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Mineralien / Minerals / Minerales => Allg. Diskussionen Mineralien / General discussions minerals => Thema gestartet von: McSchuerf am 27 Dec 04, 07:42

Titel: Frage zu Strinkspat
Beitrag von: McSchuerf am 27 Dec 04, 07:42
Laut Definition ist Stinkspat ..

Zitat
Stinkspat ist ..

dunkelvioletter bis schwarzer Flußspat (Fluorit), der beim Anschlagen einen stechenden Ozongeruch verbreitet, verursacht durch radioaktive Strahlung die im Kristallgitter die Verbindung CaF2 in metallisches Calcium und Fluorgas aufspaltet. Das metallische Calcium lässt aufgrund der Undursichtigkeit den Stinkspat (Fluorit) schwarz erscheinen.

Bitte erklärt mir dann mal jemand, wie Ozongas entstehen kann, das ja bekantlich O3 ist?? Ich habe doch nach Aufspaltung, verursacht durch die radioaktive Strahlung, nur Calcium und Fluorgas..wo soll dann bitte das O3 entstehen..also da stimmt was nicht..bitte um Aufklärung. :-\... :)

http://www.geo.sbg.ac.at/projects/klimastudie/Luftschadstoffe.htm

..gut also geruchlos ist Ozon hiernach offenbar nicht ..bleibt aber noch die Entstehung im Stinkspat (??)
Titel: Re: Frage zu Strinkspat
Beitrag von: berthold am 27 Dec 04, 08:32
Hallo Peter,

Stinkspat, früher auch Antozonit genannt, verbreitet einen Ozon-ähnlichen Geruch. Der Zusammenhang von dunkelvioletter Farbe und Geruch wurde schon von C. F. SCHÖNBEIN (1861) geschildert, noch bevor das Element Fluor, das ja für den Geruch verantwortlich ist (durch Moissan 1886), entdeckt war. Vorher dachte man, es sei tatsächlich Ozon, doch - wie eine Literaturschau gezeicht hat - fanden sich die widesten Theorien.

Übrigens ist nicht jeder schwarze Fluorit gleich ein Stinkspat. Stinkspat ist nur die tiefschwarze, beim Anschlagen "stinkende" Fußspat-Variante. Der Geruch ist auf (natürliche) radioaktive Einstrahlung (teilweise Zerstörung des Kristallgitters) und das auf Schlag entweichende (stinkende) Fluor zurückzuführen. Die schwarze Farbe entsteht durch Kalzium-Kolloide.

Dass der Geruch Ozon-ähnlich ist wird auf die hohe chemische Reaktionsfähigkeit von Fluor (in der Luft) - ebenso wie bei Ozon - zurückgeführt.

Gruß

Berthold
Titel: Re: Frage zu Strinkspat
Beitrag von: uwe am 27 Dec 04, 13:52
Hallo Peter,

kristallisierter "schwarzer" Fluorit ist selten. Wo ist Deine abgebildete Stufe her ?

Glück Auf
Uwe
Titel: Re: Frage zu Strinkspat
Beitrag von: wolfilain am 27 Dec 04, 14:26
Hi
eine frage hätte ich dann noch

Wie sehr riecht der stinkspat nach ozon ??? (also wie stark stinkt er)

Ich hab einen schwarz-lila-derben klumpen der riecht nach ozon
aber nur sehr wenig.

Ich hab eine hochspannungs lampe und an der kann ich sauerstoff spalten und die riecht mehr.

Titel: Re: Frage zu Strinkspat
Beitrag von: berthold am 27 Dec 04, 14:52
Hallo,

Zitat
Wie sehr riecht der stinkspat nach ozon

schwer zu sagen. Es hängt von der Qualität des Stinkspats ab. An einem Schurf im Wölsendorfer Revier wird mir (übertage!) regelrecht übel, wenn ich größere Stunkspatbrocken zerklopfe. Verglichen mit einer Hochspannungs-Lampe (z.B. kenne ich das von sehr kräftigen KW-UV-Brennern) ist der Geruch von Stinkspat schon anders, beißender.

Den Geruch bekommt man übrigens auch beim schleifen, sägen usw.

Zitat
kristallisierter "schwarzer" Fluorit ist selten

Also, was Kristalle betrifft stimme ich zu. Ich vermute dass das gestörte Kristallitter keine großen Kristalle erlaubt, deswegen selten. Aber man muss natürlich bedenken, dass "Stinkspat" sozusagen grezenlos in normalen Fluorit übergeht. Alleine die schwarze Farbe, die schon durch sehr geringe Mengen von kolloidalem Kalzium verursacht sein kann, sagt nichts darüber, wieviel freies Flour da drinnen ist (und auf Schlag freiwerden kann). Auch könnte man sich Szenarien vorstellen, wo die radioaktive Bestrahlung erst nach der Kristallisation (von +/- großen Kristallen) eingesetzt hat.

Und noch etwas: Viele scheinbar homogen (schwarz/dunkelviolett) gefärbte Fluoritkristalle weisen einen ausgesprochen ausgeprägten Zonarbau auf, da wechseln sich helle Schichten mit dunklen Lagen. In der Summe erscheint so ein Kristall dann schwarz. Auch hier würde ich lieber nicht von Stinkspat sprechen.

Gruß

Berthold 
Titel: Re: Frage zu Strinkspat
Beitrag von: Alfred01 am 27 Dec 04, 17:58
Ja das ist interessant mit dem Stinkspat - ich war 1987 am Johannes-Schacht wo
ich mit einem Freund ein wenig herumklopfte - dort ist einmal kurzzeitig der
beißende Geruch aufgetreten - er erinnerte mich an Chlorgas.
Von den Fluoritstufen habe ich noch ein paar in der Sammlung, ich konnte jedoch
keinen Gasaustritt oder irgendwelche Veränderungen bemerken.
Das Gas tritt meiner Meinung nach erst beim Aufschlagen aus.
Grüße
ALFRED
Titel: Re: Frage zu Strinkspat
Beitrag von: berthold am 27 Dec 04, 20:49
Hallo,

...hab eben etwas ausführlicher zum Thema Stinkspat im Lexikon geschrieben.  :)

Gruß

Berthold

@Alfred Chlorgas, das ist nicht so weit weg...
Titel: Re: Frage zu Strinkspat
Beitrag von: McSchuerf am 27 Dec 04, 22:54
Hallo berthold,

das Zitat das ich eingangs brachte, stammt ja von Dir - aus dem Lexikon..

was mich irritiert hatte und noch irritiert ist, dass dort auch etwas von Ozon-Geruch steht..evtl. sollte man dann auch den Text in 'Ozon-ähnlicher Geruch' ändern, denn wie Du, berthold ja mitteiltest, ist es das Fluorgas und nicht O3, was den Geruch nun verursacht.
Alles andere (Färbung, etc.) hatte ich ja schon vorher begriffen (steht ja auch in dem Zitat)..mir ging es nur um das geruchsverursachende Gas.

@Uwe,
im Lexikon steht der Fundort zum schwarzen Fluorit drunter.
 unter Stinkspat zu finden: Kara Oba, Kasachstan

Gruß Peter
Titel: Re: Frage zu Strinkspat
Beitrag von: berthold am 27 Dec 04, 23:38
Hallo Peter,

nee, das Zitat stammt zwar aus dem Lexikon, aber nicht von mir  ;)  ist aber so schon richtig.

Zunächst: Fluor ist das reaktionsfreudigste aller Elemente. Wenn ich im Chemieunterricht richtig aufgepasst habe reagiert Wasser (Luft-Feuchtigkeit) mit F2:

H2O + F2 -> 1/202^ + 2HF

Taj, und was macht das halbe O2 ? Richtig, es bindet sich mit O2 zu O3 (=Ozon)

Genau dieser Sachverhalt war es, warum man zunächst Ozon im Stinkspat ("Antozonit") vermutete.

Alles klar ?

Gruß

Berthold

Titel: Re: Frage zu Strinkspat
Beitrag von: McSchuerf am 28 Dec 04, 06:40
Hallo berthold,

alles klar.. :)..danke Dir.

Gruß Peter
Titel: Re: Frage zu Strinkspat
Beitrag von: Reaktor am 28 Dec 04, 13:45
H2O + F2 -> 1/202^ + 2HF

Taj, und was macht das halbe O2 ? Richtig, es bindet sich mit O2 zu O3 (=Ozon)

Hallo Berthold so ganz stimmt das leider nicht. Das halbe O2 ist und bleibt Sauerstoff wie wir ihn alle kennen und der wird nicht ohne weiteres zu Ozon O3 reagieren, es gibt bloß die molare Menge an welche als Prudukt entsteht. Wenn man die Reaktionsgleichung anders ausgleicht sodaß keine Brüche rauskommen sieht man das vielleicht auch besser:
2H2O + 2F2 -> O2 + 4HF    100%ig ist diese Gleichung aber auch nicht da die Reaktion über Radikalketten abläuft und dann auch noch OF2 entsteht was das ganze etwas kompliziert macht.

Wenn man sagt das Fluor einen durchdringenden ozonartigen Geruch hat kommt das sicherlich hin - irgendwie muss man Gerüche ja beschreiben  ;D
Titel: Re: Frage zu Strinkspat
Beitrag von: berthold am 28 Dec 04, 15:09
Hallo Reaktor,

hmm, ich glaube ich lieg da schon richtig. Bedenke doch dass das Fluor in starker Verdünnung in der Luft zur Reaktion kommt (deswegen auch die un-multiplizierte Aufstellung). Ist doch unwahrscheinlich, dass sich ausgerechnet zwei O-Radikale treffen (und vorher an vielen O2 vorbeifliegen).  ;)

Gruß

Berthold

PS: In der Literatur wird davon gesprochen, dass der Fluor-Geruch nach wenigen Sekunden in Ozon-Geruch umschlägt.
Nachtrag (gegoogelt): siehe http://www.seilnacht.com/Lexikon/09Fluor.htm

Titel: Re: Frage zu Strinkspat
Beitrag von: McSchuerf am 28 Dec 04, 17:59
...jetzt ist es 'ozon'..ähh. wasserdicht!.. ;) ;D

ich kannte vorher auch nur die Geschichte mit den Kühlschränken, dem FCKW, das nach oben in die Atmosphäre steigt und wie es zur Zerstörung der Ozon-Schicht kommt bzw. O3 zu O wird - nach Abspaltung der O3-Moleküle... ;)..durch die agressiven Chlor- oder Fluormoleküle, etc..
Titel: Re: Frage zu Strinkspat
Beitrag von: Alfred01 am 15 Jan 05, 10:12
Zur Vervollständigung typische Stinkspatstufen aus dem
Wölsendorfer Revier, Johannes- und Marienschacht.
Nicht jeder dunkle Flussspat ist Stinkspat;
für ein sicheres Indiz halte ich die Anwesenheit der
Uranglimmer.
Titel: Re: Frage zu Strinkspat
Beitrag von: geomueller am 15 Jan 05, 12:04
Zur Vervollständigung typische Stinkspatstufen aus dem
Wölsendorfer Revier, Johannes- und Marienschacht.
Nicht jeder dunkle Flussspat ist Stinkspat;
ein sicheres Indiz ist die Anwesenheit der Uranmglimmer.

Hallo Alfred,

das das Vorhandensein von Uranglimmern ein sicheres Indiz für Stinkspat ist trifft vielleicht für den Stinkspat des Wölsendorfer Reviers zu, kann aber nicht so verallgemeinert werden. Im Bergbaurevier Hartenstein/Schlema/Alberoda tritt Stinkstat massenhaft auf aber nicht zusammen mit Uranglimmern. ;)

Gruß Jürgen (Geomueller)
Titel: Re: Frage zu Strinkspat
Beitrag von: berthold am 15 Jan 05, 12:35
Hallo,

ich seh das für das Wölsendorfer Revier ähnlich: Es gibt Stinpsat ohne Uranglimmer-Paragenese, es gibt aber auch Uranglimmer zusammen mit hellen und dunklen Fluoritkristallen (nicht jeder dunkle Flußspat ist Stinkspat!). Es ist schon so, dass in den Gängen, in denen primäre und sekundäre Uranmineralien vorkommen Stinkspat häufig ist, im Gegensatz zu den Uran-armen Gängen. Aber eine Regel für ein Handstück kann man da nicht draus machen, Wahrscheinlichkeit schon.

Gruß

Berthold
Titel: Re: Frage zu Strinkspat
Beitrag von: Alfred01 am 15 Jan 05, 20:30
Berthold, Geomüller - danke für die Information !
Bisher kannte ich nur Stinkspat vom Wölsendorfer Revier;
was meint Ihr zu dem Eingangsbild: ist das wirklich Stinkspat ?
Grüße
ALFRED
Titel: Re: Frage zu Strinkspat
Beitrag von: berthold am 15 Jan 05, 20:53
Hallo,

hmm, könnte man sicher feststellen wenn man mal draufhaut  :-\  Aber Spaß beiseite: Normalerweise haben Stinkspatkristalle (die ohnehin selten sind) eine rauhe Oberfläche (wegen des gestörten Kristallgiters ?). Ich hab mit mal meine Stinkspat-Oktaeder aus dem Revier angesehen - ohne Ausnahme matte, rauhe Oberfläche. Aber ob das anderswo auch so sein muss - keine Ahnung.

Gruß

Berthold
Titel: Re: Frage zu Strinkspat
Beitrag von: geomueller am 16 Jan 05, 19:15
Hallo,

also das mit der rauen Oberfläche kann ich bestätigen, im Revier Schlema/Hartenstein/Alberoda ist das auch so. Ich nehme auch an das das mit dem gestörtenKristallgitters zusammen hängt.

Jürgen
Titel: Re: Frage zu Strinkspat
Beitrag von: Alfred01 am 16 Jan 05, 19:33
Dazu noch ein Photo von Wolfi, das er in einem anderen Thread
bereits vorgestellt hat. Es zeigt einen weiteren Stinkspat aus
dem Wölsendorfer Revier - die Oberfläche ist wirklich "rauh".
Grüße
ALFRED
Titel: Re: Frage zu Strinkspat
Beitrag von: Alfred01 am 22 Jan 05, 10:18
Hier ein Granitbrocken vom Johannes-Schacht, der durchzogen ist
von kleinen Quarzadern - in deren Mitte befindet sich ein "Gang" von
einem dunklen violetten Fluorit. Der Granit und die Ader enthalten zahlreiche
gelb-grüne Flitter von Uranglimmern. Der Brocken ist nicht frisch
und muss wohl einige Zeit an der Oberfläche gelegen haben.
Gefunden habe ich ihn 1987, als die Autobahn gerade gebaut war
und die Fundstelle leicht zugänglich war. Solche Stücke waren damals
häufiger zu finden. Ob Stinkspat vorliegt, weiss ich nicht und um welchen
Uranglimmer es sich handeln könnte kann ich nicht mit Sicherheit sagen.
Interessant ist, dass der Granit schon etwas verwittert aussieht,
wodurch die kräftigen Farben des Uranglimmers und des Fluorits mehr zur Geltung kommen.
Titel: Re: Frage zu Strinkspat
Beitrag von: berthold am 22 Jan 05, 12:56
Hallo Alfred,

..da bin ich mir recht sicher, dass das Stinkspat ist. Jedoch ob es sich (noch) um Uranglimmer handelt, da habe ich leichte Zweifel. Wenn es Uranglimmer ist, dann (wegen der Farbe) Uranocircit (der müsste gut LW- fluoreszieren), auf jedem Fall muss sich eine deutliche Radioaktivität feststellen lassen. Die Verwitterung zersetzt jeden Uranglimmer schneller als den Fluorit und ich habe vielfach Stücke gesehen, wo statt des Uranglimmers ein gelbrünliches weiches, leichts speckiges, manchmal auch mit Schrumpfrissen durchzogenes Mineral (Notronit ?) an die Stelle des Uranminerals im Stinkspat getreten ist. Solche Stücke lassen sich übrigens auch heute noch problemlos (z.B. Rolandhalde) finden.

Gruß

Berthold