
2. aufschlagen.
3. VORMA 1971 Alkali feldspars of the Wiborg rapakivi massif in SE Finland
SIMONEN & VORMA 1969 Amphibole and biotite from rapakivi
VORMA & PAASIVIRTA 1979 Contribution to the mineralogy of rapakivi granites I. Zircon of the Laitila rapakivi, SW Finland
VORMA 1975 On the roof pendants in the Wiborg rapakivi massif, SE Finland
VORMA 1976 On the petrochemistry of rapakivi granites with special reference to the Laitila massif, SW Finland
VORMA 1972 On the contact aureole of the Wiborg rapakivi massif in SE Finland
TAPANI RÄML 1991 Petrogenesis of the Proterozoic rapakivi granites and related basic rocks of SE Fennoscandia: Nd and Pb isotopic and general geochemic constrains
PS: warum eigentlich Aland, noch niemand auf den Rödöinseln gewesen?
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Hallo,
warum eigentlich Aland, noch niemand auf den Rödöinseln gewesen?
Weil die Quarze in den Rödö`s nicht so zoniert sind.
Glück Auf!
Jörg
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@Breker:
zu 1) aha, ok.
zu 2) es liegt kein zettel drin, auf dem steht was ich draus erfahren würde.
zu 3) nun ja, hmmm
Gruß
Matthias
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@ Jörg: die dunklen Ränder kommen von "verspeisten" mafischen Gesteinen. Bei Aland sind es Basalte, bei Rödö halt mitunter Metasedimente mit hohem mafischen Anteil.
Was es jedoch bei Aland nie (!) gibt sind helle Quarze, weder die er ersten noch die der 2. Generation.
@ Matthias: Steine sind Bücher, man muß sie nur aufschlagen. ;D Zettel sind blos Lesezeichen, damit man weiß wo man war....
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@ Breker
Wer behauptet, dass im Aland-QP helle Quarze stecken sollten? - Kann ich nicht finden. Die werden bei dem gezeigten Fund schon eine diesbezügliche Farbe aufweisen. Aber: Für Aland ganz typisch sind die korrodierten Oberflächen der Quarze, die an zerbrochene Fensterscheiben erinnern und diese auf der Gesteinsoberfläche sehr hell erscheinen lassen, wie das Foto zeigt.
Wie in diesem Forum üblich, dem guten Ton und der Höflichkeit halber:
Glück Auf!
Jörg
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Hallo,
bzgl. der Einordnung Aland oder Rödö geben ich zu bedenken, dass es sich um ein Geschiebe handelt, das am Strand gefunden wurde ("Fundort: nördlich Sassnitz/Rügen (Kreideküste)"). Strandsteine schlagen infolge des Wellenschlages aneinander, wodurch die Quarze "zertrümmert" werden, und als Folge der Lichtstreuung an den zahlreiche inneren Rissen hell erscheinen (egal ob sie nun im Innern dunkel oder hell sind). Weiterhin sind mir bisher Gesteine von Rödö mit derartig zonierten Quarzen (wie Jörg bereit bemerkt hat) noch nicht untergekommen - ich lass mich aber gern eines Besseren belehren. Außerdem sind Geschiebe von Rödö um Größenordnungen seltener als Geschiebe von Aland (was aber natürlich nicht heißen soll, dass damit alle vergleichbaren Gesteine automatisch Aland zuzuordnen wären).
Viele Grüße
Sprotte
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Hallo Jörg,
ich hatte auch gerade geschrieben, als du geantwortest hast (ich habe also deinen Beitrag es danach gelesen).
Viele Grüße
Sprotte
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Hallo Jörg,
ich sehe an dem Stück keine dunklen Quarze (was natürlich nichts heißen muß), wie sprotte ja auch anmerkt ist die Bestimmung von Geschieben ohne frischen Bruch ein Eiertanz der Leute die zu helfen versuchen (und wird vom Beitragsersteller hervorgerufen). Dass Quarze beim Kontakt mit anderen Gesteinen splittern ist übrigens nicht nur bei Alandquarzen so :) Die Korrosion der 1. Generation Quarze findet übrigens bei vielen Rapakivis +- deutlich statt. Nur werden dabei selten dunkle Minerale angelagert. Aber solche dunklen Säume (keine Zonierung) habe ich auf der Roten Insel (selten) auch schon gesehen.
Hallo Sprotte,
Rödö ist häufiger als man denkt... Allerdings machen typische Rödögesteine nur etwa 20% der im Geschiebe findbaren Rödögesteine aus. (Bei diesem Stück ist es in dem Zustand nicht zu erkennen wohin es gehört)
Und nun (wie eigentlich überall üblich):
einen schönen Abend noch euch beiden!
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Ich habe gestern im gleichen Gestein nochmal nach "ein oder mehreren grünlichen Plagioklas-Einsprenglingen" gesucht aber nichts gefunden. Was würde ich daraus erfahren?
Hallo Matthias,
Die Antwort hat Breker bereits teilweise gegeben (" ... die dunklen Ränder kommen von "verspeisten" mafischen Gesteinen. Bei Aland sind es Basalte, ..."). Gerade beim "Ringquarz-Porphyr" enthielt dieser Basalt große Plagioklas-Einsprenglinge, die natürlich nicht in jedem Geschiebe auftreten müssen (allerdings würde ihre Existenz die Herkunft des Geschiebes eindeutig klären, nämlich zu Gunsten der Aland-Inseln).
Viele Grüße
Sprotte
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Hallo,
ok, alles einigmaßen klar nun. Danke euch.
Gruß
Matthias