Mineralienatlas - Fossilienatlas
Mineralien / Minerals / Minerales => Fluoreszenz, Lumineszenz / Fluorescence, Luminescence => Thema gestartet von: skibbo am 30 Apr 12, 18:29
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Hallo,
mich beschäftigt gerade die Frage nach der gelben Fluoreszenz bei Calcit.
Bekannt (und auch im Mineralienportrait beschrieben) sind verschiedene Farbreaktionen von Calcit auf UV-Licht. Die häufigsten davon sind Rot sowie Hellgelb. Als Ursache für rote Fluoreszenz begegnet mir immer wieder "Mangan". Interessant hierbei finde ich, dass ab einer bestimmten Menge dieses Elements wiederum keine Fluoreszenz auftritt. Was allerdings ist die Ursache für die hellgelbe Fluoreszenz?
Beim Durchleuchten einiger Calcite ist mir aufgefallen, dass rot fluoreszierende Calcite meist aus Erzlagerstätten (Trepca, Cavnik, Huanzala, Dal'negorsk usw.) kommen, gelb fluoreszierende Kristalle eher in Verbindung mit kalkhaltigen Sedimenten (Winterberg, Kjorholt, Florida, chinesische Karste) entstanden sind. Hinzu kommt, dass Sinterbildungen ebenfalls gelbe Fluoreszenz zeigen können.
Calcite in vulkanischen Gesteinen zeigen sowohl gelbe (Juchem, Dekkan Trapp) als auch rote (Minas Gerais) Fluoreszenz.
Wer weiß mehr darüber? Antworten und/oder Literatur hierüber sind sehr willkommen.
Besten Gruß,
Stefan
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@ Stefan, ich Frage mal Mathias diesbezüglich, ok.
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Hi Ingo,
sehr gerne, denn das interessiert mich wirklich.
Grüß,
Stefan
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Hallo Stefan,
W. Lieber schreibt in "Leuchtende Kristalle" bei Calcit :
Seltene Erden, vor allem Dysprosium, verursachen orange Fluoreszenz.
M.f.G.
Milo
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Hi,
eine kurze Lit-Recherche lieferte 272 Treffer mit Calcite und Fluorescence :-)
Da ist einiges an Müll bei, z.B. Tibetansiche Volksmedizin udn Analyse per XRF...
MfG
Frank
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Hallo,
Was ist mit:
The luminescence of calcite
By Northup, M. Allen
From Rocks & Minerals (1940), 15, 147-58.
ein echt alter Schinken :-) Teilweise wurde beim querlesen die gelbe Lumineszenz mit Organika begründet.
MfG
Frank
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Hallo,
bei uns (Beckum) wird die Fluoreszenz (gelblich) durch Strontianit verursacht.
Nur mal so als Beispiel.
M.f.G.
Eddi
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Hi
Da hier das Stichwort Winterberg genannt wurde: Die Winterbergcalcite (also der Winterberg im Harz ;) ) Fluoreszieren nicht nur gelbgrün sondern zeigen auch eine mehr oder weniger ausgeprägte Phosphoreszenz. Grade die Sintercalcite phosphoreszieren recht stark. Eine optisch ähnliche Phosphoreszenz habe ich an bulgarischen und Amsdorfer Gipsen, beide aus Braunkohletagebauen, gesehen. Ich vermute schon länger, das hier organische Verbindungen für die Fluoreszenz/Phosphoreszenz verantwortlich sind.
Meine Beckumer Calcite (Quickmix-Bruch) fluoreszieren gar nicht, nur der Strontianit.
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Hallo,
es freut mich, dass dieses Thema so rege Beteiligung findet.
Gegen seltene Erden als Ursache würde sprechen, dass diese Fluoreszenz sehr häufig zu beobachten ist sowie bevorzugt in sedimentären Gesteinen und Sinterbildungen auftritt. Einige Kalksteine (darunter ein Stück aus Rüdersdorf) zeigen ebenfalls diese Fluoreszenz. Gleiches würde ich beim Strontianit behaupten wollen.
Organische Verbindungen als Ursache klingen plausibel, allerdings kann ich mir darunter nicht allzu viel vorstellen. Gerade wie diese im Kristallgitter Platz finden/eingebaut werden. Dafür reichen meine Chemie-Kenntnisse nicht aus (oder ich bin gerade zu müde um es mir vorstellen zu können ;)).
Der Aussage von Markus zu den Beckumer Calciten schließe ich mich an, bei mir ebenfalls nur der Stronitanit.
Besten Gruß,
Stefan
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Hallo,
wenn ich die Abstrakts (Plural so richtig?) richtig gelesen habe, in Form von Einschlüssen.
MfG
Frank
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Hallo!
Gelb fluoreszierende Calcite sind mir noch nicht untergekommen.
Aragonite als Sekundärbildung schon.
Da könnte durchaus auch der organische Einschluß eine Rolle spielen.
Kann es sich bei den erwähnten gelb fluoreszierenden Calciten auch um Sekundärbildungen handeln?
Gruß Jens
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Hallo Jens,
ich werde versuchen übers Wochenende ein paar Fotos zu machen und dann hier zeigen.
Besten Gruß,
Stefan
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Hallo.
Hier mal zwei Beispiele, welche dieses interessante Thema ergänzen sollen:
a) Calcit vom Nicodemusgang, Steinbruch ,,Glockenpöhl´´ bei Bösenbrunn / Vogtland:
1) Das erste Foto zeigt die etwa 4 cm breite Stufe mit Calcit** auf Dolomit** bei Tageslicht.
2) Im zweiten Bild ist die Stufe im langwelligen UV - Licht zu sehen. Hier in den meist vorherrschenden Rottönen.
b) Calcit vom Steinbruch Reimersgrün / Vogtland:
1) Bis zu 1,5 cm messende Calcitkristalle auf Dolomit bei Tageslicht. Auf diesen befinden sich kleine Dendriden von Manganmineralien.
2) Die selbe Stufe im langwelligen UV - Licht !
( Anmerkend ist noch hinzuzufügen, das in beiden Steinbrüchen Diabase abgebaut werden. )
Beste Grüße,
Harald.
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( Anmerkend ist noch hinzuzufügen, das in beiden Steinbrüchen Diabase abgebaut werden. )
[/quote]
Hallo!
Schöne Sache,daß die Reimersgrüner in gelb daherkommen.
Da ist natürlich auch wieder der Unterschied,daß in Bösenbrunn ein Gangsystem einer hydrothermalen Lagerstätte besteht,während in Reimersgrün eine Spaltenbildung vorherrschend ist.
Ich denke nicht,daß der Mangan da etwas zu bedeuten hat.
Meinen besten tiefdunkelrot leuchtenden Calcit habe ich übrigends im Grünauer Marmor gefunden.
Eine spontane Idee ohne Rückhalt wäre jetzt mal von mir noch der Abstand im Kristallgitter,da ja der Marmor in der Metamorphose starken Drücken ausgesetzt war.Hierdurch könnten doch durchaus auch die Kristalle gestaucht sein.Dadurch tiefrote Fluoreszenz.
Bei hydrothermaler Bildung in Verbindung mit vulkanischem Druck hellrot und bei normaler Kristallisation gelb.
Wie schon gesagt-spontane Idee jetzt mal.
Da müsste man schon mal mehr Vergleiche haben.
Gruß Jens
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Hallo,
das Kristallgitter sieht jetzt keinen Druck. Dadurch ist Calcit = Calcit.
Die Fluoreszenz ist abhängig vom "leuchtenden" Atom, dem Wirtsgitter und der Konzentration. Hohe Konzentrationen der Fremdatome können "quenchen" . Dann läuft die Rekombination der angeregten Zustände über andere Mechanismen.
Mfg
Frank
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Hallo,
beim Terlingua Calcit gibt es gelbe und blaue Fluoreszenz neben einander (Mindat 414633).
Beim Calcit von Brandberg, Namibia sehe ich von innen nach außen rote, grüne und gelbliche Fl., sonst rot, gelblich (z.B. Lavrio, Gr).
Gruß
Milo
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Hallo
Also meine Winterbergcalcite fluoreszieren definitiv nicht gelb, sondern gelbgrün. Ich glaube, die beschriebenen Farben sind zum großen Teil subjektiv. Meist ist die Fluoreszenz recht schwach, hinzu kommt eine Verfälschung durch die anregende UV-Lampe. Unter diesen Bedingungen halte ich eine korrekte Bezeichnung der Fluoreszenzfarben für besseres Raten, grade bei den angesprochenen gelb und gelbgrün.
Ich denke auch, das grade die Phosphoreszenz hinweise auf organische Verbindungen gibt. Ich bin da zwar auch kein Experte, aber in aromatischen Systemen, wie sie z.B. in Teer oder Bitumen vorkommen, wirkt die Fluoreszenz über die delokalisierten pi-Elektronen der Benzolringe. Vermutlich werden diese Verbindungen im Calcit eingeschlossen und können so zu der beobachteten Fluoreszenz/Phosphoreszenz betragen. Es ist jedoch nicht möglich, diese Sustanzen durch auflösen der Calcite zu isolieren bzw. die Fluoreszenz geht hierbei definitiv verloren. Möglicherweise ist es auch ein Zusammenspiel von Calcit und den org. Verbindungen. Ich würde das ja gerne mal näher untersuchen, aber ich habe weder die Möglichkeiten noch die Zeit dafür.
Desweiteren: "Seltene Erden" oder "Seltene Erd-Elemente" sind nicht wirklich selten, sie sind nur selten in "Erzen" angereichert. REE's findet man wirklich überall, wenn auch meist in kleinen Konzentrationen. Diese reichen aber oft völlig für Fluoreszenz aus.
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Hallo
Bei meinen fluoreszierenden Calciten finde ich rot und gelb. Die gelben sind aus den Jurakalken, jedoch fluoreszieren NUR diejenigen, welche spät aus den Sintervorgängen heraus entstanden sind. Dies spricht für organische Inhalte, die die Fluoreszenz hervorrufen. Stellt sich die Frage, ob es sich bei den gelb fluoreszierenden Calciten aus Juchem - meiner Beobachtung nach fluoresziert nur die letzten, skalenoedrisch auskristalisierten Habituse (letzte Bildungsphase). Dies könnte allenfalls als späte Einschwemmung interpretiert werden... aber Juchem ist nicht mein Stammgebiet...
Die Alpinen hydrothermalen Calcite fluoreszieren jeweils rot, anderes habe ich noch nicht gesehen. Begleitmineralien waren jeweils Titanoxide (alle drei Varianten)
Grüße
Christian